Frage von Hyazinthe2, 108

Hallo! Ich habe eine Frage. Wir sollen in der Schule Gesetze für eine gerechte Wirtschaftsordnung formulieren. Hat jemand Ideen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PeVau, Community-Experte für Politik, 47

Hm, das ist natürlich gar nicht so einfach.

Um solche Gesetze formulieren zu können, muss man sich zunächst einmal überlegen, was denn eigentlich gerecht ist.

Wenn man der Meinung ist, dass es gerecht ist, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, dass selbst der Mittelstand zunehmend vom ökonomischen und sozialen Abstieg bedroht ist, dann braucht man solche Gesetze nicht, denn das ist bereits Realität.

Wenn man aber anderer Meinung ist, dann muss man sich zunächst die Frage stellen, woher denn diese Ungerechtigkeit resultiert, wieso es überhaupt möglich ist, dass es eine derart ungleichmäßige Verteilung gibt. Ist das nur eine Frage der Gesetze oder ist das etwas ganz Grundsätzliches, was wir Eigentum nennen?

Wenn die Ungerechtigkeit der Wirtschaftsordnung daraus resultiert, dass die einen mit ihrem Eigentum an Produktionsmitteln in der Lage sind, sich den gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum anzueignen und davon gerade genügend abgeben, um Ruhe zu haben, dann ist doch eigentlich der naheliegendste Gedanke, an eben diesen Eigentumsverhältnissen etwas zu ändern. Alles andere wäre nur Kosmetik.

Die Änderung der Eigentumsverhältnisse ist aber keine Frage der Gesetze, sondern eine Frage der Macht, der ökonomischen Macht. Echte Machtfragen aber entscheiden sich nicht in bürgerlichen Parlamenten. Dazu bedarf es einer echten Revolution.

Gesetze in einem bürgerlichen Staat sind nicht geeignet, die grundsätzlich ungerechte Wirtschaftsordnung gerecht zu machen.

Kommentar von PeVau ,

Danke für den Stern!

Antwort
von voayager, 54

die Enteignung der Monopole, das würde ich da anführen. Nach 1945 stand so was auf der Agenda im gerade besiegten Deutschland. Diese einstigen forderungen und Absichten gilt es reaktivieren.

Antwort
von valtisma, 9

Hallo hyazinthe2,

die Aufgabe, die du in der Schule bekommen hast strotzt nur so vor Ironie. Fast jedes Gesetz, was die freie Marktwirtschaft einschränkt, führt zu Ungerechtigkeit. Nehmen wir mal die, in Deutschland herrschende, "soziale" Marktwirtschaft, auch wenn das Wort genauso paradox wie die Aufgabe ist, da man nicht mit versteuertem also geraubten Geld sozial sein kann und man nur auf einer freiwilligen Basis sozial sein kann.  Zwar haben wir unser stark ausgeprägtes Sozialnetz, was z.B. jemanden der arbeitslos geworden ist auffängt, aber gleichzeitig sorgt es auch für mehr Arbeitslosigkeit, da es Arbeitsplätze zerstört und gleichzeitig auch Fehlanreize schafft nicht arbeiten zu gehen. Das Problem ist, dass dieses System langfristig ein Schneeballsystem ist, denn je mehr Arbeitslose du hast, desto mehr musst du die arbeitende Bevölkerung bestehlen, was wiederum für mehr Arbeitslosigkeit sorgt, da sich arbeiten gehen immer weniger lohnt.
Des Weiteren sind die riesigen Subventionen, die der Staat an irgendwelche Multis, die sowieso too-big-to-fail sind, fliessen lässt, abzuschaffen, da sie eine Wettbewerbsverzerrung darstellen und so der Markt nicht nur durch Angebot und Nachfrage beeinflusst wird. Allgemein sind die ganzen Regulierungen und Auflagen sowieso auf Lobbyismus zurückzuführen, weil große Konzerne, die diese absichtlich einführen lassen haben, diese leichter und schneller einhalten können als die Konkurrenz.
Aber das aller, aller schlimmste in unserem Wirtschaftssystems ist der Euro. Ich weiß jetzt nicht in welche Klasse du gehst und in wie weit ihr schon Finanzsysteme, Währungen etc durchgenommen habt. aber lass dir gesagt sein: Lass dir bloß nicht den Kopf vollmüllen und dir erzählen, dass der Euro gut für alle ist. Das ist so eine dreißte Lüge, denn der Euro ist Fiat-Money, also Papiergeld was man beliebig vermehren kann. Das Problem dabei ist aber, dass mehr Gelder bei einer Kreditvergabe geschaffen werden, weil die Bank ungefähr 100 mal mehr Geld verleihen kann als sie besitzt. Da die größten Mengen an Krediten, von den wohlhabenderen Menschen aufgenommen werden wird immer mehr Geld in Umlauf gebracht und es kommt zu einer starken Inflation. Zudem wird durch diese Geldschöpfung per Kredit Wohlstand von unten nach oben umverteilt und die Schere zwischen arm und reich geht auseinander. Es ist egal wie frei die ganzen Märkte sind, wenn der großte Markt, der Finanzmarkt, der alle anderen Märkte beeinflusst, so eine Pervertierung ist und die Geldmenge schneller wächst als die Wirtschaft

