Frage von Tristessax, 895

Gynefix - Wie hoch ist die Gefahr für eine ernsthafte Verletzung?

Huhu liebe Community,

ich war heute beim Frauenarzt und haben mir nun endlich die Kupferkette in der Apotheke geholt. Der FA hat mich wunderbar aufgeklärt über die Kupferkette und mir erzählt, was der Vorteil von der Kupferkette ist. Er selber meinte aber, dass viele Berichte im Internet gefaked sind, da man meist nur positives über die Kupferkette lesen kann, genauso wie auf der Seite die Werbung für die Gynefix macht. Er findet z.B auch nicht, dass die Kupferkette nun extra besser geeignet ist für junge Leute, da eine Spirale genauso passen würde. Naja wie auch immer, er hat auf jeden Fall Ahnung davon und ist auch dazu ausgebildet um die zu legen. Ich vertraue dem Mann voll und ganz. Natürlich zählte er mir einige Nebenwirkungen auf. z.B Verletzung der Gebärmutter, was zu einer Entzündung führen könnte, was schlussendlich auch zur Unfruchtbarkeit führen kann, Verletzung des Darms ( hielt er bei mir aber als sehr unwahrscheinlich, da die Gebärmutterwand auf jeden Fall dick genug ist), Verrutschen/Verlust.. All das klingt natürlich nicht angenehm, aber sind definitiv nicht mit den Nebenwirkungen zu vergleichen, die ich durch die Pille hatte die ich jahrelang nahm..weswegen ich all das in Kauf nehme. Natürlich bleibt trotzdem irgendwo ein bisschen die Angst, ob alles gut läuft.. Ich hoffe, dass mir einige Leute davon berichten können. Sollte auch negative Berichte da sein, bin ich trotzdem dankbar um die Ehrlichkeit, denn es kann auch nicht bei jedem klappen und es kann halt auch gerne mal schief gehen..

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von KMarek, 594

Von der Kupferkette müssten es dann tatsächlich ziemlich viele gefakete Erfahrungsberichte sein... 

Ich glaube, dass der Drang sich über die Kupferkette mit anderen online auszutauschen einfach viel größer ist als bei anderen Verhütungsmethoden, weil viele Frauen sich nach unzufriedenstellenden Erfahrungen mit anderen (hormonellen) Verhütungsmitteln oft im Alleingang für die Kupferkette, zum Teil sogar gegen den Rat des langjährigen Frauenarztes entscheiden und diesen dafür sogar wechseln. Und wenn man dann diesen Schritt gegen den Widerstand gegangen ist und sich die Kupferkette dann legen hat lassen und zufrieden ist, dann will man andere daran teilhaben lassen und zeigen, dass es sich gelohnt hat und dass man zufrieden ist. Man will die Angst vor dem "Unbekannten" nehmen, weil man ja selber Ängste und Ungewissheit durchgestanden hat.

Ich selbst hatte die Kupferkette 5 Jahre lang und war damit sehr zufrieden. Ich bin in der Zeit zu einer kleinen Expertin auf diesem Gebiet mutiert, weil ich mich selbst dafür entschieden und vorher sehr intensiv im deutschen wie auch englischsprachigen Internet recherchiert habe (bei Interesse kannst Du auf google scholar selbst suchen). 

Mein Fazit: Über kaum ein Verhütungsmittel existieren so viele unzutreffende Gerüchte, wie über die Kupferkette. Über kaum ein Verhütungsmittel haben selbsternannte Experten (da fällt mir spontan ein Dr. Doubek aus dem BRIGITTE online Artikel ein) verunsichernde und falsche Informationen verbreitet. Viele wollen offenbar schlau mitreden, aber kaum jemand kennt sich tatsächlich aus.

Zur Kupferkette werden seit über 20 Jahren fortlaufend umfangreiche Studien durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind (leider fast ausschließlich in englischer Sprache bis auf ein paar deutschsprachige wissenschaftliche Artikel). Soviel wissenschaftliches Material, wie ich als Laie zur Kupferkette finden konnte, habe ich zu keinem anderen Verhütungsmittel entdecken können.

Zu Deiner Verletzungsfrage:

Das Verlutzungsrisiko ist bei korrekter Einlage (und wenn der Arzt die wichtigen Punkte beachtet) nicht größer als bei anderen Spiralen. Legt jedoch ein nicht auf die Kupferkette ausgebildeter Arzt die Kupferkette ein, würde ich das Risiko auf jeden Fall höher einstufen, weil sie einfach anders eingelegt wird, als die klassischen Spiralen. 

