Frage von hvladi, 135

Hängt die Inflation davon ab, wieviele Kredite neu aufgenommen werden?

Also Geld entsteht ja dadurch, dass Kredite genommen werden. Also steigt die Geldmenge entsprechend der Größe der neu aufgenommenen Kredite, richtig?

Antwort
von archibaldesel, 78

Inflation ist Preissteigerung, nicht Geldmengensteigerung. Die reine Gewährung von Krediten führt noch nicht zu Inflation. Sie führt unter Umständen dann zu Inflation, wenn die aufgenommenen Mittel zum Konsum genutzt werden. Steigende Nachfrage bei gleichbleibendem Angebot führt zu steigenden Preisen, also Inflation.

Antwort
von Innovate, 35

Richtig, Kreditvergabe regt die Geldschöpfung an und steigert dadurch die Geldmenge.

Unter anderem kommt dadurch auch Inflation zustande. Kredite werden meist vergeben um Anschaffungen zu finanzieren, also steigt tatsächlich die Nachfrage. Das schafft in der langen Frist immer Inflation.

Kurzfristig kann es aber sein, dass es zu keiner Inflation kommt. Dies kann u.a. daran liegen, dass Produktionskosten kurzfristig konstant sind.

Antwort
von FrageSchlumpf, 27

Jein. Das hat aber nicht unbedingt Inflation zur Folge.

In Höhe der Ersparnis müssen!! zwingend Kredite aufgenommen werden, sonst fehlt was.

Inflation entsteht, wenn über die Ersparnis hinaus Kredite gewährt werden. So gesehen hängt die Inflation ganz eindeutig vom Volumen der zusätzlichen Kredite ab. Es ist aber unmöglich, das "optimale" Kreditvolumen im Vorfeld zu ermitteln, d.h. in der Regel macht sich ein zu viel an Kredit immer erst in Inflation bemerkbar.

Antwort
von andre123, 16

Ja das trägt dazu bei, ist aber nicht der alleinige, ausschlaggebende Grund. Es kommt auf die Verwendung des (geliehenen)  Geldes an. Die Überlegung trifft insbesondere zu, wenn die Gelder in den Konsum fließen, ohne das entsprechende Investitionen vorgenommen werden.   Ab einer bestimmten Infaltionsrate ist die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes weitaus entscheidender für das steigen der Inflation.

Antwort
von Hugito, 68

Das stimmt. 

Das ist auch der Grund, weswegen die Europäische Zentralbank die Zinsen gesenkt hat. Das soll mehr Kreditvergaben bringen, die weiten die Geldmenge aus und das soll zur Inflation führen.

Antwort
von GuenterLeipzig, 78

Nein - hier sind die Lohnstückkosten maßgeblich.

Günter

Antwort
von Mojoi, 57

Nein. Denn der Darlehensbetrag, den ein Darlehensnehmer aufnimmt, muss ja vorher beim Darlehensgeber vorhanden sein. Die Darlehensaufnahme ist ein reiner Transfer.

Geldvermehrung entsteht erst durch die Zinsen. Die entstehen quasi aus dem Nichts. 

Sie entstehen nicht tatsächlich aus dem Nichts, denn der Darlehensnehmer muss sie erarbeiten, um sie dem Darlehensgeber bezahlen zu können. 

Das Geld entsteht also durch die Wertschöpfung des Darlehensnehmers, sind aber sichtbar durch die Zahlungsflüsse der Zinsen an den Darlehensgeber.

Und da dem Geldzuwachs eine entsprechende Leistungszunahme entgegensteht, wird der Gesamtbetrag des umlaufenden Geldes dadurch nicht entwertet. 

Kommentar von DocOc1 ,

Denn der Darlehensbetrag, den ein Darlehensnehmer aufnimmt, muss ja vorher beim Darlehensgeber vorhanden sein.

Nicht wirklich. Kreditinstitute können sich bei der EZB Geld zum Leitzins leihen und die EZB "druckt" dieses Geld ohne einen Gegenwert.

Kommentar von Mojoi ,

Dieser Beschaffungsweg muss aber explizit berücksichtigt werden und darf nicht grundsätzlich bei Darlehensvergabe als gegeben angenommen werden.

