Frage von Abgemahnter, 90

Hallo miteinander! Habe eine Abmahnung wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung von Wu.F bekommen Ist es möglich die Größe der Datei herauszufinden?

Hallo miteinander!

Habe schon 2013 eine Abmahnung von W u F bekommen, wegen einer angeblichen Urheberrechtsverletzung. Habe dem keine Beachtung geschenkt, weil ich so etwas nicht mache! Letzte Woche wieder einen Brief bekommen, mit letzter Zahlungsaufforderung (956,00€) bis 28. Dezember.

Ich soll angeblich einen Film über eine Tauschbörse gedownloaded und somit auch zum Upload angeboten haben. In einer Log Datei ist meine IP ersichtlich mit Startzeit 03:29 Uhr und Endzeit 05:12 Uhr. Ich habe eine 3000er Leitung. Ist es möglich die Größe der angeblich illegal gedownloadeten Datei heraus zu bekommen, um rein rechnerisch zu beweisen, dass ich diesen Film in dieser Zeit, mangels ausreichender Geschwindigkeit gar nicht hätte komplett downloaden können? Desweiteren habe ich nach langem Suchen herausgefunden, dass mein zu diesem Zeitpunkt eingesetzter Router (Linksys 160n) große Sicherheitsmängel aufwies, trotz WPA2 verschlüsselung (Passwort natürlich geändert). Ich bin der einzige, der das Passwort hat, und der einzige der den Anschluss nutzt. Anschluss läuft aber auf den Namen meines Vaters, der jetzt leider diese Strafe zahlen soll! Ich glaube jemand hat den Router von außen gehackt und dann versucht Filme zu downloaden! Wie komme ich aus der Nummer raus?

Expertenantwort
von ThomasMorus, Community-Experte für Urheberrecht, 49

Hallo Abgemahnter,

was dir passiert ist, tut mir unwahrscheinlich Leid. Insbesondere, weil du ja nach deinen Beschreibungen völlig unschuldig bist, aber trotzdem wahrscheinlich haften musst.

AlexBeckphotos hat nämlich leider Recht: In Deutschland gibt es einen weltweit einzigartiges Rechtsprinzip namens "Störerhaftung". Danach ist der Inhaber eines Internet-Anschlusses grundsätzlich für alle Schäden haftbar, die von diesem Internet-Anschluss aus verursacht werden.

Du (oder besser dein Vater) gilt also als haftbar, bis ihr das Gegenteil beweist.

[Die Störerhaftung hat im übrigen meiner Ansicht nach eine bestenfalls wacklige Gesetzesgrundlage. Der BGH hat sie aus §1004 des BGB entwickelt. Mach dir mal den Spaß: Lies dir den Artikel durch. Da merkt man wie viel "Kreativität" man braucht, um so etwas wie die Störerhaftung da rauszulesen]

Dennoch könnte es ein Paar Lücken geben. In jüngerer Vergangenheit gab es nämlich einige Urteile, die die Störerhaftung eingeschränkt haben. (zB. bei Kindern, übernachtenden Gästen, WGs etc.) Näheres dazu hier:

Geh zu einem Internet-Antwalt und lasse dich beraten. Wenn du dich vorher einlesen willst, ist der Blog von Christian Solmecke eine gute erste Anlaufstelle. (Von der Kanzlei vertreten lassen, würde ich mich aber nicht.)

Aus den Links musst du die Leerzeichen rausnehmen, weil gutefrage nur einen Link pro Post zulässt:

Blogartikel zu den verschiedenen Filesharing-Grundsatz-Urteilen https://www. wbs-law.de/?s=filesharing

Eine Umfangreiche FAQ zu Abmahnungen: https://www. wbs-law.de/wp-content/uploads/2010/02/filesharing-faq-2010.pdf

Kostenloses Handbuch zu Filesharing-Abmahnungen: https://www. wbs-law.de/wp-content/uploads/2012/06/Filesharing-Handbuch-WILDE-BEUGER-SOLMECKE.pdf

Musterklageerwiderung. Die muss den Anwalt entsprechend auf deine Fall anpassen: https://www. wbs-law.de/abmahnung-filesharing/musterklageerwiderung-fuer-die-filesharing-verfahren-zum-kostenlosen-download-cc-by-30-lizenz-regeln-zur-verwendung-942/

Ich wünsche dir viel Glück mit dem Fall :(

Kommentar von Abgemahnter ,

Danke für die Antwort! Mein Vater ist der Inhaber des Internetanschlusses aber ich bin devinitiv der einzige, der den Anschluss nutzt und Ihn nutzen kann. Nur ich habe das Passwort zum einzigen (meinem) Laptop im Haushalt und ich bin der einzige der den WPA2 Schlüssel kennt. Wenn mein Vater vor Gericht sagt, dass er diese Urheberrechtsverletzung nicht begangen hat, selbst wenn er wollte, es nicht könnte, und er sagt, dass ich der einzige bin, der Zugang zu dieser 3000er Leitung hat, (bin übrigens Volljährig) und ich seine Aussage bestätige, kann er doch nicht für diese Urheberrechtsverletzung verurteilt werden??