Jede Spirale kann die Gebärmutter durchstoßen. Der Arzt muss für die Kupferkette zuvor die Gebärmutterwanddicke ausmessen und diese muss min. 1 cm sein. Dann muss er die Gebärmutter während der Einlage gut strecken, damit der Knoten der Kupferkette zentral im Muskel platziert werden kann. Danach muss er unbedingt noch einen Kontrollultraschall machen und schauen, ob der Knoten zentral im Muskel liegt und nicht zu nah an der Serosa (minimaler Abstand muss 2 mm sein - ist es näher, dann muss er sie gleich wieder ziehen, um eine Perforation zu vermeiden).

Das Risiko einer Entzündung kann ebenfalls reduziert werden, z.B. durch sauberes, sterilen Arbeiten während des Einsetzens (das sollte Standard sein) und einen PAP,sowie Chlamydien-Abstrich vorher. Kommt es wider Erwarten trotzdem zu einer Infektion, dann kann diese mit Antibiotika ausgeheilt werden. Du selbst kannst auch einen Beitrag leisten, um eine Infektion zu vermeiden, indem Du bei wechselnden Sexualpartnern konsequent Kondome benutzt! Denn nicht durch das Tragen der Kupferkette oder einer anderen Spirale erhöhst Du das Risiko für eine Infektion, sondern durch Dein Sexualverhalten. Unabhängig vom Alter. Ich kenne bisher keinen einzigen Erfahrungsbericht, wonach eine Frau wegen der Kupferkette unfruchtbar geworden sei. Und ich verfolge dieses Thema nun wirklich schon viele Jahre. Frag doch mal Deinen Frauenarzt, wie viele Infektionen er trotz sorgfältiger Durchführung der Voruntersuchungen im Zusammenhang mit Spiralen im Laufe seiner Praxistätigkeit tatsächlich schon hatte und wenn, ob diese mit Antibiotika ausgeheilt werden konnten.

Wird die Kupferkette nach 5 Jahren wieder gezogen, dann entsteht eine kleine Wunde, welche sich binnen weniger Minuten schließt und verheilt. Bereits eine Stunde nach dem Ziehen ist diese Wunde im Ultraschall nicht mehr sichtbar. Eine Vernarbung entsteht nicht. Du kannst es Dir vorstellen, wie eine kleine Wunde in der Mundschleimhaut, wenn Du Dir zum Beispiel innen auf die Wange gebissen hast. Der Schmerz beim Ziehen ist vergleichbar mit dem ruckartigen Abziehen eines Pflasters.

Verrutschen/Verlust der Kupferkette:

Ist die Kupferkette richtig platziert und eingewachsen, kann sie im Gegensatz zu anderen Spiralen nicht verrutschen. Das ist ja gerade ein weiterer Pluspunkt zu den klassischen Spiralen, welche durch die Kräfte der Gebärmutter immer mal wieder gern in eine Fehlstellung geraten, was dann zu Schmerzen, aber auch zu einer maßgeblichen Verringerung der Verhütungssicherheit führen kann. Das korrekte Einwaschen des Knotens der Kupferkette kann man als Patientin fördern, indem man sich die Kupferkette erst am 4., 5. oder 6. Zyklustag legen lässt (denn dann hat das Gewebe schon mehr Spannung und die Gebärmutterschleimhaut ist größtenteils schon abgeblutet und die Gebärmutter kontrahiert nicht mehr so stark wie zu Menstruationsbeginn), man 7 Tage lang keinen Sex hat und keine Tampons benutzt und man mit allen durchblutungsfördernden Aktivitäten für eine Woche pausiert (keine Wärmflasche, kein heißes Baden, keine Sauna, kein Sport inbesondere Leistungssport, kein PowerPlate) etc. - einfach 7 Tage chillig ausharren.

