Frage von martina220494, 49

Soll ich zum Jobcenter gehen?

Halllo! Ich beziehe Hartz 4. Am 19.01.2015 habe ich eine Wohnung bekommen. Ich habe bei dem Jobcenter die Kaution per Dahrlehen beantragt. Ich dachte, sie wurde vom JC bezahlt. Heute habe ich von meinem Vermieter die Kündigung des Mietvertrag erhalten. Was soll ich machen? Ich bitte um Antwort.

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Hartz IV, 41

Eine Beantragung ist ja noch keine Zusage,du musst also erst mal einen Bescheid über dein beantragtes zinsloses Darlehen bekommen und daraus geht dann erst hervor ob du es bekommst oder nicht !

Dein Vermieter muss dich erst mal Anmahnen,er kann dich doch nicht ohne Vorwarnung kündigen,da musst du doch auch etwas bekommen haben ?

Antwort
von beangato, 49

Eigentlich wird die Kaution auf Dein Konto überwiesen. Schau Deine Kontoauszüge durch. Wenn da nichts drauf ist, kannst Du Dich ans JC wenden.

Wenn was auf Deinem Konto ist, nützt der Gang zum JC nichts.

Kommentar von martina220494 ,

Habe schon nachgeschaut. Ist nichts drauf. 

Kommentar von beangato ,

Dann geh morgen hin.

Und sprich mit Deinem Vermieter, dass Du das noch klärst.

Kommentar von aribaole ,

Nicht unbedingt. Das JC gibt auch KÜ Scheine, die man beim Vermieter abgibt. Der fordert dann mit dem Schein die Kaution beim JC ein.

Kommentar von beangato ,

Na ok -bei uns wird die Kaution aufs Konto eingezahlt. Und so einen KÜ-Schein müsste die FG ja selbst gehabt haben.

Antwort
von petrapetra64, 45

Du hast beim Jobcenter einen Antrag auf ein Darlehen gestellt und was hast du darauf fuer eine Antwort erhalten? Wurde der Antrag genehmigt oder abgelehnt?

Die Arge bezahlt doch nicht selbst die Kaution. Ein Antrag kann abgelehnt oder genehmigt werden und dann erhaeltst du das Geld und kannst die Kaution zahlen. Dann werden dir ja auch Raten monatlich abgezogen.

Im Klartext, du hast dich um nichts gekuemmert und einfach gedacht, die anderen machen das schon fuer dich. Deine Aufgabe ist es aber, dich drum zu kuemmern, nachzufragen, wenn du was nicht weisst.

Hat denn dein Vermieter die Kaution nicht angemahnt, bevor er gekuendigt hat und dich darauf hingewiesen, dass die Kaution noch zu zahlen ist? Sind ja jetzt 9 Monate her, seit du dort wohnst. Es sollte ihm also schon frueher aufgefallen sein mit der Kaution.

Geh zur Arge und spreche mit dem Sachbearbeiter und dem Vermieter, ob da noch was auszubueglen ist. Notfalls musst du dir eine andere Wohnung suchen.

 

Antwort
von cyracus, 22

Oh, eine schlimme Situation.

Ergänzend zur Antwort von isomatte (sie ist in Sachen Grundsicherung sehr erfahren):

Lass Dich rasch von einer Sozialberatung beraten. - Google dazu mit
sozialberatung
und füge Deinen Wohnort hinzu (oder den nächstgrößeren, falls er klein ist).

Dir werden so (behördenunabhängige) Beratungsstellen gezeigt wie die Diakonie / Diakonisches Werk, Caritas, Paritätischer Wohlfahrtsverband oder die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Vereinbare dort einen Beratungstermin - Du wirst ja sagen, in welch brenzlicher Not Du bist.

.

Man wird Dir natürlich raten, zum Jobcenter zu gehen, um dort zu erfahren, wie man Dir helfen kann. Soweit mir bekannt ist, sind die Jobcenter angehalten, so gut es geht dafür zu sorgen, dass Obdachlosigkeit vermieden / abgewandt wird.

Geh zum Jobcenter auf keinen Fall allein hin, sondern lass Dich begleiten von einem erfahrenen (!!) Beistand, auch Ämterlotse genannt (dazu gleich mehr).

Vorsorglich diese Hinweise von mir:

Umgang mit Sozialbehörden

Mit dem Amt nichts telefonisch klären (das kann man später nie beweisen). Alles schriftlich machen. Am besten Schreiben, Belege und Anträge persönlich abgeben. - Den Erhalt des Schreibens lässt man sich auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel, Datum und Unterschrift bestätigen. (Dies verlangt man mit ruhigem, freundlichem Ton und reicht das Schreiben rüber, „und hier brauche ich noch Stempel mit Datum und Unterschrift“).

Wenn man nur etwas abgeben will, dann wie üblich ein Schreiben aufsetzen, in dem erklärt wird, was "als Anlage" überreicht wird (sind es mehrere Anlagen, diese mit Nummern versehen aufzählen). - Wiederum dieses Anschreiben auf einem mitgebrachten Doppel mit Stempel und Unterschrift bestätigen lassen.

