Frage von Franz577, 131

Haftpflichtschaden - Wann der Versicherung melden?

Meiner Mutter ist gestern etwas Dummes passiert.

Sie hat beim Rechtsabbiegen eine Radfahrerin übersehen, die über die Fußgängerampel wollte.

Diese stürzte und verletzte sich dabei mittelschwer. Der Sachschaden ist nicht der Rede wert, aber es steht jetzt natürlich fahrlässige Körperverletzung im Raum (was aber laut Polizei in solchen Fällen meist fallengelassen wird) und es können zivilrechtliche Ansprüche geltend gemacht werden (Schmerzensgeld etc.)

Dafür steht ja die Haftpflichtversicherung ein, weshalb ich nun wissen wollte, wie lange man sich dafür Zeit lassen darf, den Unfall der eigenen Versicherung zu melden.

Und noch eine Frage zum Unfall selbst:

Wäre es denkbar, daß die Radfahrerin eine Mitschuld zugesprochen bekommt, weil sie nicht abgestiegen ist? Denn erwachsene Personen dürfen auf dem Gehweg ja nicht mit dem Rad fahren und bei reinen Fußgängerüberwegen muß das Fahrrad doch auch geschoben werden, oder?

Danke für Hinweise!

Antwort
von kevin1905, 62

Der Schaden ist sofort zu melden.

Der Geschädigte oder dessen Rechtsbeistand bekommt über den Zentralruf der Autoversicherer ohnehin die Daten des Unfallgegners bzw. des Halters des Fahrzeugs und kann sich direkt an dessen Versicherung wenden mit oder ohne Zustimmung deiner Mutter.

Fahrlässige Körperverletzung wird nur auf Antrag verfolgt.

Wäre es denkbar, daß die Radfahrerin eine Mitschuld zugesprochen bekommt, weil sie nicht abgestiegen ist?

Ohne die genaue Situation zu kennen, sage ich dazu nichts. Im Zweifel entscheidet darüber ein Gericht.

Kommentar von Franz577 ,

Danke!

Du mußt dazu auch nichts sagen, aber mehr als daß die Radfahrerin am Fußgängerüberweg nicht abgestiegen ist, muß man dazu ja auch nicht wissen, oder?

Allein das reicht doch schon aus für eine Teilschuld, da man als Radfahrer an Fußgängerüberwegen absteigen MUSS, oder etwa nicht?

Kommentar von kevin1905 ,

Wie gesagt das bewertet ein Richter in letzter Konsequenz.

Antwort
von kim294, 78

Gerade bei einem Personenschaden sollte deine Mutter umgehend ihre Versicherung informieren und dieser alles weitere überlassen.

Wenn sich nämlich erst der gegenerische Anwalt bei der Versicherung meldet, wird es problematisch.

Kommentar von Franz577 ,

Problematisch inwiefern?

Und soviel ich weiß, wurden noch keine Versicherungsdaten ausgetauscht (oder erfährt das die Geschädigte auch auf anderem Weg?)

Kommentar von kim294 ,

Problematisch, weil ein Schaden unverzüglich zu melden ist. Die Versicherung könnte deiner dann vorwerfen, ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen zu sein.

Und ein Anwalt kann ganz einfach über den Zentralruf der Autoversicherer ermitteln, bei welcher Gesellschaft das Auto versichert ist.

Kommentar von Franz577 ,

Ok, aber als "unverzüglich" kann man einen oder zwei Tage später schon noch durchgehen lassen, oder?

So schnell wird da jedenfalls sicher noch nichts vom Anwalt kommen, wenn das gestern erst passiert ist.

Und ein bißchen Bedenkzeit muß einem schon auch eingeräumt werden. Sowas muß man ja auch selbst erst mal verdauen.

Kommentar von kim294 ,

Was zur Hölle spricht dagegen, eben kurz bei der Versicherung anzurufen?
Wenn die Dame gestern noch bei einem Anwalt war, wird das sehr schnell gehen, bis die Versicherung informiert ist.

Es ist auf jedem Fall besser, wenn deine Mutter vorher dort angerufen hat.

Kommentar von Franz577 ,

Tut sie ja auch, aber jetzt haben wir ja schon heute und nicht mehr gestern. Und gestern hatte sie dafür einfach keinen Nerv, das muß man ja auch verstehen. Sie ist ja auch nur ein Mensch und kein Roboter.