Ist die Kupferkette von der Größe her besser als andere Spiralen:

Das kommt schlichtweg auf die Größe bzw. vielmehr die Breite Deiner Gebärmutter an. Aber für über 50% der Frauen trifft dies zu. Auch dazu existieren Studien und Erfahrungswerte. Z.B. hat man in den Jahren zwischen 2010-2013 die Breite im oberen Bereich der Gebärmutter von 653 Frauen unterschiedlichen Alters gemessen. Ergebnis: die Breite betrug im Durchschnitt (!) 25 mm. Das heißt, einige Gebärmütter waren breiter, andere aber wiederum deutlich schmäler. Selbst die kleine Hormonspirale ist mit einer Breite der Arme von 28 mm noch zu breit für viele Gebärmütter, ganz zu schweigen von den normalen (Kupfer-)Spiralen mit einer Spannweite der Arme von 32 Millimeter. Für die Frauen, die eine größere Gebärmutter haben (meistens sind es die, welche schon geboren haben und älter sind) passen die normalen Modelle der Spirale und sie werden beschwerdefrei und zufrieden sein (vielleicht bis auf den Umstand, dass sich mit der Kupferspirale meistens die Blutung verstärkt und mit der Kupferkette eben nicht). Für die Frauen mit kleinerer oder verformter Gebärmutter ist die normale, sogar die kleine Spirale schlichtweg zu groß, wodurch es unnötiger Weise zu Schmerzen, Krämpfen und Blutungen und schlußendlich zum vorzeitigen Entfernen der Spirale wegen Unzufriedenheit kommen kann. Warum achten Ärzte bisher nicht auf diesen Umstand? Weil die tatsächliche Fundusbreite mit einem 2D-Ultraschall, der in den meisten Frauenarztpraxen zu finden ist, nur schwer korrekt ermittelbar ist, sondern man dafür vorzugsweise auf einen 3D-Ultraschall zuückgreifen muss. Der dazu erschienene wissenschaftliche Artikel lautet "Intrauterine Kontrazeption: Welches IUP passt?" und die Autoren sind vorrangig deutsche Mediziner.

Für mich zählen Fakten grundsätzlich mehr, als allgemeine und nicht selten gefärbte Meinungen.

Meines Wissens nach, empfehlen die Frauenärzte in den meisten Fällen die Kupferkette gar nicht aktiv, sondern gehen erst darauf ein, wenn eine Patientin sie explizit darauf anspricht und sie wünscht. Ich zumindest wurde immer wie ein durchgeknallter Sonderling angesehen, wenn ich auf eine hormonfreie Verhütungsmethode angesprochen habe. Vermutlich haben Ärzte auf irgendeine Weise mehr Vorteile oder einen höheren Verdienst, wenn sie eine der Hormonspiralen einsetzen - ungeachtet der damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen für die Patientin.

Zur Jaydes-Hormonspirale sehe ich ständig Werbung - an der Bushaltestelle, in der U-Bahn, in Zeitschriften, sogar auf den Damen-Toiletten der Uni und natürlich beim Frauenarzt. Von der Kupferkette habe ich noch nie Werbung oder ähnliches gesehen. Und außer der Internetseite, auf welcher aus meiner Sicht im Gegensatz zu anderen Verhütungsmittel-Seiten gut aufklärt wird und die medizinischen Zusammenhänge der Eigenschaften der Kupferkette für Laien verständlich vermittelt werden, begegnet man ihr doch gar nicht.

Ich bin daher vielmehr der Überzeugung, dass tatsächlich erstaunlich viele Frauen mit der Kupferkette mehr als erwartet zufrieden sind und sich diese Verhütungsmethode vorrangig aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda zufriedener Patientinnen durchsetzt. Man diesen Umstand beschreiben mit, Qualität setzt sich eben durch. Vermutlich sehr zum Ärger einem nicht kleinen Teil von Ärzten, welche von unserer deutschen Pharmaindustrie und der Absatzmenge derer Verhütungsmittel nicht unerheblich profitieren und sich deshalb für diese Produkte und entsprechend gegen die Kupferkette aussprechen müssen.

So, ich hoffe, ich konnte für Dich Licht ins Dunkel bringen. Ich würde mich freuen, hier schon bald zu lesen, wie es Dir nun schlussendlich ergangen ist. Oder lieber doch nicht, denn sonst ist es im Falle dass Du mit der Kupferkette zufrieden sein solltest, für Deinen Frauenarzt ein weiterer "gefaketer" Erfahrungsbericht ;-)

Antwort
von Hannybunny95, 562

Die einzigen negativen Punkte, die ich nennen kann sind folgende:
-Periode wird am Anfang richtig stark (hab sie jetzt ein halbes Jahr und es normalisiert sich endlich), jedoch nicht länger
-am Anfang habe ich einen Monat durchgeblutet (kann aber auch von der Pille gewesen sein)
-die ersten drei Monate habe ich mittelschmerzen um den Eisprung rum

