Haben wir denn wirklich einen freien Willen...?

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7 Antworten

Den freien Willen gibt es insofern, als dass niemand von außen einen zwingt etwas zu tun oder zu lassen. Dafür gibt es aber Zwänge von
innen, nämlich unser eigener Verstand. Wir merken das aber im
allgemeinen nicht, weil wir uns mit unserem Verstand identifizieren. Ich
sage nicht: Mein Verstand hat beschlossen, das und das zu tun, sondern:
Ich habe beschlossen...

Der Verstand funktioniert wie auch alles andere auf der Welt deterministisch, also vorhersagbar. Die Vorhersagbarkeit ist eine Eigenschaft, die nicht davon abhängig ist, ob ich ein Ereignis tatsächlich vorhersehen kann. Wenn der Ablauf recht komplex ist - und das ist er oft  - blicken wir nicht mehr durch und sehen uns nicht in der Lage, das Ergebnis vorherzusagen. Zum Verständnis: Wenn jemand auf dem Taschenrechner die Wurzel aus 3,97 berechnet, so vermag er vorher auch nicht das Ergebnis vorherzusagen. Trotzdem ist es vorhersehbar. In vielen Fällen erscheint uns ein Ergebnis als Zufall, wie beim Würfeln z.B. Der Zufall selbst ist nicht, wie fälschlich oft angenommen, das Gegenteil vom Determinismus, sondern ein nicht durchschaubarer komplexer Determinismus.

Wenn jemand eine Straße überqueren will und ein Lastwagen kommt
angefahren, so könnte er trotzdem rübergehen, den freien Willen dazu
hätte er. Er wird es aber nicht machen, weil sein Verstand ihm sagt:
Mach das nicht, sonst wirst Du plattgefahren. Sein Verhalten ist damit
vorhersehbar, also deterministisch, ohne zu seinem freien Willen im
Widerspruch zu stehen, denn niemand von außen hindert ihn daran. So
einfach ist das. Und seit Tausenden von Jahren zweifeln die Menschen am
Determinismus des Weltgeschehens, weil sie durch falsche Vorstellung
ihres freien Willens einen Widerspruch darin sehen. Es funktioniert
alles nach der Kausalkette: Nichts geschieht ohne Ursache und keine
Ursache ohne Wirkung.

Zusammenfassend: Wenn man unter dem freien Willen sich nichts falsches vorstellt, so haben die Menschen einen.

 

 

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Kommentar von wotan38
28.05.2016, 16:02

Danke für die Auszeichnung.

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Wir Menschen sind seit dem Sündenfall in der Lage, Gut und Böse zu unterscheiden. Das bedeutet aber lange noch nicht, daß wir in der Lage wären, das Gute zu tun.

Daß es beides gibt, daraus kannst Du ableiten, daß es jemanden gibt, der festgelegt hat, was gut und böse ist.

Und wir Menschen haben eine Verantwortung. Unser Schöpfer hat uns ganz klar gemacht, was er von uns will, und wie wir es schaffen können, ihm zu gefallen. Das wollen aber viele Menschen nicht, und deshalb haben sie sich ausgedacht, daß sie für ohre Taten nichts können. Praktisch. Aber die Folgen davon müssen sie selbst tragen.

Du siehst aber schon bei ganz kleinen Kindern, daß sie ein schlechtes Gewissen haben. Selbst sie wissen, was gut und böse ist.

Was anderes ist natürlich, daß wir manipuliert werden können und dadurch fremdgesteuert denken. Das fängt immer ganz subtil an. Es ist unglaublich, wie das heute in großem Stil gemacht wird; es wundert mich immer wieder, daß das so funktioniert...


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Bitte lies meine Antwort https://www.gutefrage.net/frage/was-spricht-fuer-und-was-gegen-einen-freien-willen#answer-185879695 .

Nebenbei noch: 

Mit Parallel-Universen hat freier Wille rein gar nichts zu tun. Die Theorie, von der du da gehört hast, war eine Idee von Hugh Everett III, die man aber nicht ernst nehmen darf, da es rein gar nichts gibt, das für ihre Richtigkeit spricht (selbst Everetts Doktorvater hat sich später davon distanziert).

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Kommentar von wotan38
28.05.2016, 15:50

Die Richtigkeit spielt in der Philosophie nur am Rande eine Rolle. Man weiß halt, dass es sowas gibt. Als Geisteswissenschaft geht es vorzugsweise um Meinungen, die zwangsläufig nicht alle richtig sein können, zumal wenn sie im Widerspruch zueinander stehen. Die Philosophie lebt davon, dass man sich gegenseitig zitiert und kommentiert. Es gibt wenig philosophische Aussagen, die uneingeschränkt als richtig hingenommen werden können.

Bestes Beispiel sind die widersprüchlichen Antworten hier und zu ähnlichen Fragen in diesem Forum, fernab von jeglichem Verifizierungsversuch. Ich kann mich mit soviel schwammigem Durcheinander von unverstandenen Begriffen nicht abfinden.

