Frage von Leilo1994, 30

Hallo! Nach eigener Fristlosen Küdnigung habe ich mein Arbeitszeugnis erhalten einige Aussagen erscheinen mir etwas Komisch. Kann mir jemand helfen zu deuten?

Hier die mir Merkwürdig erscheinenden Aussagen :

Frau ...zeigte Überdurchschnittliches Interesse für Ihre Ausbildung und erfüllte die .....

Frau... zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im Verkauf zeigte Sie sehr gute leistungen

Wir bestätigen gern, das Frau... **immer ehrlich, fleißig und Pünktlich war.**

Das Verhalten von Frau.. gegenüber **Kunden, Kollegen und Vorgesetzten** war immer vorbildlich und **von Hilfsbereitschaft geprägt ** 

Kann mir jemand helfen .. es hört sich irgendwie merkwürdig an und ich habe schon sooo viel rausgesucht aber es wurde alles so anders formuliert.Danke schonmal !

Antwort
von DarthMario72, 18

So funktioniert das nicht. Man kann nicht einzelne Formulierungen analysieren. Um ein Zeugnis beurteilen zu können, muss man es im Zusammenhang lesen, also vollständig von der Überschrift bis zum Ausstellungsdatum. Denn jede Formulierung kann je nach Kontext eine unterschiedliche Bedeutung haben. Und überall können Informationen enthalten sein, die für die Einschätzung des Zeugnisses wichtig sind - das gilt auch für vermeintliche Rechtschreibfehler oder das Ausstellungsdatum.

Bevor also nicht dein Zeugnis vollständig hier vorliegt, ist alles nichts weiter als Kaffeesatzleserei!

Kommentar von Leilo1994 ,

Frau... geb am ..., wohnhaft in ... begann am ... in unserer Filiale...Ihre Aubildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Diese Ausbildung beendete Frau.. am ... erfolgreich mit Bestehen der Abschlussprüfung vor der Industrie- und Handelskammer.

Im Lauf ihrer Ausbildung wurde Frau... mit allen im Verkauf anfallenden Fertigkeiten und Nebenarbeiten vertraut gemacht. Sie wurde an der Ware ausgebildet und konnte sich mit Lagerpflege und allen anderen im Berufsbild vorgesehenen Aufgaben befassen.

Frau.. zeigte überdurchschnittliches Interesse für ihr Ausbildung und erfüllte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Auf Grund ihrer guten Leistungen übernahmen wir Frau... nach Beendigung ihrer Ausbildung als Verkäuferin.

Frau... zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im verkauf zeigte sie sehr gute Leistungen.

Wir bestätigen gern, das Frau... immer ehrlich, fleißig und pünktlich war.

Das Verhalten von Frau... gegenüber Kunden, Kollegen und Vorgesetztenwar immer vorbildlich und von Hilfsbereitschaft geprägt.

Leider verlässt uns Frau ... heute auf eigenen Wunsch

Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren weiteren persönlichen und beruflichen Lebensweg alles gute.

Kommentar von oelbart ,

Mit dem ganzen Zusammenhang klingt es eigentlich wieder ganz positiv, vor allem, da sie Dich ja nach der Ausbildung übernommen haben und Du aus eigenem Wunsch gehst.

Wie groß ist denn der Betrieb? Kann es sein, dass derjenige, der das formuliert hat (oder diejenige...), nicht so erfahren ist?
Ich hab mir auch mal nach einer Art Kündigung ein Zeugnis ausstellen lassen, wo der Part, dass ich freiwillig (und gegen die Bitten des Vorgesetzten) gehe, einfach vergessen wurde.
Nochmal nachgefragt, dann wurde es auch reingeschrieben.

Wenn das bei Dir der Fall ist, kannst Du ja nochmal nachfragen, auch mit dem Hinweis, was Dich am Zeugnis verunsichert. Wenn Du wirklich aus freien Stücken gehst und die Dir nicht versehentlich Steine in den Weg legen wollen, ändern die die kritischen Stellen vielleicht auch noch.

Kommentar von DarthMario72 ,

Mit dem ganzen Zusammenhang klingt es eigentlich wieder ganz positiv,

Was daran?

