Hallo, fiktive Situation: Ich bin alleine Zuhause, nun bemerke ich einen Einbrecher. (Sturmhaube+Messer), darf ich diesen verletzten(tod) oder ist das Verboten?

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12 Antworten

§ 32 StGB (Notwehr):

"(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.
(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden."

Wenn jemand in deine Wohnung einbricht und du ihn verletzt oder sogar tötest, dann ist das tatbestandsmäßig zunächst einmal eine Körperverletzung (§ 223 StGB) oder ein Totschlag (§ 212 StGB).

Allerdings stellt sich in einem weiteren Schritt, ob deine Tat auch rechtswidrig war, oder ob sie durch einen Rechtfertigungsgrund gerechtfertigt ist.

In Betracht kommt hier der Rechtfertigungsgrund der Notwehr (s.o.). Dazu ist folgende Prüfung nötig:

I. Notwehrlage
Hier muss ein Angriff auf ein notwehrfähiges Rechtsgut vorliegen. Ein Angriff ist jede durch menschliches Verhalten drohende Verletzung von rechtlich geschützten Gütern und Interessen. Wenn in dein Haus eingebrochen wurde, dann sind damit auch ein oder mehrere notwehrfähige Rechtsgüter betroffen, nämlich dein Eigentum.
Der Angriff muss gegenwärtig sein, d.h. kurz bevorstehen, gerade stattfinden oder noch im Gange sein. Ist der Einbrecher gerade in deinem Haus, dann dauert sein Angriff auf dein Eigentum noch an.
Als letztes muss der Angriff auch rechtswidrig sein, darf also seinerseits nicht durch einen Rechtfertigungsgrund gerechtfertigt sein. Das ist ein Einbruch in aller Regel nicht.

Fazit: Eine Notwehrlage liegt bei einem Einbruch in der Regel vor. Sie liegt nur dann nicht (mehr) vor, wenn der Einbrecher bereits auf dem Rückweg ist, gerade aus deinem Garten flieht und du ihm dann hinterher schießt. Dieses Verhalten ist dann nicht mehr von der Notwehr gedeckt, sodass in einem solchen Fall vor kurzer Zeit ein Hausbesitzer wegen Totschlags verurteilt wurde (allerdings relativ milde, weil die anderen schließlich eigentlich die "Bösen" waren).

II. Notwehrhandlung
Als nächstes muss geprüft werden, ob auch eine Notwehrhandlung in der Notwehrsituation vorliegt.
Deine Handlung muss zunächst gegen den Angreifer gerichtet sein. Das bedeutet, eine Notwehr liegt dann nicht vor, wenn du Rechtsgüter von unbeteiligten Dritten verletzt, um den Angriff zu beenden. Dann kann eventuell noch der Rechtfertigungsgrund des Notstands (§ 34 StGB) vorliegen.
Wenn du allerdings einen Einbrecher verletzt, dann richtet sich deine Handlung gegen den Angreifer.

Zweitens muss deine Verteidigungshandlung erforderlich gewesen sein. Die Erforderlichkeit hat zwei Elemente:
a) Deine Handlung muss geeignet sein, um den Angriff (sofort) zu beenden. Normalerweise ist hier deine Handlung geeignet, dieses Kriterium ist nur bei ganz abwegigen Abwehrversuchen mal nicht gegeben.
b) Deine Handlung muss darüber hinaus auch das mildeste Mittel sein. Das bedeutet, du musst in deiner Verteidigung das Mittel auswählen, das für den Angreifer am ungefährlichsten ist. Allerdings musst du nur dann auf ein milderes Mittel ausweichen, wenn dieses genauso geeignet ist. Stehen dir also beispielsweise zum einen ein Schlag mit der Hand und zum anderen ein Schlag mit einer Pfanne zur Verfügung, dann ist natürlich der Schlag mit der Hand in der Regel für den Angreifer ungefährlicher. Aber dieser wird im Zweifel nicht mal annähernd so gut geeignet sein, um den Angriff sofort zu beenden. Du darfst in diesem Fall also ruhig die Pfanne nehmen.