Und daß die Geschädigte gestern schon bei einem Anwalt war, wage ich sehr zu bezweifeln, weil die ärztliche Behandlung sicher Vorrang hatte und die sich auch erst mal von ihrem Schock erholen muß. Ist auch schon eine etwas ältere Dame.

Kommentar von Apolon ,

 Sie ist ja auch nur ein Mensch und kein Roboter.

Gerade deshalb, sollte man auch an den Menschen denken, den man durch die eigene Unachtsamkeit verletzt hat und unverzüglich (sofort) die Kfz-Haftpflichtversicherung verständigen.

Auszug aus den Versicherungsbedingungen:

E.1 Welche Pflichten haben Sie im Schadenfall?

E.1.1 Bei allen Versicherungsarten

Anzeigepflicht

E.1.1.1 Sie sind verpflichtet, uns jedes Schadenereignis, das zu einer Leistung durch uns führen kann, innerhalb einer Woche anzuzeigen.

E.1.1.2 Ermittelt die Polizei, die Staatsanwaltschaft oder eine andere Behörde im Zusammenhang mit dem Schadenereignis, sind Sie verpflichtet, uns dies unverzüglich mitzuteilen. Dies gilt auch, wenn Sie uns das Schadenereignis bereits gemeldet haben.

Kommentar von Franz577 ,

An diesen Menschen denkt sie schon mehr als genug, keine Sorge.

Und die Geschädigte bekommt deswegen auch nicht mehr oder weniger zugesprochen, wenn das einen Tag früher oder später gemeldet wird.

Und wir haben das gestern auch noch gemacht.

Aber am selben Tag kann man das einfach nicht von jedem verlangen, weil eben jeder Mensch anders ist und nicht jeder nach so einem Ereignis sofort in der Lage ist, nur zu funktionieren und an alles zu denken, was sofort getan werden muß.

Das leuchtet doch ein, oder?

Antwort
von Buddha12, 78

Einfach bei der Versicherung anrufen und fragen, da ist deine Mutter auf der sicheren Seite.

Man muss sich immer absichern......

Antwort
von REVOLTEC04, 53

eigentlich gleich wenn es passiert ist aber mit Personenschaden gleich gar

Antwort
von RudiRatlos67, 44

Koppschüttel......

Statt dich hier durchzufragen solltest Du JETZT SOFORT die Versicherung über den Schaden informieren und die Daten der Geschädigten mitteilen.
Es ist erstmal nicht erforderlich Angaben zur Sache zu machen.....

Nur:
Hallo Versicherung.... Mutter hat Dummheiten mit ihrem Auto AB-C 123 gemacht.....
eine Radfahrerin ist Verletzt... Name und Anschrift sind xxxx.... Das reicht schon

Kommentar von Franz577 ,

Schon erledigt.

Aber was heißt "Dummheiten"?

Es war halt ein Fahrfehler, wie er jedem mal passieren kann und wie er täglich auch tausendfach passiert (mal mit mehr, mal mit weniger dramatischen Folgen).

Dafür hat man ja eine Haftpflichtversicherung.

Mit Dummheit hat das jedenfalls gar nichts zu tun!

Und ein paar grobe Angaben zum Hergang darf man sicher machen, auch wenn sich die Versicherung zur Ermittlung der Schadenssumme nur auf offizielle Angaben (Polizeibericht, Gerichtsurteile ect.) stützen darf.


Kommentar von RudiRatlos67 ,

OK.... :)

Dummheiten im Sinne von Missgeschick..... der offizielle Begriff ist Fahrlässigkeit.... und ja, genau dafür hat man eine Haftpflichtversicherung.

Aber zu den Angaben:
natürlich darf man auch sofort Angaben machen, diese sollten nur gut überlegt sein.
Die Versicherung stützt sich bei Frage ob sie reguliert auf Polizeibericht und Aussagen der Beteiligten. Diese Entscheidung kann Durch ein Gerichtsurteil bestätigt, aufgehoben oder anteilig verändert werden.