Kommentar von Leilo1994 ,

Es handelt sich um ein Mittelständiges Unternehmen ..

ich habe bereits angerufen und sie meinte ich soll alles was ich geändert haben möchte markieren . Nun dann muss ich ja auch die ändereung beifügen sonst kommt da wieder sowas merkwüdiges. :(

Kommentar von DarthMario72 ,

Auch das ist ganz offensichtlich noch nicht vollständig. Trotzdem folgendes:

wohnhaft in ... 

Das gehört nicht ins Zeugnis! Lass das streichen.

...und konnte sich mit Lagerpflege und allen anderen im Berufsbild vorgesehenen Aufgaben befassen.

Die Formulierung ist missverständlich. Man könnte es so verstehen "sie konnte sich damit befassen, tat es aber nicht." Lass das ändern.

Frau.. zeigte überdurchschnittliches Interesse für ihr Ausbildung und erfüllte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.

Das ist "gut" bis "sehr gut".

Auf Grund ihrer guten Leistungen übernahmen wir Frau... nach Beendigung ihrer Ausbildung als Verkäuferin.

Jetzt wird es merkwürdig. Abgesehen davon, dass dieser Satz nicht hierher gehört, sondern hinter die Leistungs- und Verhaltensbeurteilung: Es scheint so, als wären hier Ausbildungs- und Arbeitszeugnis vermischt worden. Das ist nicht zulässig, für jeden Vertrag ist ein separates Zeugnis zu schreiben.

Frau... zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im verkauf zeigte sie sehr gute Leistungen.

Hier sind Sozialverhalten und und Leistungsbeurteilung durcheinandergemixt. Das ist Unsinn.

Wir bestätigen gern, das Frau... immer ehrlich, fleißig und pünktlich war.

Du warst sicher auch an der Kasse. Dann muss eine Aussage zur Ehrlichkeit ins Zeugnis. Die Pünktlichkeit zu betonen war früher mal Standard, heutzutage aber keinesfalls mehr, da das eine absolute Selbstverständlichkeit im Arbeitsleben ist.

Das Verhalten von Frau... gegenüber Kunden, Kollegen und Vorgesetztenwar immer vorbildlich und von Hilfsbereitschaft geprägt.

"Vorbildlich" bedeutet zwar eigentlich "sehr gut", aber hier ist die Reihenfolge falsch. Die korrekte Reihenfolge ist immer Vorgesetzte - Kollegen - Dritte. Ansonsten ist irgendetwas schief gelaufen. Allerdings geht man wohl in dieser Branche dazu über, die Kunden zuerst zu nennen - aber auch dann lag mit dem Chef wohl einiges im Argen.

Leider verlässt uns Frau ... heute auf eigenen Wunsch

Ich denke, du hast die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen? Warum dann auf eigenen Wunsch? Achso, da sind Zeugnisse für die Ausbildung und den anschließenden Arbeitsvertrag unzulässigerweise miteinander vermischt.

Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren weiteren persönlichen und beruflichen Lebensweg alles gute.

Da fehlt das Bedauern, die Erfolgswünsche und dir wird kein Erfolg bescheinigt.

Im Zusammenhang gelesen hat da jemand ziemlichen Humbug fabriziert. Anscheinend hat der Verfasser keine Ahnung, wie Zeugnisse auszusehen haben.

Hier sieht man sehr gut, dass es äußerst wichtig ist, das ganze von vorne bis hinten zu lesen!

Ich empfehle, dir einen Fachmann zu suchen, der mit dir einen eigenen Zeugnisentwurf verfasst und das mit diesem "Zeugnis" zurückschickt.

Stimmt denn wenigstens das Ausstellungsdatum mit dem letzten Tag des Arbeitsverhältnisses überein?

Kommentar von Leilo1994 ,

Super das war wirklich sehr hilfreich ich habe mir einiges notiert.

Das Datum stimmt! ich habe am 29 die ausbildung beendet und am 30 gekündigt Fristlos da es am 30 zwischen mir und meinem chef eine heftige auseinandersetzung gab daswegen werde ich die reihenfolge nicht ändern lassen da es schon richtig ist das es reibungen gab ..

Kommentar von DarthMario72 ,

Nochmal für dich zum Verständnis: Ausbildung und anschließender Arbeitsvertrag sind zwei Paar Schuhe!

Die Ausbildung war am 29. beendet und dafür bekommst du ein Zeugnis.

Für das Arbeitsverhältnis kannst du ein weiteres Zeugnis bekommen, was aber bei einem einzigen Tag sicherlich nicht unbedingt Sinn machen würde. Wenn, dann ein einfaches Zeugnis, kein qualifiziertes.