mit freundlichen Grüßen
valtisma

Antwort
von jule1502, 61

Selbst ausgedachte oder bereits existierende ? Ansonsten könnte man das meistbegünstigungsprinzip und das inländerprinzip der welthandelsorganisation nennen....

Kommentar von Hyazinthe2 ,

Neue 😅

Kommentar von jule1502 ,

Hm na dann vielleicht das den Firmen verboten wird ihr Logo auf ihre Produkte zu drucken so würde der "markenaufschlag" wegfallen und die Produkte würden nur nach ihrer Qualität beurteilt werden  .... Das ist natürlich nur rein hypothetisch und wäre niemals umsetzbar 

Antwort
von cherskiy, 32

Ein paar Ideen. Weiterentwicklung von Europa als einzigartige Kultur, Schutz des gemeinsamen Kulturraumes, der Vielfalt, unserer historischen Traditionen;
Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaften durch den Zugang zu innovativer Entwicklung, Unterstützung von Wissenschaft, Verbesserung der Infrastruktur, Investitionen, vor allem in den High-Tech-Bereich sowie in die Motoren des Wirtschaftswachstums ;

Schaffung einer neuen Lebensqualität durch die Einführung und Umsetzung von strategisch wichtigen Projekten auf nationaler und europaweiter Ebene wie "Gesundheit", "Bildung", "Wohnungsbau" und die deutliche Erhöhung von Löhnen, Renten und Stipendien.

Weiterer Ausbau und Unterstützung einer Zivilgesellschaft, Förderung der sozialen Mobilität und Aktivität sowie die Förderung von Gemeinschaftsinitiativen;

Stärkung der Souveränität Europas, Austritt aus der NATO, die EU muss ihren eigenen Platz in einer multipolaren Welt finden.

Antwort
von earnest, 54

-"Friede den Hütten, Krieg den Palästen!" - "Für eine saftige Steuer auf Kapitalerträge!" -"Für eine ordentliche Börsenumsatzsteuer!"

-"Macht die Steuerschlupflöcher dicht!"

-"Keine Chance für TTIP!"

Gruß, earnest


Kommentar von Hyazinthe2 ,

Danke :)

Kommentar von Schuhbach97 ,

TTIP kann für Europa durchaus positiv sein und ist nicht per se zu verurteilen. 

Übrigens sehr lustig hier Georg Büchner zu zitieren ;)

Kommentar von earnest ,

Ich habe nicht vor, mit dir über TTIP zu diskutieren, Schuhbach. 

Auch nicht über Büchner. 

Ciao.

Kommentar von PeVau ,

@earnest
Kurz und knapp auf den Punkt.

@ Schuhbach97
Wen meinst denn du mit Europa? Die europäischen Verbraucher und die abhängig Beschäftigten in Europa und alle, die noch einen Rest von Demokratie gegen die Macht multinationaler Konzerne bewahren möchten, kannst du damit jedenfalls nicht meinen.

Kommentar von veritas55 ,

Volle Zustimmung !!!

Das "Danke" dafür, dass ich mir eine eigene Antwort sparen kann ;).

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