Frage von ShinyShadow, 119

Haben Behinderte irgendwelche "Sonderrechte" als Fußgänger, Wie reagiert man als Autofahrer?

Guten Morgen,

es handelt sich hier mal wieder um eine Interessensfrage. Ändern werd ich vermutlich sowieso nichts können.

Folgendes ist heute Morgen passiert:

Ich bin mit dem Auto gefahren, auf einer mittelmäßig stark befahrene Straße innerorts. In der Nähe befindet sich ein Behindertenheim. Mitten auf einer Kreuzung sind mir plötzlich 2 Leute (scheinbar geistig behindert) vors Auto gerannt und ich konnte gerade noch so ausweichen.

Im Rückspiegel sah ich, dass die Leute wirklich mitten in der Kreuzung stehen blieben und einer von beiden anfing, sich den Schuh zu binden.

Ich bin dann rechts ran gefahren und wollte die beiden bitten, von der Straße zu gehen, da es gefährlich ist.

Allerdings ist mir jemand zuvor gekommen, er meine (in einem sehr strengen, aber nicht unfreundlichen Ton) sie sollen doch bitte die Straße verlassen, das ist gefährlich und unverantwortlich. Fand ich in Ordnung. Plötzlich stieg noch ein weiterer Mann aus einem anderen Auto aus und schrie den ersten Mann an von wegen wie unverschämt er doch ist, wenn er so mit behinderten Leuten redet und er soll gefälligst einfach vorsichtig fahren und die dürfen das.

So... Was wäre in dem Fall tatsächlich das Richtige gewesen? Selbstverständlich ist mir klar, dass "umfahren" keine Möglichkeit ist, egal ob sie das "dürfen" oder nicht.

Aber was tut man? Die Leute einfach machen lassen und drumrum fahren? Was sagen? Womöglich im Heim anrufen? Ich mein... Das sind ja keine Schwerverbrecher, die Dauerüberwacht werden! Und die fahren eigentlich auch jeden Tag alleine mit dem Bus in die Stadt, um in einer Werkstatt zu arbeiten.... Das funktioniert eigentlich auch gut...

Ich würde mich über eure Meinung freuen! :)

Antwort
von oki11, 79

Naja es gibt natürlich keine Sonderrechte in diesem Fall, soll bedeuten, dass die beiden Personen nicht das "Recht" hatten einfach auf der Straße stehen zu bleiben um sich die Schuhe zuzubinden.

Doch nun zum moralischen Fall.

Wenn es sich um geistig verwirrte Menschen handelt, dann ist denen zum Teil nicht bewusst, dass diese sich in einer gefährlichen Situation befinden, denn die reagieren instinktiv und aus dem Bauch heraus.

Schuh ist auf, also muss dieser geschlossen werden!

Die Situation wie Du sie beschrieben hast ist aus beiden Sichten verständlich.

Der eine Mann schreit und und der andere beurteilt sachlich und moralisch* und das meine ich nun ohne Wertung für den einen oder anderen.

Ich kann Dir nicht sagen was richtig oder falsch gewesen wäre, ich kann nur sagen was ich getan hätte.

Warnblinkanlage an ausstigen und beide Personen aus der Gefahrensituation holen und das ohne Geschrei.

Kommentar von ShinyShadow ,

Danke :)

Wie gesagt, der Mann, der mit den Behinderten geredet hat, war ja sachlich und auch ruhig, nur vielleicht etwas (zu) streng... Aber das lag womöglich dran, dass es morgens war, er zur Arbeit musste,... und da ist man eben mal genervt, ist ja auch nur menschlich :)

Der der geschrien hat, war ja der andere... Das fand ich ehrlich gesagt eher unpassend...

Ich hätte es eben etwa so gemacht wie der erste, nur etwas "netter" mit einem "bitte" noch mit im Satz ;)

Findest du, dass man in so nem Fall das Heim anrufen soll?

Kommentar von oki11 ,

Ein Anruf im Heim wäre sicherlich möglich, doch es hätte in diesem Moment nichts verändert.

Ich denke auch, dass die Heimbetreuer sicherlich wissen, dass einige der Patienten eine andere Auffassungsgabe haben und somit in manchen Situationen nicht rational reagieren.

Wenn es Dich so beschäftigt, dann ruf doch einfach dort an und schildere die von Dir erlebte Situation.

Antwort
von Joergi666, 59

also keiner hat da Sonderrechte, als Autofahrer muss man schlichtweg sein Fahrverhalten anpassen oder stehen bleiben, wenn mögliche Gefahrensituationen ersichtlich sind. Bei Kindern ist das ja im Prinzip auch nicht anders. Im genannten Fall auszusteigen und eine "klare Ansage" zu machen finde ich völlig in Ordnung- solange dabei nicht geschrieen oder beleidigt wird.

Antwort
von FelixFoxx, 51

Grundsätzlich hat man als Autofahrer Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen, da sie die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind. Natürlich haben auch Fußgänger Regeln zu beachten wie z.B. nicht bei Rot die Straße zu überqueren, geistig behinderten Menschen kann man aber nicht grundsätzlich zutrauen, diese Regeln zu beherrschen, ähnlich wie bei Kindern.

Kommentar von Garfield0001 ,

dann sollten sie aber auch nicht am Verkehr teilnehmen. Oder mit einem Helfer. so wie man es bei Kindern auch erwartet

Kommentar von FelixFoxx ,

Auch bei Kindern kann man nicht erwarten, dass immer eine Aufsichtsperson in der Nähe ist. Bestes Beispiel ist der plötzlich über die Straße rollende Ball, da kann immer ein Kind hinterher laufen.