Zumal hier auch wieder die Zunahme der Geldmenge durch das "Drucken" der EZB zustandekommt. Die Darlehensvergabe ist hier nur ein Emissionsweg.

Darlehensvergabe allein hat erst mal nichts mit Zunahme der Geldmenge zu tun.

Kommentar von Fool09 ,

Das hat schon mit der Darlehensvergabe zu tun, da die Geldschöpfung mehr oder weniger identisch mit der Kreditschöpfung ist. Wenn eine Bank jemanden für kreditwürdig hält, dann schreibt sie ihm den entsprechenden Betrag gut und die Geldmenge steigt. Dafür muss sie sich nicht erst Geld bei der Zentralbank holen.

Kommentar von Mojoi ,

Eine Bank - die selbst keine Gelderstellungsauthorität hat - muss eine Darlehensauszahlung von irgendwoher nehmen. Es fließt Liquidität. Der Darlehensnehmer erhält sie, die Bank gibt sie ab. Eine Bank kann selbst kein Geld aus der Luft herbeizaubern.

Zu Darlehen der EZB, nochmal: Das Darlehen allein ist kein Geldgenerierungsinstrument sondern lediglich eine Form der Emission.

Die EZB kann auch Darlehen vergeben, ohne dabei neue Geldmengen zu generieren.

Und umgekehrt kann die EZB neue Geldmengen generieren und sie mit anderen Mitteln anstelle von Darlehen in den Kreislauf bringen. Als Transferleistung (über Subventionen z.B.) oder Transformationsleistung.

Kommentar von Fool09 ,

Doch, das kann sie. Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, dann schreibt sie dem Kreditnehmer den entsprechenden Betrag gut. Dafür müssen im Vorfeld weder Zentralbankgeld noch Spareinlagen hereingeholt werden.

Kommentar von Mojoi ,

Wie soll das denn gehen? Allein schon der Buchungssatz für diesen Vorgang würde nicht funktionieren.

Geld, das jemandem dargegeben wird, muss auch von irgendwoher kommen.

Kommentar von Fool09 ,

Das geschieht durch Bilanzverlängerung. Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Betrag als Sichteinlage gut, was die Passivseite der Bank um genau diesen Betrag erhöht. Gleichzeitig verbucht sie auf der Aktivseite eine Forderung in gleicher Höhe. Damit steigt auch die Geldmenge.

Kommentar von Mojoi ,

Nein, eben nicht. Lies dir mal den Wikipediaartikel "Girale Geldschöpfung" durch. Durch die Aktiv/Passivmehrung kommt es in der Nettobetrachtung nicht zur Ausweitung der Geldmenge; schon gar nicht zur Geldentwertung/Preissteigerung.

Nach wie vor gilt, Banken ohne Währungsmonopol können kein Geld aus der Luft erschaffen.

Kommentar von Fool09 ,

Doch, das ist so. Sehen wir uns doch mal an, was die Deutsche Bundesbank dazu sagt:

"Tatsächlich wird bei der Kreditvergabe durch eine Bank stets zusätzliches Buchgeld geschaffen. Die weitverbreitete Vorstellung, dass eine Bank "auch altes, schon früher geschöpftes Buchgeld, z.B. Spareinlagen, weiterreichen" (könne), wodurch die volkswirtschaftliche Geldmenge nicht erhöht wird, trifft nicht zu."

Und weiter:

"Für eine Kreditvergabe ist eine Bank also nicht darauf angewiesen ist, dass ihr zuvor Spar- oder sonstige Einlagen zugeflossen sind (wenngleich dies auch nicht störend oder gar schädlich ist, vielmehr eine unter Umständen später nötige Refinanzierung in Zentralbankgeld schon vorwegnimmt)."

Quelle:
https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/FAQ\_Listen/faq\_zum\_thema\_geldschoepfu...

Der Link enhält noch einige Beispiele, die diesen Sachverhalt erhellen. Es ist nunmal so, dass moderne Zentralbanken nur den kurzfristigen Zins direkt steuern und auf diese Weise nur indirekt Einfluss auf die Geldmengenexpansion nehmen können. 

Kommentar von Mojoi ,

Ich möchte es so nett wie möglich ausdrücken. Du hast das System nicht umfänglich verstanden.