So wie es jetzt ist, werden zwei Dinge miteinander vermischt, und das ist nicht zulässig. Es verwirrt unnötig.

daswegen werde ich die reihenfolge nicht ändern lassen da es schon richtig ist das es reibungen gab

Fein. Wer dein Zeugnis liest, weiß das aber nicht. Und diese Auseinandersetzung gab es ja erst nach der Ausbildung. Für das zweite Zeugnis wäre das richtig, für das erste aber nicht.

Solltest du tatsächlich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, wirst du das erklären müssen -  wenn du bei der Wahrheit bleibst, wird das vermutlich nicht sehr schön für deinen Ex-Chef. Und lass dir gesagt sein: Selbst wenn es der Wahrheit entspricht, rede niemals schlecht über einen ehemaligen Arbeitgeber!

Deshalb solltest du das ebenfalls ändern lassen. Aber: es ist deine Entscheidung. Beschwer dich nur hinterher nicht, wenn du bei so einem Wirrwarr im Zeugnis keine Einladung bekommst. Die meisten Personaler sortieren unschlüssiges nämlich aus.

Antwort
von ErsterSchnee, 14

Ja, das ist nicht unbedingt positiv. Aber ein Zeugnis muss ja auch immer EHRLICH sein. 

Ganz davon ab muss man dieses Zeugnis im kompletten Wortlaut sehen und auch wissen, ob es Absicht oder Unwissenheit war, gewisse Dinge "schlecht" darzustellen.

Antwort
von oelbart, 13

Arbeitszeugnisse sind vermintes Terrain, man kann da viel reininterpretieren, aber es kann auch sein, dass der Schreiber es tatsächlich positiv gemeint hat.

Beim ersten Absatz wäre es interessant, wie er weitergeht, ansonsten KÖNNTE man das lesen als: "Interesse war da, aber nicht die Fähigkeiten".

Im zweiten lese ich nichts zweideutiges.

Der dritte ist haarig: Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sollten eigentlich in einem Arbeitszeugnis nicht angesprochen werden, da es selbstverständlichkeiten sind. (Du würdest ja auch nicht schreiben: "Er/Sie trug immerhin immer eine Hose" - da wüsste der Leser auch, dass irgendwas nicht stimmt)

Bei "Kunden, Kollegen und Vorgesetzten" kommts irgendwie auf die Reihenfolge an, aber ich weiß nicht, welche jetzt "gut" ist und welche nicht.

Kleiner Disclaimer noch: Ich bin nicht vom Fach, wir hatten das Thema nur mal grob in der Berufsschule.

Kommentar von Leilo1994 ,

-Frau... zeigte überdurchschnittlichs Interesse für Ihre Ausbildungund erfüllte die Ihr übertragenen Aufgaben stets zu unsere Vollsten zufriedenheit.-

lautet der ganze Satzt.

Beim dritten hatte ich gelesen wenn man Zb im an der Kasseist, ist es wichtig, dass der vermerk drin ist. Da ich aber ja nicht NUR an der Kasse war sondern im Verkauf kommt es mir seltsam vor .. vor allem mit der Pünktlichkeit, da ich IMMER pünktlich war..

Antwort
von dancefloor55, 10

Überdurchschnittliches Interesse für Ihre Ausbildung

= du hast wegen deiner Ausbildung deinen Job stark vernachlässigt

Dass ist der einzige Satz der mich stark stutzig macht. Erlaubt ist er trotzdem da er ja nicht negativ formuliert ist.

Du selbst darfst eigentlich gar nicht mitbestimmen was im Arbeitszeugnis steht - dein Recht ist nur eines zu bekommen wo nichts negativ formuliert ist.

Kommentar von Leilo1994 ,

Also es haldelt sich ja um ein Ausbildungszugnis dh die Ausbildung in dem Betrieb war ja mein Job deswegen kam es mir merkwürdig vor, da es nichts gab was mich abgelenkt hat .

Kommentar von dancefloor55 ,

dann kann es wirklcih so gemeint sein wie oelbart geschrieben hat - interesse da aber kein Talent

Antwort
von Nightlover70, 11

Es wird immer so viel darüber geredet in wie weit verschlüsselte Fallstricke im Arbeitszeugnis eingebaut sind.

In der Realität ist das Zeugnis nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend ob man einen Job bekommt oder nicht.

