Frage von Chribeli,

Haben Pädagogen es beim Erziehen ihrer Kinder leichter?

Ich habe Pädagogik fürs neue (laufende) Schuljahr neu gewählt und wir beschäftigen uns momentan nur damit, wie man ein Kind großzieht, bzw. welche die beste Umgebung ist, um ein Kind zu erziehen. Da komm ich auf die Frage, ob Pädagogenkinder nicht eine viel bessere Kindheit haben als die Kinder von "Nichtpädagogen"?

Hilfreichste Antwort von Draschomat,
22 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Allgemeingültig ist das natürlich kaum zu beurteilen, aber ich antworte trotzdem mit Ja.

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Vorneweg: Ich studiere auf Lehramt Gymnasium, d.h. ich benötige einige Kurse in Erziehungswissenschaft, die sich unterteilt in Schulpädagogik, Allgemeine Pädagogik und Psychologie. Früher hat man einen Vorbereitungskurs besucht und das nötige Examen abgelegt, seit wenigen Jahren werden aber deutlich mehr (über 10) und intensivere Kurse verlangt, d.h. ein angehender Lehrer eignet sich jetzt sehr viel mehr pädagogisches Wissen im Vergleich zu früher an. Gut so, denn manche Lehrer, die ich hatte, verhielten sich oft nicht nur ziemlich hilflos, sondern auch noch unwissend...

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Aber zum Thema:

Pädagogik gehört zur Erziehungswissenschaft - und Wissenschaft bedeutet meist sehr viel Theorie. Für Erziehung benötigt man aber auch Erfahrung und das "richtige Händchen" im Umgang mit Kindern und Schülern. Garantie hat man mit einem solchen Studium daher natürlich nicht.

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Allerdings macht man sich in solchen Pädagogikkursen sehr viele Gedanken - nicht nur in Bezug auf Schüler, die man als Lehrer im Optimalfall bald unterrichten wird, sondern allgemein. Das bringt viele neue Erkenntnisse und deutlich mehr Sicherheit!

Welche Entwicklungsstadien durchläuft ein Kind, wie nimmt ein Kind die Umwelt wahr (sehr wichtig, um sich in Kinder hinversetzen zu können!)? Was müssen die Eltern machen, damit sich das Kind geborgen und wohl fühlt? Wie definiert sich eine Familie? Wie ist sie aufgebaut? Auf welche Weise lernt ein Schüler am effektivsten? Wie sorgt man für die bestmögliche Entwicklung eines Kindes? Welche "Strafmaßnahmen" sind gewinnbringend, welche nicht?

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Auf solche Fragen hat ein Pädagoge sofort immerhin theoretische Antworten parat - das ist ein immenser Vorteil, denn er muss nur noch an der Umsetzung arbeiten (die natürlich individuell sein muss!). Viele Eltern dagegen übernehmen blindlings die Vorgehensweise ihrer eigenen Eltern oder handeln "aus dem Bauch heraus" - beides ist sehr wahrscheinlich falsch. Ersteres kann veraltet sein, letzteres kann zu überzogenen und falschen Reaktionen führen. Das "natürliche" und deshalb in der Regel richtige Gefühl von Müttern verflüchtigt sich leider immer mehr...

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Dass sich theoretisches Wissen nicht sofort und auch nicht immer anwenden lässt, ist klar. Daher kann ein Pädagoge sehr schnell sehr schlecht aussehen - es werden ja gerne "Wundertaten" von ihnen erwartet. Aber das "Wunder der Erziehung" sollten eigentlich die Eltern (im Optimalfall alleine) vollbringen - sie sind die ersten und wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes. Viele sind sich aber ihrer Verantwortung nicht bewusst und setzen ihre Bedürfnisse vor denen des Kindes - ein grundsätzlicher Fehler, auch wenn es anders längerfristig sehr schwer fallen kann.

