Frage von Schneeburg82, 78

Hallo Zusammen, eine Freundin macht Psychotherapie (gesetzlich vers.) und hat einen Termin kurzzeitig abgesagt. Nun Hat sie Rechung von 80€ bekommen, rechtens?

Sie hat zu Beginn der Therapie nichts gesonderdes unterschrieben, keine AGB, Behandlungsvertrag usw. Nur den Antrag auf Psychotherapie bei der Krankenkasse. 80€ finde ich extrem viel, so viel bekommt die Therapeutin sicherlich nicht von der gesetzlichen Krankenkasse oder? wenn sie nur 35h pro Woche artbeitet dann wären das 11.200€ Brutto im Monat. So viel verdient nicht mal ein Hausarzt! Was meint ihr? Wie soll sie weiter vorhehen? Die Freundin ist nicht arm, muss aber mit ihrem Geld haushalten. Die Hälfte fände sie selbst ok weil sie kurzfristig (kleiner 24h) abgesagt hat, 80€ sind ihr deutlich zu viel.

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Antwort
von Dahika, 43

Das ist rechtens.


wenn sie nur 35h pro Woche artbeitet dann wären das 11.200€ Brutto im Monat

das ist eine MIlchmädchenrechnung. Kein Therapeut arbeitet 35 Stunden in der Woche mit dem Patienten. DA würde man ja "verrückt." Die Arbeit besteht aus Gutachten schreiben, aus allgemeiner Büroarbeit, aus Supervisionssitzungen, Telefonaten, Verfassen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen - allesamt "unbezahlt." Bzw. das alles geht in den Preis von 85 Euro/Stunde ein. Du kannst also nicht eine Therapiestunde mal 35 rechnen. Es kann vorkommen, dass ein Therapeut mal 8 Leute am Tag sieht, aber nicht jeden Tag. Das geht gar nicht. Ich schätze im Durchschnitt ist er mit 5 Patienten am Tag dabei.

Aber gut, es gibt einen netten Witz, der das verdeutlicht:


ein junger Psychoanalytiker, neu im Beruf, ist am Tagesende, obwohl er nur zwei Patienten sieht, völlig fertig vor Erschöpfung. Im Aufzug begegnet er einem Kollegen, der auch Psychotherapie macht. Der ist gut gelaunt und munter und schwingt schon mal seinen Golfschläger. Der junge Therapeut fragt: "Darf ich Sie mal fragen, wieviele Patienten Sie so am Tag haben?"

"Neun," meint der ältere Kollege munter.

"Neun?" ruft der junge Therapeut. Und dann sind Sie so gut gelaunt und entspannt?  Wie machen sie das, neun Leuten am Tag zuzuhören."

Der ältere Kollege lacht und sagt: "Ja, wer hört denn zu?


Kommentar von Schneeburg82 ,

das wären dann immer noch 8000€ wenn sie nur 5 Kunden am Tag hat für reines faules zuhören und ein paar Hilfen geben. Sorry aber der Stundenlohn ist nicht gerechtfertigt. Und die Aussage mit Miete usw. ebenso nicht. Was soll da eine Frisöse oder eine Erzieherin sagen die täglich 8h rackert und sich den Arsch aufreißt und mit 2000€ brutto nach Hause geht? Auch diese muss Miete, Essen usw bezahlen und will irgendwann mal Familie..... Zum Thema Studium: 8000€ verdienen die aller wenigsten so leicht. Da hilft auch kein Top Studium

Kommentar von muschmuschiii ,

Deine äußerst dümmliche Antwort zeigt, das du entweder nicht lesen oder nicht verstehen kannst oder willst:

1. Die Arbeit eines Psychotherapeuten als "faules Zuhören" zu bezeichnen, ist eine absolute Frechheit ..... es gibt Menschen, die arbeiten mit den Fähigkeiten ihres Verstandes (und haben daher nach dem Abi oft etliche Jahre studiert), andere haben eine geringere Schulbildung und eine Lehre absolviert, wie deine besagte "Frisöse": beide sind für eine Gesellschaft wichtig, aber für dich scheint ja nur das "Rumrödeln" Arbeit zu sein, alle anderen sind ja in deinen Augen FAUL .......