Die Ermittlung der Schadenshöhe teilt sich auf in:
1. Sachschäden, die können durch Belege, Kostenvoranschläge oder Gutachten zweifelsfrei ermittelt werden.
2. Kosten, Behandlungskosten, Strassenreinigungskosten, Abschleppkosten usw.
3. Schadensersatz für Personenschäden, Schmerzensgeld oder Renten diese werden als vorrübergehende oder Dauerhafte Einschränkungen durch gutachterliche Ärzte festgestellt und sind entsprechend der Lebensituation des Geschädigten zwischen den Parteien notfalls gerichtlich auszuhandeln.

entsprechend der Lebenssituation bedeutet, bzw. kann bedeuten, wenn jemand einem hochbegabten Sportstudenten die Beine zb abfährt, oder einem Schüler der während seiner Schulzeit nicht anderes tut als sich auf ein Medizinstudium vorzubereiten und auch entsprechende Noten hat, dieser sein Ziel aber auf Grund des Unfalls nicht weiter verfolgen kann, dann muss der Schädiger schlimmstenfalls das Monatliche viktive Einkommen des Geschädigten ersetzen.

Kommentar von Franz577 ,

Ist mir soweit alles klar, aber aushandeln muß das dann ja die Versicherung mit der Gegenseite. Damit hat man ja selbst nichts mehr zu tun.

Antwort
von FGO65, 68

Schäden sind unverzüglich zu melden.

Über eine Mitschuld entscheidet nur der Richter und da ist alles möglich

Kommentar von Franz577 ,

Ok, aber wer sagt, daß es da zwingend zu einem Gerichtsverfahren kommen muß?

Kommentar von FGO65 ,

Keiner, aber dann gibt es auch keine Mitschuld

Kommentar von Franz577 ,

Naja, wenn die (Haupt)-Schuld meiner Mutter schon ohne Gerichtsverfahren festgestellt werden kann, warum dann nicht auch eine Teilschuld der Geschädigten?

Die Polizei hat den Unfall doch aufgenommen und daraus geht hervor, daß die Geschädigte nicht abgestiegen ist.

Das muß der Staatsanwalt doch dann auch berücksichtigen, oder?

Kommentar von kim294 ,

Das mag alles richtig sein, aber nichtsdesdotrotz ist die Haftpflichtversicherung zu informieren. Diese lehnt dann auch unberechtigte Ansprüche ab.

Kommentar von FGO65 ,

Richtig, die Polizei nimmt einen Unfall auf und stellt aber keine Schuld, Unschuld oder Mitschuld fest.

Deine Mutter meint, dass Mitschuld besteht, die Radfahrerin meint aber nicht, dass eine Mitschuld besteht. Also ist die Mitschuld strittig und muss vor Gericht geklärt werden

Kommentar von Franz577 ,

Und was macht dann die Staatsanwaltschaft, bei der die Sache ja nun erst mal landet? Was stellt die fest oder nicht fest?

Kommentar von Franz577 ,

Klar, die Versicherung wird nur das bezahlen, was sie wirklich muß. Aber darüber muß sich der VN auch keine Gedanken machen, denn wieviel die Versicherung dann letztlich bezahlt oder bezahlen muß, spielt für den VN ja keine Rolle, oder?

Und was die Teilschuld betrifft, so wäre das ja nur in Bezug auf den Blechschaden am Auto meiner Mutter interessant, den sie dann nicht komplett selbst bezahlen müßte, oder?

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Bei einer Teilschuld geht es um den gesamten Schaden, also neben den Sachschäden auch um die Behandlungskosten und vor allem um die ganz dicken Forderungen wie Schmerzensgeld und Rentenansprüche.

Kommentar von Franz577 ,

Ja, das leuchtet ein. Obwohl wir zwar kein Interesse daran haben, daß der Geschädigten die Leistungen gekürzt werden (da diese ja ohnehin die Versicherung übernimmt) und der eigene Sachschaden eigentlich minimal ist, so muß der Sachverhalt bzw. Unfallhergang trotzdem wahrheitsgemäß geschildert werden.

Und dazu gehört eben auch die Tatsache, daß die Radfahrerin nicht abgestiegen ist, obwohl sie es bei einem Fußgängerüberweg hätte tun müssen.

Klar, um Behandlungskosten, Schmerzensgeld und evtl. auch die Kosten einer vorübergehenden Pflegekraft oder Haushaltshilfe wird es sicher gehen, aber so schwer waren die Verletzungen auch wieder nicht, daß bleibende Schäden zu erwarten sind und daher auch noch Rentenansprüche im Raum stehen.

Abgesehen davon ist die Geschädigte bereits im Rentenalter und nicht mehr berufstätig.

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