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Meiner Meinung nach versetzen sich nur ganz wenige Eltern in die Lage ihrer Kinder. Daher ist ihnen nicht bewusst, was ihr Kind gerade (nicht) braucht, wie sich das Kind fühlt oder wie sehr z.B. ein ausartender Streit zwischen Elternteilen in Anwesenheit des Kindes schaden kann. Kinder denken anders als Erwachsene - und das Erlebte wird auch anders verarbeitet. Würden wirklich alle Eltern das Beste für das Kind wollen, müsste es deutlich stabilere Gefüge in den Familien geben - also z.B. deutlich weniger Scheidungen. Auch wenn ich es bedaure, muss ich sagen, dass der Großteil der Eltern nicht das Beste für das Kind will, sondern nach wie vor das Beste für sich selbst. Ich freue mich über jede "Ausnahme"!

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Ich kann übrigens parallel zu meinem Studium meine kleine Nichte (knapp über ein Jahr alt) aufwachsen sehen - ich staune immer wieder, wie ich an ihrem Verhalten/ihrer Entwicklung genau das sehe, was ich vorher jeweils theoretisch gelernt habe. Ergo: Wissen nützt!

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Wer Autofahren will, braucht einen Führerschein. Wer Kinder großziehen will, braucht theoretisch gar nichts - ehrlich gesagt missfällt mir das. Ist man sich der Situation nicht bewusst oder besucht man keine entsprechenden Kurse, kann man eiskalt überrascht werden - von einer unerwarteten Reaktion des Kindes ("Ich verstehe mein Kind nicht." oder "Ich weiß nicht, wie ich mit ihm umgehen soll."), von völlig unerwarteten Problemen und vor allem von der Situation in der Partnerschaft, wenn das erste Kind da ist und "ganz plötzlich" alles "anders" ist.

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Fazit: Pädagogen sind sich der Erziehungsarbeit sicherlich besser bewusst und können auch besser damit umgehen - "Wunderkinder" werden sie trotzdem nicht hervorzaubern, denn jedes Individuum muss sich erst entwickeln und Erfahrungen sammeln. Wenn ich aber die Pädagogen betrachte, die ich bisher "live" an sozialen Einrichtungen, an Förderschulen oder an der Universität kennenlernen durfte, bin ich überzeugt davon, dass sie für ihre Kinder (im Durchschnitt) ein besseres Entwicklungsumfeld schaffen können als andere Personen. Außerdem wissen Pädagogen sehr viel besser mit elterlichen Konflikten umzugehen, sie werden also nicht wegen jeder Kleinigkeit auf "stur" schalten und/oder sich trennen. Streiten muss man lernen!

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P.S. Dass Pädagogen gerne zu viel reden und zu wenig handeln, mag vor einiger Zeit richtig gewesen sein und auch jetzt noch auf manche zutreffen, aber der Grundtenor ist ein anderer geworden. Übrigens: Meiner Meinung nach kann man mit Kindern gar nicht genug reden - sofern es offen und ehrlich getan wird. Schnelles Handeln in Form von Gewalt ist übrigens absolut Tabu - wer das befürwortet, beweist, das er sich nicht in Kinder hineinversetzen kann. Sehr schlechte Voraussetzungen für das Kind...

Achja: Ich wusste gar nicht, dass man schon in der Schule "Pädagogik" belegen kann. Finde ich lobenswert - und noch lobenswerter finde ich, dass du es gewählt hast. Als Schüler hätte ich das zu meiner Zeit sicher nicht getan, muss ich zugeben.

Kommentar von Gartenphilo,

Ich hatte auch in der Schule Pädagogik und studiere jetzt Erziehungswissenschaft im Nebenfach (bei uns gibt es übrigens zusätzlich auch noch Bildungssoziologie^^) und ich kann mich deinen Worten anschliessen! Das mit den Erziehungskursen ist eine interessante Idee; Ich wüsste nicht, ob sie sich umsetzen liesse, doch könnte sie einiges dazu beitragen das Wohlbefinden der Bevölkerung zu erhöhen.