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Nach "Hajo" Friedrichs, dem früheren Nachrichtenchef des ZDF, nach dem der bedeutendste deutsche Medienpreis benannt ist, soll sich der Berichterstatter\\Reporter unbedingt NICHT mit der Nachricht, die er bringt "gemein" machen, also NIEMALS Stellung zur berichteten Nachricht beziehen: Das sei Aufgabe der Kommentatoren, die vor ihrem Erscheinen auf dem Bildschirm als solche kenntlich gemacht würden. Es ist, wenn man sich das am EIGENEN Beispiel überlegt, aber nicht wirklich einfach, Neuigkeiten beispielsweise dem Nachbarn zu erzählen, OHNE sie nach EIGENER Meinung "einzufärben". ICH gebe mir bei sowas immer die größte Mühe und stelle immer wieder fest, dass das nicht einfach ist.

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Nein wir haben keinen absolut freien Willen, denn wir unterliegen verschiedenen Beschränkungen. Ich habe dazu bereits hier etwas geschrieben;

https://www.gutefrage.net/frage/warum-sind-wir-nicht-komplett-frei?foundIn=list-answers-by-user#answer-187512820

Hormone, Erziehung, Sozialisierung, Moralvorstellungen und Gesetze beeinflussen unsere persönlichen Entscheidungsfindungsprozesse. Wir sind also in unserem Willen nicht absolut frei von Einflüssen.

Allerdings kann man sich zumindest von einigen dieser Einflüsse befreien und zu größerer geistiger Freiheit finden.

Die persönliche Verantwortung für sein Handeln trägt man aber natürlich dennoch.

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Kommentar von Jenna2699
20.12.2015, 19:56

Finde ich ziemlich interessant und kann dir nur zustimmen! :)

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Kommentar von Enzylexikon
20.12.2015, 20:05

Alles spielt auf unsere Entscheidung mit ein und in genau der gleichen Sitauation, mit genau den gleichen Gedanken kann man doch dann gar nicht anders entscheiden?

Doch, denn wir sind nicht das Opfer äußerer Umstände - es gibt Faktoren, die wir selbst ändern können.

Man kann beispielsweise als Opfer der eigenen Hormone nichts dagegen machen, dass man eine bestimmte Frau sexuell attraktiv findet.

Allerdings muss man beispielsweise nicht das Opfer sozialer Konditionierungen sein.

Jemand, der immer unterdrückt wurde, hat dadurch vielleicht wenig Selbstbewusstsein entwickelt und spricht die attraktive Frau deswegen nicht an.

Diese Person kann sich jedoch in ihrem Leben weiterentwickeln  und bestimmte Prägungen und Verhaltensmuster überwinden bzw. ablegen und ist dadurch freier in seiner Wahl.

Diese Person kann also durchaus eine Verabredung mit dieser Frau treffen und vielleicht sogar eine Partnerschaft eingehen - wenn er sich entwickelt.

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Kommentar von wotan38
23.05.2016, 15:11

Die Beschränkungen haben nichts damit zu tun, dass wir keinen freien Willen hätten.

Zur Veranschaulichung: Wenn ich nicht in der Lage bin, 100 km zu Fuß zurückzulegen, kann ich nicht daraus schließen, dass ich nicht gehen kann.

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Kommentar von wotan38
27.05.2016, 14:07

Das alles mag richtig sein, hat aber mit dem freien Willen nichts zu tun. Das ist Unvermögen, was Du hier beschreibst.

Wenn einer ein 100kg-Gewicht hochheben will und es nicht schafft, dann liegt es doch nicht an seinem Willen. Das liegt an seinem Unvermögen, dass das nicht geht.

Wenn ich etwas will, das auch machbar ist, kann ich es auch machen. Wenn es unmoralisch ist, kann ich es trotzdem machen. Wenn mich das Unmoralische davon abhält, dann ist das mein freier Wille, mich davon abhalten zu lassen. Wenn ich Bedenken habe, etwas aus bestimmten Gründen zu tun, so kann ich, wenn ich will, entgegen dieser Bedenken das tun indem ich die Bedenken einfach beiseite schiebe. 

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Ja,mMn.  wir sind in unseren Entscheidungen frei, 

Frage bleibt nur, ob es nicht einige Sachen/Dinge Ereignisse  gibt die für uns vorbestimmt sind . Das würde bedeuten, immer wenn wir scheinbar frei entscheiden, bekommen wir eine Richtungsanweisung.

Das Schicksal "prügelt" uns dorthin wohin es uns haben will .....

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Also ich stelle zur Abklärung mal ein paar Fragen:

Gibt es überhaupt Entscheidungen? Mal ungeachtet, wer sie auf welcher Grundlage trifft... Sind Entscheidungen ein Teil unserer Welt?

Wenn Entscheidungen, wie auch immer geartet, Teil unserer Welt und auch Teil unseres Lebens sind, wer trifft dann die Entscheidungen?

Wir selbst? Wenn wir es nun aber nicht selbst sind, wer ist es dann?

Ist es wirklich sinnvoll zu glauben, meine Entscheidung vom Bett aufzustehen, könne mehr die Entscheidung von Etwas sein, was nicht "Ich" ist? Wenn es nicht "Ich" ist, was sollte es dann sein?

Und wie kommt es in mich hinein, ohne zum Teil von mir zu werden?

Wenn wir keinen freien Willen haben, wer hat ihn ( unseren Willen) dann?

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