Frage von Gina123123123, 71

Hallihallo, ich würde einfach mal gerne wissen, was ich grundsätzlich zu beachten habe wenn man einen Hof pachten will oder sogar kaufen will?

Es geht um einen Gedanken, den meine besten Freundin und ich schon seit längerem haben. Wir würde gerne einen Hof aufmachen auf dem man Pferde halten kann, Landwirtschaft betreibt und und und ... Das ist momentan eher noch ein reiner Gedankengang aber ich wollte einfach mal ein paar Informationen einsammeln.

Mich interessieren außerdem die Voraussetzungen die man mitbringen muss.. Berufliche so wie Fähigkeiten im allgemeinen.

Außerdem worauf man beim Kauf bzw. Pacht achten muss/sollte.

Vielen Dank im Voraus :)

Antwort
von beglo1705, 32

Das ist recht komplex um ehrlich zu sein, denn dass so etwas hernach rentabel ist, gehören mehrere Säulen dazu:

Landwirtschaftliche Ausbildung, um zumindest zu wissen um was es geht, wie man Tiere (egal welche) gesund hält, was ist artgerecht, was ist giftig, worauf ist zu achten, ggf. selbst das nötige Futter (also gutes Heu, Stroh, evtl, Grünhafer, Futterraps etc) herbei zu führen und somit auch unabhängig zu sein. Jedem, der sich so etwas antun möchte, rate ich grundsätzlich zum Führerschein der Klasse T und einen gescheiten Schlepper/Traktor mit Frontladerhydraulik, Feldarbeit, Misten, Koppel oder Reitplatz ebenziehen, Heu und Strohballen verräumen etc. geht auf keinen Fall dauerhaft per Hand.

Betriebswirtschaftlich bedarf es unbedingt eine anständige Kostenkalkulation. Ohne diese (also schätzen) geht überhaupt nicht und der Ruin ist vorprogrammiert. Viele Mädchen haben diesen Traum, manche verwirklichen ihn auch. Wer nicht explizit rechnen kann und gescheit kalkuliert, landet in der InSo. Von den laufenden Kosten spreche ich noch gar nicht, aber auch diese müssen exakt im Voraus berechnet sein.

Finanzierung, Pacht oder Kauf: Hier in D sind die Zinsen derzeit so niedrig, wie nie. Dennoch kann man als "Kleiner" ohne Bürgen oder Hypothekobjekt im Rücken gleich wieder kehrt vor der Bank machen, auch diese wollen Sicherheit und geben ein Objekt für sagen wir mal 300.000€ garantiert nicht ohne irgend welche Knebelverträge, wenn überhaupt, ab.

Die Einsteller: Sind im Regelfall nette, umgängliche und pferdefreundliche Leute, aber auch hier gibt es wahre Nervensägen, die auch dem gutmütigsten Hofbesitzer auf die Palme bringen können. Grundvoraussetzung ist hier zuerst mal zuhören und für diese Einsteller auch eine Lösung zu finden. Hier profitiere ich immer wieder von der einst gelernten Personalführung, die auf Rethorik, Wertschätzung dem Gegenüber und zuhören können beruht. 

Weiter solltet ihr euch einig sein, wer exakt welche Aufgaben übernimmt, wer welche Kosten trägt, wer wo welche Verantwortung hat und ob ihr nicht gleich einen Gesellschaftsvertrag macht (eine GbR, OHG z.B.) damit seid ihr beide fein raus, sollte es zum Bruch kommen, denn wenn es um Finanzen geht hört bekanntlich die Freundschaft auf.

Noch Fragen?

Expertenantwort
von ponyfliege, Community-Experte für Pferde, 30

die wichtigste voraussetzung ist, sowas entweder allein oder mit dem ehepartner zusammen zu machen.

wenn du landwirtschaftlich arbeiten willst, solltest du eine landwirtschaftliche ausbildung haben. landwirt oder tierwirt oder du musst entsprechend jemand einstellen und gut bezahlen.

zum kauf musst du entweder genug kohle auf kante haben oder einen kredit aufnehmen. die bank verlangt eine nachvollziehbare wirtschaftlichkeitsberechnung, die mit in die bonitätsbeurteilung einfliesst. auch da musst du kohle auf kante haben. eine halbe million euro ist da nix. dafür bekommst du grade einen leistungsstarken und vielseitigen schlepper und einen mähdrescher, hast aber noch nicht einen quadratmeter krume zum umpflügen. für einen kredit brauchst du eine sicherheit - wobei da vermutlich auch ein abbezahltes einfamilienhaus nicht reicht.

ich kenne jedenfalls niemand, der mal eben für 3 oder 4 millionen euro bürgen würde.

Kommentar von beglo1705 ,

Pony, da kann dir jeder Stallbetreiber ein Buch schreiben. Bin nun nicht seit gestern dabei, aber es kommen tatsächlich immer wieder neue Situationen auf, an die kein Mensch vorher denkt.

Sowas würde ich, genau wie du schon geschrieben hast, maximal mit dem Ehepartner machen. Ich wüsste 110%, dass das in die Binsen geht, würde ich das mit meiner besten Freundin (seit 23 Jahren befreundet) betreiben.

Es ist wie in jeder Firma, es kann nur einen geben, der das Zepter in der Hand hält.

Antwort
von Looney199, 15

Um überhaupt irgendwie eine grundbasis für rentabiliät zu bekommen, muss man eine landwirtschaftliche Ausbildung haben.

Denn nur so bekommt man einen günstigeren Betrag bei Strom, günstigere Konditionen bei versicherungen, Flächenbeihilfe usw. Usw.

Ohne diese sparmöglichkeiten wird es echt knapp. 

Bei der Gründung hilft der Steuerberater und das Landvolk, die machen alles für einen, kostet aber natürlich etwas, aber bezahlbar.

Wenn man mit so was anfangen möchte, dann erstmal was kleineres zur Pacht,  den man wird am Anfang viele Fehler machen. Egal wie fachkompetent man ist, da gibt es immer noch das Problem der Kommunikation mit den einstellern. Man braucht sehr gute Menschenkenntnis um richtig mit denen zu sprechen. 

Mein vorschlag. Such dir einen Mann mit Hof, also entweder schon mit Pferden, oder zur Zeit am besten Milchkühe, die abgeschafft werden sollen und dann auf Pferde nach und nach umstellen, damit man langsam reinwächst. Das ist wirklich die beste Lösung, auch wenn leicht ironisch gemeint, aber alles andere ist mit sehr großem Risiko behaftet.

Achso. Wenn mal was kaputt ist, wer repariert es dann? Man kann sich nicht für alles einen Handwerker holen, da wird man arm. Den eigentlich täglich ist etwas defekt. Somit muss man auch gut mit einem Hammer umgehen können.

Antwort
von brido, 41

Ich kann es mir schwer vorstellen wenn man nicht in einer Lws aufgewachsen ist und Know how mitbringt. Viele Praktika bei einem Bauernhof wären sicher gut. 

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