Kommentar von Draschomat,

Danke...ich denke, dass gewisse Grundlagen niemandem schaden würden, was Pädagogik und Erziehung angeht. Anders gesagt: Grundkenntnisse könnten sehr viel nützen.

Antwort von Schreiberlilli,
10 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Hallo Chribeli,

ich bin überhaupt nicht pädagogisch ausgebildet und dennoch denke ich, dass meine Kinder eine gute Kindheit hatten und ich sie gut erzogen habe.

Es gibt pädagogische Fachkräfte, die in ihrem Beruf eine gute Arbeit leisten, aber mit ihren eigenen Kindern nicht zurecht kommen.

Es gibt ganz normale Eltern ohne pädagogische Vorbildung, die Erziehungschwierigkeiten haben.

Genau so gibt es Berufspädagogen verschiedener Fachrichtungen, die neben dem Erfolg im Beruf auch hervorragend mit ihren eigenen Kindern zurecht kommen.

Ich denke, es macht keinen Sinn, alles und jeden über einen Kamm scheren zu wollen und Verallgemeinerungen auszusprechen.

Von Erziehern, (Sozial)Pädagoen oder auch Lehrern wird oft vorausgesetzt, dass deren Sprösslinge alle wohlerzogen und/oder hervorragend gebildet sind. Wenn diese sich nicht erwartungsgemäß verhalten, heißt es oft:

"Ach ja, die Eltern sind ja Erzieher etc....!" Oder auch:

"Dafür, dass die Eltern Erzieher etc. sind, ist der Bengel aber reichlich verzogen/frech/ungebildet/dumm!"

Die Welt ist voller Klischees und Vorurteilen.

Schöne Grüße

Antwort von fesch,
8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Lehrerskinder, Pfarrers Vieh gedeihen selten oder nie, heißt es.

Aber nein, das ist eine Übertreibung.

Pädagogen haben es genau so schwer oder leicht bei der Erziehung ihrer Kinder wie andere Leute, denn die Erziehung zu Hause ist die eine Sache, der Einfluss der Gesellschaft eine andere. Und dann kommt noch der nicht zu unterschätzende Faktor des Charakters des Kindes hinzu. Ein Baby ist nicht nur ein süßer Wonnepropen; es bringt ja schon bestimmte Anlagen mit.

Kommentar von weisswaesche,

Ist nicht Frau Merkel eine Pfarrerstochter? ;-)

Antwort von reiterhexe,
8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

eher das Gegenteil - Kinder von Pädagogen sind gern mal etwas "sonderbar" einfach zuviel des Guten schadet

Kommentar von Schreiberlilli,

Was heißt denn "etwas sonderbar?"

Antwort von gottlob,
8 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

...glaube eher das gegenteil ist der fall.

Kommentar von Schreiberlilli,

Warum?

Antwort von Entdeckung,
7 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Erworbenes Wissen (egal welcher Art) kann jeder von uns immer nur dann am besten anwenden, wenn er möglichst objektiv dabei vorgehen kann.

Jeder Arzt ist Experte für Medizin ... und trotzdem haben laut Statistik Ärzte generell eine niedrige Lebenserwartung. Und die Angehörigen eines Arztes, die sind nicht kränker und auch nicht gesünder als andere Menschen.

Ein Rechtsanwalt ist Experte für Recht ... sollte er selber in die Lage kommen, dass er in einer wichtigen Causa eine Rechtsvertretung braucht, dann wird er einen Kollegen darum ersuchen.

Ein guter Musiker ist hochmusikalisch, und so mancher davon hat auch noch das absolute Gehör. Und dennoch oder gerade deswegen, hat er einen oder mehrere Lehrer und das oftmals ein ganzes Berufsleben lang.

