Habe ich ihn verflucht oder geht ihm der Alkohol an die Psyche?

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1 Antwort

Das ist eigentlich einfach zu beantworten. Du schreibst, dass Dein Vater Alkoholiker ist und ein Alkoholiker muss immer den so genannten Alkoholspiegel im Blut halten, an den er gewöhnt ist. Da er im Schlaf nicht trinken kann, beginnt dieser Alkoholspiegel zu sinken und das bringt seinen Körper in Unruhe. Der Körper sendet sozusagen die ersten Alarmzeichen aus, dass etwas nicht stimmt.

Nicht bei jedem ist das so. Da spielen viele Komponenten hinein. Es kommt auf die Konstitution an, auf den Stoffwechsel, wie hoch der Alkoholkonsum ist, ob man einen leichten, oder tiefen Schlaf hat u. s. w..

Manche gehen auch hin, eben damit sie durchschlafen können, dass sie sich vorher ein paar Gläser extra genehmigen.

Es hat also absolut nichts mit einem Fluch zu tun. Fakt ist, dass Dein Vater alkoholkrank ist und ich möchte das Wort KRANK, noch mal extra betonen. Viele Menschen geraten unabsichtlich in diese Krankheit und jeder merkt es erst, wenn er abhängig geworden ist. Sie schämen sich dafür und sie streiten es deshalb auch lange ab und versuchen es zu verbergen.

Doch mit der Zeit wird ihnen bewusst, in was für eine Lage sie geraten sind und haben Angst. Sie wollen natürlich nicht von zu Hause weg und sie fürchten auch die Entgiftung und eine folgende Therapie. Sie meinen fälschlicher Weise, dass Psychologen ihr Denken verändern könnten, was natürlich Quatsch ist, und dass sie über persönliche und intime Dinge sprechen müssten. Auch hier sagt jeder nur das, worüber er auch sprechen möchte und man wird zu nichts gezwungen. Aber das sind gewöhnlich die Hauptgründe, warum sich viele zuerst nicht helfen lassen wollen.

Erst wenn sie sozusagen am Ende sind und dieser "mir ist alles egal Effekt" einsetzt, dann sind sie bereit sich helfen zu lassen.

Mein Vater war ohne Alkohol ein ganz toller Mensch. Doch mit dem Alkohol wurde er zu einem Ekelpaket und er stritt täglich mit allen herum. Als er aufhören wollte, weil meine Mutter mit Trennung drohte, da bekam er die Nachricht, dass er Krebs hat und vier Monate später verstarb er.

Ich würde Dir und Deiner Mutter an´s Herz legen, dass Ihr Euch an die Drogenberatungsstelle bei Euch am Ort wendet und dass Ihr Euch Rat holt. Vielleicht bekommt Ihr den Vater ja so gar dazu, dass er sich das auch anhört, was es für Möglichkeiten gibt. Auch das heute niemand mehr kalt entzogen wird. Viele Andere haben es ja auch geschafft, davon wieder weg zu kommen, warum nicht er auch? Und eigentlich müsste es doch für ihn ein ganz besonderer Ansporn sein, dass er die Abhängigkeit besiegt, wo das Thema Ehre eine so große Rolle in Eurer Kultur spielt. Wenn Ihr damit auch noch argumentiert, sehe ich eine große Chance, dass er sich helfen lässt.

Und was bei der Drogenberatungsstelle besprochen wird, dass erfährt niemand anderes. Kein Arzt und keine Behörde, denn sie haben Schweigepflicht. Alles ist freiwillig und wenn er etwas nicht möchte, kann er jederzeit wieder gehen. Aber die haben das Wissen und die Erfahrung und er kann sich ja mal anhören, was sie zu sagen haben? Informationen einholen ist nie verkehrt.   ; - )

Ich wünsche Dir, Deiner Mutter und besonders Deinem Vater viel Glück.

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