Frage von pfannkuchen94, 92

Habt ihr eine Idee, was mit meinem Körper abgehen könnte?

Vorne weg: Ich bin seit 3 Jahren zuhause, da ich Depressiv geworden bin (wurde in der Schule gemobbt) und kein Ausbildungsplatz gefunden habe. Hatte deshalb nicht viele Freunde was zur folge hat, das ich mich zuhause im Zimmer eingenistet hab und Tag für Tag vorm Laptop saß und fast nie ausgegangen bin.

Hab seit ca einem Jahr ziemliche Herzrhythmusstörungen. Laut Arzt ungefährliche. Vor einem 3/4 Jahr Langzeit EKG (normaler Sinusrhythmus mit gehäuften supraventrikulären Extrasystolen), bestimmt 12-15 Ruhe EKG's, Belastungs EKG auch erstmal ok und Herzecho (alles ok bis auf einem Mitralklappenprolaps der laut Arzt und Kardiologe so gut wie keinen Krankheitswert hat), Röntgen Thorax alles ok, HWS/BWS Röntgen=Skoliose die laut Arzt kein Beinbruch ist, also anscheinend eher leicht). Also sagt mir mein Hausarzt, dass es von der Psyche kommt , da meine Mutter MS hat und im Rollstuhl sitzt und mein Vater ein Burnout hat. Und beide kurz vorm Tod waren. Habe deswegen versucht die Symptome zu ignorieren. Habs aber nie aus dem Unterbewusstsein rausbekommen, dass irgendwas mit meinem Herzen sein könnte. Habe mich deshalb noch mehr geschont. Dann ungefähr vor 3 Wochen habe ich auf einmal Luftnot und dann Herzrasen bekommen. Ich gehe zum Notdienst. Blutwerte und Ekg ok also ab nach hause. Auf den Brief für den Arzt stand dann: Panikattacke. Hab sowas dann ein paar mal mehr über ein paar Tage gehabt. Deshalb bin ich direkt zum Kardiologen. Herzecho bis auf den Mitralklappenprolaps alles in Ordnung. Gute Pumpfunktion 70% (ist Punpfunktion das selbe wie EF?). War dann noch gestern beim belastungs EKG und das wurde schon nach 4 Minuten abgebrochen. Puls 155.!! Ich war aber weder aus der Puste, noch hab ich meinen Puls gespürt, noch hatte ich Luftnot oder sowas. Ich spreche meinen Arzt darauf an und frag ihn, ob das von der Unsportlichkeit kommt und der sagt, dass er glaubt, dass es bei mir von der Psyche und der Angst kommen könnte und dass ich beruhigt mit dem Rad nach hause fahren könnte. Und heute bin ich dann eine halbe Stunde mit dem Rad zum Arzt gefahren um das Langzzeit EKG wieder abzugeben (auf dem endlich eine "Panikattacke" aufgezeichnet sein müsste, muss allerdings 1 Woche auf die auswertung warten :/ ) und eine halbe Stunde zurück. Bin zuhause (also nach der halben Stunde Fahrrad fahren) dann schnell ins Haus gegangen und hab mein Puls gemessen. Wieder 155!! Klar ist er danach auch wieder runtergegangen aber 155 nach einer halben Stunde Radfahren? Hat der Kardiologe vielleicht was übersehen? Hat der sich vielleicht verrechnet und meinte 30% Pumpfunktion? Ist 70% überhaupt gut? Hat er vielleicht eine "diastolische Insuffizienz" auf dem Echo nicht gesehen? Sind die Rhythmusstörungen vielleicht doch gefährlich?Solche Fragen schwirren grad in meinem Kopf herum. Bin übrigens 1,78, wiege 67kg und bin 22 Jahre alt.

Antwort
von garfield262, 49

Moin,

zunächst zu den Begrifflichkeiten: EF steht für Ejektionsfraktion und bezeichnet den (prozentualen) Anteil des endsystolischen Ventrikelvolumens am enddiastolischen Ventrikelvolumen. Was bedeutet das jetzt? Wie man weiß, ziehen sich die Herzkammern zusammen, um Blut auszuwerfen. Dabei kontrahieren sie jedoch nicht bis zum absoluten Maximum, sondern nur einen gewissen Teil. Daher kommt es, dass nach erfolgter Ventrikelsystole (also Ventrikelerregung + Kontraktion) ein Teil des Blutes in ihm verbleibt. Das ist soweit normal.

Die Pumpfunktion ist dabei ein wenig definierter Begriff und bezeichnet dabei u.a. die Ejektionsfraktion, aber auch die Bewegung der Herzmuskulatur. Diese kann z.B. bei Infarktpatienten durch Narbenbildung eingeschränkt sein; man spricht dann von einer (regionalen oder globalen) Wandbewegungsstörung. Wenn ein Kardiologe in einem Echobericht eine "gute systolische Pumpfunktion" attestiert, dann bezieht er sich auf eine gute Funktion der Herzkammern hinsichtlich ihrer Aufgabe, Blut in das Gefäßsystem auszutreiben.