Und Pädagogen sind Experten für eben diese ihre Wissenschaft ... deswegen müssen sie aber noch lange nicht ihre eigenen Kinder besser erziehen können, als dieses Eltern ohne jede pädagogische Ausbildung gelingt.

Kommentar von Draschomat,

DH - ein Musiker, der die Theorie kennt, wird sich am Instrument leichter tun - genau so ist es auch mit pädagogischen Kenntnissen. :-)

Kommentar von Entdeckung,

Haha ... ;)... so könnte man das natürlich auch sehen.

Aber ich bin überzeugt, dass es nicht so einfach sein kann und auch nicht sein darf.

(Mit dem Musiker wollte ich eigentlich nur zeigen, dass jemand, der Theorie und auch Praxis perfekt beherrscht, in Situationen, wo er nicht objektiv bleiben kann, besser etwas von seiner Kompetenz abgeben soll.)

Und, wenn du Kinder als Instrumente bezeichnen möchtest, warum denn nicht ... im positiven Sinne sind sie es auch ... aber ... ein Musikinstrument ... nehmen wir als Beispiel die Orgel (!), das wurde genau nach einem Plan gebaut ... und daher man kann sie und ihre Reaktionen und Möglichkeiten - mit wenigen Ausnahmen - ganz genau vorherberechnen.

Daraus folgt, wenn alle anderen Bedingungen optimal sind, dann kann der Orgelspieler entsprechend seinem Talent und seinen Fähigkeiten Musik zum Erklingen bringen, welche die Herzen höher schlagen lässt und der Organist kann das x-beliebig wiederholen, mit annähernd dem gleichen Ergebnis.

Beim "Instrument" Kind ist es hingegen ganz anderes.

Es entstand nach uns Menschen nicht nachvollziehbarem Plan. Und wie die Erfahrung zeigt ... Kinder von ein und denselben Eltern, die können total verschieden in ihren Neigungen, in ihrem Charakter und sogar in ihrem Aussehen sein.

Und, wenn nun den Eltern beim Kind Nummer eins, diese oder jene Musik zu spielen ganz wunderbar gelungen ist, so kann es sein, dass mit derselben Technik und mit demselben Wissen der "Musiker" Eltern ... plötzlich nur Misstöne entstehen und keinlei Musik, die die Herzen berührt.

Und bei Kind Nummer drei ist es wieder etwas anders, und ebenso bei Kind vier und fünf ...

Und weil ein Kind nun mal ein Teil des Vaters, ein Teil der Mutter ist, kann weder der Vater noch die Mutter nicht so objektiv bleiben, wie es das "Gerlernte" - also die Wissenschaft der Pädagogik verlangt.

Kommentar von Entdeckung,

Und genau da liegt nach meiner Erfahrung das Problem ... es kann aber es muss einfach nicht sein, dass Pädagogen die besseren Erzieher für ihre eigenen Kinder sind.

Kommentar von Draschomat,

Kann mich allen Worten anschließen...genau genommen basiert Pädagogik ja auf irgendwelchen Langzeit- und Querschnittstudien, d.h. man sucht nach Wegen, die in der Regel den besten Erfolg versprechen. Ein Patentrezept gibt es nicht, d.h. kein Pädagoge hat die Weisheit mit Löffeln gefressen... ;-)

Manchmal habe ich aber trotzdem den Eindruck, dass es gewissen Leuten nicht geschadet hätte, sich ein paar Grundkenntisse anzueignen. Oder besser gesagt: Es hätte nicht geschadet, sich mehr Gedanken um Familie und Kind zu machen, um sicherer und "besser" agieren zu können.

Kommentar von Entdeckung,

d'accorde ... es hätte gewissen Leuten nicht geschadet, sich ein paar Grundkenntnisse anzueigenen ... und es schadet niemand, sich Grundkenntnisse anzueigenen.

Und ... es machen sich viel zu wenig Menschen groß Gedanken über Familie und Kind.

Und allzuviele Menschen leben nach dem Motto: "Ich will mein Leben genießen und Spass haben."

