Frage von Kantisdo, 67

Habt Ihr einmal von dem Gerücht gehört, dass alle Vorstandssprecher der deutschen Bank bis Alfred Herrhausen "das Kapital" von Karl Marx als Geschenk bekamen?

Dem Gerücht zufolge hat jeder Vorstandssprecher bis einschließlich Alfred Herrhausen das Werk "das Kapital" von Karl Marx als Geschenk zum Amtsantritt bekommen. Nach dem besagten Vorstandssprecher, der einem Anschlag der RAF zum Opfer fiel, soll dieses Ritual nicht mehr praktiziert worden sein. Ich habe von dem  Gerücht erfahren, kann aber nach ersten Recherchen leider nichts dazu finden. Weiß jemand was dazu? Und wenn ja, woher stammt diese Info? Danke im Voraus für Eure Mühe.

Antwort
von Kantisdo, 18

Falls es Euch interessiert: Ich habe mich noch einmal der Quellen zugewandt, und ein Freund sagte mir, er habe es von einem Professor erfahren (bereits verstorben). Also alles reine Spekulation und nicht nachprüfbar. Für möglich halte ich das aber trotzdem; die ein oder andere Vorstandsetgae wird ihre Bräuche haben. Das würde ich aber eher als einen symbolischen Akt als eine Einladung zur Erwiterung des wissenschaftlichen Horizonts sehen.

PS: Ich denke, dass Volkswirtschaftliche Werke selten ohne Ideologie auskommen. Man schaue sich die Annahmen der Neoklassik an. Wie man sowas als rein wissenschaftlich interpretieren kann, ist mir offen gestanden schleierhaft.

Grüße und danke für Eure Mühe!

Antwort
von berkersheim, 36

Ich halte das für ein Gerücht. Soweit die Herren sicher ein VWL-Studium oder anders geartetes Wirtschaftsstudium hinter sich haben, dürften sie dort bereits mit Karl Marx Bekanntschaft gemacht haben. Bei mir im VWL-Studium war das jedenfalls so und beileibe nicht ausschließlich negativ. Karl Marx ist sowohl ein Wirtschafts-, ein Politiktheoretiker und Philosoph, auf dessen Leistungen wir in Deutschland stolz sein können, auch wenn seine irregeführten Möchtegern-Kinder "Deutschland verrecke" rufen. Marx kritisch lesen bedeutet allerdings auch, ihn auf seine Zeit bezogen zu lesen (was für alle Ökonomen und Philosophen gilt). Marx kann nichts dafür, dass er nachträglich zum versimpelten Schwarz/Weiß-Dogma reduziert wurde. Jesus kann ja auch nichts für die Inquisition.

Kommentar von alashatt ,

Karl Marx ist sowohl ein Wirtschafts-, ein Politiktheoretiker und Philosoph, auf dessen Leistungen wir in Deutschland stolz sein können, auch wenn seine irregeführten Möchtegern-Kinder "Deutschland verrecke" rufen.

Was vielleicht daran liegt, dass diese "irregeführten Möchtegern-Kinder" keine Schwäche für vernagelten Patriotismus haben und daher nicht Marx als deutschen Intellektuellen um der Vaterlandsliebe willen würdigen, sondern den Marxismus als wissenschaftliche Disziplin verstehen, die nicht auf einzelne Individuen und ihre Identität reduzierbar ist. Es ist schon eine starke Leistung Menschen dafür zu diskreditieren, dass sie nicht die Treue zu "ihrer" "Kultur" zeigen, wo sie doch nur in der Tradition ihrer Ideologie stehen, da es gerade Marx war, der die Existenz von Nationen als historische, überbrückbare Phase enthüllt hat. Das übertrifft nochmal diese ignorant-schmierige "Marx hatte gute Analysen, aber die falschen Schlussfolgerungen"-Argumentation, mittlerweile sollte mich gar nichts mehr wundern.