Dein Zeugnis an sich ist eindeutig nicht schlechter als die Note 3 - daher ist damit alles ok.

Kommentar von DarthMario72 ,

In der Realität ist das Zeugnis nur in sehr geringem Maße ausschlaggebend ob man einen Job bekommt oder nicht.

Na das bezweifle ich aber mal.

Miese Zeugnisse -> Bewerbung in den Papierkorb.

Kommentar von Mojoi ,

Das sehe ich ähnlich.

Ich glaube zwar einen Trend zu erkennen, dass die absolute Gewichtung des Zeugnisses nachlässt: Ein bis zu einem gewissen Grade mäßiges Zeugnis kann mit einem beeindruckenden Lebenslauf, harten Zertifikaten und überzeugendem Interview ausgeglichen werden;

aber ein fehlendes Zeugnis (ohne plausible Erklärung) ist eines der sicheren Ausschlusskriterien.

Antwort
von FrauJessica, 8

Es hört sich tatsächlich ein wenig "übertrieben" an. Aber denke nicht das es negativ rüberkommt.

Antwort
von DerHans, 8

Es hört sich ein bisschen so an, Dass du dich "zu viel" um die Angelegenheiten der anderen gekümmert hast, und vielleicht auch Fragen beantwortet haben wolltest, die dir der Ausbilder nicht beantworten wollte.

Antwort
von Mojoi, 10

Grundsätzlich zählt bei einem durchwachsenem Zeugnis - und das ist hier der Fall - die schlechteste auffindbare Bewertung. Sie färbt auf das gesamte Zeugnis ab, unabhängig von den weiteren Formulierungen.

Schauen wir mal:

zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde von
unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im Verkauf zeigte Sie sehr gute
leistungen

Ist ziemlich gut. Die Betonung auf sehr gute Leistungen im Verkauf deutet darauf hin, dass in anderen Bereichen nicht sehr gute Leistungen erbracht wurden.

Das Verhalten von Frau.. gegenüber** Kunden, Kollegen und Vorgesetzten**
war immer vorbildlich und **von Hilfsbereitschaft geprägt
**

Ist eine Standardfloskel für sehr gutes Verhalten. Ggf. ist die Reihenfolge ein Indiz, dass das Verhalten gegenüber den Vorgesetzten zumindest nicht makellos war. Gängig ist Kunden, Vorgesetzte, Kollegen.

zeigte Überdurchschnittliches Interesse...

Das ist verhältnismäßig mies. Interesse zeigen ist nichts brauchbares und trägt nicht zum Erfolg des Unternehmens bei. Noch schlimmer wäre "Verständnis zeigen". Hier wäre der angehängte Satz "...und erfüllte..." sehr wichtig!

Ehrlich, fleißig und pünktlich.

Hier könnte es der Arbeitgeber vielleicht gut gemeint haben, aber hat das genaue Gegenteil bewirkt.

Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sind selbstverständliche Eigenschaften eines Mitarbeiters, die nicht gelobt werden müssen (er hätte auch schreiben können "Der Mitarbeiter atmete regelmäßig."). Wird es dennoch betont, kehrt es sich in das Gegenteil um. Also unehrlich und unpünktlich.

Unter Berücksichtigung der beiden letzten Punkte entspräche dein Zeugnis nach meiner Beurteilung einer Vier. Wären die beiden letzten Punkte korrekt oder wohlwollender formuliert, wäre das Zeugnis - anhand der dürftigen Textauszüge - sogar eine gute Zwei.

ABER: Ein Zeugnis muss immer im gesamten beurteilt und verstanden werden. Von den paar Textauszügen kann man kein zuverlässiges Bild vom Zeugnis erstellen.

Kommentar von Leilo1994 ,

Danke für diese Super Antwort! Darf ich Ihnen das Zeugnis mal Komplett abtippen und Sie schauen mal drüber ? ich bin wirklich total am verzweifeln und hab alles abgesucht. Das mit dem Vorgesetzten ist möglich, das die mein Kündigungsgrund war da es in richtung Mobbing ging  :(

Kommentar von Mojoi ,

Ja, gerne. Aber ich empfehle, das gleich hier zu machen, damit auch andere ihre Beurteilung abgeben können. Zehn Gutachter, zehn verschiedene Meinungen.