Man verliebt sich, heiratet oder auch nicht, bekommt auf alle Fälle ein oder mehrere Kinder ... und ... hast du es nicht gesehen, man hat sich "entliebt", man trennt sich und für die Kinder stürzt eine Welt ein.

Antwort von Celija,
7 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Meine persönliche Erfahrung (habe einige Pädagogen im Bekanntenkreis): Sie reden zu viel und handeln zu wenig: Folge: die Kinder tanzen ihnen auf der nase rum.

Antwort von auchmama,
6 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

...sind und bleiben leider auch nur Menschen. Einige meinen zwar, berufsmässig mehr Ahnung zu haben als normal Sterbliche, leider ist oft das Gegenteil der Fall...:-(

Kommentar von icke01,

Das nennt sich dann überqualifiziert...

Antwort von teddybaeruj,
6 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich fürchte, dass sie es eher schwerer haben, wenn ihre Eltern in Erziehungsfragen wissenschaftlich vorgebildet sind.

Leider habe ich auch so manchen Lehrer kennen gelernt, denen ich meine Kinder nicht anvertrauen wollte.

Kommentar von Schreiberlilli,

Von Lehrern speziell war hier auch nicht die Rede!

Kommentar von teddybaeruj,

Die habe ich auch nicht stellvertretend für alle Pädagogen gemeint, sondern lediglich als ein Beispiel von Pädagogen.

Allgemein ist ganz deutlich mein erster Satz.

Trotzdem danke für den Hinweis, dass man das so verstehen kann.

Antwort von Virginia47,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ich habe das Gegenteil erlebt. Die Kinder von Lehrern und Erziehern haben sich eher "daneben" benommen, als andere Kinder. Deshalb machte ich mir auch mal Gedanken darüber und kam zu folgender "Erklärung":

Die Lehrer undErzieher sind den ganzen Tag damit beschäftigt, fremde Kinder zu erziehen und anzuleiten. Das kostet Kraft. Wenn sie dann abgespannt nach Hause kommen, haben sie oft keinen Nerv mehr, erzieherisch, bzw. konsequent auf ihre eigenen Kinder einzugehen.

Sie haben auch nicht unbedingt eine bessere Kindheit, da sie oft hinter fremden Kindern anstehen müssen, die die Lehrer oder Erzieher als ihr "Eigentum" betrachten.

Aber, wie gesagt, das sind meine Erlebnisse. Muss nicht allgemeingültig sein.

Antwort von tommythr,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Zu aller erst: Lehrer sind zwar Pädagogen, allerdings hat ein Student auf Lehramt nur wenig Methodenkenntnisse in Sachen Pädagogik! Lehrer sind also ein ganz schlechtes Beispiel! Besser passt dann ein Sozialpädagoge mit FH Abschluss.

