Frage von 3ac3187, 102

Hallo Leute, Meine Mutter ist vor 2 und halb monaten gestorben und mein Vater wird mit der Trauer nicht fertig. Er redet immer davon zu ihr zu wollen. Was tun?

Ich habe nähmlich die vorahnung dass er sich was antun will. Denn anfangs gings noch jetzt ist er ganz Alleine. Man muss aber auch bedenken das er nicht grad der beste vater war und meine mutter sehr oft geschlagen hat und zu uns kindern so gut wie keinen kontakt hatte. Wenn man bedenkt dass er nur sehr gebrochen Deutsch kann und nur Russisch sprechen kann und bei uns kindern das genau andersrum ist... zeigt, wie wenig Kontakt man miteinander hatte. Mit unserer Mutter haben wir immer Deutsch geredet da sie auch Deutsche wurzeln hatte und die sprache auch schon von kleinauf, mehr oder weniger, gelernt hat in Russland damals. Es ist Paradox denn eigentlich haben wir ihn immer gehasst für das was er uns und unserer mutter physisch als auch psychisch angetan hat! Und jetzt ist er plötzlich das einzige was uns bleibt. Und ich merke auch wie mich dass Runterzieht seine Art damit klarzukommen... Er Trinkt jetzt nähmlich nurnoch und will immer gesellschaft haben...und zwar beim trinken! Hat da jemand paar helfende Worte bzw. schon etwas ähnliches erlebt?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LisanneVicious, 54

Wie ist deine derartige Situation?
Lebst du momentan allein oder bei deinem Vater?

Ich habe auch ähnliches durchgemacht. Meine zwei Brüder sind gestorben. 
Ich habe niemals aufgehört zu trauern, nur gelernt damit umzugehen. Mir persönlich hat es geholfen mir eine Pause zu gönnen, tief in mich zu gehen und über das Leben zu philosophieren. Das hat mir einige neue Einsichten gebracht. Und ich habe viele motivierende Lieder gehört. 

Wenn dein Vater  Alkoholiker ist kannst du aber leider nicht viel tun. Er muss in Behandlung. Er scheint ein Problem zu haben. Nicht nur ein Alkoholproblem, sondern auch ein Agressionsproblem. Du kannst ihm eine Therapie ans Herz legen, aber letztendlich muss er den Willen haben und sich sein Problem eingestanden haben. 
Einer meiner Brüder war Drogensüchtig und ich kann dir sagen, dass du am besten vor allem auf dich selbst achten sollst. Kümmer dich nicht zu viel um ihn. Eigentlich wäre es seine Aufgabe als Vater sich um dich zu kümmern. Egal was du für ihn tust, wenn er es nicht schafft aufzuhören wird er dir eh nie danken. 
Ich habe die Probleme meines Bruder zu meinen werden lassen und so viel für ihn getan. Und was hat er gemacht? Sich umgebracht.

Also, ich kann dir wirklich nur ans Herz legen: Achte in erster Linie auf dein eigenes Wohlbefinden. Du wirst nie Schuld für das Verhalten deines Vaters sein.

Kommentar von 3ac3187 ,

Ja der meinung bin ich eben auch! Denn er hat meine Mutter schon damals psychisch runtergezogen obwohl sie alles für ihn gemacht hat. Und ich meine wirklich ALLES. Und irgentwann wurde es zu viel für sie wie es aussieht... sie hat sich nähmlich auch selbest umgebracht. Und wir habens davor nichteinmal geblickt. Wir dachten auch nicht dass sie sich sowas antut.... mein Vater konnte bis vor kurzem nicht einmal Geld an einem Bankautomaten abheben! Und deshalb kriegt er auch hilfe von mir wegen Finanzen Briefe usw. Aber ich will ihm nur aus der ferne helfen. Denn wie du gesagt hast, und mein großer Bruder übrigens auch, soll ich mich nicht von ihm runterziehen lassen wie er schon meine Mutter runtergezogen hat.

