Haben der Buddhismus und der Hinduismus bei der Jenseitsvorstellung Gemeinsamkeiten?

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3 Antworten

Ich bin Buddhist und gebe mal meinen Senf ab.

Beide Religionen haben die Vorstellung der Wiedergeburt und des Prinzips von Ursache und Wirkung (Karma), das sich auf die Form der Wiedergeburt auswirkt.

Ewiges Selbst vs. Nicht-Selbst.

Allerdings gibt es im Hinduismus einen ewigen göttlichen Wesenskern des Menschen (Atman), der über viele Wiedergeburten hinweg danach strebt, sich mit dem ewig Göttlichen (Brahman) zu vereinigen.

Im Buddhismus gibt es diese Vorstellung des ewigen Kerns des Menschen dagegen nicht (Lehre des Anatta/Anatman). Das Ziel ist daher auch nicht die Vereinigung mit dem Göttlichen.

Wiedergeburtsvorstellungen

Die Vorstellung der Wiedergeburt als Tier ist im hinduistischen Volksglauben stärker ausgeprägt, als im Buddhismus.

Die Wiedergeburt in den niederen Regionen des Daseinskreislaufs (etwa als Tier oder Hungergeist) wird im Buddhismus häufig nicht als "Ort" wie eine Hölle vorgestellt, sondern als Bewusstseinszustand.

Auch ist der Verbleib in diesen niederen Ebenen nicht ewig, sondern jedes Wesen hat die Möglichkeit zum Aufstieg und sogar schließlich zum Erwachen zu gelangen.

Wiedergeburt ist nicht schön

Wie man sieht, betrachtet man in beiden Religionen die Wiedergeburt nicht als ein spannendes Abenteuer, sondern als Teil eines leidvollen Kreislaufs.

Sinn des Lebens

Im Hinduismus und Theravada-Buddhismus geht es vor allem darum , sich selbst aus diesem Kreislauf zu retten und die Befreiung zu erreichen - also mit dem Göttlichen zu verschmelzen (Hinduismus) bzw. gänzlich zu verlöschen (Theravada-Buddhismus).

Im Mahayana-Buddhismus gelobt man dagegen, selbst wenn man das Erwachen (Bodhi) erfährt, nicht aus dem Kreislauf der Wiedergeburt auszusteigen (Parinirvana), sondern freiwillig in diesem Hamsterrad zu bleiben, um als erleuchtetes Wesen (Bodhisattva) allen  Wesen zu helfen.

Reines Land

Im so genannten Buddhismus des "Reinen Landes", auch Amidismus genannt, gibt es die Vorstellung, das gute Menschen im "Reinen Land" (Sukhavati) des Buddha Amitabha/Amida wiedergeboren werden und dort unter angenehmeren Bedingungen, als im menschlichen Leben auf das eigene Erwachen hinarbeiten können.

Sterben

Im Vajrayana-Buddhismus wird der Prozess des Sterbens und der Geschehnisse vor der nächsten Wiedergeburt, in Zwischenwelten des Bewusstseins (Bardo) geschildert.

Geistig hoch entwickelte Meister sollen sogar Einfluss auf die Umstände der nächsten Geburt nehmen und daher vor ihrem Sterben angeblich Hinweise hinterlassen, wo seine nächste Wiedergeburt zu finden sein soll.

Vermutlich sind dabei in Tibet Vorstellungen der vorbuddhistischen Bön-Religion eingeflossen. Das kann dir ein Vajrayana-Buddhist sicher besser erklären.

In einigen Formen des Hinduismus (ich denke vor allem im Vedanta) gibt es die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Tod zum einen ein strahlendes Licht sehen kann, das so mächtig ist, dass es furchteinflößend wirkt - und ein kleineres, trübes Licht, das gemütlicher wirkt.

Die meisten Wesen fürchten sich vor dem großen Licht und wählen des trübe Licht - was sie in eine neue Wiedergeburt führt, statt in die Einheit mit dem Göttlichen.

Das ist natürlich nur eine sehr grob umrissene Zusammenfassung.


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Kommentar von maximilian3003
03.12.2015, 14:56

Die war schon ausführlich genug, Danke! :)

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Die kommen bei der Seelenwandernung als Maden, Schaben oder anderes Getier wieder! Wie gut ist es da nicht dazu zu gehören und mit dem Tod auch wirklich einen endgültigen Abschluß gefunden zu haben!?!

Es gibt keinen belastbaren Beweis für Reinkarnation, sonstige Wiedergeburt, Himmel, Hölle oder Paradies. Jeder denkt sich seine posthume Existenzform halt gerne so, wie ihm dies zu Lebzeiten in zufriedenstellender Weise nicht vergönnt war.  

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Klar doch, immerhin ist der Buddhismus aus dem Hinduismus entstanden, bzw. in einem hinduistisch geprägten Land. In beiden Religionen gibt es keine Jenseitsvorstellung im Sinne der abrahamitischen Religionen, nach dem Tod kommt die Wiedergeburt, das wiederholt sich bis zur Läuterung, Am Ende kommt das Nichts, das Nirwana. Wie man damit umgeht, ist in beiden Religionen unterschiedlich. Bei den Hindus hat sich aufgrund dieser Vorstellungen das unsägliche Kastensystem etabliert. Bei den Buddhisten gibt es derartiges nicht. Es gibt auch nicht den einen Buddhismus, diese Religion war immer sehr aufnahmebereit und hat auf ihrem Siegeszug vorhandene religiöse Vorstellungen übernommen und daraus eigene Richtungen gebastelt wie den tibetanischen Buddhismus, der sich stark an der alten animistischen Religion der Tibeter orientiert. Auch Taoismus und Shintoismus gingen so in die verschiedenen Buddhistischen Schulen ein. Das hatte auch Auswirkungen auf die Jenseitsvorstellung, die immer wieder neu definiert wurde. Einige Richtungen beschäftigen sich statt dessen mit dem Streben nach Unsterblichkeit, was in einigen Fällen schon recht gut geklappt haben soll...zwar nicht die Unsterblichkeit, aber viele Mönche wurden teilweise erstaunlich alt. Ein kleines Beispiel dazu: 

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