Hallo, ich bin jetzt 19 Jahre alt und möchte gerne mit Karate Shukokai beginnen. Ist es zu spät?

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5 Antworten

Hallo shkkay

ich sei bereits aus dem Alter raus in dem ich noch lernen könnte wie man sich richtig bewegt.

Was deine Mutter sagt ist - mit Verlaub - kompletter Unsinn.

Es ist grundsätzlich praktisch nie zu spät etwas neues zu lernen und bereits vorhandene Verhaltensmuster zu ändern. Dazu gehört auch die Bewegung.

Ich erzähle mal aus eigener Erfahrung

Ich trainiere die japanische Kampfkunst Aikido und habe da auch Erfahrungen mit Menschen gemacht, die gesundheitliche Probleme hatten.

Eine Person konnte beispielsweise wegen neurologischer Probleme nicht einmal geradeaus gehen und hatte eine gekrümmte Haltung, weil sie sie immer auf den Boden blickte, um gerade zu gehen.

Etwa ein halbes Jahr später hätte man diese Person kaum wiedererkannt - deutlich verbesserte Haltung, geschmeidigere Bewegungen und sogar abrollen auf der Matte war (vorsichtig) möglich.

Soviel zu "man kann nicht mehr lernen, wie man sich richtig bewegt".

Würde diese Aussage stimmen, dann könnten ganze Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Sporttherapeuten und Ergotherapeuten ihre Sachen packen und wären arbeitslos.

Was bringen sie wohl Menschen die beispielsweise einen Schlaganfall, oder irgendeine Lähmung erlitten haben, wieder bei? Bewegung!

Einige Vereine bieten für das Training ihrer Kampfkunst sogar gesonderte Kurse für Menschen mit Handicaps an - so gibt es beispielsweise auch Karate für Blinde.

Und in deinem Fall besteht dein einziges "Handicap" darin, dass deine Mutter offenbar eine völlig falsche Vorstellung von Kampfkunst hat.

Ich kenne Menschen, die erst mit 50 Jahren mit dem Aikido begonnen haben und genau so enthusiastisch beim Training sind, wie die Kindergruppe.

Man muss kein sechsjähriger Shaolin-Novize in einem asiatischen Tempel gewesen sein, um eine Kampfkunst, oder einen Kampfsport zu erlernen.

Nehmen wir einmal an, du könntest aus gesundheitlichen Gründen wirklich keinen Spagat lernen - na und? Karate besteht doch nicht allein aus dem Spagat?

Das wichtigste ist, dass das Training dir Freude macht und du langfristig motiviert bist. Alles andere ist dabei zweitrangig.

Wen kümmert es denn, ob du einen gelben, roten, grünen oder regenbogenfarbigen Gürtel hast? Ob du Deutscher- Europa- oder Weltmeister bist?

Wichtig ist, dass das Training dir etwas gibt. Wenn es dir Spaß macht, dann ist das alles was notwendig ist, um glücklich zu sein.

Ich kenne eine Person die es bewusst abgelehnt hat  zu Wettkämpfen zu gehen und an Meisterschaften teilzunehmen weil ihm dieses "Leistungsdenken", jetzt "noch besser" werden zu müssen, nicht gefiel.

Diese Person hat eine unglaubliche Schönheit in der Bewegung und zeigt eine körperliche und geistige Anpassungsfähigkeit, um der so mancher Schwarzgurt sie beneiden würde - und dennoch ist sie offiziell nie über irgendeinen Schülergrad hinausgekommen, weil sie keine Prüfungen mag.

Gerade Kampfkunst bedeutet viel mehr als körperlich Fit, athletisch, ausdauernd, oder gelenkig zu sein.

Also sage deiner Mutter ruhig, dass sie Unsinn erzählt und es dir auch nicht darum geht, der "größte/beste/stärkste/erfolgreichste" Karateka zu werden, sondern dass du dich einfach für die Disziplin begeisterst.

Vielleicht stellst du nach einem Probetraining möglicherweise ja sogar fest, dass dir Karate gar nicht zu sagt und du stattdessen zB Judo ausprobieren möchtest - da im Voraus kategorisch "Nein" zu sagen, ist unklug.

Ich denke, Eltern sollten sich über jedes Kind freuen, das beschließt in einen Verein zu gehen, anstatt sich auf der Straße mit seltsamen Typen rumzutreiben, sich in Komasaufen und Kiffen zu stürzen.

Also lass dir das nicht madig machen von deiner Mutter - ich wünsche dir viel Spaß beim Probetraining.

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Kommentar von Enzylexikon
30.06.2016, 20:41

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Es ist nie zu spät. Und weil es nie zu spät ist macht es immer Sinn damit anzufangen. Ja, vielleicht wirst du nie einen Spagat beherrschen. Aber ich habe auch noch niemanden gesehen der mit einem Spagat einen Kampf gewonnen hat!

Beim Karate gilt“ der Weg ist das Ziel“ und nicht wie gut du Spagat oder irgendetwas anderes kannst. Also mach dir keinen Kopf und fang einfach an.

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Kommentar von shkkaj
29.06.2016, 22:25

Das mit dem Spagat nehmen alle ein bisschen zu ernst :) War nur als Beispiel gedacht.

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Es ist nicht zu spät was neues anzufangen

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Auf jeden Fall kann man damit auch mit 20 starten.

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Ich bin schon weit über 40 Jahre und habe dieses Jahr mit Karate angefangen. Auch kann ich kein Spagat und bin nicht gerade der beweglichste im Verein, trotzdem kann ich mitmachen. Das einzige was mich stört ist, daß ich mir nach 6 Monaten kaum ein japanisches Wort merken kann. 

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