Ein Leitsatz ist in diesem Zusammenhang sehr wichtig: Das Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen. Dieser Satz bedeutet, dass niemand, der angegriffen wird, fliehen muss. Die Flucht wäre zwar in vielen Fällen (zB bei einem Raubüberfall auf der Straße) ein geeignetes und auch das mildeste Mittel, um den Angriff zu beenden. Doch wer im Recht ist, darf sich verteidigen, darf also trotz Fluchtmöglichkeit sich gegen den Angreifer wehren.

Drittens muss die Verteidigungshandlung auch noch geboten sein. Im Kriterium der Gebotenheit werden einige vom Gesetz offen gelassene Fragen geklärt. Beispielsweise ist hier die Frage zu klären, ob zur Verteidigung auch eine tödlich wirkende Schusswaffe eingesetzt werden darf. Hier sagt die herrschende Meinung, dass beim Schusswaffengebrauch dieser zunächst angedroht werden muss, anschließend soll ein Warnschuss abgefeuert werden und erst dann ein Schuss auf den Angreifer folgen, am besten nur einen solchen, der ihn kampfunfähig macht. Allerdings braucht sich der Verteidiger nicht an diese drei Schritte zu halten, wenn Zweifel bestehen, dass die ersten Schritte den Angreifer aufhalten würden und man bei Befolgen dieser Schritte zum Schuss gar nicht mehr kommen würde. Rennt also gerade der Angreifer mit gezogenem Messer auf einen zu, dann würden Androhen und Warnschuss wohl nicht helfen, ein scharfer Schuss (bei Bedarf sogar ein tödlicher) sind hier erlaubt.

Wichtig bei der Notwehr ist, dass es hier keine Verhältnismäßigkeitsprüfung gibt. Das bedeutet, es muss nicht abgewogen werden zwischen dem angegriffenen, also bedrohten Rechtsgut und dem durch die Verteidigung verletzten Rechtsgut.
Bei einer Abwägung stünde das Leben immer über dem Rechtsgut Eigentum oder körperliche Unversehrtheit. Aber diese Abwägung gibt es bei der Notwehr nicht.
Auch bei Angriffen, die nur auf dein Eigentum oder deine körperliche Unversehrtheit gerichtet sind, darfst du also den Angreifer töten. Allerdings nur, wenn dieses das mildeste Mittel darstellt, die Tötung des Angreifers muss immer ultima ratio, also letztmögliches Mittel sein.

Bei der Gebotenheit gibt es auch noch den Begriff des "krassen Missverhältnisses". Wie gerade dargelegt, gibt es zwar bei der Notwehr keine Verhältnismäßigkeitsprüfung. Aber wenn der Unterschied zwischen bedrohtem und verletztem Rechtsgut so groß ist, dass jedem sofort offensichtlich auffällt, dass hier ein krasses Missverhältnis vorliegt, dann ist die Handlung ausnahmsweise nicht mehr von der Notwehr gedeckt. Der Standard-Beispielfall ist hier der gelähmte Opa, der beobachtet, wie der Nachbarsjunge Kirschen aus seinem Baum klaut. Seine einzige Möglichkeit, den Angriff auf sein Eigentum zu beenden, ist ein Schuss mit seinem Schrotgewehr, das er zum Verscheuchen von Vögeln auf dem Schoss liegen hat. Folglich ist dieses Verteidigungsmittel geeignet und auch das mildeste zur Verfügung stehende Mittel. Trotzdem sagt hier die herrschende Meinung: Die Diskrepanz zwischen dem bedrohten Rechtsgut (Eigentum, also die paar Kirschen) und dem verletzten Rechtsgut (der Tod oder zumindest die schwere Verletzung des Jungen) ist so krass, dass hier keine Notwehr mehr vorliegt.

III. Verteidigungswille
Als letztes noch der Verteidigungswille. Der ist meistens unproblematisch und besagt nur, dass die Verteidigungshandlung von dem Willen getragen sein muss, sich zu verteidigen und nicht aus anderen Gründen.