Der hat es glaube ich bei den eigenen Kindern eher schwerer. Zum einen liegt das, wie das bereits andere hier geschrieben haben an den gesellschaftlichen Einflüssen und zum anderen daran, dass man als Pädagoge verschiedene wissenschaftliche Zusammenhänge kennt, diese allerdings nur begrenzt anwenden kann, weil bei den eigenen Kindern Gefühle ins Spiel kommen, die einem Pädagogen die Professionalität also die Objektivität nehmen. Bei fremden Kindern werden Situationen aus einer Art Meta-Ebene beleuchtet, daher kann man objektiv arbeiten und Situationen besser beurteilen und Methoden anwenden. Bei den eigenen Kindern fällt einem guten Pädagogen, der selbstreflektiert ist genauso auf, dass er Fehler macht. Die Problematik ist eben dann, dass ein Fehler in der Erziehung nicht dramatisch ist, der Pädagoge aufgrund seiner Ausbildung aber den Anspruch hat, diese Fehler nicht zu machen. Dadurch entsteht eine Diskrepanz zwischen pädagogischem Anspruch des Pädagogen und seiner Rolle als liebender Elternteil! Dieses Phänomen ist also eigentlich nichts ungewöhnliches, daher auch diese Bauernweisheiten, dass Pädagogenkinder die Schlimmsten seien, was allerdings definitiv nicht so ist. Vielmehr hat die Lebenswelt, also Personen, welche dieses Pädagogenkind kennen eher den Anspruch, dass dieses Kind aufgrund seiner pädagogisch angehauchten Eltern, besonders pflegeleicht sein müsste. Das heißt es ist wie so oft nicht das problematische Kind, sondern der problematische Anspruch der Gesellschaft, der das Kind als defizitär darstellt. Ich könnte jetzt noch stundenlang darüber schreiben, warum Sozialisation nicht allein von den Eltern beeinflusst werden kann, und warum auch Pädagogen verschiedene Fehlleistungen der gesellschaft nicht ausgleichen können, das würde hier aber definitiv zu weit führen! Ich möchte nur vermeiden, dass wie so oft gegen die Wissenschaft der Pädagogik ausgeholt wird. Viele, zumeist vollkommen unkundige unterstellen gern, dass das jeder kann! Wenn man selbst ein Kind erzogen hat, glauben oft viele, sie hätten den Stein der Weisen gefunden. So ist es aber nicht! Pädagogik ist eine Wissenschaft. Es gibt Konzepte, Methoden und Techniken, welche allerdings nur die Theorie abbilden. Dazu gehört aber ein in sich ruhender, ausgeglichener, zur Selbstreflexion befähigter Mensch, der den Grenzgang zwischen Anforderungen der Gesellschaft und individueller Entwicklung eines Kindes übermitteln und begleiten kann. Und das ist schwerer als es sich anhört, zumindest wenn man einen entsprechenden Anspruch an sich selbst hat.

Grüße

T.

Kommentar von Schreiberlilli,

Es geht in der Frage aber nicht in erster Linie um Lehrer.

Kommentar von tommythr,

Eben, da meine Vorredner aber mehrheitlich unter dem Begriff Pädagogen, Lehrer zu verstehen scheinen, habe ich am Anfang meines Beitrages kurz hierauf Bezug genommen!

Kommentar von Draschomat,

Sehr gut geschrieben - aber ich bin froh, dass ich behaupten kann, dass dein erster Absatz bzgl. Lehrer seit wenigen Jahren nicht mehr korrekt ist. ;-)

Kommentar von tommythr,

Freut mich sehr das zu hören! :-)

Antwort von Phoenix29,
4 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Ob die Kindheit viel besser ist weiss ich nicht, aber die Voraussetzungen sind besser.

Antwort von kindergarten,
3 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Da habe ich eine schlechte Erfahrung für dich mitzuteilen: Ich kenne einige Familien, wo ein Elternteil Lehrer ist. Aber einige (natürlich nicht alle) haben große Probleme mit ihren Kindern. Der Mann meiner Freundin was Hauptschullehrer. Sein Sohn wurde es auch. Aber er entwickelte sich zum Alkoholiker, wurde Drogenabhängig und machte schon mehrere Selbstmordversuche. Meine Freundin ist total verzweifelt. Nicht erst einmal musst sie alles stehen und liegen lassen und in seine Wohnung fahren, weil er am Fensterbrett gestanden ist und hinunterspringen wollte. Und die Freundin meiner Tochter ist Volksschullehrerin und ihre Tochter tanzt ihr auf der Nase herum. Aber ich kenne auch Familien mit Lehrerberuf, wo alles wunderbar klappt. Da sieht man, dass es nicht auf den Beruf der Eltern ankommt. In jedem Beruf gibt es Eltern, die entweder gut oder schlecht mit ihren Kindern zurecht kommen.

