Frage von MariePa1902, 64

Hallo, warum sollen Pferde eigentlich in Anlehung oder Rund geritten werden?

Antwort
von Isildur, 26

Jedes Pferd ist von Natur aus schief und läuft mehr oder
weniger auf der Vorhand. Ohne zusätzliches Gewicht auf dem Rücken macht das auch überhaupt nichts aus. Pferde in freier Wildbahn dümpeln aber weit über der Hälfte des Tages mit dem Kopf im Gras herum. Die obere Verspannung* kann arbeiten, der Rücken ist angehoben und frei von Gewicht.

Wenn wir uns auf den Rücken setzen, bringen wir das
Gleichgewicht gehörig durcheinander. Es kommt noch mehr Gewicht auf die
Vorhand, der Rücken wird belastet und das Pferd muss lernen mit diesem
zusätzlichen Faktor umzugehen.

Wenn das Pferd nicht spätestens jetzt lernt spurig zu laufen
und Gewicht auf die HH aufzunehmen wird es seinen Rücken nicht aufwölben können und versuchen den Reiter über den Rückenmuskel zu tragen. Der Rückenmuskel des Pferdes verläuft von vorne nach hinten, das Gewicht wirkt aber von oben nach unten. Ein Muskel kann nicht entgegen seiner Faserrichtung arbeiten, er müsste also verkrampfen um das Gewicht zu tragen. Außerdem ist seine Aufgabe eigentlich eine ganz andere, er ist z.B. mit für die Bewegung der Vordergliedmaßen
verantwortlich. Auch die Bauchmuskulatur des Pferdes kann das Reitergewicht nicht tragen, zum einen zieht sie die hinteren Gliedmaßen des Pferdes unter den Körper, zum anderen fungiert sie als „Hängematte“ für die inneren Organe.

Womit trägt uns das Pferd?

Dafür sollte im Idealfall die *obere Verspannung genutzt
werden. Sie besteht aus einem Bänder/Sehnen/Fazienapparat, der vom
Hinterhauptsbein zum Widerrist verläuft (Nackenband) und vom Widerrist bis hin zum „Schweif“. Wenn das Pferd die Kopf/Halsposition nach Vorwärts-Abwärts streckt, wird das Nackenband gespannt, dies führt dazu das die Dornfortsätze des Widerrist nach vorne gezogen werden und das Rückenband gespannt wird. Dieses hebt den Rücken an und der Rückenmuskel kann frei arbeiten. Unser Pferd geht „über den
Rücken“.  Nun werdet ihr zu Recht sagen,  „Ja, aber man reiter doch nicht die ganze Zeit in Dehnungshaltung“. Nö, macht man nicht. Netterweise hat das Pferd Oberhalsmuskulatur, diese kann ebenfalls dazu genutzt werden, die Dornfortsätze nach vorne zu ziehen und die obere Verspannung aufrecht zu erhalten. Natürlich muss diese erst langsam trainiert werden. Ziehe ich meinem Pferd via Hilfszügel oder Kraftreiterei den Kopf in die gewünschte Position, erzeuge ich auf Dauer Schmerzen. Überanstrengte Muskeln tun weh! Von außen sieht es zwar nett aus,hat mit der eigentlichen Beizäumung nicht viel zu tun.

Gymnastizierung hilft uns, dass Pferd so auszubilden, dass es
von unserem Vergnügen keinen Schaden zieht. Dabei ist die Sparte und die
Ausrüstung egal. Dressur kann ich auf dem Viereck, in der Halle im Gelände, auf´der O-Bahn oder im Roundpen üben. Und mit einem Quarter, wie mit einem Isi oder einem Spanier.

Das ist eine grobe, und vereinfachte Darstellung, die dir hoffentlich ein wenig weiter hilft.

Zusammengetragen aus:

Der Finger in der Wunde

HdV 12

wege-zum-pferd

equimondi

herzenspferd

Kommentar von MariePa1902 ,

Super, danke!

Antwort
von Dahika, 13

Stell dir vor, du machst eine mehrtägige Wanderung mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken. Ich kann dann nur hoffen, dass der Wanderführer dir gezeigt hat, wie du den Rucksack richtig tragen musst. Zu Anfang ist das vielleicht ungewohnt und du würdest gerne in deine alten Gewohnheiten zurückfallen, weil die bequemer zu sein scheinen.

Aber am Abend auf der Hütte wirst du deinem Wanderführer dankbar sein.

Eine ähnliche Verpflichtung wie der Wanderführer hast du deinem Pferd gegenüber. Wenn du es nicht korrekt "über den Rücken" reitest, bist du wie der Rucksack ein totes Gewicht und machst "aua Rücken"

Ich bemühe mich, auch im Gelände mein Pferd im Trab und Galopp immer in Anlehnung zu reiten. Auch aus egoistischen Motiven, denn mittlerweile finde ich das Gefühl, wenn mein Pferd nicht über den Rücken läuft, richtig ekelhaft. Unbequem, hart. Im Schritt im Gelände fordere ich die Anlehnung allerdings selten. Nur zwischendurch mal zur Gymnastizierung.

 

Antwort
von PurpleplumV, 39

Ich meine, das hat damit zu tun dass das Pferd so leichter das Gleichgewicht und den Takt unter dem Reiter finden kann & der Ritt dann dür beide angenehmer ist. Ganz so sicher bin ich mir nicht, lies besser hier nach: http://www.tipps-zum-pferd.de/dressur-was-ist-anlehnung_tipp_69.html#So_hilft_di...

Liebe Grüße! :) Violet 🌸

Antwort
von lolihollerhop92, 32

Damit das nicht so auf den Rücken geht aber wie du reitest ist deine sache ich bin mehr so für Western und Freizeit das tut dem pferd am besten lg

Kommentar von Viowow ,

auf der vorhand rumschlurfen ist genauso schädlich, wie alles andere was so verschrien wird....

Kommentar von Dahika ,

auch ein Western-Freizeitpferd sollte anständig über den Rücken laufen.

Kommentar von sukueh ,

Ich bin nicht der Meinung, dass es "Sache des Reiters" ist, wie er reitet - schließlich dient gutes und korrektes Reiten sowohl der Gesundheit des Pferdes als auch dem Spaß des Pferdes am Geritten werden.

Ich finde den Ausdruck "Freizeitreiter" im Sinne einer eigenständigen Reitweise ganz furchtbar. Jeder Reiter, der mit der Reiterei kein Geld verdient, ist ein Freizeitreiter, weil er sein Hobby nur in seiner Freizeit ausübt. Es enthebt einen aber meiner Meinung nach nicht, sich darum zu bemühen, ein korrekt laufendes Pferd zu haben. Ein korrekt laufendes Pferd erhält man aber nur in Kombination eines entsprechend ausgebildeten Pferdes und Reiters!

Sich von einem auf der Vorhand herumschlurfenden Pferd spazieren tragen zu lassen, ist meiner Meinung nach das Ausnutzen einer gutmütigen Spezies. Was man davon hat, kann man ja dann in den ganzen Pferdeforen im I-Net nachlesen, wenn über Rittigkeitsprobleme oder Gesundheitsschäden geschrieben wird. Und ist auch Grund dafür, warum so viele Pferde nicht mehr bis in ein höheres Alter geritten werden können, sondern einfach "platt" sind....

Korrekt reiten zu lernen ist wahnsinnig schwer - aber ich finde, dass sind wir den Tieren dann auch schuldig - wenn wir sie uns schon zu nutze machen !

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