2. Es geht um die Miete eines BÜROS und nicht um die Miete einer Wohnung, die wohl jeder zu bezahlen hat.

3. Seit wann arbeiten Erzieherinnen und Friseurinnen ohne eigenes Geschäft SELBSTSTÄNDIG? Du vergleichst einen Bruttoverdienst einer Angestellten mit dem UMSATZ  eines Selbstständigen ......

Wie schon gesagt: von fast nichts eine Ahnung, aber dafür die große Kl*ppe!

Kommentar von schloh80 ,

Es ist kein Stundenlohn. Den bekommen Angestellte.

Außerdem ist es ein Honorar, das zahlreiche andere Leistungen einschließt. 30 Patienten / Woche entspricht einer Arbeitszeit von mind. 50 Zeitstunden / Woche, hier sind aber teilweise lange Anfahrtszeiten z.B. zur Supervision nicht mitgerechnet (es arbeitet ja nicht jeder in der Großstadt, wo die Supervisoren sitzen) es gibt, zum Glück, auch Praxen auf dem Land).

Hinzu kommt, dass nicht alle Gespräche als genehmigungspflichtige Leistungen abgerechnet werden können. Diese machen im Schnitt nämlich nur 50% der Honorareinnahmen aus.

Von den Honorareinnnahmen bleiben nach KBV Statistik im Durchschnitt 23,5% übrig, halt nach Abzug aller direkter Praxiskosten und indirekter Praxiskosten (Verwaltung, z.B. auch zzgl. Softwarelizenzen für die Abrechnung mit der KV usw.) , Pflichtbeiträge zu Kammer- und Versorgungswerk, Kranken- und Pflegeversicherung als Freiberufler, Kranken- und Krankentagegeldversicherung und sonst notw. Absicherung für Verdienstausfall bei Krankheiten, Brand der Praxis usw. , sonst. beruflicher Versicherungen etc. pp., dazu Weiterbildung, Supervision (zwischen 90 und 120 EUR / 45 min.) uvm.

Hinzu kommt natürlich Verdienstausfall bei eigener kürzerer Erkrankung, Weiterbildung (hier muss man sich ggf. frei nehmen) und natürlich auch der eigene Urlaub, in dem ja auch kein Geld verdient wird. 

Bei jüngeren Kollegen, die nach 1999 ohne Übergangsregelung die Ausbildung absolviert haben, in der Regel noch mind. die Schulden der Ausbildung (meist ein KfW Kredit - Höhe hängt vom Verfahren ab: Verhaltenstherapeuten meist so 20.000 EUR, Tiefenpsychologen ca. 30.000 EUR, Analytiker >200.000 EUR!) plus der Kredit bei der Ärzte- u. Apothekerbank für den Kauf der Kassenzulassung.

Und das alles unter der Situation, dass z.B. Steuerberater, Rechtsanwälte, sonst. Ärzte und teilweise auch Handwerker für so einen Verdienst nicht arbeiten würden, schon gar nicht mit dem notwendigen persönlichen und finanziellen Aufwand, auch gerade die Ausbildung betreffend.


Und ganz nebenbei: wenn das nur faules Zuhören ist, dann ist die Lösung einfach: das Honorar nicht bezahlen und nicht mehr hingehen. Faule Zuhörer findet man in jedem Cafe. 

Oder andersherum: jemand, der nur erzählt, aber nicht nach der Therapie hart arbeitet, sollte anderen Menschen mangels Therapieplätzen diesen Platz doch bitte motivierten Menschen überlassen.

Antwort
von muschmuschiii, 45

Ein Psychotherapeut hat genauso studiert wie dein "Hausarzt" und hat meistens noch diverse Weiterbildungen absolvieren dürfen.

Niemand wird 35 Stunden pro Woche andauernd kostenpflichtige Gesprächstermine haben: es muss ja auch noch Vor- und Nacharbeit der Therapiestunden erledigt werden und noch jede Menge Büroarbeit .....

Der Psychotherapeut arbeitet selbstständig: er braucht ein Büro, muss sich selbst krankenversichern, für seine Rente vorsorgen, Steuern zahlen ......und kann nicht mal eben, wie ein Hausarzt, einfach den nächsten Patienten drannehmen, weil in dem Bereich nur mit Terminen gearbeitet wird. Es wurde deiner Freundin der Verdienstausfall berechnet, was absolut ok ist.

Jede lächerliche Autowerkstatt nimmt mehr als 80 Euro "Arbeitslohn" pro Stunde:

Willkommen im realen Leben!