Diese Bestätigungen sind Gold wert, sie sind mehr wert als ein Einschreibebeleg (mit dem ja nur der Eingang eines Umschlags bestätigt wird).

Mit einer solchen Bestätigung kann von Seiten der Behörde nicht behauptet werden, Schreiben und Belege seien nicht eingegangen. Und wenn doch, eine Fotokopie von deren Bestätigung vorlegen (das Original unbedingt wie eine Kostbarkeit hüten). - Nicht (oder angeblich nicht) abgegebene Unterlagen kann als Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht gedeutet werden, was zu Sanktionen führen kann = Kürzung von Geld. - Und: Werden so die Unterlagen / Belege abgegeben, wird erfahrungsgemäß allgemein die Sache zügiger bearbeitet.

Falls Du meinst, ich würde übertreiben, google mit
jobcenter unterlagen verloren.

Im Gespräch mit den Mitarbeitern immer korrekt und konzentriert sein. Wenn die Mitarbeiter freundlich und zugewandt sind: Auch Infos im Vertrauen landen in der Akte und können später gegen den „Kunden“ (wie es vollmundig bei Sozialbehörden heißt) verwendet werden.

Oft ist es ratsam, zum Amt einen Beistand als Begleitung mitzunehmen. Dieser muss nur zuhören und kann dabei Protokoll führen, oder hinterher macht man gemeinsam ein Erinnerungsprotokoll. Der Beistand kann aber auch für Dich Erklärungen abgeben, dazu § 13, Absatz 4 SGB X (google mit 13 sgb 10):

     (4) Ein Beteiligter kann zu Verhandlungen und Besprechungen mit
           einem Beistand erscheinen. Das von dem Beistand Vorgetragene
           gilt als von dem Beteiligten vorgebracht, soweit dieser nicht
           unverzüglich widerspricht.

Für einen ehrenamtlichen Behördenbegleiter = Beistand google jeweils mit Deinem Wohnort (oder dem nächstgrößeren, wenn Deiner klein ist) mit

     Ämterlotsen
     Behördenlotsen
     Behördenbegleiter
     Hartz IV Mitläufer
     Hartz IV Gegenwind e.V.
     Wir gehen mit org

Diese Ämterbegleiter sind wertvolle Hilfen und notfalls auch Zeugen, und (die meisten? alle?) haben für diesen ehrenamtlichen Dienst eine kleine Ausbildung genossen und kennen sich bestenfalls mit den Gesetzen aus. (Sag beim Amt niemals, Du hättest einen Zeugen dabei! Zeugen dürfen des Raumes verwiesen werden - Beistände dagegen nicht, auf die hast Du ein Recht.)

Lebst Du in einer Bedarfsgemeinschaft (oder Haushaltsgemeinschaft): Andere Mitglieder solch einer Gemeinschaft können für Dich kein Beistand sein, denn sie sind nicht neutral, sondern automatisch selbst Betroffene.

Kommentar von cyracus ,

Google mit

legitimation eines beistands pdf (die Wörter genau so)

und lade Dir die Datei vom elo-forum runter. Darin erfährst Du die gesetzliche Grundlage für Beistände und dass jeder Bürger ein Recht darauf hat, sich bei Behördengängen von einem Beistand begleiten zu lassen. - Einzig nicht mehr aktuell in der Info: Darin wird erklärt, dass Beistände sich nicht ausweisen müssen (liest Du ja dann dort). - Für mich völlig unverständlich, der Richter kannte wohl nicht die Info des ehemaligen Präsidenten des Bundessozialgerichts Dr. Matthias von Wulffen - kopfschüttel. Dieses Urteil wird hoffentlich gekippt. - Das JuraForum erklärt im Artikel vom 9.11.2015:

Hartz IV-Empfänger haben Recht auf Beistand beim Jobcenter

     „Diese Entscheidung des Sozialgerichtes Stuttgart ist noch nicht
     rechtmäßig, so dass die rechtliche Situation noch nicht abschließend
     geklärt ist. Aufgrund dessen sollte der Beistand eines Hartz IV
     Empfängers besser seinen Personalausweis mitbringen, um sich
     notfalls ausweisen zu können. Wichtig ist, dass Hartz IV Bezieher
     ihren Beistand unangemeldet mitbringen dürfen. Er braucht auch nicht
     über eine juristische Vorbildung zur Verfügung. Hartz IV Empfängern
     sollten von dieser Befugnis am besten Gebrauch zu machen. Dies gilt
     gerade auch dann, wenn er Schikanen seitens des Jobcenters
     befürchtet.“
Quelle: (3x w) juraforum.de/ratgeber/sozialrecht/hartz-iv-empfaenger-haben-recht-auf-beistand-beim-jobcenter

In der Info erfährst Du unter anderem, dass wenn Dein Beistand für Dich etwas sagt, und Du widersprichst nicht, gilt es so, als hättest Du selbst es gesagt.

Zum Amt mit einer erfahrenen Begleitpersonen zu gehen ist in diesem Fall sehr empfehlenswert.

Wenn Du bei einer Sozialberatung bist, frage dort, ob dort Beistände / Ämterlotsen / Behördenbegleiter ehrenamtlich Dienst machen.

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