Frage von psychomusichead, 42

Haben meine Freunde soziale Ängste?

In den vergangenen Wochen war ich öfter als sonst mit meinen drei Freunden unterwegs und da sind mir so einige Dinge aufgefallen. Als wir ein Schnellrestaurant betreten haben, haben zwei meiner Freundinnen gefragt, ob ich ihnen das Essen mit bestellen könne, die beiden wollten sich schon einen Sitzplatz suchen. Daraufhin habe ich mich geweigert, denn die ganzen Dinge, die sie essen wollten hätte ich mir nicht merken können. Daraufhin fragten sie meinen Kumpel, ob er das denn nicht für die beiden mit bestellen könnte. Er hat sich natürlich breitschlagen lassen und hat den beiden ihren Fraß mitgebracht. Genau dieses selbe Szenario hat sich eine Woche wieder abgespielt. Ich hab mich geweigert und mein Kumpel hat sich wieder breitschlagen lassen. Ich hab ihn dann darauf angesprochen, als wir in der Schlange im Schnellrestaurant standen, dass die anderen beiden nichts selber bestellen können und offenbar angst davor haben. Ich habe ihn dann dazu aufgefordert nichts mehr für die beiden mit zu bestellen. Eine von den beiden wird bald 20, die andere ist 17. Da muss man doch sowas können, oder liege ich da falsch? Ein paar Tage später beschloss ich mit einer, der oben genannten, Freundin Pizza zu bestellen. Bevor ich überhaupt zu Hause losgefahren bin rief sie mich noch einmal an und sagte: "Du rufst dann aber auch in der Pizzeria an, oder? Du nimmst die Pizza dann aber auch entgegen?!". Bei ihr zu Hause angekommen, griff ich zum Telefon und bestellte die Pizza. Gemeinsam haben wir draußen gewartet. Plötzlich sagte sie: "Die Pizza kommt!" und ergriff schlagartig die Flucht ins Haus. Ich habe die Pizza dann entgegen genommen. Gestern waren wir zu viert feiern (mit den selben Personen wie oben genannt). In der Discothek muss man sein Geld in Chips wechseln lassen und wieder haben die beiden meinen Kumpel vorgeschickt das Geld in Chips wechseln zu lassen. Er hat es natürlich gemacht. Das aller lächerlichste war aber, als wir die Discothek betreten wollten. Die zwei sind vorgegangen und wollten die Eingangstür öffnen, haben es dann aber gelassen, weil sie scheinbar angst hatten als erstes einzutreten. Das habe ich dann übernommen, sonst wär das mit dem feiern nichts mehr geworden. Dann wollten die beiden ihre Jacken abgeben. Die beiden wollten, dass ich mitkomme. Wieder habe ich mich geweigert und sie haben es tatsächlich alleine hinbekommen. Durch mein weigern will ich bezwecken, dass die beiden solche einfachen Dinge auf die Reihe kriegen. Ist das so richtig? Oder soll ich die beiden mal ansprechen? Wobei ich mir sehr sicher bin, dass eine von den beiden bei solchen "Vorwürfen", wie sie es bezeichnen würde, leicht gereizt reagieren könnte. Ich bitte um weitere Vorschläge, was man sonst noch tun kann, damit die beiden solche einfachen Dinge hinbekommen.

Antwort
von MonaLisa98, 11

Das kann schon in gewisser Art und Weise mit sozialen Ängsten zutun haben. Ich kenne das leider von mir. Ich weiß, dass es eigentlich kein großes Ding ist irgendwo anzurufen, und ich hasse es trotzdem. Wenn es nicht so wichtig ist, dann schiebe ich es ewig auf, wenn es aber dann doch sein muss und mir jemand Druck macht, ziehe ich mich mit dem Telefon zurück und überlege mir dann zumindest einen ersten Satz den ich sagen kann. 

Da gibt es noch viel mehr Situationen ähnlich wie bei denen Freunden, in denen es mir so geht. Und ja ich weiß, dass ich das eigentlich hinbekommen müsste, und ja ich habe diese sozialen Ängste.

Aber mit der Zeit ist es auch besser geworden. Es geht einfach darum sich zu überwinden und es zu machen und zu merken, dass es nicht schlimm ist. In manchen Dingen schaffe ich das mittlerweile irgendwie, in anderen eher weniger. 

Was hilfreich ist und was absolut kontra produktiv, dazwischen liegt ein schmaler Grad. Betroffene Personen unter Druck setzen ist Mist. Dadurch fühlt man sich in den meisten Fällen noch schlechter, es ist einem noch peinlicher und man will es noch weniger. Gar nichts tun und einfach immer wieder die Situation übernehmen, ist aber auch nicht so das Wahre. Eben so wenig wie einfach ins kalte Wasser schmeißen. 

Ich kenne deine Freunde nicht, aber vielleicht wäre es tatsächlich hilfreich das anzusprechen. Ich bin zur Zeit bei einer Psychologin, aber angefangen hat eigentlich meine Mama damit. Wichtig ist halt, dass es nicht nach einen Vorwurf klingen darf. Du könntest einfach sagen, dass es dir aufgefallen ist und dir das komisch vorkommt. Versuche es zu schaffen, dass sie dir erzählen, wieso sie das nicht machen wollen, was dann in ihnen vorgeht. Vielleicht ist es peinlich, sie sind unsicher, haben Angst etwas falsch zu machen... Dann geht es darum Strategien zu finden, wie man damit umgehen kann. Z.B. dass man sich zum telefonieren alleine zurückzieht, weil dann eben nicht noch jemand lauschen kann, oder dass man sich auch beim bestellen oder so genau überlegt was man sagen möchte. Dann kann damit die erste Hürde überwunden werden. 

Es wäre vielleicht auch hilfreich, sich auszumalen, was im schlimmsten Fall passieren kann und dann zu überlegen, wie man damit umgeht, damit selbst wenn es dann passiert man weiß, dass es gar nicht schlimm ist und man nicht in Panik verfallen muss. Meistens sieht man schon beim Überlegen, dass es nichts wäre, was man nicht schaffen kann. 

Vielleicht könnt ihr für den Anfang auch den Kompromiss machen, dass ihr zusammen hingeht, du aber nichts sagst, sondern sie das sagen, was sie sich vorher überlegt haben. 

Es ist wirklich nicht einfach damit umzugehen. Man weiß selber, dass man sich total dumm verhält, schafft es aber nicht wirklich, davon wegzukommen. Oft ist es genauso peinlich, andere zu bitten, etwas für einen zu übernehmen, aber da es Freunde sind ist das immer noch besser, als es selber zu machen. Wichtig sind halt Erfolgserlebnisse an denen man langsam sehen kann, dass man es auch selber schafft. 

Antwort
von PANTONE, 15

Begleitetest du sie auch zur Toilette? Meine Güte...  lass die mal aus Ihrer Komfort Zone rauskommen und hör auf die Mami zu spielen.

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