Frage von didl0312, 81

Hallo Zusammen Ich habe mir letztens eine Nikon d7200 gekauft mit einem 18-300mm f3.5 Objektiv und wollte nun wissen wie man am besten Sterne Fotografiert?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Airbus380, 39

Das ist ja fuer Sternenfotografie keine besonders optimale Kombination.

Du must die Kombi auf ein ordentliches Stativ stellen, die Spiegelvorausloesung einschalten, einen Fernausloeser benutzen, die unendlich Einstellung am Objektiv einstellen, eine Belichtungszeit von ca 15sec einstellen, die Blende ganz aufmachen. Dass du dir einen Standort weitab einer Stadt suchen must (z.B. Eifel) sollte dir klar sein. Dann musst du im manuellen Modus nur noch die passende ISO-Einstellung finden. "Versuch macht kluch". Ich wuerde mal mit ISO800 anfangen. 

Kommentar von Startrails ,

Blende ganz aufmachen? Dir ist bewusst, dass bei solchen f/3,5-Objektiven die Vignettierung stark zur Geltung kommt und dass das bei Sternenbildern nicht sehr ansehnlich ist? :-)

Kommentar von Airbus380 ,

Ist mir alles bewusst. Deshalb schrieb ich ja "keine besonders optimale Kombination". Aber wegen der Vignettierung abzublenden und mit den ISOs dann bei 6400 landen ist ja auch nicht erstrebenswert.

Kommentar von Startrails ,

Stimmt, 6.400 ist schon derbe, aber wenn es um Aufnahmen geht die im Bereich bis zu 15 sek liegen, kann ruhig mal mit ISO 3.200 experimentiert haben. Wenn ich auf der Jagd nach Meteoren bin, nutze ich selbst immer die Offenblende und ISO 3.200! Bei den später angefertigen Startrails fällt das dann sowieso überhaupt nicht mehr auf, besonders wenn noch einige Darks mit eingearbeitet werden :-)

Expertenantwort
von Startrails, Community-Experte für Sterne, 18

Hallo,

hier gibt es mehrere Faktoren zu berücksichtigen. Kamera einfach mal in den Himmel halten und abdrücken geht nach hinten los.

Unsere Erde rotiert und auf Fotos macht sich diese Bewegung stark bemerkbar. Beachte immer folgendes:

  • je größer die Brennweite, desto kürzer kann man belichten wenn Sterne punktförmig bleiben sollen
  • je länger die Belichtung, desto stärker macht sich die Erdrotation bemerkbar

Die Blende
Dieses Objektiv wird dir bei f/3,5 schon eine deutliche Vignettierung zeigen. Da kann man aber entgegenwirken wenn man 1-2 Stufen abblendet, also f/4 bzw. f/4,5.

Der ISO-Wert
Hier kannst du ruhig ein wenig experimentieren. Dank der digitalen Fotografie ist das ja kein Problem mehr. Je höher der ISO-Wert ist, desto stärker macht sich das Rauschen des Sensors bemerkbar. Fang einfach mal bei ISO 800 an und schau wie das Bild aussieht. Hält sich das Rauschen in Grenzen, kannst du den Wert erhöhen bis du der Meinung bist, dass das gemachte Bild nicht mehr ansehnlich ist. Ich bevorzuge meistens einen ISO-Wert von 800-1.600. Außer wenn ich versuche Sternschnuppen zu fotografieren, dann nutze ich ISO 3.200

Die Belichtungszeit
Es kommt drauf an in welche Richtung des Himmels du fotografierst. Sterne die sich näher am Himmelsäquator befinden, zeigen dir wesentlich schneller Striche als Sterne die sich nahe des Himmelspols befinden bei gleicher Belichtungszeit. Sollen die Sterne punktförmig bleiben, würde ich in Äquatornähe nicht länger als 15 sek belichten.

Der Aufnahmemodus
Die Kamera sollte im manuellen Modus verwendet werden - ISO, Blende, Belichtungszeit etc. bestimmst du und nicht die Automatik der Kamera.

Der Weißabgleich
Wähle eine Farbtemperatur von 3.200 K. Bei anderen Einstellungen erhältst du komische Farben vom Himmel auf deinen Bildern - primär gehen die ins Rote.

Das Format
Mach deine Fotos im Format RAW. So hast du später bei der Bearbeitung mehr Spiel wenn es um die Farben etc. geht. Fertigst du im JPG-Format an, wird das Bild schon zu sehr von vornherein verhunzt durch die Komprimierung.