Kommentar von ThomasMorus ,

Das geht jetzt schon scharf in Rechtsberatung über, die in Deutschland nur niedergelassene Anwälte erteilen dürfen.

Für meine Begriffe könntest du hier nachweisen, dass du die Verstöße begangen haben müsstest. Von deiner Frage her, hätte ich aber vermutet, dass eure Argumentationsstrategie in einem Prozess ja eher darauf abzielt, dass dein Router extern gehackt wurde.

Im übrigen rate ich erst einmal zur Ruhe: So ein Urheberrechtsverstoß ist zwar ärgerlich, aber nicht das Ende der Welt. Es handelt sich um einen rein zivilrechtlichen Fall, das heißt selbst wen du oder dein Vater in einem Prozess "verurteilt" würdet: Das ist keine Straftat nach StGB, die dann in deinem polizeilichen Führungszeugnis auftauchen würde. Und du giltst dann auch nicht als vorbestraft. In dem Prozess ginge es "nur" um Geld.

Ich würde aber tunlichst schauen, einen Prozess zu verhindern. Bei einem Gerichtsprozess sind die Kosten ungleich höher, als wenn man sich außergerichtlich einigt. Zudem hört es sich für mich an, als könntest du auf keinen Fall davon ausgehen, den Prozess automatisch zu gewinnen.

Ich würde wie gesagt zu einem Fachanwalt gehen. Der soll der Abmahnkanzlei dann einen bösen Brief schreiben, in dem auf den potentiellen Hacker-Angriff hingewiesen wird. Und je nach dem, wie plausibel die das finden, und wie sicher du den Hack nachweisen kannst, werden die dann entweder den Anspruch fallen lassen oder ein neues Angebot für eine Strafsumme machen, über das dein Anwalt dann mit denen verhandeln kann.

Die Forderung von 956,00€ ist im übrigen lächerlich hoch. Das ist die Erstforderung bei Abmahnungen aber immer. Die Abmahnsumme besteht aus den Anwaltskosten und dem Schadenersatz. Die Anwaltskosten sind mittlerweile gesetzlich auf 150 Euro gedeckelt. Und wie der Schadenersatzanteil sich berechnet findest du hier: https://www.ra-plutte.de/2014/04/berechnung-des-schadensersatzes-bei-bildrechtev...

Das wird dir aber alles dein Anwalt erklären.

Kommentar von Abgemahnter ,
Kommentar von ThomasMorus ,

Ja da geht es mal wieder um unsere "Freunde" von Walldorf-Frommer. Das ist der deutsche Marktführer der Abmahnindustrie. Die scheitern in letzter Zeit häufiger mal mit überzogenen Ansprüchen. (Zumindest dieses Jahr habe ich den Eindruck, das häufiger in juristischen Schlagzeilen gelesen zu haben)

Kommentar von ThomasMorus ,

So. Ich habe den Artikel jetzt nochmal ganz gelesen. Der verteidigende Anwalt hat hier eine Strategie angewendet, die in letzter Zeit häufiger funktioniert hat: Er hat argumentiert, weil mehrere Mitglieder in dem Haushalt lebten, sei nicht klar, wer von ihnen den Urheberrechtsverstoß begangen habe. Solange das aber nicht geklärt sei, könne nicht eine konkrete Person haftbar gemacht werden.

Da du ja wohl alleine wohnst, kommt das für dich leider nicht in Frage.

Nebenbei: Wohnst du in Heidelberg oder warum bist du auf den Artikel gestoßen? Das kann nämlich einen Unterschied machen. Ende 2013 hat der Gesetzgeber den so genannte "Fliegenden Gerichtsstand" bei Urheberrechtsverfahren abgeschafft. Seither können sich Abmahnanwälte nicht mehr ein genehmes Gericht aussuchen, sondern müssen dort klagen, wo der Beklagte ansässig ist.