Grundsätzlich kann ein Mitralklappenprolaps eine Leistungseinschränkung bedeuten. Diese ist in dem Fall dadurch bedingt, dass ein Teil des ausgeworfenen Blutes durch das durchschlagende Mitralsegel im Rahmen einer Insuffizienz in den Vorhof zurückströmt. Damit ist die tatsächliche, effektive EF (also die Menge Blut, die tatsächlich in das Gefäßsystem ausgetrieben wird) geringer als die z.B. nach der Simpson-Formel errechnete EF (die EF wird im Echo i.d.R. dadurch bestimmt, dass die Schnittfläche der Ventrikel enddiastolisch und endsystolisch im apikalen Vierkammerblick (Schnittebene im Echo) vermessen werden und das Gerät dadurch die EF errechnet). Ich denke jedoch nicht, dass dein Mitralklappenprolaps derartige Auswirkungen hat, und zwar aus folgendem Grund: Der Kardiologe wird sicherlich die Insuffizienz im Echo quantifiziert, also dessen Grad bestimmt haben. Sollte diese besorgniserregende Ausmaße angenommen haben, hätte er es dir mitgeteilt. Ein Puls von 155/min ist nach einer körperlichen Betätigung nicht außergewöhnlich; dabei kommt es auch nicht auf die Dauer, sondern die Intensität der Belastung an.

Ich selbst werde mich für keine der Theorien aussprechen, da die Informationsfülle für eine adäquate Aussage wenig ausreichend ist. Metaanalytisch lässt sich jedoch Folgendes feststellen: Verschiedene (ich gehe davon aus, unabhängige) Ärzte sind zum gleichen Schluss gekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle diese Ärzte einem Trugschluss unterliegen, ist somit eher gering. Erhärtet wird dieser Verdacht durch deine (sicherlich nicht einfache) soziale Situation, welche du selbst ja als problematisch beschrieben hast.

Möglicherweise könnte eine psychotherapeutische Vorstellung zur Linderung deiner Symptome beitragen, z.B. im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie. Solltest du den Vorsatz haben, diesen Ansatz weiterzuverfolgen, wäre ein Gespräch mit deinem Hausarzt zwecks Überweisung an einen psychologischen Psychotherapeuten ratsam.

Konnte ich dir soweit helfen oder ist noch etwas unklar geblieben?

Alles Gute und bis denn ;)

Kommentar von pfannkuchen94 ,

ist 70% denn gut? Ich frage weil ich, richtig krass unsportlich bin. Und kann der hohe puls beim belastungs ekg wirklich von der Psyche kommen?

Kommentar von garfield262 ,

70% sind super, erst <50% spricht man von (leichtgradig) eingeschränkter EF.

Was das Ergo angeht, ich weiß jetzt nicht, bis zu welcher Last du getreten hast, aber ne HF von 155/min ist für einen 22-jährigen durchaus normal. Eine gewisse psychische Komponente kann natürlich auch mit einfließen und für einen vorzeitigen Abbruch sorgen, jedoch ist deine Herzfrequenz noch lange nicht am Limit gewesen.

Die Beurteilung der Herzfrequenz hängt, wie gesagt, natürlich aber auch von der Last ab. Wenn du eine HF von 155/min bei einer Last von 50 Watt erreicht hast, dann ist das natürlich eine andere Qualität als hättest du sie bei einer Last von 200 Watt erreicht. Prinzipiell kann man jedoch dem Urteil eines Facharztes für Innere Medizin und Kardiologie in der kardiologischen Beurteilung soweit vertrauen.

Kommentar von pfannkuchen94 ,

Ich weiß nicht bis wieviel Watt ich erreicht habe. Aber Wenn du sagst, dass ein Puls von 155 nach den Fahrrad fahren normal ist (oder auf jeden Fall nicht viel zu hoch) dann beruhigt mich dass ein wenig. Mein Herzrhythmus beim Belastungs EKG war ja normal. Nur das mit dem hohen Puls hat mich beschäftigt. Es hat mich sowieso gewundert, dass die bei 155 gestoppt haben, weil ich gelesen habe, dass man bei einem Belastungs EKG bis zur Belastungsgrenze gehen sollte, um diese eben festzustellen. Wie gesagt, ich hatte noch kein Herzklopfen und ich war auch noch nicht außer Atem. Naja...ich warte mal ab wie das Langzeit EKG ausfällt. Damit bin ich ja auch Fahrrad gefahren. 

Mir fällt gerade ein, dass ich vergessen habe, dass die Skoliose auch im BWS bereich ist und ich deshalb eben auch BWS Beschwerden habe. Davon könnte ja auch einiges kommen, oder?

Du hast mir auf jeden Fall sehr geholfen. Danke dafür! ;)

Kommentar von garfield262 ,

Nun, ob ein Puls von 155/min beim Fahrradfahren normal ist oder nicht hängt in erster Linie vom Fahrstil und persönlichen Trainingszustand ab. Auch zu dem Ergo kann ich wie gesagt wenig sagen, da davon zu wenig Informationen vorliegen. Grundsätzlich besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass du an einer Herzerkrankung leidest, jedoch ist dies allein angesichts der vorangegangenen Untersuchungen ohne pathologischen Befund durch diverse (Fach-)Ärzte eher unwahrscheinlich.

Ich freue mich, wenn ich dir etwas geholfen haben konnte. ;)

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