Und ja im Moment lebe ich alleine mit ihm.. aber nurnoch bis mitte September. Wenn er selbst keine Therapie machen will dann weiß ich auch nicht mehr wies weiter gehen soll...

Und tut mir leid das zu hören wegen deinen 2 Brüdern... ich hab auch 2 ältere Brüder und die sind alles was mir hier noch bleiben!

Kommentar von LisanneVicious ,

Dankeschön... auch für dich tut es mir leid. Ich finde Mord ist eine der schlimmsten Arten zu sterben. Auch Selbstmord.

Also ich finde das ist eine sehr schwierige Situation.

Eine ähnliche in der meine Familie eben war. Mein abhängiger Bruder war nicht mehr er selbst, komplett überfordert mit seinem Leben und hat uns immer wieder (wenn auch unabsichtlich) verletzt. Es ist nicht schön für dich dir ähnliches ansehen zu müssen.

Ich finde deine Entscheidung gut, also dass du nicht mehr allzu viel Kontakt mit ihm hast. Aber wenn er sich wirklich für eine Therapie entscheiden sollte, und es schaffen sollte ,WIRKLICH NUR DANN würde ich mir an deiner Stelle nochmal überlegen ob ich ihm verzeihen will. Nun weiß ich jetzt nicht was er genau alles getan hat, aber ich meine nur es wäre eine Überlegung wert. Und wenn du ihm nicht verzeihen willst ist es auch dein gutes Recht, nachdem was er deiner Mutter angetan hat.

Kommentar von 3ac3187 ,

Danke! Ja es ist wirklich eine überlegung wert....aber ich denke wenn es irgentwann WIRKLICH soweit ist dass er sich und seine Alkoholsucht unter kontrolle hat, wir 3 Brüder schon das richtige machen werden! Verzeihen könnte ich ihm dann vielleicht schon aber vergessen werde ich nie....

Antwort
von Roentgen101, 4

Es kann lange dauern, bis man seine Trauer verarbeitet hat, besonders wenn man dem Verstorbenen sehr nahe stand. Es gibt kein richtiges oder falsches Trauern. Jeder wird damit ganz anders fertig.

Gerade der orthodoxe Glauben pflegt Alkoholismus und falsche Trauerverarbeitung! Die zieht einen nur noch mehr runter! Kenne ich, habe das selber schon erlebt!

Tipp: Alkohol und falsche Freunde entfernen und euren Vater an der frischen Luft beschäftigt halten. Sonst gräbt er sich gleich das eigene Grab!

1. Der Tod wird in der Bibel deutlich als „letzter Feind“ bezeichnet (1. Korinther 15:26). Er kommt wie aus dem Nichts, trifft unser Leben mit voller Wucht und raubt uns unsere Lieben. Keiner ist vor seinen furchtbaren Folgen geschützt. Es ist kein Wunder, wenn wir uns dem Tod und seinen Auswirkungen hilflos ausgeliefert fühlen.

Obwohl wir wissen dass wir alle sterben müssen, trauern wir. Den der Tot ist für uns Menschen unterbewusst nichts normales!

2. Die Trauer verarbeiten:

https://www.jw.org/de/publikationen/zeitschriften/wachtturm-nr3-2016-mai/die-tra...

Der gesamte WACHTURM Nr.3 2016 setzt sich mit der Trauer auseinander. Und ist eine große Hilfe, damit umzugehen! Unter dem Link könnt ihr ihn euch auch in eurer Landessprache (Russisch) als PDF durchlesen oder herunter laden!

3. Für alle Trauernden! Trauer Knigge!!!

Das schlimmste was man euch sagen könnte wäre:

"Gott hat ihn/sie zu sich geholt" bzw. "Gott brauchte einen Engel" oder "es war Gottes Plan"/"vorher bestimmt".

