Frage von Katzenpfote73, 127

Hätte jemand, der Hitler ermordet hätte, wegen Mordes in der späteren BRD verurteilt werden müssen?

Antwort
von DaMenzel, 59

Interessante Frage. Meiner Meinung nach ist "Mord Mord" egal aus welcher Intention heraus der Täter handelt. Von daher (Mord verjährt glaube ich nicht), ja.

In diesem Falle aber wäre wohl nichts passiert, da sich das deutsche Reich im Krieg befand mit vielen anderen Staaten. Wäre Hitler also durch die Hand eines deutschen (z.B. Stauffenberg, der hat es ja glücklos versucht), hätten die Alliierten schon dafür gesorgt, dass dieser wegen dieser Tat nicht belangt worden wäre.

Wenn man es jetzt auf die spätere BRD zieht (nehmen wir an, Hitler wäre getötet worden von einem Deutschen) und der Krieg wäre weitergegangen und erst später verloren worden.

Die BRD ist NICHT die Nachfolge des Deutschen Reichs und der Täter hätte vermutlich ohne Verurteilung weitergelebt (das gab es ja in vielen Bereichen - bei KZ-Aufsehern zum Beispiel). In dieser Annahme hätte der Täter aber überleben müssen. Er wäre jedoch wegen Hochverrats sofort erschossen worden.

Kommentar von Willibergi ,

"Mord verjährt glaube ich nicht"

Das ist richtig, allerdings müsste zuerst festgestellt werden, ob etwas derartiges überhaupt Mord wäre.

Denn:

"Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet."
(vgl. §211 StGB)

Ansonsten wäre es Totschlag, und dieser verjährt nach 20 bzw. in besonders schweren Fällen nach 30 Jahren.

LG Willibergi

Kommentar von DaMenzel ,

Das ist richtig, Stauffenberg als Beispiel heranzuziehen war etwas unglücklich von mir. Bei Stauffenberg wäre es vermutlich eher Totschlag.

Angenommen es hätte jemand aus Hitlers Riege ihn ermordet um selbst die Macht zu ergreifen, dann wäre es Mord gewesen.

Vielen Dank für die Korrektur! =)

Kommentar von Willibergi ,

Gern geschehen! ;)

Danke für das Kompliment! :)

LG Wi

Antwort
von Karl37, 26

Bei einem Attentat auf den Führer fehlt das Mordmerkmal "niedere Beweggründe". Daher wäre keine Mordanklage nach § 211 StGB rechtlich möglich gewesen.

Der Attentäter wäre von der BRD mit dem höchsten Orden ausgezeichnet worden

Kommentar von vitus64 ,

Niedrige Beweggründe ist doch nur Merkmal durch das der Tatbestand erfüllt werden kann. Liegt z. B. Heimtücke vor, brauchen keine niedrigen Beweggründe gegeben sein.

Antwort
von Willibergi, 27

Definitiv.

Heutzutage darfst du schließlich auch nicht einfach IS-Kämpfer umbringen.
Selbstjustiz wird in unserer Gesellschaft nicht geduldet, und das wurde es auch früher nicht.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen; wenn du noch Fragen hast, kommentiere einfach.

LG Willibergi

Kommentar von Katzenpfote73 ,

Klingt plausibel, wobei ich mir schon gut vorstellen kann, dass er zwar verurteilt , aber dann ziemlich schnell vom Bundespräsidenten aus moralischen Gründen begnadigt würde.

Kommentar von Geunther123 ,

Aber heute gibt es soweit ich weiß ein Gesetz das besagt das man jemanden töten darf wenn dieser die Demokratie gefärdet oder irgendwie so.

Antwort
von oelbart, 39

Ich vermute mal, man hätte dann Artikel 20,4 des Grundgesetzes so formuliert, dass er auch rückwirkend anwendbar gewesen wäre.

Allerdings ist die Frage, ob es "die BRD" so gegeben hätte, wenn jemand Hitler vor Kriegsende umgebracht hätte. Der Friedensschluss wäre womöglich früher gekommen, die Situation dadurch eine völlig andere gewesen. Spekulationen über alternative Läufe der Geschichte sind immer etwas mystisch ;)

Kommentar von PatrickLassan ,

Absatz 4 wurde erst in den 1960er Jahren im Zusammenhang mit den Notstandsgesetzen eingeführt, 1949 gab es ihn noch nicht.

Antwort
von Saturnknight, 17

viele der Antwortgeber hier übersehen scheinbar was.

Wäre Hitler ermordet worden, dann wäre ein anderer hochrangiger Nazi nachgefolgt, wie z. B. Goebbels.

Und glaubt ernsthaft jemand hier, ein Attentäter, der Hitler umgebracht hätte, hätte danach noch lange weitergelebt solange die Nazis an der Macht waren? Im 3. Reich wurden Leute schon für ganz andere Sachen umgebracht. 

Wäre es nach dem Attentat zu einem Putsch gekommen, dann wäre der Attentäter bestimmt beteiligt gewesen und hätte dann wohl dafür gesorgt, daß er Immunität hat, bzw. das man seine Identität nicht kennt.

Also entweder hätte der Attentäter die BRD überhaupt nicht mehr erlebt, oder seine Identität wäre vertuscht worden.

Antwort
von JeanBaptiste86, 49

De jure hätte man ihn wegen Mordes anklagen müssen. Aber die Alliierten hätten wohl den Attentäter nicht angeklagt. 

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