Wenn das Amtsgericht, dass für dich zuständig ist, also bereits vor kürzerer Zeit eine Urheberrechtsklage abgewiesen hat, (womöglich von der gleichen Kanzlei) dann erhöht das deine potentiellen Chancen bei einem Prozess. Entsprechend muss auch die Gegenseite ihr Risiko bewerten und wird deswegen eher geneigt sein auch einer niedrigeren Vergleichssumme zuzustimmen.

Du verzeihst, wenn ich jetzt nicht noch mehr ins Detail gehe. Ich habe sowieso schon den Eindruck ich bin hier hart an der Grenze zur Rechtsberatung, die ich nicht erteilen darf...

Kommentar von Abgemahnter ,

Danke für die Antwort! Hatte natürlich Anfangs vergessen, dass das alles ein rein fiktives Szenario ist.

Nehmen wir also weiterhin an, dass ich mich erst im Sommer diesen Jahres, von einem Anwalt aufgrund der selben Sache (Urheberrechtsverletzung illegaler Down/UpLoad eines Films mit anderem Kläger, vertreten durch selbe Kanzlei) zu einem außergerichtlichem Vergleich habe überreden lassen, bei dem ich insgesammt 102€ mehr habe bezahlen müssen, als die ürsprünglich geforderten 956€.

Nehmen wir weiterhin an, dass ich diesem Anwalt alles genauso geschildert habe, wie hier auch, nur das er beim außergerichtlichen Vergleich nichts von dem Sachverhalt erwähnt hat, obwohl ich mich sogar dazu bereit erklärt habe, vorzu führen, wie ich innerhalb von 20 min mit einem gerooteten Android Handy meinen damals eingesetzten Router (Linksys 160n) mittels WPS attacke selber hacke! Ich habe ihn auch darauf hingewiesen, dass ich nach etwas recherche im Netz mehrere Seiten gefunden habe, wo bewiesen wird, das dieser Router in diesem Zeitraum trotz aktuellster Herstellersoftware Sicherheitsmängel aufweist. Er rief mich von Gericht an und riet mir auf das Angebot der Klägerseite einzugehen. 600€ und die Sache wäre vom Tisch... leider sah ich erst mit den nächsten Briefen, das ich 2/3 der Kosten für die gegnerischen Anwälte übernehmen musste... deswegen würde ich mich schwer tun, mir nochmal ebend nen Anwalt dafür zu suchen... wenn das alles so gelaufen wäre, würde ich mir von beiden Seiten ziemlich ausgenommen vorkommen, und mich das nächste mal selbst vertreten, oder jemanden finden, der das macht, was ich ihm sage!

Wohne nicht alleine, wohne mit Mutter und Vater...getrennte Etagen!

Kommentar von ThomasMorus ,

OK. Das wird mir jetzt wirklich zu heikel. Der Fall ist erstens sehr viel heißer, als ich gedacht hatte. Und zweitens wäre eine Beurteilung auf so genauer Details mit Sicherheit Rechtsberatung, die ich nicht erteilen darf.

Nur so viel: In Zivilprozessen ist ein vertretender Anwalt zwingend vorgeschrieben. Tauchst du vor Gericht ohne Anwalt auf, wirst du behandelt, als seist du nicht erschienen. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/anwaltszwang.html

Zweitens erscheint es mir nach allem, was ich über Urheberrechtsverfahren weiß so, als habe der Anwalt, der dich vertreten hat, in mehreren Aspekten grob fahrlässig gehandelt. Ich maße mir aber nicht an, das exakt beurteilen zu können. Zumal ich nicht alle notwendigen Informationen kenne, und auch nicht kennen will.

Drittens: Wenn es sich quasi um einen Wiederholungsfall handelt, gelten völlig andere Voraussetzungen. Erstens gilt dann die Deckelung auf 150 Euro Anwaltskosten für die Abmahnung nicht. Und zweitens hat das natürlich Folgen für deine Glaubwürdigkeit vor Gericht.

Suche dir einen neuen Anwalt, um gegen die Abmahnung vorzugehen, und um gegebenenfalls Schadenersatz von deinem Ex-Anwalt geltend zu machen. Welche Möglichkeiten es da gibt, darüber musst du dich professionell beraten lassen.

Mfg. Thomas

Antwort
von sunamor24, 52

Am besten Du nimmst einen Anwalt für Internetrecht.