Antwort von BlackRainbow666,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Sie haben auf jeden Fall bessere Voraussetzungen zumindest als der Durchschnitt der Gesellschaft, weil sie Kindern eher Bildungsanlässe zur Verfügung stellen werden bzw. sie ihnen ermöglichen. Das ist natürlich keine Garantie für eine gute Entwicklung, aber es ist ein wichtiger Baustein.

Antwort von klaumi,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Nein eher sogar schwerer, weil sie alles nur von der pädagogischen Seite sehen und so etwas verkrampfter bei Maßnahmen sind!

Antwort von Schnuckikinder,
2 Mitglieder fanden diese Antwort hilfreich

Meiner Erfahrung nach, haben Pädagogen und Erzieher bei der Erziehung ihrer eigenen Kinder keine Ahnung.

Kommentar von Schreiberlilli,

Wie begründest Du das?

Antwort von Biescht1,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Ein ganz klares NEIN ! meine Mutter ist Pädagogin, Heimerzieherin. Was dazu geführt hat dass sie mich irgendwann auch behandelt hat als wär ich schwererziebar, daher bin ich mit 15 ins Heim und später ins betreute Wohnen. Mittlerweile hab ich meine eigene Wohnung (bin 20) und bin immer noch geschockt darüber dass meine Mutter sich nicht um ihre einzige Tochter kümmern konnte obwohl sie Pädagogin ist...daher ein klares nein. Denn das hat mich auch von dem Wunsch abgebracht selbst Erzieherin werden zu wollen. Ich will niemals mein Kind im Stich lassen. Ich halte seitdem auch nix mehr von Heimen usw. die Erzieher behandeln einen als wär man geistig zurückgeblieben und schwererziehbar, dabei war ich nur dort wegen Verwahrlosung von meiner mutter. Behandeln einen dort wie dreck und irgendwann färbt das auch auf die eigenen kinder ab.

Antwort von HueMa1947,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Das berufliche Know-How lässt sich leider nur bedingt bei der Erziehung der eigenen Nachkommenschaft umsetzen. Die emotionale Nähe der Eltern zu ihrem Kind verhindert - oft zum Nutzen beider Parteien - das eigentlich sinnvolle und erforderliche pädagogische Handeln.

Antwort von kadilac,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Da ich einige Verwandte und Bekannte habe, die Pädagogik studiert haben weiß ich, daß es da eher zu Konflikten kommt, als woanders.

Kommentar von Schreiberlilli,

Warum?

Kommentar von kadilac,

Bei denen, die ich kenne, wurde zuviel diskutiert. Sie wollten partout nichts falsch machen,es fanden unendliche Gespräche wegen Lappalien statt, die dazu führten, daß die Kinder mit 18 aus dem Haus waren.

Kommentar von weisswaesche,

Wenn Diskusionen überhaupt zu einem Ergebnis führten, gell?

Antwort von weisswaesche,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

Da erleben viele den Unterschied zwischen Theorie und Praxis - ich glaub es ist nicht besser für die Kids

Antwort von zauberfeetina,
1 Mitglied fand diese Antwort hilfreich

auf keinen fall

Antwort von minka13,

Hi, also meine ganz subjektive Sichtweise der Dinge. Kinder von Pädagogen haben es wohl etwas schwerer als die "normalen" Kids. Pädagogisch geschulte Eltern praktizieren ihr Wissen an ihren eigenen Probanten. Och, ich meine an ihren eigenen Kids. Was ja nicht immer ganz schlecht ist, aber zumindest habe ich es schon manchmal erlebt, daß die Pädagogik-Eltern bei öffentlichen Veranstaltungen strenges Augenmerk auf ihre Kids legen. Andererseits hatte ich einen Geschichtelehrer, der absolut "lässig und cool" war, ist auch super gut bei uns angekommen, hat uns auf "Augenhöhe" unterrichtet und, ich meine, ich kenne nun auch seine inzwischen erwachsenen Kids, die sind absolut super lässig. Also Pädagogik kann auch, anders gesehen, "gut gelingen".Grinsgrins...LGMinka13

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