Niklaus am 08.06.2007 um 11:31 Uhr
Es wird ja immer wieder darüber diskutiert, ob uns die 68er Bewegung weitergebracht oder eher geschadet hat. Wie ist eure Meinung dazu?
Weitere Fragen zu verwandten Themen finden Sie hier:
Nur leider setzen die nun ihr wissen und ihre Erfahrung gegen die von ihnen erlangte Freiheit gegen uns ein. So nach dem Motto, " Es braucht einen Lügner um einen Lügner zu erkennen" Erstaunlich was beispielsweise ein Otto Schilly erst mit der RAF bewegte und was er als Innenminister umsetzte.
Damals war ich 13, eigentlich noch nicht alt genug um einen gültigen vorher/nachher Vergleich abgeben zu können, aber die heutige Gesellschaft ist liberaler geworden. ( Rolle der Frau, Umgang mit alternativen Lebensentwürfen ).
Keine Frage: "Hat was gebracht". Aber was?: Die naheliegenden positiven Assoziationen sind Umweltschutz, Aufbrechen verkrusteter Gesellschaftlicher Strukturen (Vergangenheitsbewältigung), Friedensbewegung.
Ich bin der Ansicht, dass diese Entwicklungen auch ohne die 68er eingetreten wären.
Die 68er ist eine Bewegung, die sehr populär ist und mindestens eine ganze Generation prägte. Ihre Ziele von einer besseren linken Gesellschaft hat sie aber nicht ansatzweise erreicht. Ihr pseudosozialistisches Wunschweltbild, entstammte einer zutiefst bürgerlichen Weltanschauung. Daher mussten die realen sozialistischen Verhältnisse immer schöngeredet oder verleugnet werden (DDR Widerständler können ein Lied davon singen). Die Friedensaktivitäten brachten auch nicht viel. Der eigentliche Grund zum Zusammenbruch der kommunistischen Bedrohung war der von den 68ern bekämpfte "Nato Doppelbeschluss", der den Warschauer Pakt Staaten den Todesstoß verstetzte. Der Atomaustieg scheint auch nur temporär und ist ohnedies Ansichtssache.
Die Umwälzungen in der Gesellschaft waren notwendig, wären aber sicher auch ohne die 68er gekommen. Die 68er setzten mit antiautoritärer Erziehung und Kommunardenkult eine verhältnismässig abrupte Änderung von Erziehungsgwohnheiten und Lebensentwürfen durch. Dies führt bis heute zu einer tiefen Verunsicherung der Nachfogegeneration, der es schwer fällt zwischen Selbstverwirklichungsdrang, Spassgesellschaft, Karriere, und der Familienfrage ihre eigentlichen Ziele zu klären.
Die Musik entwickelte sich aber dank der 68er deutlich positiv zum positiven!
Im übrigen sind die 68er bei ihrem "Marsch durch die Institutionen" heute in den Schlüsselstellen wie Medien, Politik und Schulen überrepräsentiert. Das sind gerade die für die Meinungsbildung entscheidenden Bereiche einer Gesellschaft. Das merkt man in Deutschland besonders.

Die Gesellschaft wäre heute an einem ganz anderen Punkt, hätte es die 68er nicht gegeben. Das Volk hat auch heute noch Macht. Die Interessen sind heute nur zu unterschiedlich. Lieben Gruß Lotusblume
Egal ob überwiegend positive oder auch negative Veränderungen, gebracht hat es auf jeden fall etwas. Allerdings sind wir inzwischen - 68 hin oder her - zu Skaven der Globalisierung mutiert.

Ich bin oft enttäuscht davon, wie unpolitisch die jungen Leute mehrheitlich heute sind. Ideale zählen nicht mehr, wichtig ist nur noch viel Kohle zu verdienen (oder sie anderen wegzunehmen!) und dicke Autos zu fahren. Die Mädels wollen von Emanzipation nichts wissen und sind mit ihrem Status als "Babes" zufrieden und versuchen sich den Kerl mit dem dicksten Goldkettchen/smartesten Anzug/schicksten Büro zu angeln. Es wird auch nicht mehr ernsthaft diskutiert/philosophiert. Meinung hat man nur noch zu Superstars und Mode. Natürlich sind nicht alle Jugendlichen/jungen Erwachsenen so, aber die, die heute den Ton angeben, stellen sich so dar. Trotz Heiligendamm.
Den 68ern haben wir wie ich finde nicht viel zu verdanken. Diese Radikale Bewegung hat Deutschland das Tor zum Linksradikalismus geöffnet.Immer mehr Jugnedlichen wird heute somit der Sozialismus dargestellt , der immer mehr junge Anhänger findet, die nur auf " Sex , Drugs and Rock n Roll " aus sind

ja, hat was gebracht, zb konkret anfang der 80er, da waren die grünen nach wenigen jahren bereits im bundestag gelandet - historisch gesehen wahnsinnig schnell, und eindeutig von den 68ern herkommend - und da haben diese grünen in bonn mal ein klausur-wochenende verbracht, wo sie unter anderem einen neuen fraktionsvorstand wählten, und siehe da: sie wählten einen reinen frauenvorstand. sofort gab es ein weltweites presse-echo, es gab ab sofort die forderung von quotenfrauen in allen alten parteien, und sogar heiner geissler, damals generalsekretär der cdu, berief einen parteitag der cdu ein mit dem titel "frauen in der politik". das ganze hat bis heute eine unglaubliche wirkung gehabt, letztlich gäbe es heute nicht eine kanzlerin ohne die damaligen ereignisse...