Frage von MuttiSagt, 80

Hab ich Anrecht zu erfahren, welche ärztlichen Unterlagen angefordert wurden?

Ich habe einen Antrag auf Grad der Behinderung bekommen und das war deutlich weniger als erwartet. Ich habe den Verdacht, das vielleicht nicht alle Arztberichte zu Grunde gelegt wurden. Kann ich das überprüfen? Kann ich Kopien anfordern?

Antwort
von ramay1418, 34

Warum hast Du einen Verdacht? Nur weil Deine Erwartung nicht mit den Fakten übereinstimmt? Deshalb muss es nicht gleich Betrug, Schiebung, ein Verbrechen sein. 

Die Begründung ist für einen Laien sowieso nicht ganz zu durchschauen und je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Einstufungen. 

So gibt es in Hessen nach einer Herz-Bypass-OP einen GdB von 50, in Rheinland-Pfalz aber nur 30. Dazwischen liegt nur der Rhein. Vor einer OP sollte man also seinen 1. Wohnsitz sicherheitshalber der Form wegen für ein paar Monate nach Hessen verlegen. 

Oft ist also vieles anders als man denkt. Da hilft dann ein Blick in die Akten, ins Gesetz und auch einfach eine Anfrage beim Versorgungsamt oder auch bei Deiner Krankenkasse. 

Kommentar von Bube1602 ,

Es gibt die "versorgungsmedizinischen Grundsätze" welche bundesweit gültig sind. Ist eine Krankheit/Behinderung/Störung was auch immer darin aufgelistet, wird aber abgelehnt oder nicht in der Höhe genehmigt welche in der GdB Tabelle vermerkt ist, sollte mann IMMER Widerspruch einlegen! Das ist vom Wohnsitz unabhängig. Die Versorgungsämter haben sich nach den Grundsätzen zu richten.
LG

Kommentar von ramay1418 ,

OK, ich kenne das Verfahren nur von meiner Nachbarin, bei der sogar der Behindertenvertrauensmann ihres Unternehmens gescheitert ist, einen höheren GdB herauszuholen. 

Ist aber auch schon ein paar Tage her; kann sein, dass die Gesetzeslage eine andere war. Ich möchte damit sowieso keine Bekanntschaft machen. 

Kommentar von MuttiSagt ,

Nein, es ist ein berechtigter Verdacht. Ich habe 30 Grad erhalten. Zwar habe ich keine Krankheit, die alleine da stehend mehr als 30 Grad rechtfertigt ( so gesehen wäre es ok, weiß ja das nicht addiert wird) jedoch habe ich Schulter links eine TEP ( 30 Grad) und Schulter rechts dauerndes Luxieren ( 30- 40 Grad) und dadurch das es beidseitig ist, dürfte das Gesamtbild ( von der Logik) viel Schlimmer sein. Ebenso sieht es mit den Beinen aus: Hüfttep rechts (30 Grad) und Knieinstabilität links durch Ruptur vorderes und hinteres Kreuzband, sowie Seitenband und Meniskus ( 30-40 Grad) , inoperabel da Arthrose Grad 4. Jedoch aufgrund der Schulterproblematik ist es mir nicht möglich, Gehhilfen zu benutzen und das müsste ebenfalls vom logischen Verstand her mehr als 30 Grad ergeben. Zusätzlich hab ich noch Spondylose, Bandscheibenvorfälle L 2-L4 und Chronische Rückenschmerzen aufgrund der dauerhaften Gehproblematik. Insbesondere brauche ich die Möglichkeit auf einen Behindertenparkplatz zu haben, weil ich sonst den Weg Auto- Toilette oft nicht schaffe, weil ich einfach zu stark humpel. Nur einfach so 30 Gdb würde ich erstmal nicht so ohne weiteres akzeptieren, daher muss ich wissen, ob wirklich alles !) berücksichtigt wurde.

Kommentar von ramay1418 ,

Ja gut, aber wenn es so ernst ist, frage ich mich, warum Du hier Beratung suchst statt bei den Fachleuten von Krankenkasse, dem Medizinischen Dienst oder dem Behinderentvertrauensmann des Unternehmens / des Rentenversicherungsträgers / der Gemeinde (auch da gibt es einen, jedenfalls in unserer Verbandsgemeinde). 

Ich hätte die Sache dort schon lange geklärt. 

Außerdem gibt es doch auch fachbezogene Foren - aber selbst da muss man mit den gegebenen Auskünften vorsichtig sein. 

Kommentar von Bube1602 ,

Ich möchte noch anraten beim VDK vorzusprechen. Einfach mal googeln wo bei dir die nächste Anlaufstelle ist. Die haben für mich Widerspruch eingelegt und aus einem Ablehnungsbescheid einen Bewilligungsbescheid mit 60 Grad erwirkt. Kostet allerdings Mitgliedschaftsgebühr von ca 5€/Monat
LG

Kommentar von MuttiSagt ,

Ich hab den Bescheid erst gestern bekommen, deswegen hab ich mich jetzt noch nicht so weit greifend informiert. Aber danke erstmal für die ganzen Tipps

Antwort
von Myosotis16, 33

Hast du dem Amtsarzt/Amtsärztin die Unterlagen geschickt oder hast du den Behörden erlaubt, selbständig bei deinen Ärzten Auskünfte einzuholen?

Besser ist es, die Arztberichte selber zu sortieren und sie dann erst zur Prüfung einzuschicken.

Da du mit der Beurteilung nicht einverstanden bist, reiche einen Widerspruch ein.

Du kannst um Kopien bitten, aber oft werden solche Anfragen nicht beantwortet.

Wende dich an die Kassenärztliche Vereinigung oder eine Patientenschutzorganisation!