FAZIT:
Wenn dich ein Einbrecher in deinem Haus aufsucht, dann ist das zunächst einmal ein Angriff auf dein Eigentum. Du darfst dich verteidigen, und zwar mit einem Mittel, das geeignet ist, den Angriff sofort zu beenden. Das kann zum Beispiel sein, den Angreifer bewusstlos zu schlagen. Allerdings muss dein Verteidigungsmittel das mildeste unter allen gleich geeigneten Mitteln sein.
Du darfst als letztmögliches Mittel sogar den Angreifer töten, doch damit ist natürlich äußerste Vorsicht geboten.
Es kann sein, dass der Einbrecher dich versucht körperlich anzugreifen, wenn er dich bemerkt. Jetzt ändern sich natürlich auch die geeigneten Mittel. War es vorher vielleicht nur erforderlich, den Angreifer bewusstlos zu schlagen, um den Angriff sofort und endgültig zu beenden, dann kann es hier sein, dass du keine andere Möglichkeit mehr hast, als mit deiner im Haus aufbewahrten Pistole den Angreifer zu erschießen.


Eine andere Frage als diese ganzen rechtlichen Dinge ist dann aber, wie die Sache vor Gericht aussieht. Im Zweifel wird der Richter wohl eher dir glauben, wenn ein toter oder verletzter Einbrecher in deinem Haus gefunden wird. Aber gerade wenn der Angreifer tot ist, wird hier ganz genau geprüft, ob eine Notwehr wirklich vorlag. Und dann kann es eben sein, dass der Hausbesitzer, der dem flüchtenden Eindringling hinterher schießt, wegen Totschlags belangt wird, weil eben keine Notwehrlage mehr vorlag.



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Kommentar von furbo
31.03.2016, 16:10

Der Standard-Beispielfall ist hier der gelähmte Opa, der beobachtet, wie der Nachbarsjunge Kirschen aus seinem Baum klaut. Seine einzige Möglichkeit, den Angriff auf sein Eigentum zu beenden, ist ein Schuss mit seinem Schrotgewehr, das er zum Verscheuchen von Vögeln auf dem Schoss liegen hat. 

Dir ist aber klar, dass dieser Beispielfall einen realen Hintergrund hat und der Schütze damals wegen Notwehr freigesprochen wurde. Allerdings ändern sich die Zeiten und was frührer gerechtfertigt war ist es heute nicht mehr. 

Und dann kann es eben sein, dass der Hausbesitzer, der dem flüchtenden Eindringling hinterher schießt, wegen Totschlags belangt wird, weil eben keine Notwehrlage mehr vorlag.

Wie vor kurzem geschehen. Der Rentner, der den Räuber erschoss, wurde verurteilt. Unverständlich.

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Nein, wir sind hier nicht in Amerika. Wenn er dich angreift, dann darfst du dich wehren, selten wird tödliche Gewalt nötig sein, da Einbrecher sich eigentlich recht leicht abschrecken lassen.

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Kommentar von Frytec
31.03.2016, 14:17

Danke für die Antwort, also darf ich mich erst wehren, wenn er mich zuerst Angreift und Bedrohung/Einbruch zählt da nicht

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Kommentar von JuraErstie
31.03.2016, 15:08

Mit WBK darfst du ihn nach ausdrücklicher Warnung auch anschießen. Nicht gleich erschießen, aber ins Bein wird immer noch durch §32 StGB Notwehr gedeckt.

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Das würde ein Gericht zu entscheiden haben. Neben Notwehr ist auch ein Notwehrexzess denkbar.

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Eigentlich reicht es, wenn du Lärm machst, damit er abhaut. Ansonsten darfst du dich wehren, den Tod aber nicht mutwillig in Kauf nehmen. Wenn du also mit dem Baseballschläger zuhaust, sollte die Trefferzone nicht der Kopf sein!

