Frage von MarkMoser123, 54

Hätte da zwei Fragen: Gibt es hier jemanden, der von Petrologie Ahnung hat?

Hallo, ich weiß, das Thema ist eigentlich zu speziell für Gutefrage.net, aber ich versuchs mal, da ich in Fachforen keine Antwort erhalten habe. ich bin schon das ganze Semester dabei das Skript in Petro I durchzuarbeiten und so langsam erschließt sich mir auch alles, allerdings sind noch zwei Kleinigkeiten übrig, auf die ich mir keinen Reim machen kann, bzw die nicht genau genug erläutert werden. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn mir die jemand erklären könnte. Und zwar:

  1. Zum Dihedralen Winkel heißt es zusammengefasst: Ist dieser größer als 60°, sammelt sich die Schmelze in lokalisierten Tropfen und kann sich erst bei relativ großer Schmelzmenge vom Festgestein trennen. Ist er jedoch kleiner als 60° kann die entstehende Schmelze die Oberfläche benetzen und bereits kleine Schmelzmengen können sich abtrennen.

Ich würde genau umgekehrt denken, wenn er größer 60 ist und es kommt zur Tropfenbildung, diese sind beweglich und sammeln sich bzw koalieren, sodass es eher zu einer Schmelzbildung kommt. Außerdem hat man doch bei Oberflächenbenetzung auch noch Anziehungskräfte zwischen Oberfläche und Schmelze, die ja einer Abtrennung eher entgegenwirken müsste?!

  1. Zur Viskosität von Magmen:

Druck verringert die Viskosität durchBildung von Ionenbindungen und der dadurch kompakteren Struktur, wie auch eine höhere H2O-Löslichkeit,da H2O-Bindungen die Kontinuität der Gitterstrukturen inder Schmelze zerbrechen.

Das würde ich ebenfalls eher umgekehrt sehen. Druck sorgt für die Bildung von Ionenbindungen und damit steigen doch Anziehung, Reibung zw. den Teilchen etc. und damit die Visko. Ich habs versucht mir so zu merken, dass durch die kompaktere Struktur die Moleküle ähnlich wie Kugeln besser aneinander vorbeigleiten können (nur als Merkstütze, ich weiß dass die Vorstellung katastorphal falsch ist ;-) ) und quasi weniger verhaken können, aber trotzdem widerstrebt mir das, denn im nächsten Satz steht ja quasi das Gegenteil. H2O zerbricht die Gitterstrukturen, also die Ionenbindungen und sorgt so für eine geringere Viskosität. So macht das ganze in meiner Vorstellung eigentlich auch mehr Sinn, nur dass beide Sätze sich jetzt widersprechen. Vielen Dank schon mal für eure Hilfe und Glück auf!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Australia23, 19

Ich hab da noch was zum Dihedralen Winkel gefunden, ich glaube
das sollte deine Frage klären:

„Melt segregation mechanism depends on the permeability of the source region. Melt forms first at grain boundaries and corners between the reactant phases (Figure 11). The melt pockets enlarge as melting progresses and eventually coalesce to form an interconnected network of melt channels along the grain edges. In granitic systems, the dihedral angle where the melt of two grains meet is in the range 44-60º, implying that the liquid will form an interconnected intergranular film, theoretically capable of extraction by intergranular flow. If the dihedral angle were greater than 60º the melt would not be connected and extraction would be impossible.

Once this interconnected network forms, the source is permeable and melt can theoretically migrate (…)“

http://www.geosci.usyd.edu.au/users/prey/Granite/Granite.html

Es geht also darum, dass eine Konnektivität um die Mineralkörner herum geschaffen wird, erst dann kann die Schmelze „abfliessen“. Sonst sammelt sie sich einfach in den einzelnen Ecken der Mineralkörner und verweilt dort, sie ist „eingeschlossen“ und fliesst nicht ab. Diese Konnektivität wird bei einem engeren Winkel früher geschaffen (siehe Bild: Link unten; ist also einfach eine Frage der Geometrie).

https://sites.google.com/a/utexas.edu/ghsoheil/_/rsrc/1407258968094/research/Unt...

Antwort
von Australia23, 42

Beim ersten kann ich dir auch nicht helfen, aber zur Viskosität von Magmen:

Da stimme ich deinen Überlegungen zu. Hast du dich schon mal in anderen Texten informiert oder einen Mitstudierenden gefragt? Es wäre ja auch möglich, dass sich dem Autor ein Fehler eingeschlichen hat und im ersten Teil des Satzes "verringert die Fluidität" gemeint ist... 

Eine ganz simple Überlegung: Der äussere Erdkern ist bekanntlich flüssig, der innere fest, wobei sie dieselbe Zusammensetzung besitzen. So kann die Aussage "Druck verringert die Viskosität" zumindest in diesem Fall nicht zutreffen.

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