Haben wir Schweizer den Deutschen die Sprache geklaut? Es gibt Deutsche die mir sagen, dass wir Schweizer keine Sprache erfinden können.

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6 Antworten

Sprachen werden nicht von Nationen erfunden. Vielmehr entwickelten sich die Sprachfamilien lange vor der Bildung von Nationalstaaten durch hochkomplexe Prozesse, an denen die Sprachbenutzer beteiligt waren.

Man kann keine einzelnen Spracherfinder oder geschlossene Gruppen benennen, denen eine Sprache zuzuschreiben wäre. Am ehesten Verdienste errungen haben sich noch solche Persönlichkeiten wie Martin Luther, der die Bibel ins Deutsche übersetzt hat, oder die Gebrüder Grimm, die ein wahnsinnig großes Projekt für ein deutsches Wörterbuch gestartet haben.

Man kann auch Sprachen nicht stehlen oder klauen, da sie durch weiter verbreitete Verwendung niemandem weggenommen werden. Höchstens könnte man von "Raubkopien" sprechen. Aber es gibt eben kein Urheberschutzgesetz für Sprachen.

Außerdem leistet auch jede Volksgruppe, die eine Sprache spricht, ihren aktiven Beitrag zur Erhaltung und Weiterentwicklung der Sprache und ist deshalb nicht analog zu einem Raubkopierer anzusehen.

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Die Schweiz ist einzigartig als Staat mit 4 gesprochenen, gleichwertigen Sprachen.

Und was solltet Ihr bitteschön denn stehlen? In der Schweiz habe ich mich zwar verständigen können. Ihr sprecht schon so etwas, das so ähnlich klingt wie Deutsch (nicht böse gemeint), habt die Sprache aber bereits so eingefärbt  und umgewandelt, dass sie zu Euch passt. Und von stehlen kann da schon mal überhaupt keine Rede sein.

Lass Dir nicht jeden Schwachsinn einreden. Eine Sprache ist nicht einfach so da, sie entwickelt sich über Jahrhunderte. Auch heute ist die Entwicklung lange nicht abgeschlossen.

Würden wir heute irgendwie in alte Zeiten , sagen wir mal 1000 Jahre zurückversetzt, wir könnten uns überhaupt nicht verständigen.

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Kommentar von Clarissant
23.12.2015, 10:12

habt die Sprache aber bereits so eingefärbt  und umgewandelt, dass sie zu Euch passt. 

Eigentlich ist es eher umgekehrt. :) 

Lies dir mal einen mittelhochdeutschen Text durch und vergleiche ihn mit einigen Schweizer Dialekten. Du wirst feststellen können, dass die deutschen Dialekte aus der Schweiz noch ziemlich viele Ähnlichkeiten mit den deutschen Dialekten des Mittelalters haben. Die Dialekte der Schweiz haben sich natürlich auch verändert, sind aber im Vergleich zu anderen eher … "konservativ"? 

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Nein, natürlich nicht. Sprachen gab es schon, lange bevor es Staaten im modernen Sinne gab. In Europa wurden früher schon immer verschiedene Sprachen gesprochen. Die Grenzen zog man erst später. In manchen Nationen hat sich der Gedanke "eine Nation - eine Sprache" durchgesetzt, in anderen gibt es nach wie vor mehrere Nationalsprachen. 

Die Schweiz ist nur ein Beispiel davon. Auch Luxemburg, Belgien, Wales, Bosnien-Herzegowina und viele weitere Staaten haben mehrere Amtssprachen. Und fast kein Land spricht nur eine Sprache. In Deutschland, Frankreich, Spanien etc. gibt es auch verschiedene Sprachregionen. Geklaut ist da gar nichts. Und man kann auch kein Volk zwingen, plötzlich eine neue Sprache zu erfinden oder zu sprechen, nur weil plötzlich ein neues Land entstanden ist. 

Und zu den Schweizer Dialekten selbst: Ausnahmslos alle von ihnen sind ein Teil des Hochdeutschen, weil sie die hochdeutsche Lautverschiebung mitgemacht haben. Allerdings haben sie (wie die anderen alemannischen und bairischen Dialekte) die frühhochdeutsche Monophthongierung und Diphthongierung nicht mitgemacht. So heißt es in diesen Dialekten immer noch "Brüeder" und nicht "Bruder" (oder ähnliches). Alle deutschen Dialekte in der Schweiz sind eng mit den deutschen Dialekten aus Österreich, Süddeutschland, Liechtenstein und Italien verwandt. 

Worauf ich hinauswill: Es ist sinnlos, überhaupt von Klauen zu sprechen, da a) Schweizer Dialekte viel konservativer sind und gewissermaßen eine "ältere Form" des Deutschen widerspiegeln, und b) sie sich so ähnlich zu anderen deutschen Dialekten außerhalb der Schweiz sind, dass nach dieser Logik jeder Dialekt irgendwie "geklaut" sein müsste. Dies ist natürlich vollkommener Unsinn. 

NIEMAND hat die deutsche Sprache geklaut, weil man Sprachen gar nicht erst klauen kann. 

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Die gemeinsame Sprachentwicklung fand statt bevor es Nationalstaaten wie Deutschland oder Schweiz gab, also Nein!

Weder geklaut (gestohlen) noch übernommen sondern mitentwickelt.


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Geklaut ist etwas wenn der ursprüngliche Besitzer es nicht mehr hat. Also nein.

Wobei man schon sagen muss, dass die Schweiz im erfinden einer eigenen gemeinsamen sprache nicht gerade glänzt

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Kommentar von Clarissant
23.12.2015, 10:14

Wobei man schon sagen muss, dass die Schweiz im erfinden einer eigenen gemeinsamen sprache nicht gerade glänzt

So weit ich das immer verstanden habe, will sie das auch nicht. Die Schweiz setzt bewusst auf Mehrsprachigkeit. Die nationale Identität der Schweiz beruht auf anderen Idealen, eher weniger auf einer gemeinsamen Sprache. 

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Halte ich als deutscher für Schwachsinn...

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