Kommentar von Leilo1994 ,

Frau... geb am ..., wohnhaft in ... begann am ... in unserer
Filiale...Ihre Aubildung zur Kauffrau im Einzelhandel. Diese Ausbildung
beendete Frau.. am ... erfolgreich mit Bestehen der Abschlussprüfung vor
der Industrie- und Handelskammer.

Im Lauf ihrer Ausbildung wurde Frau... mit allen im Verkauf
anfallenden Fertigkeiten und Nebenarbeiten vertraut gemacht. Sie wurde
an der Ware ausgebildet und konnte sich mit Lagerpflege und allen
anderen im Berufsbild vorgesehenen Aufgaben befassen.

Frau.. zeigte überdurchschnittliches Interesse für ihr Ausbildung und
erfüllte die ihr übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten
Zufriedenheit.

Auf Grund ihrer guten Leistungen übernahmen wir Frau... nach Beendigung ihrer Ausbildung als Verkäuferin.

Frau... zeichnete sich durch angenehme Umgangsformen aus und wurde
von unserer Kundschaft sehr geschätzt. Im verkauf zeigte sie sehr gute
Leistungen.

Wir bestätigen gern, das Frau... immer ehrlich, fleißig und pünktlich war.

Das Verhalten von Frau... gegenüber Kunden, Kollegen und Vorgesetztenwar immer vorbildlich und von Hilfsbereitschaft geprägt.

Leider verlässt uns Frau ... heute auf eigenen Wunsch

Wir danken ihr für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für ihren
weiteren persönlichen und beruflichen Lebensweg alles gute.

Kommentar von Mojoi ,

So, im Gesamtbild erscheint die Sache schon anders. Ich würde mal beurteilen, dass dieses Zeugnis einer Schulnote "Zwei" entspricht.

Das überdurchschnittliche Interesse wird im gleichen Satz mit einer sehr positiven Leistungseinschätzung verknüpft. Somit wird die neutrale bis verhalten positive Interessebestätigung deutlich mit ins Positive gezogen.

"Aufgrund ihrer guten Leistungen..." Ist ein besonderer Glanzpunkt, da hier nicht nur die gute Leistung bescheinigt wird, sondern auch gleich die daraus folgenden positiven Konsequenzen aufgezeigt werden: So gut, dass wir ihr einen Posten gegeben haben.

Ich stoße mich an der Betonung der Ehrlichkeit und Pünktlichkeit. Es liest sich hier zwar im Gesamtkontext immernoch positiv, aber ich würde die Erwähnung der Kassentätigkeit noch einbezogen wissen. Obwohl man das bei der Tätigkeit als Verkäufering voraussetzen könnte. Statt dieser Ehrlichkeitsfloskel könnte man auch die außerordentliche Zuverlässigkeit loben.

"Leider verlässt uns..." Bedauern über den Fortgang ist prinzipiell gut. Man vermisst nur die guten Mitarbeiter.

"...heute auf eigenen Wunsch" ist allerdings ein klares Indiz für eine fristlose Kündigung und eigentlich immer sehr schlecht. "Heute" raus, und das Zeugnis natürlich auf den letzten Arbeitstag datiert.

"Wir danken... und wünschen... alles Gute." Verhältnismäßig positiv. Geht noch überschwenglicher, ist aber bei einem Ausbildungszeugnis nicht zu sehr überzubewerten.

Was noch so ginge:

Man könnte noch so ein bisschen die Einsatzbereitschaft loben und die Problemlösungsfähigkeit beurteilen. Kein Muss, nur ein zusätzliches Plus.

Nochmal zum Verhalten: Als Verkäuferin muss der Kunde nicht nur vorne, sondern ganz, ganz vorne stehen. Übertrieben formuliert, "Ihr Verhalten gegenüber Kunden, Kunden, Kunden (und den restlichen Geschmeiß aus Vorgesetzten und Kollegen) war immer einwandfrei." Der Kunde garantiert den Unternehmenserfolg. Er ist Zweck, Inhalt und Mittelpunkt der Verkäufertätigkeit.

Kommentar von DarthMario72 ,
"Wir danken... und wünschen... alles Gute." Verhältnismäßig positiv.  

Ernsthaft? Ich sehe diesen Satz sehr negativ. Das Weglassen der Erfolgswünsche bedeutet mit anderen Worten: "Sie hatte keinen besonderen Erfolg und wird garantiert in ihrem nächsten Job auch keinen haben."

Nochmal zum Verhalten: Als Verkäuferin muss der Kunde nicht nur vorne, sondern ganz, ganz vorne stehen.

