Frage von Omidimo, 35

Hallo alle, ich möchte wissen, wie folgt das verb aufhängen der Grammatikstruktur wo und wohin?

Antwort
von ralphdieter, 9

hängen (tr.) erfordert die Angabe eines Ziels (wohin?). Dort hängt danach der Gegenstand:

  • Ich hänge die Jacke in den Schrank/auf die Leine.

(Ich kenne nur eine Verwendung, bei der diese Zielangabe fehlen kann: Jemanden hängen.)

Natürlich kann man zusätzlich auch einen Ort (wo?) angeben:

  • Ich hänge das Bild im Schlafzimmer an die Wand.

aufhängen (tr.) erlaubt die Angabe eines Ortes (wo?) als:

  • Ziel der Handlung (eigentlich uninteressant)
  • bestimmte Stelle des Gegenstands (meist mit der Präposition "an")
  • Ort der Handlung.

Man kann sogar alle drei kombinieren:

  • Ich hänge die Jacke an ihrer Kapuze im Flur an der Garderobe auf.

Trotzdem: Wird das Ziel (Garderobe) explizit angegeben, dann eignet sich "hängen" besser. Sonst klingt es irgendwie doppelt gemoppelt.

Eine Richtung (wohin?) passt bei "aufhängen" aber ganz bestimmt nicht.


Lass Dich nur nicht dadurch verwirren, dass "hängen" oft mit "auf ..." als Richtungsangabe benutzt wird. Nach der Präposition "auf" kommt da noch etwas. Wird dagegen "aufhängen" getrennt, landet das "auf" am Satzende:

  • Ich hänge die Wäsche auf die Leine.
  • Ich hänge die Wäsche auf der Leine auf.
Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Grammatik, 19

Das Problem ist zunächst das Verb "hängen", das transitiv und intransitiv sein kann, dann natürlich mit verschiedenen Kasūs (Fällen) steht und obendrein noch verschieden konjugiert wird.

hängen (transitiv) bedeutet: es steht ein Akkusativobjekt dahinter:
er hängt die Wäsche an die Leine; Frage: wen oder was? die Wäsche.
Die Konjugation (Beugung) ist: hängen - hängte - gehängt.
Es kann ein Passiv gebildet werden: die Wäsche wird an die Leine gehängt.
Der zweite Satzteil ist die Adverbiale Bestimmung des Ortes.
Wohin? an die Leine (Akkusativ)

hängen (intransitiv) bedeutet: es steht kein Objekt dahinter; es wird die Tatsache beschrieben, dass etwas bereits hängt; davon wird  dann auch kein persönliches Passiv gebildet; die Konjugation ist stark:
hängen - hing - gehangen
Hier ist die Adv. Bestimmung mit der Frage "wo" verbunden.
An der Leine (Dativ)

Also Präsens: es kommt jemand und hängt etwas auf. Dann hängt es da.
Präteritum: es kam jemand und hängte etwas auf. Dann hing es da.
Perfekt: es ist jemand gekommen und hat etwas aufgehängt. Dann hat es da gehangen.

Das Verb aufhängen zählt zur ersten Gruppe. Man hängt es auf, hängte es auf, hat es aufgehängt. (Es gibt nichts mit gehangen bei diesem Verb, auch wenn man es fälschlicherweise oft hört!) Auch das Passiv ist: er ist aufgehängt worden. (Nix gehangen!!)

"Irgendwo abhängen" im Sinne von nichts tun gehört zur zweiten Gruppe.
Man hat irgendwo abgehangen.

Einen Mantel "von einem Haken" abhängen, das ist wiederum eine aktive Tätigkeit und zählt deshalb zur ersten Gruppe. Auch "abhängen" im Sinn von darauf ankommen: es hing davon ab.

Kommentar von Volens ,

Der letzte Satz ganz und gar richtig:
Aber "abhängen" im Sinn von darauf ankommen: es hing davon ab.
Also 2. Gruppe (es tut keiner etwas, kein eigentliches Aktiv).

---
Hängen.

Sehr schweres Wort! So schwer, dass es selbst studierte Fernsehrichter und -staatsanwälte immer wieder falsch verwenden.

Kommentar von Omidimo ,

vielen Dank, aber nach der Grammatikstruktur wohin oder wo, verstehe das, dass wir wohin haben! aber im Langenscheidt Woerterbuch steht " etwas irgendwo aufhaengen" warum?!

Kommentar von Volens ,

Es ist schwer, auf einen Schlag sämtliche Finessen in einem Artikel unterzubringen, ohne den Leser zu verwirren.
Unter den Fragen "wo" und "wohin" gilt es manches Mal zu unterscheiden, ob die Positionierung an einer begrenzten Stelle oder in größerem Zusammenhang erfolgt.

Man hängt einen Mantel wohin? Auf oder an einen Haken.
Das ist Akkusativ, wie es sich gehört.

Hat man nicht so sehr die Befestigung im Sinn, sondern den Aufenthalt des Mantels in einem größeren Gebäude, einer Stadt od. dgl., dann heißt die Frage wieder: wo?

Man hängt den Mantel in der Schule auf.
Man baut die Ampel wo? Im Stadtteil ... in München.
(Gezielt hingegen setzt man sie wohin? An die Kreuzung.

Es ist auch für Wörterbücher schwierig, alle Nuancen zu beschreiben, und dann auch noch so, dass alles allen verständlich bleibt.

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