Kommentar von berkersheim ,

@alashatt

Schön, dass Du Dich so deutlich outest. Marx ist in meinen Augen ein Wissenschaftler, der nachfolgende Marxismus, diese vernagelte Ideologie, die nichts für sich hat außer Verrat am eigenen Volk, was sollen wir von dem erwarten? Sowas schaut man doch nicht mal mit dem Hintern an!

Kommentar von alashatt ,

"Verrat am eigenen Volk" :) Dass ich nicht lache. Welche Aspekte des Marxismus du als wissenschaftlich bezeichnest, suchst du dir willkürlich aus. Tschuldige, nicht willkürlich - entsprechend deiner nationalistischen Ideologie.

Kommentar von berkersheim ,

@alashatt

Es ist schon irre. Da strömen Bürger vieler Länder nach Deutschland, weil sie anders als in ihrem Heimatland hoffen, hier eine vernünftige Lebensperspektive zu finden, und dann kommen die sogenannten "wissenschaftlichen Marxisten" und bewerfen dieses von anderen geschätzte Land mit Schmutz. Eine interessante Wissenschaftlichkeit. Ich nenne das ideologisch verbort und verlogen. Verlogen, weil sie woanders nicht so schön schmarotzen können. Absahnen und rummaulen, das ist ihre ganze Leistung.

Kommentar von alashatt ,

Tja, die Flüchtlinge sind nun mal nicht die Autorität über uns und über die Wahrheit. Sie kommen aus den miserabelsten Gegenden, welche die kapitalistische Weltwirtschaft hervorgebracht hat, kein Wunder, dass sie sich mit der Kernzone zufrieden geben, ihnen bleibt ja keine Alternative. 

Wenn "mit Schmutz bewerfen" heißt, dass wir die wahre Natur des Staates offenbaren, den Nationalismus als falsches Bewusstsein, als Scheinwelt aufdecken, darlegen, dass der Reichtum "unseres" "Landes" (besser: Fraktionen dieses Landes) auf die Unterdrückung anderer, sowohl inländisch wie global, basiert, die verschwiegene Rolle des Staates ausspricht, dessen scheinbar moralische Handlungen als eigensinnige Zwecke entlarvt - ja, berkersheim, dann bewerfen wir voller Stolz dein gelobtes Land mit Schmutz und wie du das findest, könnte uns nicht egaler sein.

Wenn "ideologisch verbohrt" heißt, dass wir die marxistische, nüchtern wissenschaftliche Kritik an Staat und Nation fortsetzen, dass wir diejenigen vertreten, die kein Vaterland haben, dass wir denjenigen, die in der Konkurrenz mit "ihrem Volk" vergeblich nach einer "vernünftige[n] Lebensperspektive" suchen, eine Stimme geben - dann sprechen wir uns schuldig.

Wenn "rummaulen" heißt, dass wir uns in der Tradition von Marx sehen und die rücksichtslose Kritik alles Bestehenden fortführen, meinetwegen. Wenn wir deshalb "verlogen" sind, weil wir gefälligst dankbar sein sollen für die verhältnismäßig guten Zustände in Deutschland, dann bestätigst du nur, dass du eine zutiefst reaktionäre, antiprogressive Position vertrittst. Wem es in Deutschland schlecht ergeht, vergleicht sich nicht mit den miserabelsten Artgenossen auf der Welt. Wir fügen uns nicht deinen moralischen Maßstäben, wir interessieren uns nicht für deine Kriterien für Wohlergehen. Du bist nichts Besonderes was uns angeht. Du nimmst eine gesellschaftliche Position ein und damit müssen wir leben. Aber du bist kein Gott, keine absolute Instanz, keine Naturgewalt. Du hast nicht darüber zu entscheiden, wer sich schlecht, als Verlierer in dieser Gesellschaft fühlen darf.