In dieser Branche geht man wohl tatsächlich dazu über, diese Reihenfolge zu wählen - aber das hatte ich schon in einem anderen Kommentar geschrieben.

Außerdem werden in diesem Zeugnis Ausbildung und anschließender Arbeitsvertrag zusammen beurteilt. Auch wenn letzterer nur einen Tag gedauert hat, ist das so nicht zulässig.

Kommentar von Mojoi ,

Ja, wie ich schon schrieb. Die Schlussformel geht noch enthusiastischer. Aber immerhin ist angedeutetes Bedauern da, und auch die letzte Floskel wünscht wenigstens sowohl privat als auch beruflich Gutes. Das ist so der erträgliche Mindeststandard der Schlussformel. Es geht noch - weitaus - schlimmer.

Kommentar von DarthMario72 ,

Das ist so der erträgliche Mindeststandard der Schlussformel.

... der aber m. E. nicht zu dem - wohl gut gemeinten - Rest des Zeugnisses passt. Dadurch wird das ganze ein wenig unschlüssig, denn schließlich hatte sie ja Erfolg. Demnach sollte der Satz enden mit "...und weiterhin (viel) Erfolg."

Man hat zwar keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf eine Schlussformel. Aber wenn sie vorhanden ist, muss sie zum Zeugnis passen - aber das wäre mit der vorliegenden Formulierung nicht der Fall, zumindest nicht bei einem Zeugnis, das deiner Ansicht nach einer "zwei" entspricht.

Kommentar von Mojoi ,

Nach einigem Grübeln stimme ich dir mal zu. Der Schluss ist in der Tat nicht so fulminant wie das restliche Zeugnis.

Kommentar von DarthMario72 ,

Bei einigen Punkten liegst du leider falsch!

das Verhalten von Frau.. gegenüber** Kunden, Kollegen und Vorgesetzten**

war immer vorbildlich und **von Hilfsbereitschaft geprägt 
**

Ist eine Standardfloskel für sehr gutes Verhalten. Ggf. ist die Reihenfolge ein Indiz, dass das Verhalten gegenüber den Vorgesetzten zumindest nicht makellos war. Gängig ist Kunden, Vorgesetzte, Kollegen.

Nein, die korrekte Reihenfolge ist Vorgesetzte - Kollegen - Kunden.

zeigte Überdurchschnittliches Interesse...

Das ist verhältnismäßig mies. 

Nein, ist es nicht. Es handelt sich um ein Ausbildungszeugnis, diese Formulierung entspricht einem "gut".

Ehrlichkeit und Pünktlichkeit sind selbstverständliche Eigenschaften eines Mitarbeiters, die nicht gelobt werden müssen

Bei der Pünktlichkeit gebe ich dir Recht. Bei der Ehrlichkeit kommt es auf die Tätigkeiten an. Hat jemand bspw. Umgang mit Bargeld, muss der Ehrlichkeitsvermerk ins Zeugnis, wenn er der Wahrheit entspricht.

Kommentar von Mojoi ,

Verhalten: Wenn die Stelle Kundenkontakt hatte, dann kommen Kunden immer an vorderster Stelle. Damit wird auch verdeutlicht, welchen Stellenwert die Kunden in der Wahrnehmung der Mitarbeiter haben sollten - nämlich den höchsten - und wie der Mitarbeiter das tatsächlich gehandhabt hat.

Die Floskel über das Interesse ist isoliert betrachtet wertlos bis negativ, auch für einen Auszubildenden. Erst weiterführende Erklärungen wie das Erlangen neuer Kenntnisse, Durchblick durch die betrieblichen Zusammenhänge und die erfolgreiche (!) Anwendung des Erlernten machen daraus eine materielle Aussage.

Ehrlichkeit... ich betone noch einmal, es kommt auf das Gesamtzeugnis an. Der Umgang mit Bargeld muss dann zwingend erwähnt werden. War aus dem bisherigen Textauszug nicht ersichtlich. Somit zunächst einmal negativ.

Antwort
von napo01, 8

Vielleicht hilft dieser link ein wenig weiter:

http://www.alg-i.de/arbeitsrecht/arbeitszeugnis/zeugnissprache.html

http://karrierebibel.de/arbeitszeugnis-formulierungen-bewertung/

Kommentar von DarthMario72 ,

Diese Links sind nur sehr begrenzt hilfreich

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