Frage von SophieWilhelm, 26

Hallo, muss man erst den Pflichtteil auszahlen und dann eine Auseinandersetzung beantragen?

Beide Eltern von drei Kindern sind gestorben und hatten eine Immobilie zu gleichen Teilen. Der eher Gestorbene hatte kein Testament gemacht. Der später verstorbene hatte mich als Alleinerben eingetragen. Jetzt werden von den anderen Pflichtteilsansprüche geltend gemacht. Muss ich diese erst auszahlen und kann erst dann eine Erbauseinandersetzung beantragen? Eine Erbengemeinschaft ist meinerseits nicht gewünscht. Ansprüche in der Zwischenzeit gab es nicht.

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Erbrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 13

Ich spekuliere mal, das beide Eltern verheiratet waren. Dann wäre der längerlebende Elternteil Miterbe beim 1. Erbfall. Die Miterbenstellung geht dabei auf sie über. Der Überlebende Ehegatte hat dann 1/2 und jedes Kind 1/6 Anteil am Nachlass.

Der Pflichtteil bezieht sich auf den gesammten Nachlass des überlebenden Elternteils einschließlich der Miterbeanteils innerhalb beim 1. Erbfall. Der Wert dieses Erbteils hängt auch davon ab, in wieweit sich die Erben der 1. Erbengemeinschaft einig sind und die 1. Erbengemeinschaft problemlos auseinandersetzen. Ein Erbstreit beim 1. Erbfall mindert den Nachlasswert und damit den Pflichtteil beim 2. Erbfall.

Muss ich diese erst auszahlen und kann erst dann eine Erbauseinandersetzung beantragen?

Die Auseinandersetzung wird von der Erbengemeinschaft beschlossen. Ob der Pflichtteil zu diesen Zeitpunkt schon gezahlt wurde oder nicht ist egal.

Sinnvollerweise wird man eine gütliche Einigung anstreben und sich quasi auf ein Gesamtpaket von Auseinandersetzung im 1. Erbfall , Höhe des Pflichtteils und Zahlungsmodalität des Pflichtteils einigen.

Hierbei kommt es darauf an, ob die Immobilie veräußert werden soll, oder ob sie die Immobilie behalten wollen. Bei einer Veräußerung würde man den Kauferlös verteilen, im Falle einer Weiternutzung wäre eine Übertragung an einen von Ihnen dreien und eine ratenweise Zahlung mit Grundbuchabsicherung der sich ergebenden Forderungen sinnvoll. 

Bei einer gütlichen Einigung wäre, wenn man nur die Immobilie betrachtet wie folgt zu rechen. Nach den 1. Erbfall gehören 3/4 den überlebenden Elternteil und jeweils 1/12 jeden Kind. Beim 2. Erbfall beträgt der Pflichtteil für jedes Kind 1/6. D.h. die enterbten Kinder haben Anspruch auf 1/12 ( 1. Erbfall ) plus 1/8 (2.Erbfall). also 5/24 oder rund 21%.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community