Die Rotation der Erde kann man aber durch entsprechende Montierungen ausgleichen. Hier kannst du entweder auf eine normale motorisierte astronomische Montierung zurückgreifen oder du wählst eine kleinere Variante in Form einer Reisemontierung oder du baust dir selbst was - Stichwort "Barndoor".

Damit du keine verwackelten Bilder erhältst, ist ein Stativ Pflicht. Noch besser wäre es sogar wenn da noch ein Fernauslöser hinzukommt. Ich selbst nutze einen programmierbaren Timer mit dem ich verschiedene Aufnahmezeiten erstellen kann.

Bessere Bilder vom nächtlichen Himmel erhält man wenn man mehrere Aufnahmen macht und diese später am PC zusammenfügt. Beispiele für kostenlose Programme hier wären DSS (Deepsky-Stacker) oder FitsWork. Außerdem kannst du neben den normalen Aufnahmen auch noch Darks anfertigen. Diese verringern das Sensorrauschen am fertigen Bild enorm.

Antwort
von althaus, 52

Ich glaube kaum, daß Dein Objektiv bei 300mm noch eine Lichtstärke von F3,5 hat. Das wäre dann sehr hochwertig und würde mehrere Tausend Euro kosten. Daher hat das Objektiv bei einer Brennweite von 18mm F3,5 und bei einer Brennweite von 300mm noch eine Lichtstärke von F5,6 oder F6,3. Das ist ziemlich schlecht und für Nachtaufnahmen kaum geeignet. Denn da brauchts Du eher ein F2,8. Aber versuchen kann man es ja. Dazu brauchst Du ein Stativ und eine ziemlich lange Belichtungszeit von ca. 20 bis 30 Sekunden. Dazu darf die Kamera nicht bewegt werden, sonst verwackeln die Bilder. Eine so lange Belichtungszeit kann man einstellen. Aber schon das Drücken des Auslösers kann zu Bewegungsunschärfe führen, daher solltest Du den Zeitauslöser von 2 Sekunden oder eher von 10 Sekunden nutzen. Dann sollte es funktionieren. Sollte das Obketiv nicht automatisch fokussieren, dann musst Du manuell fokussieren. Viel Glück. 

Kommentar von didl0312 ,

Ja klar, bei 300mm hat es nur noch F6.3  Habe ich falsch formuliert. Ich werde es nächstens mal ausprobieren.

Vielen Dank für deine Antwort

Kommentar von migebuff ,

Spielt aber keine Rolle, da 300mm ohne Nachführung sowieso sinnlos für solche Aufnahmen sind. Die halbe Blendenstufe von 2,8 auf 3,5 macht auch keinen weltbewegenden Unterschied, dann nimmt man halb ISO 1600 statt ISO 1000.

Antwort
von azervo, 44

Das wird eher ein Sternenhimmel... 300 mm reicht nicht für einzelne Sterne. Für einzelne Sterne braucht es ein Telescop.

Du brauchst auch ein Stativ ... und dann machst Du einfach ein paar Versuchsaufnahmen mit offener Blende und langer Belichtungszeit ... das kostet ja praktisch nichts und dabei findest Du dann die beste Einstellung.

Antwort
von TikayLa, 51

Langzeitbelichtung..aber nicht mehr wie 20-30 Sekunden da sonst wieder unscharf wegen Bewegung

Kommentar von althaus ,

Um Unscharfe zu vermeiden reicht ein Stativ. Damit kann man auch länger belichten. 

Kommentar von TikayLa ,

Mit der Erddrehung verschieben sich auch die Sterne. Ab 20-30 Sekunden Belichtung können die Sterne durch die Bewegung bereits unscharf werden und einen Schweif ziehen. Die Blende muss also so eingestellt werden, dass wir genug Schärfentiefe haben, aber gleichzeitig so weit offen sein, dass die Belichtungszeit nicht über 30 Sekunden zu liegen kommt. 

Kommentar von althaus ,

Klar doch, die Erddrehung habe ich nicht berücksichtigt. Ich denke aber man kann das vernachlässigen. 

Kommentar von Airbus380 ,

Kann man eben nicht. Dafuer gibt es ja einfache bis sehr aufwaendige Nachfuehrmechaniken.

Kommentar von Startrails ,

Von "nicht berücksichtigen" würde ich hier nicht sprechen. Sterne die sich in der Nähe des Himmelsäquators befinden, zeigen bereits nach nur 20 sek Belichtung eine deutliche Eigenbewegung auf. Anders sieht das bei Sternen in Nähe des Himmelspols aus. Da machen sich 20 sek nicht wirklich bemerkbar.

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