Es sind echt keine großen Sachen und die nehme ich auch gerne hin. Ansonsten merke ich die Kette gar nicht und vergesse sie komplett. Ich war vorher nicht anfällig für Infektionen und daran hat sich auch nichts verändert. Bin sogar gerade voll verwundert, dass ich sie schon ein halbes Jahr habe :D

Antwort
von 14Sarah01, 537

Hallo :)

Also ich muss zugeben, dass ich auch Angst hatte ob alles gut läuft. Richtig aussagekräftige berichte findet man ja kaum. Aber bis jetzt ist alles super, hab sie jetzt ca. 4 Wochen drin und bin sehr zufrieden. Mein Arzt sagte auch dass man ne Entzündung sofort merken würde und diese dann sofort behandelt werden kann. Jeder Fremdkörper der eingesetzt wird kann natürlich eine Entzündung herbeiführen. Aber ich hab mich trotzdem dafür entschieden, immer positiv denken:) Nebenwirkungen der Pille find ich schlimmer. Mein Freund findet die gynefix auch ne super Lösung, er spürt gar nichts vom faden. 

Kommentar von Tristessax ,

Wirklich nicht? Dachte immer, dass das beim Sex ein Problem darstellen könnte..vor allem möchte ich ja weiterhin trotzdem mit Kondom verhüten und hätte Angst, dass das Ding da ein Loch reinpiekst :'D Klingt einfach total doof ich weiß :D

Kommentar von 14Sarah01 ,

Ne ist wirklich überhaupt kein Problem, er spürt gar nichts. Der faden wird mit der Zeit weicher. Mein Arzt sagte ich darf nach dem einsetzen eine Woche kein Sex haben und daran hab ich mich auch gehalten. Hatte bis jetzt echt kein Problem. 

Kommentar von Hannybunny95 ,

Die Schnur sollte etwas länger gelassen werden und dann legt sie sich um den Muttermund oder stülpt sich um, dann merkt der Partner wirklich null und es kann auch nichts ins Kondom pieksen. Der Faden wird auch mit der Zeit weicher

Antwort
von Physiostudent, 523

Ich habe leider noch keine Kupferkette da meine Gebärmutterwand bis jetzt noch zu dünn ist. Ich hoffe sie baut sich wieder auf da ich einige Zeit die Pille genommen habe. Darf ich fragen wie dick deine Wand ist? :) habe mit mehreren Leuten geredet uA Ärzte die gemeint haben dass die Verletzungswahrscheinlichkeit gering ist wenn es fachmännisch durchgeführt wurde

Kommentar von Tristessax ,

Ich habe 11 mm Dicke..sollte also soweit ich weiß ausreichen. Mindestdicke ist 10 mm für die Gynefix :)

Kommentar von Physiostudent ,

Ja das stimmt. Ich habe leider nur 8 oder 9 oder sowas... Aber wenn du vorher die Pille genommen hast wirst du jedes Verhütungsmittel ohne Hormone lieben!  

Kommentar von Pangaea ,

@Physiostudent: Du kriegst da etwas durcheinander. Die Pille sorgt dafür, dass sich die Gebärmutterschleimhaut nicht richtig aufbaut, und wenn man sie absetzt, wird die Schleimhaut unter dem Einfluss der körpereigenen Hormone wieder dicker aufgebaut.

Aber darum geht es bei der Messung der Gebärmutter für die Gynefix nicht. Da geht es um die Gebärmutterwand, die aus Muskel besteht. Die Gynefix wird ja im Muskel verankert, nicht in der Schleimhaut.

Wenn die Muskelwand nicht dick genug ist, besteht die Gefahr, dass die Wand beim Einsetzen durchstoßen wird, und später beim Entfernen, wenn die Verankerung herausgerissen wird, könnte die Gebärmutterwand so geschwächt werden, dass eine spätere Schwangerschaft ein Risiko ist.

Die Pille hat keinen Einfluss auf die Dicke der Gebärmutterwand. Das heißt, du kannst nicht damit rechnen, dass die Gebärmutterwand noch dicker wird.

Ich persönlich bin auch nicht überzeugt, dass die Gynefix für Frauen mit späterem Kinderwunsch geeignet ist.

Kommentar von KMarek ,

Nicht ganz richtig. Gestagen-Verhütungsmittel können bewirken, dass die Gebärmutter athropisch wird, was auch das Myometrium betrifft. Und um die Myometriumsdicke geht es bei den Voraussetzungen für die Einlage der Kupferkette.

Kommentar von Physiostudent ,

KMarek so hab euch das nämlich auf gesagt bekommen

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