All diese Sätze beruhen auf falschen menschlichen Theologien! Und sie alle schmerzen und verlängern eine Trauerzeit nur! 

Damit tut ihr Trauernden keinen Gefallen. Genauso verhält es sich mit lautem falschen Trauern, wie es bei Orthodoxen Kirchen üblich ist!

Trauer muss verarbeitet werden! Geschied das aber nicht, kann es bleibende seelische Schäden hinterlassen!

Trauernden könnt ihr tägliche Pflichten abnehmen, wie Kochen und Einkaufen, hört ihnen zu und zeigt echtes Mitgefühl. Das hilft Trauer zu verarbeiten!

Ein guter Freund (Zeuge Jehovas) von uns, hat seine Mutter (Katholisch) letzte Woche verloren. Und keine 24 Stunden später bei der Beerdigung wurde er informiert, dass seine Schwester (Katholisch) soeben auch verstorben war!

Solche News helfen dann nur noch gute Freunde und eine große Familie aufzufangen!

Antwort
von nachdenklich30, 12

Das hört sich wirklich dramatisch an.

Das eine ist die "Ankündigung" eines Suizid.
Da kannst Du Dich bei Deinem Gesundheitsamt beraten lassen (Sozialpsychioatrischer Dienst).

Das andere ist der Alkohol. Da gibt es etwa die Angehörigengruppen der Anonymen Alkoholiker (AA).

Ich würde Dir empfehlen, mit beiden Kontakt aufzunehmen.

Der Sozialpsychiatrische Dienst kann Dir eine ganze Menge Sorge abnehmen und Verantwortung, was die Suizidneigung angeht. Wenn Du mit denen in Kontakt bist, kannst Du möglicherweise kurzfristig eine Einweisung zum Schutz Deines Vaters erreichen.

Die Angehörigengruppe der AA kann Dir helfen, mit all den Sorgen um einen alkoholkranken Angehörigen besser umzugehen. Du bist nicht die erste Angehörige, die davon betroffen ist. Und vom Rat der anderen und von ihren Erfahrungen kannst Du nur profitieren.

Wichtig erscheint mir, dass Du jetzt für Dich selber sorgst. In beiden Bereichen. Es kann sein, dass Dein Vater Deine Hilfe braucht. Dazu musst Du aber selber stabil sein. Und es kann sein, dass Du selber Hilfe brauchst. Einfach, weil suizidgefährdete und alkoholkranke Angehörige all Deine Kraft aussaugen können. Darum ist das Wichtigste, dass Du Dir qualifizierte Verbündete suchst, bei denen Du einen großen Teil Deiner Sorgen los werden kannst.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft!

 

Antwort
von Ille1811, 15

Hallo!

Helfen kannst du deinem Vater nicht. Bei mir war es meine Mutter, die nach dem Tod meines Vaters immer mehr Alkohol trank. Wie oft sagte sie: "Du bist nicht lieb zu mir! Deshalb muss ich trinken!" Nach einer Zeit kamen dann Drohungen: "Wenn du nicht lieb zu mir bist, bringe ich mich um!"

Ich hab mich damals vor meiner Mutter geekelt. Trotzdem nahm ich sie in den Arm, sagte ihr, dass ich sie liebe.

Trotzdem beging sie Suizid! Und ich fühlte mich Jahrzente schuldig an ihrem Tod!

Das ganze Krankheits-System habe ich erst begriffen, als die Folgen des Alkohol trinkens meines Mannes so schlimm waren, dass ich endlich zu einer Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde von Alkoholikern gegangen bin.

Dort habe ich erfahren, dass ich einem Alkoholiker nicht helfen kann. Heute weiß ich auch, dass ich den Suizid meiner Mutter nicht hätte verhindern können.

