Frage von Hjakvsnxbbs, 69

Habt ihr Tipps wie man am besten lateinische Sätze ins deutsche übersetzt. Gibt es da eine bestimmte Reihenfolge zum übersetzen. Die Vokabeln kann ich, danke?

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein, 68

"Den ganzen Rest", das ist zu kurz gesprungen.
Am wenigsten gut ist, ein Wort nach dem anderen zu übersetzen.
Wenn man das Prädikat (Verb oder Hilfsverb) hat, fragt man sich durch den Satz hindurch, indem man die entsprechenden Fälle sucht, am besten in dieser Reihenfolge (für "tut" immer das Verb einsetzen):

wer oder was tut? - ergibt Nominativ = Subjekt
wen oder was tut? - ergibt Akkusativobjekt
wem tut? - ergibt Dativobjekt (selten)
wessen tut? - ergibt Genitivobjekt (selten)
womit, wodurch tut? - findet den Ablativ, meist instrumental zu übersetzen
wo, wohin, woher tut? - adverbiale Bestimmung des Ortes
wann tut? - adverbiale Bestimmung der Zeit
wie tut? - adverbiale Bestimmung der Art und Weise

Was dann noch kommen kann, sind relativ seltene Satzteile, die man mit dem Wörterbuch in den Griff kriegen kann, oder Konstruktionen, die jetzt zu weit führen.
Attribute sind ein Sonderfall, nachdem du mal fragen solltest, wenn du das hier alles begriffen hast.
Diese Frageliste gilt für Haupt- und Nebensätze.
Die Satzteile stehen in Latein meist nicht in der Reihenfolge, die man im Deutschen erwartet. Man sollte die Kasūs erkennen können!

Wenn es keine Antwort gibt, ist der Satzteil nicht da. Dann zur nächsten Frage gehen! Wenn nichts übrig ist, zum nächsten Satz gehen.

Kommentar von Volens ,

Noch etwas:
Lateinische Sätze bedürfen nicht unbedingt des Subjekts. Häufig steht es im Prädikat mit drin und wird dann nur mit "er, sie, es" oder "sie" übersetzt. Dann bekommst du auf wer oder was? keine explizite Antwort.

Kommentar von Hjakvsnxbbs ,

Dankeschön :)

Kommentar von koopatroopa ,

Diese Frageliste ist wichtig und richtig, aber für den Durchschnittsschüler sollte sie sich aus dem Text beim Lesen ergeben und nicht von ihm selbst über den Text gelegt werden. Das kann für einen unterdurchschnittlichen Schüler sinnvoll sein.

Ich will damit nur sagen, dass die Konstruktions-/Durchfragemethode nicht "DIE Methode" ist ;)

Antwort
von Feuerengel2014, 69

Unser Lehrer hat uns beigebracht dass wir erst Verb und Subjekt vernünftig bestimmen sollen und dann beim übersetzten erst das Subjekt, dann das Verb und den Rest halt einfach der Reihe nach.

Jetzt haben wir aber einen neuen Lehrer und der lässt uns erst den ganzen Text gliedern, was uns beim übersetzten helfen soll. Also wenn wir alle satzteile kennen (Objekte, Genitivattribute, Zusammengehöriges, Pcs, PPPs, etc...) Das übersetzten ist dadurch wirklich leichter, sofern man das gliedern kann und auch alles erkennt.

Antwort
von namenlose14, 51

Erst das Prädikat. Wenn du das hast, musst du gucken ob in den Satz ein Subjekt ist, welches sich auf das Prädikat bezieht. Dann halt den ganzen rest..

Antwort
von koopatroopa, 57

Die wichtigste Reihenfolge:

1) Durchlesen

2) Im Kopf übersetzen

3) Übersetzung aufschreiben

4) Übersetzung nochmal durchlesen

Wie genau man Punkt 2 durchführt, dazu gibt es mehrere Ansätze. Der von allen hier vorgeschlagene ist ziemlich alt und funktioniert zwar "immer", sollte aber nur als " letzter Ausweg" benutzt werden. Ich persönlich finde es tatsächlich besser, wenn man >im Kopf beim ersten Durchgang< Wort für Wort durchgeht (das Verb kommt bei uns schon früher als in Latein, da kann man einen Platzhalter setzen), wobei man natürlich alle Kasus und Satzwertigen Konstruktionen beachten muss, dann diese lose Kette an Informationen richtig zusammenfügt, wie der deutsche Satzbau es verlangt, dann (wird oft vergessen) dem deutschen Sprachgebrauch anpasst (z.B. manchmal n.Pl. zu n.Sg.).

Man übersetzt nicht Latein -> Deutsch, sondern Latein -> Sinn -> Deutsch. (Ist übrigens bei jeder Fremdsprache so)

Ein Beispiel im Kommentar:

Kommentar von koopatroopa ,

(aus Cic. rep. 1,1) Sed homo demens, ut isti putant, cum cogeret eum necessitas nulla, in his undis et tempestatibus ad summam senectutem maluit iactari quam in illa tranquillitate atque otio iucundissime vivere. (Anm.: isti, his & illa beschreiben vermutlich vorher Genanntes)

Schritt 2a) (Wort für Wort mit Verb-Platzhalter)

Aber der Mensch ohne Verstand, wie diese glauben, [tut/tat], als/weil/obwohl zwang ihn die Notwendigkeit keine, in diesen Wellen und Unwettern bis zum äußersten Alter lieber wollen [Vergangenheit!] geworfen zu werden als in jener Ruhe und Freizeit sehr angenehm zu leben.

Schritt 2b) (richtige deutsche Reihenfolge)

Aber der wahnsinnige Mensch, wie diese glauben, wollte lieber, obwohl ihn keine Notwendigkeit zwang, in diesen Wellen und Unwettern bis zum äußersten Alter geworfen werden als in jener Ruhe und Freizeit sehr angenehm zu leben.

Schritt 2c) (Anpassung an Sprachgebrauch)

Aber der Verrückte, wie diese ihn nennen, wollte, obwohl ihn nichts dazu zwang [Notwendigkeit und zwingen wäre doppelt-gemoppelt], lieber bis ins hohe Alter von diesen Wellen und Unwettern [Bildsprache aus dem Seemannsbereich: typisch Cicero, möglichst nachbilden] hin und her geworfen werden als in jener Ruhe und Beschäftigungslosigkeit all zu angenehm zu leben.

Kommentar von koopatroopa ,

Oft ist auf Latein die Stellung der Satzteile gar nicht so unwichtig: da werden Sachen betont, die an den Anfang gestellt werden. Das Verb war semantisch am unwichtigsten, deshalb steht es ganz am Schluss. Steht es am Anfang, wird es eher betont.

Tibi salutem dicit koopatroopa.

hat eine andere Bedeutung als

Koopatroopa tibi salutem dicit.

oder

Dicit salutem tibi koopatroopa.

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