Antwort
von Kapodaster, 49

Wenn deine Freundin so kurzfrsitig abgesgt hat, darf ihr die Therapeutin ein Ausfallhonorar in Rechnung stellen. Und ja, auch die Höhe ist korrekt.

Esist immer wieder überraschend, welche Vorstellungen über Kosten und Zeiteinteilung von Freiberuflern existieren. Wenn die Therapeutin früher von der Absage erfährt, kann sie den Termin noch kurzfristig für einen anderen Klienten verwenden. Das ist bei einer Absage weniger als 24 Stunden vorher nicht mehr möglich.

Das mit dem Behandlungsvertrag solltet Ihr noch mal prüfen...

Antwort
von schloh80, 35

Ja. Es gilt auch ohne "AGB" §615 BGB.

80 EUR ist nach der Neustrukturierung der Vergütung von genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistungen durch den G-BA m.M. auch angemessen.

Antwort
von Caila, 48

Die Therapeutin kann durchaus dieses Honorar verlangen. Auch wenn deine Freundin nichts unterschrieben hat.  Ein Behandlungsvertrag kann auch mündlich erfolgen. 

Das ist dann ein sogenanntes Ausfallhonorar. Deshalb Termine, gerade exclusive Termine immer 48 Stunden vorher absagen wenn man nicht kann.

Antwort
von Wonnepoppen, 57

mir ging das mal so mit der Physiotherapie, ich mußte zwar nichts zahlen, aber der Termin wurde einfach so abgerechnet, als wenn ich ihn wahr genommen hätte, die Krankenkasse meinte, das käme auf die jeweilige Praxis an, machen kann ich nichts dagegen. 

Viele verlangen, daß man mindestens 24 -Std, vorher absagt, ob das möglich ist, oder nicht!

Kommentar von schloh80 ,

Zumindest bei Psychotherapie ist das nicht zulässig. Den Krankenkassen ist es gelungen, Ausfälle auf Patientenseite den Therapeuten als Honorarverlust aufzudrücken; daher auch eine Regelung, dass vereinbarte Termine, die zu kurzfristig abgesagt und nicht anderweitig vergeben werden können, dem Patienten angemessen privat in Rechnung gestellt werden.

Antwort
von Harald2000, 43

Ausfallhonorar ist OK - aber nicht unbedingt der Höhe nach - und sollte auch vorher bekannt sein.

Kommentar von schloh80 ,

Es gab eine Neustrukturierung der Honorierung psychotherapeutischer Leistungen. Dadurch ist der Ausfall bei nicht wahrgenommenen genehmigungspflichtigen Leistungen stark gestiegen. Insofern sind die 80 EUR für eine zu kurzfristig abgesagte genehmigungspflichtige Leistung absolut angemessen. Falls es eine nicht genehmigunspflichtige Stunde war (also i.d.R. eine probatorische Sitzung vor oder eine Gesprächsziffer zwischen der Beantragung) sicher nicht.

Kommentar von Harald2000 ,

Dürfte meist zum Abbruch der Therapie führen.

Kommentar von schloh80 ,

Das stimmt, hat aber meist etwas mit der Therapiemotivation zu tun, als mit dem Honorar selbst.

Abhilfe könnte eine, wie auch von Psychotherapieforschern vorgeschlagen, generelle einkommensabhängige angemessene Zuzahlung schaffen. Das würde viele Abbrüche laufender Behandlungen verhindern (Erfahrungswerte liegen ja aus Zeiten des Delegationsverfahren (also vor 1999) vor, da es dort Zuzahlungen gab). 

Dass gesetzlich Versicherte (im Ggs. zu Privatpatienten) die Verantwortung für ihre Therapie gefühlt komplett abgeben können (All-Inklusiv-Mentalität) ist nicht gut.

Kommentar von Harald2000 ,

Interessant; bei Zuzahlung wiederum - wie schon bei der Praxisgebühr zu sehen war - fallen auch ganze Patientengruppen heraus (Harzer, Migranten, Heimkinder etc.).

Kommentar von schloh80 ,

Würde das wie im Delegationsverfahren gehandhabt, eben nicht. 

Kommentar von Harald2000 ,

An Zuzahlungen im Del´ verf. kann ich mich aber nicht erinnern.

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