Frage von zacefronswifey, 139

Habe Angst, dass mein Freund sich das Leben nimmt?

Ich (w/16) bin seit Samstag mit jemandem zusammen gekommen, den ich schon von früher kenne und sehr mag. Er (m/18) hat Depressionen und ist deswegen auch für 2,5 Jahre untergetaucht. (Wir gingen in dieselbe Klasse und plötzlich war er weg) Er brach auch den Kontakt zu jedem ab und war nicht mehr zu erreichen.

Im Sommer 2015 schrieb ich ihm. (Davor hatte er NIEMANDEN)

Ich mag meinen Freund so sehr, aber der Gedanke, dass wenn ich ihn nicht angeschrieben hätte, er jetzt nicht mehr da wäre, macht mir Angst... Dass ich größteils der Grund dafür war, dass er sich nicht umbringt... Es fühlt sich so an, als hätte ich sein Leben in der Hand und ich könnte es jeder Zeit fallen lassen und alles zerstören. Ich habe Angst. Ich habe Angst davor, etwas falsches zu machen und ihm was dadurch zu tun... Ich würde mir das niemals verzeihen.

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Antwort
von JaniXfX, 70

Hallo :)

Es gibt von Boesch einen schönen Aufsatz über das "Leiden" und das "[gut] leiden können". Darin erzählt Boesch, wie sehr seine Patienten ihm in der Therapie von ihren Qualen berichten. Ja, sie leiden wirklich darunter... aber er erzählt auch, dass sie ihm diese Leiden sehr gern erzählen und scheinbar auch ganz gut leiden können. Klienten "verlieben" sich in ihre Krankheit. Manchmal so weit, dass sie selbst in sich nichts anderes als eine Erkrankung sehen. Manchmal stellen Patienten auch fest, dass sie immer und immer wieder in die gleiche Situation kommen, die sie doch zutiefst stört. Doch irgendwann erkennen sie, was sie aus dieser Situation für einen Nutzen ziehen, und woran sie in diesen Situation einen Gefallen finden. Irgendwann versteht man, was der Sinn dahinter und der Krankheitsgewinn ist - erst dann können Patienten davon ablassen...

Er hat Dich scheinbar zu seiner Retterin auserkoren. Sorry, das bist Du nicht. Das kann er noch so viel erzählen - das Einzige, was ihn vor seinem tot bewahrt, ist er selbst. Und er selbst ist verwantwortlich für sein Seelenheil. Wenn es ihm schlecht geht, steht ihm offen, eine Therapie zu machen. Einfach "weg" zu sein, ändert auch an der Ursache nichts. In Depressiven stecken häufig zweierlei Dynamiken. 

1.) Endlich der Kränkung von außen etwas entgegenstellen zu können: Dem Leid, das man erfährt, etwas zu wider setzen - jemand anderem endlich mal ein's auswischen und seinem Frust Luft machen. Ggf. auch jemanden mal richtig physisch schlagen... häufig richtet sich dieser Frust gegen Freunde, Bekannte, Verwandte, Eltern oder sehr nahe Personen. Dann kann man ihn nicht ausleben, sondern wendet ihn gegen sich selbst.

2.) Der sehnliche Wunsch, es würde endlich jemand dieses Leid entdecken und helfen. Die Betroffenen fühlen sich häufig in einer Situation gefangen, aus der sie sich selbst nicht heraus trauen. bzw. sie nehmen wahr, sie könnten es gar nicht. Dann wünschen Sie sich, jemand von Außen würde kommen und alles ändern. Zum Teil hängen da irrationale und irreale Wünsche dran. Es wird nie jemand diese Rolle erfüllen können - solche Erwartungen sind zu groß. Aber dennoch, wenn jemand fragt "wie geht es Dir", werde Depressive Antworten "Es geht" oder "nicht sooo gut" - mit der Hoffnung, jemand würde tiefer nachfragen und endlich Interesse zeigen. Auch in Deinen Nachrichten ist zu sehen: Er zeigt Dir seine leidliche Seite, dann bindet er Dich als Retterin ein und letztlich versteckt er diese Seite wieder, damit Du nachfragst.

Bitte: Sei nicht die Retterin. Sei gerne mit ihm zusammen und seine Partnerin - aber sei nicht die Therapeutin. Du kannst mit ihm offen über dieses Thema sprechen, bitte zensiere da NICHTS. Häufig schadet Zensur ,mehr als dass sie nützt. Suizidgedanken kannst Du direkt ansprechen. Wenn Du das Gefühl hast, beim äußern der Suizidgedanken steckt ein Appell (also eine Botschaft an Dich), dann sprich diese laut aus und frage, ob du sie richtig verstanden hast. Frag auch, was der Wunsch an Dich ist und wie Du Ihm seiner Vorstellung nach helfen kannst. Letztlich kannst DU lediglich die Person sein, die ihn auf eine Therapie bringt - aber du kannst nie die Person sein, die ihn langfristig ändern kann.

Antwort
von Literaturmensch, 68

Mach Dir bitte keine Dich belastenden Gedanken! Empfehle ihm bei Gelegenheit, einmal psychologische Hilfe aufzusuchen. Auch Seelsorge, insbesondere Telefonseelsorge könnte ihm helfen, wenn es gar nicht mehr geht. Suizidgedanken können bei jedem gesunden Menschen auftreten, gerade in Krisensituationen oder bei plötzlichen Lebensveränderungen. Davon darf man sich nicht herunterziehen laßen! Unsere Welt hat so viel zu bieten, daß jeder in ihr das Glück finden kann und gerade diese Motivation muß man vor Augen haben.

Antwort
von AzraMetehan, 77

Bleib bei ihm und versucht nicht über so etwas zu reden, denkt positiv und unternehmt freudige Sachen, keine Ahnung, jedenfalls würde ich vorschlagen, dass du dir nicht zu viele Gedanken machen solltest, du könntest ihn natürlich fragen, warum er abgehauen ist aber ich glaube das wäre nicht gut und er würde sich an schlechte Sachen erinnern und keine Ahnung vielleicht bekommt er wieder dieses Verlangen und will sich sein Leben nehmen. Besser wäre es, wenn ihr euch an jemanden vertraut, ist immer die beste Lösung. Man denkt sich, was bringt das und ja es bringt etwas

Kommentar von JaniXfX ,

Sorry - Zensur ist hier aber GÄNZLICH am verkehrten Platz...

Antwort
von bbjosefine, 55

mm, hat er denn gesagt das dein Brief ihm so sehr wichtig war?

Da du ihn so sehr tatsächlich magst und das ganze doch jetzt schon lange Zeit her ist, ist die Frage ob du dir aktuell solche Sorgen machen mußt da?

Es ist natürlcih wohl wichtig und richtig das er psychisch jetzt stabil sein sollte-liebe Grüße

Antwort
von wxplain32, 40

Mein Respekt, dass du dich dem Ganzen stellst und Ihm beiseite bist..

Ich würde an deiner Stelle ihm klar machen dass das Leben schön sein kann. Mache ihm Geschenke (keine Materiellen), wenn du weißt was ich meine, damit er sich umso überzeugter ist.

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