Du hast vielleicht Marx gelesen und du würdigst ihn möglicherweise tatsächlich als Wissenschaftler (in, wie gesagt, willkürlichen Aspekten). Aber egal wie intensiv du dich mit ihm auseinandergesetzt hast, ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass du nicht im Entferntesten eine Ahnung davon hast, was der Marxismus für eine Bedeutung hat. Um nur ein einziges Beispiel zu nennen, da es sich gerade in deinem Kommentar findet: Die Kommunisten sprechen seit 150 Jahren offen die Tatsache aus, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind. Sie sind angewiesen auf Geld - auch auf den Staat. Die Alternative, die bleibt, wäre in den Wald zu laufen und eine Parallelgesellschaft aufzubauen, was aber rein gar nichts mit dem zu tun hat, was Kommunisten seit 150 Jahren, seit Marx wollen: Die Transformation dieser Gesellschaft in eine "Höhere", die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft zu einer "Besseren". Wenn du mit dem Vorwurf ankommst, wir würden "schmarotzen" (ob das stimmt oder nicht, sei mal dahingestellt), wir würden "absahnen" und trotzdem "rummaulen", dann verdeutlichst du nur, dass du eine antimarxistische, antiprogressive und vor allem antiaufklärerische Position vertrittst. Das ist deine Sache, wie ich sagte, wir müssen damit umgehen. Aber vertrau nicht darauf, dass du unkritisiert mit deinem propagandistischen Antikommunismus davon kommst, erst recht nicht, wenn du vorheuchelst, dass du "stolz" wärst auf Marx' Leistungen.

Kommentar von berkersheim ,

@alashatt

Finde Dich damit ab: Die Krypto-Kommunisten sind die Looser der Geschichte. Ihr seid theoretisch im Dogmatismus gescheitert und praktisch auf der ganzen Linie. Eigentlich ist es ein Jammer, dass sich die druchaus gegebene Fruchtbarkeit vieler marxscher Gedanken im Klassenkampf-Dogmatismus verrannt hat und stecken geblieben ist. Wenn, dann bin ich stolz auf den kritischen Marx, den geistig beweglichen, nicht auf seine festgefahrenen marxismusgläubigen Anhänger und Dogmtiker.

Kommentar von alashatt ,

Hier geht es nicht darum, ob wir Kommunisten dogmatisch sind oder nicht, sondern um deine willkürliche Unterteilung der marxistischen Erkenntnisse in "wissenschaftlich" und "ideologisch verblendet". Der historische, vergängliche Charakter der Nation gehört zur ersten Kategorie und wenn du den Punkt nicht adressieren kannst ohne deine unglaubliche Ignoranz (wie jedesmal) hinter ad hominems zu verstecken, dann bin nicht ich es, der hier das festgefahrene Kleinkind spielt. Du hast in all den Kommentaren nicht ein einziges Argument zwischen deinen Diskreditierungen angeführt. Wenn du nicht fähig bist, kritisch zu denken und auf Argumente einzugehen, solltest du dich fragen, was du auf einer Ratgeberplattform überhaupt zu suchen hast. Hier gibt es Leute, die ernsthaft etwas lernen wollen, wer nur stumpfe Hohlphrasen rezitieren kann, trägt nicht dazu bei.

Kommentar von berkersheim ,

@alashatt

Hahaha - verbieten und rausschmeißen und nur das als Argument gelten lassen, was in die eigene Dogmatik passt! Lass es, ich bin prinzipiell ungläubig, auch für marxistische Glaubenssätze nicht empfänglich.

Kommentar von alashatt ,

Ich lasse nicht nur das als Argument gelten, was in meine Dogmatik passt, ich habe aber Probleme damit, wenn jemand einer sinnvollen Diskussion aus dem Weg geht, wenn er zigmal wiederholt, dass der Gegenüber nur ein Dogmatiker, ein Schmarotzer und ideologisch verblendet sei. Wenn du wirklich überzeugt davon bist, dass du oben auch nur irgendein Argument bezüglich des Streitpunkts genannt hast, kannst du es ja nochmal zitieren - ich dogmatischer Marxist schaff das leider nicht alleine, bin aber offen für jede Erleuchtung!

Antwort
von Roderic, 49

Karl Marx war nicht nur das, was die Einheitsparteien der sozialistischen Länder aus ihm gemacht haben.

Er war auch - und eigentlich vor allem das - ein Philosoph und ein Wirtschaftswissenschaftler.

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