Antwort
von MrgoodwayCH, 43

Hey shiny,

Eigentlich ist es so wie du es schon denkst, behinderte, egal in wiefern sie behindert sind, haben vorrang. Es verhält sich so wie bei blinden mit ihrem blindenhund oder blindenstock, wenn du ihn anfährst, bist du noch mehr im a**** als wenn du einen gesunden menschen anfährst, weil sie schutzbedürftig sind.

Korrekt wäre es gewesen, wenn man die beiden freundlichst aus der gefahrenzone entfernt hätte ohne böse stimme oder sonstiges, geistig behinderte haben nicht den glaichen gedankengang wie du oder ich, sie könnten angst bekommen dich nicht verstehen, es könnte ein fluchtinstinkt eintreten der dann wirklich zu einem unfall führt. Wer dann schuld ist, ist offensichtlich (der agressor). Des weiteren wäre es bestimmt sinnvoll, die werkstatt oder verantwortlichen betreuer/pfleger über diesen vorfall zu informieren, um so etwas möglichst zu verhindern in zukunft...

Gut dass du so schnell reagieren konntest :)

Grüss die tage

Kommentar von ShinyShadow ,

Danke :)

Ich hab ja letztendlich nichts gemacht (außer dass ich ausgewichen bin), die anderen waren ja "schneller" ;)

Ja... Nur ich frag mich... Was sag ich dann am Telefon? Ich weiß ja nicht mal, wie die Leute heißen und ich kann ja nicht pauschal mal 2 Leute verpetzen, von denen ich vermute, dass sie da wohnen?

Ohman...

Kommentar von MrgoodwayCH ,

Du warst auch schnell ;)

Also bei geistig behinderten ist es meistens so, dass sie irgend ein schriftstück oder ne karte auf sich tragen (am kragen der jacke, am arm, in der brieftasche oder sonst irgendwo) woher sie kommen, wo sie wohnen, kontaktdaten für den notfall ect. Die betroffenen werden sich meist auch nicht verpetzt fühlen, jedoch können sie eine art von hilfe wahrnehmen, wenn sich jemand nett um sie kümmert.

Schön, dass du dir um soetwas gedanken machst :)

Kommentar von ShinyShadow ,

Ach, gut zu wissen mit dem Schriftstück! Danke! Jetzt werd ich die zwei nicht mehr finden, aber fürs nächste mal ists hilfreich :)

Antwort
von DODOsBACK, 31

Der Umgang mit behinderten Menschen ist in Deutschland schwierig. Grundsätzlich finde ich es richtig, jeden Menschen, der sich und/ oder andere gefährdet, darauf hinzuweisen.

Ja, ich würde tatsächlich im Heim anrufen. Einfach mal nachfragen, wie man in der Situation "richtig" reagiert, ohne gleich Vorwürfe zu machen.

Oft wissen sie dort gar nicht, wie ihre "Schützlinge" sich "draußen" verhalten. Geistig Behinderte werden oft mit kleinen Kindern verglichen - und auch die verhalten sich "in freier Wildbahn" oft völlig anders, als wenn Mami und Papi dabei sind...

Grundsätzlich gilt: wer Situationen nicht einschätzen kann, braucht entweder feste Verhaltensregeln (die er dann auch befolgt!) oder einen Begleiter, der die Verantwortung übernimmt.

Irgendwie scheint es als Reaktion auf die Verbrechen der Nazi-Zeit aber nicht mehr okay zu sein, geistig Behinderte "sozialverträglich zu erziehen", wenn das mit Verboten und Einschränkungen verbunden ist...

Antwort
von lucyyaA, 24

Ich wachse selbst mit behinderten Menschen auf und habe daher verständnis.

Es war richtig die 2 mit ruhigem aber strengem Ton von der Strasse zu holen. Geistig behinderte Menschen neigen öfters dazu, störrisch zu reagieren wenn sie merken, dass sich die Person nicht durchsetzen kann.

Im Heim anrufen und die Situation schildern ist völlig in Ordnung. Wahrscheindlich wird die Heimleitung den Bewohnern nochmals die Strassenregeln versuchen zu erklären.

Schreien bringt nichts und ist meiner Meinung auch nicht richtig. Man muss niemanden anschreien, vor allem nicht, wenn völlig klar ist, das die Menschen behindert sind.

Also alles okey und gut :) richtig reagiert. Super!

Antwort
von bauernmaedl, 30

Also ich hätte es so gemacht wie du bzw. Der erste mann: sie bitten die straße zu verlassen, weil es zu gefährlich ist.
Der wutentbrannte 2. Mann hat für mich nur die klassische mitleidsschiene abgezogen: "die haben eine Behinderung, die dürfen alles und jeder der das anders sieht, diskriminiert sie." Geht für mich persönlich garnicht. Das sind Menschen wie du und ich und sollten auch so behandelt werden.

Kommentar von ShinyShadow ,

Ja eben... Mich nervt das ziemlich, dass man wegen allem aufpassen muss, was man sagt... Alle "Minderheiten" oder Gruppen, die irgendwie diskriminiert werden könnten, muss man mit Samthandschuhen anfassen... Egal obs jetzt Behinderte, Flüchtlinge, Frauen, Dunkelhäutige, .... sind. Eigentlich darf man zu keinem mehr was sagen...

Ich verstehe es ja vollkommen, dass den Leuten in dem Moment nicht klar war, dass sie sich in Gefahr befinden... Und ich hätte vielleicht noch irgendwie ein "bitte" oder so in meinen Satz eingebaut... Aber dass man echt gar nichts sagen soll, ist ja wohl absolut schwachsinnig...

Kommentar von bauernmaedl ,

genau richtig! da haben wir die gleiche ansichtsweise ;)

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