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Wenn du mit einem messer angegriffen ist das notwehr weil er möglicherweise auch töten wollte

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Wenn du einen rechtswidrigen Angriff abwehren musst, kannst du alle der Situation entsprechenden Handlungen ergreifen und bist ohne Schuld. Beispiel: du wirst angegriffen und der Täter attackiert dich mit dem Messer. Du nimmst eine Pistole und schießt ihm in das Bein, so bist du ohne Schuld. Solltest du ihn jedoch ins Bein schießen, als er bereits auf der Flucht nach draußen ist, so würdest du bestraft werden, da der rechtswidrige Angriff bereits vorbei ist und keine Gefahr mehr für dich besteht. Ansonsten kannst du alle Maßnahmen ergreifen, um dein Eigentum zu schützen. Diese müssen jedoch der Situation entsprechen und nicht über dieses Maß hinaus.

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Ja wenn du ihn nur bemerkt hast und er dich nicht angegriffen hat JA!!!!IST VERBOTEN!!!!!! Und bei Tod ist es ja keine Frage wenn er dich nicht vorher ermordet hat hast du den Mord begannen das was ich geschrieben habe ist nicht aus dem Gesetz!!!!! Übernehmen keine Verantwortung XD.......

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Das übliche Notwehrproblem.

Ein Einbruch in deine Wohnung ist ein Angriff auf deine Rechtsgüter, wogegen du dich im Rahmen der Notwehr (§ 32 StGB) wehren darfst.

Die Notwehr kennt keine Verhältnismäßigkeit der Mittel. Du darfst das Verteidigungsmittel einsetzen, was ERFORDERLICH ist. Erforderlich bedeutet, dass du unter den zur Verfügung stehenden Mitteln das mildeste anwendest, das den Angriff zuverlässig beendet. Du bist nicht verpflichtet,  dich durch die Wahl des zu milden Verteidigungsmittels auf einen Kampf mit ungewissem Ausgang einzulassen. 

Sollte die Anwendung einer Schusswaffe erforderlich sein, dürftest du auch diese einsetzen. 

Es gibt keine Rechtsvorschrift die von dir verlangt, dass du notfalls die Flucht ergreifst. 

Das Beweisproblem sehe ich nicht, wenn einer unbefugt und maskiert in deine Wohnung eindringt, dürfte die Beweislage eindeutig sein, auch wenn Aussage gegen Aussage steht. 

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Nein, darst du nicht, du darfst wenn nur abwehren...dich also verteidigen. 

( Verletzt du den Täter dabei müsstest du sogar mit einer Anzeige seinerseits rechnen....Körperverletzung. ) 

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Kommentar von kayo1548
31.03.2016, 17:49

Natürlich darf man den Täter im Rahmen der Notwehr verletzen und Notwehr heißt auch nicht, dass man nur passiv tätig sein darf.

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Warum gehst Du davon aus, dass ein Einbrecher ein Messer gegen Dich einsetzen wird. Wenn der flüchten kann, hat er doch weniger Stress.

"Aussage gegen Aussage"  steht nicht im Gesetz.  Verletzt Du jemannd könntest Du Dich schon strafbar gemacht haben.

Machst Du  Krach und schreist einen Einbrecher an,   dass Du schon  die Polizei erständigt hast, dann rennt der doch sofort weg!



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Du darfst dich und dein Habe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen. Die Kosequenzen sind dabei irrelevant.

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Kommentar von Restriction
31.03.2016, 14:20

^ Welcome to America

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Kommentar von Frododog
31.03.2016, 14:24

Das war ironisch oder........

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Kommentar von Friedel1848
31.03.2016, 16:06

In Kurzform soweit richtig, allerdings fehlt da was grundsätzliches:

Du darfst dein Hab und Gut mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen, aber auch nur dann, wenn das von dir eingesetzte Mittel auch das ist, das für den Angreifer am ungefährlichsten ist, wenn dieses mildere Mittel genauso gut geeignet ist, den Angriff sofort und endgültig zu beenden.

Näheres siehe meine Antwort.

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Tot nein. Verletzen nur wenn er dich angreift...ich würd mir aber ne Schreckschusswaffe Waffe holen die bringts immer

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