Mit der Ausweitung der Geldmenge M3 vergrößern sich auch die gegenläufigen Verbindlichkeiten. Eine Bank, die einen Kredit gewährt - und somit einen Forderungsposten aktiv aufführt - muss auch gleichzeitig eine Verbindlichkeit aufstellen, um der etwaigen Auszahlung des Darlehens nachkommen zu können (kann man auch umgekehrt betrachten: Der Liquiditätszufluss beim Darlehensnehmer bedeutet bei ihm auch gleichzeitig eine Erhöhung seiner Darlehensverbindlichkeiten).

Es bleibt in der Nettobetrachtung bei einer unveränderten Gesamtmenge.

Willst du jetzt dezidiert nur die Veränderung der Geldmenge M3 betrachten (und lässt die gleichzeitige Zunahme der Bankenverbindlichkeiten außen vor), DANN hat man zwar eine Vergrößerung; aber diese hat keinen (direkten) Einfluss auf die Währungsstabilität - eben weil diese durch die Netto-Gesamtveränderung beeinflusst wird. Es kommt zu keiner Preissteigerung allein aufgrund einer Kreditvergabe.

Kommentar von Fool09 ,

Offensichtlich hast du es nicht verstanden. Nachdem nun klar ist, dass Banken weder Zentralbankgeld noch Spareinlagen weiterverleihen können - wie von dir ursprünglich behauptet - definierst du den Begriff der Geldmenge ganz einfach um und beziehst dich plötzlich auf das Geldvermögen (und widersprichst damit nebenbei auch noch der Bundesbank). Der Begriff der Geldmenge ist allerdings klar definiert, nämlich als Geldbestand in den Händen von Nichtbanken. In der Eurozone versteht man darunter die verschiedenen Abgrenzungen M1, M2 und M3. 

Wenn eine Bank nun einem Kreditnehmer 10.000 Euro gutschreibt, kann dieser damit Zahlungen durchführen: er kann das Geld überweisen oder es sich in Bar auszahlen lassen. Die für Inflationsprozesse für relevant gehaltene Geldmenge M3 steigt - ceteris paribus versteht sich, da in einer dynamischen Volkswirtschaft Geld nicht nur geschöpft, sondern auch permanent vernichtet wird.

Kommentar von Mojoi ,

"dass Banken weder Zentralbankgeld noch Spareinlagen weiterverleihen können - wie von dir ursprünglich behauptet"

Ahüm... sicherlich nicht!!!

Meine Kernaussage - und auf die darfst du mich gerne festnageln: Banken ohne Währungsmonopol (also alle außer EZB) können kein Geld "aus der Luft" generieren. Hast sogar du dargelegt, Stichwort Bilanzverlängerung.

Und dies, um die Brücke zu schlagen zur eigentlichen Frage: "Führen Kreditvergaben der Banken zu einer Aufweichung des Geldwertes?" Und die Antwort ist ein klares Nein.

Kommentar von Fool09 ,

"Ahüm... sicherlich nicht!!!"

Sorry, aber es war deine Aussage, dass die Kreditvergabe einen reinen Transfer darstellt.

"Meine Kernaussage - und auf die darfst du mich gerne festnageln: Banken ohne Währungsmonopol (also alle außer EZB) können kein Geld "aus der Luft" generieren. Hast sogar du dargelegt, Stichwort Bilanzverlängerung."

Und diese Aussage ist nunmal falsch. Du trennst anscheinend immer noch nicht ausreichend zwischen Zentralbankgeld und Bankengiralgeld. Das Monopol, von dem du sprichst, bezieht sich allein auf Zentralbankgeld. Dieses kann nur von der EZB geschöpft werden. Giralgeld wird bei der Kreditvergabe von den Banken in der Tat "aus der Luft generiert". 

"Und dies, um die Brücke zu schlagen zur eigentlichen Frage: "Führen Kreditvergaben der Banken zu einer Aufweichung des Geldwertes?" Und die Antwort ist ein klares Nein."

Da die Entwicklung des Geldwertes natürlich u.a. mit der Entwicklung der Geldmenge und diese wiederum mit dem Kreditverhalten der Banken zusammenhängt, ist auch diese Aussage nicht richtig. 

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