Frage von Josiiii56, 76

hallo wie ich schon geschrieben habe ist vor kurzem eine Bewohnerin im Altenheim ganz plötzlich verstorben?

ich habe gemerkt das mir das doch sehr zu schaffen macht ich vermisse sie wirklich sehr ..wie gehe ich jetzt am besten damit um .. zu mir : ich mache eine Ausbildung zur Altenpflegerin und das war meine erste Erfahrung damit.Ich stand der Bewohnerin wirklich sehr nah und habe eine Bindung zu ihr aufgebaut

Antwort
von Pescatori, 19

Du bist jung und hältst Dich vermutlich noch für „unerfahren“.

Aber jetzt hast Du doch eine der wichtigsten Erfahrungen im Leben gemacht!

Natürlich stehst Du nun auch vor einer gewaltigen Herausforderung in Deinem gewählten  Beruf. „Erfahrene“ Altenpflegerinnen werden Dir vielleicht raten, schnell zur Tagesordnung über zu gehen, Dich nicht von Deinem Erleben zu stark beeindrucken zu lassen. Denn das könnte Deine Professionalität als Altenpflegerin einschränken und Dich gar in eine seelische Krise stürzen.

Sicher bestehen diese Gefahren. Aber ihnen durch „seelische Abhärtung“ zu begegnen, halte ich für verhängnisvoll.

Nach der Geburt ist der Tod doch das wichtigste Ereignis in unserem Leben. Und wenn wir einen Menschen im Sterben begleiten – auch wenn es seltsam klingt – begegnen wir auch der einzigen unumstößlichen Gewissheit in unserem Leben – unserem eigenem Sterben, unserem eigenen Tod.

Die fürchterliche Überlastung der meisten  Altenpflegerinnen und Altenpfleger führt leider oft dazu, dass ein sterbender und ein gestorbener Mensch zu einem
lästigen Objekt wird, das möglichst rasch entsorgt werden muss.

Du solltest Dein Erleben –so denke ich – sehr ernst nehmen. In Deiner Jugend hast Du die Kraft selbst herauszufinden, was verändert werden muss, wann Du Zeit brauchst, um den Abschied von einem vertrauten Menschen mit
liebevoller Anteilnahme gestalten zu können.

Vielleicht hast Du mal Gelegenheit die Arbeit in einem Hospiz kennenzulernen.

Vielleicht ist es für Dich auch hilfreich, wenn Du Dich mit den verschiedensten Vorstellungen über Sterben und Tod befasst, um leichter herauzufinden, wie Du in Deinem Beruf und Deinem Leben damit umgehen willst.

Ich wünsche Dir ein starkes, sicheres Gefühl für das, was in Deinem wichtigen, sehr anspruchsvollen Beruf notwendig ist -

und dass Dein sicheres Gefühl auch den Weg ins Handeln findet.  

Antwort
von Rosalielife, 15

Du bist ein mitfühlender Mensch und durch den jähen Tod betroffen. Wenngleich dieser Mensch auch alt war, du mochtest ihn, du hast dich nicht nur pflichtgemäss gekümmert. Wohin jetzt mit den Fragen, den Gefühlen und der aufkommenden Angst, denn jeder Tod erinnert einen selbst egal in welchem Lebensabschnitt an den unvermeidlich eigenen?

du wirst einen Beruf haben, in dem du mit dem Versterben rechnen und damit umgehen lernen musst. Auf ganz besondere Weise musst du dich damit auseinandersetzen. Manche alten Menschen sprechen sehr oft davon, dass sie sterben wollen und nicht dürfen, andere zeigen Panik davor und brauchen Trost und die Bettlägerigen, die nichts mehr anderes kennen als Gefüttertwerden und Liegen, denen wünscht man selbst ein sanftes Einschlafen für immer.

was kennst du für Literatur? Ich empfehle dir Elisabeth Kübler - Ross. Sie schreibt einfühlsam und man wird irgendwie ruhiger, ja, manches ist sogar zum Schmunzeln.

Bist du religiös, suche Kontakt zu anderen Gläubigen und sprich über deine Fragen und Gefühle. Wie geht es deinen Mitschülern damit?

ich durfte einmal in einem Hospiz sein und hab gestaunt, wie unbefangen die Menschen dort waren, wie fröhlich und bunt die Räume, wie die Angehörigen herumliefen, kochten, sangen und mittendrin die schwer kranken Menschen, ebenfalls lächelnd oder in einem entspannten Zustand dabei im Alltag und diesen wahrnehmend als Geschenk des Lebens.

Den Tod feiern wie eine Geburt? das tun manche Naturvölker, sie tanzen um das Grab und geben Geschenke mit, bedanken sich und sprechen gute wünsche aus für die angetretene Reise.

du musst den Weg finden, der zu dir passt. erinnere dich in Liebe an diesen wichtigen Menschen, denn er hat dir etwas hinterlassen, das für dich wichtig sein wird, an das du dich erinnern wirst, worüber du dich freuen darfst und davon erzählen.

Weine und stelle Fragen, zieh dich zurück, nimm dir Zeit zum Trauern neben deinem weitergehenden Leben, das dir Lachen und Erlebnisse bringt, wie zuvor.

Antwort
von precursor, 32

Im Prinzip hast du gar keine andere Wahl als dein eigenes Leben weiter zu leben.

Du kannst eventuell daraus Kraft schöpfen, indem du dir selber sagst, dass du für diesen Menschen alles getan hast, was an deinem Arbeitsplatz möglich war.

Ich kenne keinen der immer älter und älter und älter werden will, und körperlich / geistig immer schwächer werden will, und immer mehr Krankheiten bekommen will, und für immer und ewig so weiterleben will.

Antwort
von AlienFactory, 27

Das solltest du so schnell wie möglich ablegen, weil du sonst psychisch zugrunde gehst.
Es ist dein Job, alten Menschen zu helfen, aber wenn sie sterben, gehört das nunmal dazu.

Ein Polizist, oder ein Soldat darf sich auch keine Vorwürfe machen, wenn er im Einsatz einen Menschen erschiesst.

Antwort
von Realisti, 29

Meine beste Freundin ist auch Altenpflegerin. Ich bewundere immer, wie sie das abtrennen kann. Das ist glaube ich eine Charakterfrage oder eine Sache der Gewohnheit, die man lernen muss, sonst geht man dabei vor die Hunde.

Hast du diese Frage schon deine älteren Kolleginnen oder deinem Ausbilder gestellt?

Kommentar von Josiiii56 ,

nein , aber danke für die Frage ich werde es bald mal Ansprechen :)

Antwort
von PKSSDI, 44

So hart wie das klingt: Du musst schnell lernen, hier ein persönliche Barriere aufzubauen. In deinem (zukünftigen) Job wird das oft passieren.

Ansonsten: Rede mit einer Vertrauensperson und schildere dein Problem. Und denke an die schönen Zeiten, die ihr hattet.

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