Antwort
von Dickie59, 5

Hallo,

fristgemäß Widerspruch einlegen, selber alle behandelnde Ärzte aufschreiben, mit Namen, Adresse und Behandlungen. Ich mache das seit Jahren bei meiner Mutter und bin jetzt bei 80% mit Zusatz Stark gehbehindert. Niemand in der Hauptfürsorgestelle weiß sonst wo du noch in Behandlung warst, wenn dein Hausarzt kein Arztbrief eines Fachkollegen bekommen hat.

Beste grüße

Dickie59

Expertenantwort
von Konrad Huber, Experte für Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderung, 18

Hallo MuttiSagt,

Sie schreiben:

Hab ich Anrecht zu erfahren, welche ärztlichen Unterlagen angefordert wurden?

Ich habe einen Antrag auf Grad der Behinderung bekommen und das war deutlich weniger als erwartet. Ich habe den Verdacht, das vielleicht nicht alle Arztberichte zu Grunde gelegt wurden. Kann ich das überprüfen? Kann ich Kopien anfordern?

Antwort:

Viele Antragsteller gehen irrtümlich davon aus, daß verschiedene gesundheitliche Schädigungen einfach aufaddiert werden, dem ist aber nicht so!

Des weiteren sind viele Arzt- und Entlassungsberichte wenig aussagefähig!

Dies kommt auch nicht zuletzt daher, weil die Sozialversicherungsträger die Kosten für ausführliche und aussagefähige Arztberichte nicht übernehmen, diese Kosten müßten also zwischen Arzt und Patient ausgehandelt werden!

Als juristischer und medizinischer Laie sind die Zusammenhänge kaum überschaubar, deshalb sollte man einen kompetenten Rechtsbeistand wie z.B. den VDK hinzuziehen!

Der Rechtsbeistand kann z.B. eine Akteneinsicht geltend machen um herauszufinden, ob wirklich alle eingereichten Arzt- und Entlassungsberichte korrekt erfaßt und beurteilt worden sind, bzw. ob ggf. ein Verschlechterungsantrag Sinn macht!

http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9196/der_schwerbehinderte...

http://www.versorgungsmedizinische-grundsaetze.de/GdS-Tabelle.html

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von MuttiSagt ,

Nein, es ist ein berechtigter Verdacht. Ich habe 30 Grad erhalten. Zwar habe ich keine Krankheit, die alleine da stehend mehr als 30 Grad rechtfertigt ( so gesehen wäre es ok, weiß ja das nicht addiert wird) jedoch habe ich Schulter links eine TEP ( 30 Grad) und Schulter rechts dauerndes Luxieren ( 30- 40 Grad) und dadurch das es beidseitig ist, dürfte das Gesamtbild ( von der Logik) viel Schlimmer sein. Ebenso sieht es mit den Beinen aus: Hüfttep rechts (30 Grad) und Knieinstabilität links durch Ruptur vorderes und hinteres Kreuzband, sowie Seitenband und Meniskus ( 30-40 Grad) , inoperabel da Arthrose Grad 4. Jedoch aufgrund der Schulterproblematik ist es mir nicht möglich, Gehhilfen zu benutzen und das müsste ebenfalls vom logischen Verstand her mehr als 30 Grad ergeben. Zusätzlich hab ich noch Spondylose, Bandscheibenvorfälle L 2-L4 und Chronische Rückenschmerzen aufgrund der dauerhaften Gehproblematik. Insbesondere brauche ich die Möglichkeit auf einen Behindertenparkplatz zu haben, weil ich sonst den Weg Auto- Toilette oft nicht schaffe, weil ich einfach zu stark humpel. Nur einfach so 30 Gdb würde ich erstmal nicht so ohne weiteres akzeptieren, daher muss ich wissen, ob wirklich alles !) berücksichtigt wurde.

Kommentar von Konrad Huber ,

Nur einfach so 30 Gdb würde ich erstmal nicht so ohne weiteres akzeptieren, daher muss ich wissen, ob wirklich alles !) berücksichtigt wurde.

Antwort:

Es hilft nichts, wenn Sie hier Ihre Beschwerden im Einzelnen auflisten, sondern Sie müßen dies beim Versorgungsamt so darstellen, daß diese Beschwerden auch tatsächlich erfaßt und berücksichtigt werden!

Rechtsbeistand hinzuziehen, Akteneinsicht geltend machen, Krankenakte aktualisieren und optimieren, denn die meisten Verfahren werden nach Aktenlage entschieden!

Es kommt im Endeffekt nicht auf die Masse an Akten an, sondern auf die Qualität und Aussagekraft der einzelnen Arzt- und Entlassungsberichte!

http://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/9196/der_schwerbehinderte...

http://www.vdk.de/deutschland/pages/mitgliedschaft/64026/rechtsberatung

Beste Grüße, viel Erfolg und bestmögliche Gesundheit

Konrad

Kommentar von MuttiSagt ,

Ok danke

Antwort
von Bube1602, 32

Hallo.
Ja, du kannst dem Bescheid formlos widersprechen und dabei Kopien von allen ärztlichen Unterlagen einschließlich der abschließenden Stellungnahme des versorgungsmedizinischen Dienstes anfordern. Die Kopien kosten so ca 4€.
Hier kannst du alles nachlesen:

http://www.psoriasis-forum-berlin.de/verein/12-amtliches/18-behinderung-widerspr...

LG

Antwort
von WolfDieHufnagl, 28

Allein schon das Bundesdatenschutzgesetz erlaubt es dir, Auskunft über alle Daten zu erhalten, also Kopien aller Unterlagen.

Antwort
von Charlybrown2802, 31

klar kannst du nachfragen

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