Frage von LeilaNovecento, 17

Habt ihr eine Idee, wie ich mich wieder aufraffen kann?

Hallo erstmal, vielleicht mag sich jemand das durchlesen, ich probier meine Situation zu beschreiben. Ich bin 17, wohn zuhause mit Mutter, Bruder (14) und Schwester(10). Mein Vater ist vor einem halben Jahr ausgezogen, ich versuche immer wieder am Wochenende einen Tag mit ihm zu verbringen. In 3 Wochen hab ich Abschlussprüfungen.

Mein Vater war auf Antidepressiva, nachdem er ausgezogen ist, jetzt redet er einfach schlecht und wütend über meine Mutter. Weil ich die natürlich verteidige, gehör ich gleich in die gleiche Kategorie. Darum geh ich nicht mehr gern zu ihm. Er sagt, er hätte Geldprobleme, und er würde darum "das Haus" indem wir wohnen verkaufen.

Meine Mutter macht grade eine Ausbildung, schmeisst den Haushalt, arbeitet Freiberuflich und sorgt für uns Kinder. Sie läuft am Limit, heult oft, ist ausgelaugt. Total lieb, manchmal zu nett. Ich krieg von beiden Eltern fast jeden Wunsch erfüllt.

Meine Schwester war schon immer sehr energiegeladen, hat aber seit der Trennung immer wieder Wutanfälle, ähnlich wie mein Vater wirkt sie dann völlig ausgewechselt. Ich wach z.B. am morgen auf, weil meine Mutter und sie streiten, weil sie sich weigert, sich anzuziehen. Meinen Bruder kenn ich nicht so gut, weil ich letztes Schuljahr viel Theater gespielt habe und kaum zu Hause war. Ihm geht es viel besser, seit mein Vater weg ist.

Ich kann mich zuhause nur schlecht konzentrieren, wenn ich allein bin, heul ich oft grundlos los, zum Glück nicht so oft in der Schule. Dort hab ich aber auch konzentrationsschwierigkeiten, auf die Abschlussprüfungen (oder andere Tests) lernen geht gar nicht. Lesen ist ok, Mathe oder so schaff ich nicht mehr, obwohl ich eigentlich voll gut bin. Ich rede ab und zu mit Freundinnen über meine Probleme, will mich aber auch nicht aufdrängen. Vermutlich schlaf ich auch zu wenig. Wenn ich gestresst bin, esse ich. Bin nicht übergewichtig oder so, ich glaub einfach, dass das viele Süsse nicht so gut ist :/ Ich habe mich schon bei einer Psychologin gemeldet, das Gespräch ist aber erst in einem Monat. Sonst gehe ich sehr gerne in die Schule, aber ich hab mir sogar schon überlegt, alles hinzuschmeissen, obwohl mein kommendes Jahr schon voll geplant ist und ich mich eigentlich freu. Die Noten sind nicht so das Problem, ich würde aber trotzdem gerne gut abschneiden, weil ich mich vielleicht für Medizin bewerben möchte.

Ich würde gerne diese blöden Anfälle überwinden, wenn ich einfach losheul. Ich weiss auch nicht, was ich gegen meinen Umgang mit meiner Schwester machen kann, wenn sie rumschreit werde ich so wütend, dass ich schon nach einem mal ruhig sagen völlig ausraste und auf sie losgehe. Ist nicht nett, ich bin schliesslich 7 Jahre älter und will eigentlich nicht jähzornig wie mein Vater sein. Was würdet ihr machen?

Antwort
von Gruenlilie, 17

Das hört sich nach mehreren Baustellen an.

1. Du selbst. --> Du hast dir schon Hilfe organisiert, KLASSE! Nur dauert die noch lang. Deshalb: Kannst du evtl. vorher mal in der Schule Hilfe suchen? Die sind auch zur Verschwiegenheit verpflichtet. Und sie haben dann Verständnis, wenn es zu Leistungsabfällen kommt.

Eine andere Beratungsstelle, bei der Kirche? Caritas, etc.? Sozialamt? Telefonseelsorge, gerade wenn es akut ist? Die wissen auch weitere Anlaufstellen.

Als absolute Notlösung könntest du evtl. Rescue-Bonbons (Apotheke, lass dich beraten) anwenden. Sind allerdings nicht billig.

2. Die Familie: Ihr seid in einer schlimmen Situation, die ihr m.E. nicht alleine bewältigen könnt. Bitte versuch für deine Familie - alle! - eine Therapie zu bekommen.

Vor allem: Besprecht eure Probleme miteinander, sprecht aus, was euch in den einzelnen Situationen Schwierigkeiten macht.

Auch wenn du bei deinem Vater bist. Sag ihm vor allem: Ich verstehe dass du wütend und enttäuscht bist, aber ich bin die Falsche, mir musst du das nicht sagen. Ich will mir das nicht anhören. Ich bin hier, weil ich dich lieb habe und ich möchte gerne weiterhin kommen. Nimm allen Mut zusammen,sag es ihm, er tut sich auch furchtbar schwer mit der Lage!

Gespräche sollten ungefähr in dem Sinne erfolgen:
Immer wenn ... dann fühle ich mich ... ; (Vorsicht, keine Anschuldigungen! Jeder von euch ist am Limit.) Wenn einer von euch nicht sagen kann, was er/sie fühlt, dann stell Fragen. Versucht alle zu verstehen, was dem jeweils anderen in seiner Situation gerade schwer fällt. Du bist 17, wie war das Leben für dich mit 10, 14 Jahren? Das war in der Schule, als du gerade etwa in der 5. oder 9. Klasse warst.

3. Deine Mutter: Sie kann kaum noch. Wie wäre es, wenn Ihr Kids - ihr seid alt genug - einen Wochenplan macht, wer was wann helfen kann? Jeder mal Geschirr wegräumen, Wäsche waschen, bügeln, putzen, ... wenn jeder zupackt, kann das jeder leisten, und ihr entlastet eure Mutter ganz ganz arg!

4. DEIN ABSCHLUSS: Bitte halte durch! Nimm immer das nächste Ziel - Heute - hier - jezt! in Angriff: Erst die nächste Mathe-Aufgabe. Dann noch eine. Dann ... das nächste Fach. Dann  was auch immer du auf hast oder gerade lernen mußt. Wenn Panik oder Trauer oder Wut hochkommt - was ist jeweils im Vordergrund? - dann atme tief durch. Sag dir: "ich schaffe das". "es ist wichtig für mich, es ist meine Zukunft." "ich helfe Mama und Papa so gut ich kann, aber meine Ausbildung ist momentan wichtiger! ICH BIN WICHTIG!" Ich wünsche Euch von ganzem Herzen ganz viel Erfolg - auf allen Gebieten!

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