Die Leute, die dir das vorwerfen, haben bestimmt Deine IP. Mit der IP haben sie beim Netzbetreiber eine Anfrage gemacht und Deine Adresse erhalten. Mehr nicht. Sie wissen nur, dass ein Rechner zu dieser Zeit über Deinen Internetzugang im Internet war. Mehr wird vom Netzbetreiber nicht übermittelt. Sie werfen Dir nur vor, dass Du etwas gedownloadet hast, beweisen können Sie es nicht. Kurz - sie gehen auf Dummfang. Ein Anwalt wird Dir helfen. Kostet Geld, aber besser als 960 Euro allemal.

Man kann natürlich als Anwender (welcher zu dieser Zeit geschlafen hat) lediglich das machen, was technisch geht. Wenn ein Paßwort gesetzt ist und damit vor Fremdnutzung geschützt, ist es eine Straftat (Computerbetrug) sich in Dein Modem zu hacken und Dinge auf Deine Kosten herunterzuladen. ggf müsste man bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt machen. Vielleicht ist es jemand im Haus/Nachbarhaus, der sich da einhackt. Neues (moderneres) Modem Kaufen.

Mal googleln. Oft geben Anwälte im Netz auch Tipps, wie man sich dann verhalten soll.

Kommentar von alexbeckphoto ,

Man kann natürlich als Anwender (welcher zu dieser Zeit geschlafen hat) lediglich das machen, was technisch geht. Wenn ein Paßwort gesetzt ist und damit vor Fremdnutzung geschützt, ist es eine Straftat (Computerbetrug) sich in Dein Modem zu hacken und Dinge auf Deine Kosten herunterzuladen. ggf müsste man bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt machen.

Das ändert aber an der Strafe nichts!

ALs Inhaber des Anschlusses ist man für diesen verantwortlich und muss auch für eventuellen Missbrauch gerade stehen.

Natürlich könnte man den Schludigen ausfindig machen und sich von ihm das Geld zurück holen und auch damit beweisen, dass man es nicht getan hat, wenn das aber nicht möglich ist, vor allem ist das ja nun schon 2 Jahre her und nach dieser Zeit lässt sich da wohl kaum mehr was nachweisen, bleibt man auf dem Schaden sitzen.

Kommentar von sunamor24 ,

Ich muss nur für etwas gerade stehen, was ich auch beeinflussen kann. Ich muss auch dafür sorgen, dass meine Kinder nicht an den Autoschlüssel kommen, um nachts das Auto zu entwenden, um damit zu fahren. Wenn ich also den Schlüssel ans Schlüsselbrett hänge, und ihnen leicht mache, mein Auto zu benutzen, hafte ich dafür. Schließe ich den Schlüssel in ein Tresor mit Zahlenschloss ein, hafte ich nicht mehr dafür. Man muss glaubhaft machen können, dass man alles menschenmögliche unternommen hat, einem illegalen Zugriff zu erschweren und unmöglich zu machen. Wenn man das kann, haftet man nicht dafür. Warum auch. Wahrscheinlich mangelt es bei solchen Urteilen an dieser Glaubhaftmachung. Möglicherweise sind es gar Urteile aus Zeiten ohne Key.

Kommentar von Abgemahnter ,

Erstmal danke für die Antworten, auch wenn mir das nicht wirklich hilft...wenn ich jetzt nicht zahle, dann wird das vor Gericht gehen... ist es in Deutschland nicht so, dass man so lange als unschuldig gilt, bis die Schuld bewiesen wurde? Ich stelle gerne meinen Router, meine Festplatte zur Verfügung... dann wird da nichts gefunden, weil ich diesen Film nicht gedownloaded habe... es kann doch nicht sein, dass nur Anhand dieser IP Log Datei bewiesen ist, dass ich diese Urheberrechtsverletzung begangen habe...

Antwort
von gandul, 12

Waldorf Frommer benutzte 2013 eine umstrittene IP-Ermittlungssoftware. 

Es gibt hervorragende Gerichtsurteile, wo Waldorf Frommer deswegen den Prozeß verloren hat. 

Warum scannst du nicht den gesamten Abmahnschriftsatz mit Anlagen und sendest ihn per E-Mail an eine spezialisierte Anwaltskanzlei. Die erste Frage kostet gar nichts.

Im Netz gibt es Anwaltskanzleien, an die du auch E-Mails mit Anlagen versenden kannst. Ohne Kontaktformular.

Mir haben die auch weitergeholfen. Den Namen kann ich aus berufsrechtlichen Gründen leider nicht nennen.

Google mal nach folgenden Suchbegriffen:  Betrug oder Abzocke nicht zahlen oder so ähnlich.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten