Frage von kanarenreise, 44

Habe einen Reisevertrag abgeschlossen, wo ich nicht bemerkt habe,das auf späteren Seiten auf Baulärm und fehlenderTür hingewiesen wurde, hab ich da noch Rechte?

Hallo, ich hab dummerweise einen Hinweis beim Reiseportal ab in den Urlaub übersehen, der mich Baulärm und fehlende Tür akzeptieren lässt.. Wäre mir nicht aufgefallen, wenn mir bei Reisebestätigung der Reiseveranstalter Neckermann mich nicht explizit auf diesen Mangel hingewiesen hätte. Habe versucht die Reise beim Portal zu stornieren, würden sie gegen Zahlung von 450,00 EUR machen. Hab ich überhaupt noch Rechte, oder ist das eine neue Masche den Verbraucher schön versteckt schon vor der Reise Mängel akzeptieren zu lassen, um damit alle Ansprüche des Reisenden zu umgehen?

Antwort
von Wissensdurst84, 24


Guten Tag,

Der Widerruf eines Vertrages ist ein ganz besonderes Institut im Recht, das gilt ganz besonders bei der Buchung einer Reise. Grundsätzlich gilt: Verträge sind zu erfüllen - Vertragsangebote sind verbindlich. Mit Abschluss eines Vertrages sind beide Seiten an den Vertrag gebunden. 

Bei einem Widerruf kann der Widerrufende durch die einseitige Erklärung ohne jegliche Verpflichtungen die Bindungswirkung der eigenen Erklärung beseitigen. Der Widerruf eines Vertrages ist also nur eine Ausnahme dieses Grundsatzes und ist an ganz spezielle Voraussetzungen gebunden.

Ein grundsätzliches Widerrufsrecht gibt es also auch im Reiserecht nicht. Es gibt vielmehr nur zwei Fallgruppen, in denen ein Widerrufsrecht besteht.

Variante 1: Der Widerruf einer noch nicht zugegangenen Erklärung

Der Widerruf eines Vertragsangebotes kann wirksam sein, wenn dem Vertragspartner vor oder gleichzeitig mit der eigentlichen Willenserklärung ein Widerruf zugeht. Das Zugehen des Angebotes kann das Einwerfen der Post in den Briefkasten des Empfängers, das Herunterladen der Buchungs-E-mail, das Ausdrucken des Faxes durch das Faxgerät sein. Praktisch kommt dieser Widerruf nur in Frage, wenn das Angebot auf einem Weg abgegeben wird, der einige Zeit bis zum Zugang in Anspruch nimmt (z.B. Buchung per Post - hier kann durch ein schnelleres Fax, eine E-Mail oder einen Anruf der Widerruf erklärt werden).

Bei Buchung per E-Mail, Telefon oder per Fax liegen nur kurze Zeiträume zwischen Abgabe des Vertragsangebotes und Zugang beim Vertragspartner, so dass die Reue und der Widerruf zu viel Zeit in Anspruch nehmen dürften. Ein wirksamer Widerruf ist hier praktisch kaum machbar. Auch bei der Buchung der Reise per Post geht die Unsicherheit darüber, ob der Widerruf denn noch rechtzeitig war, zu Lasten des reuigen Reisenden.

Variante 2: Der Widerruf nach den Verbraucherschutzregeln

Das Gesetz gibt gerade den Verbrauchern besondere Rechte im Umgang mit Unternehmen. Hierzu gehören ganz besonders die Widerrufsrechte des BGB. Diese bestehen aber nur in ganz bestimmten Fällen und zwar: bei einem Fernabsatzgeschäft, einem Verbraucherkreditgeschäft oder einem Geschäft, das außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wird (früherHaustürgeschäft).

Die Buchung einer Reise oder eines Hotels im Rahmen eines Verbraucherkreditgeschäftes (Ratenzahlung bei Beträgen über 200,00 €) ist nicht üblich.

Für die übrigen Fälle enthält § 312 g Abs. 2 Nr. 9 BGB jedoch die Regel, dass das Widerrufsrecht gerade nicht gelten soll, wenn Dienstleistungen im Bereich Unterbringung, Beförderung, Beköstigung und Freizeitgestaltung in einem genau definierten Zeitraum erbracht werden sollen. Nichts anderes ist bei einem Reisevertrag, einem Beherbergungsvertrag, einem Linienflug, einer Bahnfahrt oder anderen Reiseleistungen aber der Fall.

Daraus folgt: Bei Reiseverträgen hat der Reisende im Regelfall kein Widerrufsrecht. Er ist insbesondere im Reiserecht nur durch sein Recht zu Stornierung bzw. Rücktritt geschützt und sollte bei der Buchung nicht unüberlegt handeln.

Ich rate dir, den Vertrag wegen §119 BGB anzufechten und dich auf Irrtum zu berufen.



Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 119 Anfechtbarkeit wegen Irrtums

(1) Wer bei der Abgabe einer Willenserklärung über deren Inhalt im Irrtum war oder eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte, kann die Erklärung anfechten, wenn anzunehmen ist, dass er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles nicht abgegeben haben würde.(2) Als Irrtum über den Inhalt der Erklärung gilt auch der Irrtum über solche Eigenschaften der Person oder der Sache, die im Verkehr als wesentlich angesehen werden.

Per Email den Widerruf erklären und per Einschreiben Rückschein. Dann abwarten was die Gegenseite macht. Papier ist geduldig.

Ich hoffe ich konnte dir helfen. Bei Rückfragen einfach nachfragen.

Wissensdurst84

Quelle zur Info: recht-im-tourismus.de





Kommentar von kanarenreise ,

Dankeschön, werde deinen Rat annehmen und mal sehen was passiert, sag ich dir dann, bin da ohne Euphorie!!!! Sende ich dir dann!!!!!

Kommentar von Wissensdurst84 ,

Okay. Ich würde es drauf ankommen lassen. Wenn du rechtsschutzversichert bist, dann bist du eigentlich diesbezüglich auf der richtigen Seite. Nur muss der Irrtum umgehend angefechtet werden

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