Schau mal, wo es bei dir die nächste Al-Anon Gruppe gibt:
http://al-anon.de/gruppe-finden/gruppen-finder/

Antwort
von SwordOfAlJabbar, 44

So gut wie genau meine Situation. Außer halt das er sich umbringen will. Er schlägt mich nämlich wenn ich nicht bei ihm sein will. Ich habe auch schon nie gewollt meine Muttersprache zu lernen weil ich meine Landsleute für schlechte Personen vom Charakter her halte ( so einige, aber nicht alle). Meine Schwester meint immer wie rufen einfach das Jugendamt an und bist führiger weg von ihm aber genau das will ich nicht. Ich habe neu Hoffnung bekommen, dass ich bei meinem Vater einfach standhaft sein muss. Ich habe mir auch neulich erst vorgenommen meine Muttersprache gründlich zu lernen, damit ich richtig mit meinem Vater kommunizieren kann. Es geht so langsam einfach nicht mehr. Ich muss es einfach lernen denn ich werde mich nie mit ihm verständigen können auf diese Art und Weise. Aber mein Entschluss steht fest, das Jugendamt wird da ausbleiben, ich regel das selbst!

Wie wär's wenn du mal deinen Vater fragst, ob er dir vielleicht Russisch beibringt. Vielleicht macht ihn das ein wenig glücklich. Wenn das gar nichts bringt, dann könnte ich dir tiefer unter die Arme greifen. Mein Onkel kann nämlich fließend Russisch. Wenn wirklich gar nichts mehr klappt, dann kann ich ja vielleicht meinen Onkel fragen, ob er dir nicht vielleicht helfen könnte. Er kann mit deinem Vater reden und ihn vielleicht davon überzeugen, dass das Leben noch einen Sinn hat und dass das Schlagen auch sinnlos ist und sonstiges was man ihm so sagen kann. Wenn du intensiver darüber sprechen willst kannst du mich auch anschreiben oder auf FB mal mit mir reden. Reden hilft immer mal, weißt du?

Kommentar von 3ac3187 ,

Ich glaube das wäre keine gute idde ihn zu fragen ob ich bei ihm die sprache lernen kann. Der zug ist abgefahren... Wenn dan mache ich das lieber auf eigene Faust sowie du mit deinem Vater ;) Und schlagen tut er ja auch keinen mehr das war ja früher. Aber wir haben ihn deswegen gehasst und somit keinen richtigen Kontakt mehr gehabt... Meine Mutter war sozusagen die Säule die uns zusammengehalten hat bis SIE dann Suizid began. Deshalb denkt er jetzt wahrscheinlich das gleiche zu tun keine Ahnung... Anfangs sagte er, er will sich halten da wir noch bis mitte September hier im Haus wohnen und umziehen. Und ich werde ihm auch helfen wenn er was braucht.... aber aus der ferne. Denn plötzlich ist er froh Kinder zu haben seitdem dass passiert ist früher meinte er: "Warum habe ich nur Kinder gemacht und mich auf sowas eingelassen". Naja ist bissle kompliziert würde ich sagen.... Denn ich will mich nicht so runterziehen lassen wie er meine Mutter runtergezogen hat...

Kommentar von SwordOfAlJabbar ,

Ja, wahrscheinlich wird es nur noch bergauf gehen ab jetzt. Solange er nicht in die Fußstapfen deiner Mutter tritt. Ich denke es wäre jetzt Zeit für dich ihn ein wenig näher kennenzulernen. Es ist Schade wenn man seinen Vater kannte und doch nie kennengelernt hat. Also mach das beste draus. Ich wünsche dir viel Glück und bete zu meinem Herrn, dass er dir helfen möge und dir standhaft macht. Er ist wahrlich der Allhörende, der Allsehende. Und er ist der Erhöre der Bittgebete. :)

Antwort
von skyberlin, 41

Trinken ist die Flucht aus der Einsamkeit und aus der Isolation.

Vielleicht muss er in psychiatrische Behandlung, um das "Trauma" Verlust zu überwinden.

Dafür gibt es in BRD etliche Einrichtungen, bitte googeln!

Viel Erfolg!

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