Frage von Gigi1996, 93

Pinkelt mein Hund aus Angst oder Protest?

Ich habe 2 Tierschutzhunde und einer der beiden Rüden habe ich vor ungefähr 3 Monaten aus Bulgarien adoptiert. Er ist ein 8 Monate alter reinrassiger Husky. Er kommt super mit meinem Großen klar. Und ich bin mir auch der Arbeit und dem Zeitaufwand bewusst. Stubenrein ist er auch. Dennoch weiß ich nicht wie ich meine 2 Problemchen mit ihm lösen kann, denn er Pinkelt aus Protest wenn er nichts von meinem Essen abbekommt und aus Angst wenn ich nur 2 min aus dem Haus gehe. Auch wenn meine Mirbewohnerin zuhause ist und ich gehe kurz duschen oder in die Küche und mach die Tür zu weil der Kühlschrank dahinter ist, pinkelt er auch. Ich weiß nicht ob er zu sehr auf mich fixiert ist, was ich toll finde eigentlich oder mich nicht wirklich ernst nimmt. Ich bedanke mich schonmal im vorraus. :)

Lg

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Expertenantwort
von Naninja, Community-Experte für Hund, 43

Wie reagierst Du, wenn der Hund Essen vom Tisch haben will (welche Gesten, welche Bewegungen, welche Worte, welche Stimmlage)?

Was die enge Bindung anbelangt: es mag sehr schmeichelhaft für Dich sein, aber für den Hund ist das irrsinniger Stress. Du musst ihm extrem kleinschrittig beibringen, alleine zu sein. Beginnend damit, dass Du ihn im Raum lässt, durch die Tür gehst, die Tür nicht schließt, nur kurz aus dem Sichtfeld verschwindest und wieder zum Hund gehst. Das Ganze regelmäßig, zig mal am Tag, bis der Hund es langweilig findet.

Dann schließt Du die Tür eine Sekunde, bevor Du den Raum wieder betrittst. Auch das mit so vielen Wiederholungen an so vielen Tagen, bis der Hund kapiert hat, dass Du nach wenigen Sekunden wieder zurück bist.

Dann steigerst Du auf eine Minute (s.o.), dann auf mehrere Minuten. Wenn all das innerhalb der Wohnung zuverlässig klappt, erweiterst Du auf die Haustür. Gleicher Aufbau. Wenn es mit der Haustür zuverlässig klappt, gehst Du aus dem Haus.

Vor dem Training muss der Hund immer! gut ausgelastet sein (Kopfarbeit und körperliche Auslastung, was bei einem Husky hart wird), er darf mindestens 15 Minuten vorher nicht mehr angesprochen werden und er sollte ruhig in seinem Korb liegen. Begrenz später auch den Raum, in dem er sich aufhält. Stelle ihm also nicht die ganze Wohnung zur Verfügung, wenn Du weg bist, sondern ein kleiners und für ihn überschaubares Zimmer (z.B. Schlafzimmer oder Küche).

Mit Protest hat das alles übrigens überhaupt nichts zu tun. Der Hund hat einfach nur extreme Angst und Stress und es ist Dein Job, ihm beides zu nehmen. Du bist für ihn momentan eine Lebensversicherung, weil Du ihm Nahrung und Schutz gibst. Dich zu verlieren ist für ihn aufgrund seiner Vorgeschichte ein Todesurteil. Von Protest ist sein Verhalten also ganz weit entfernt, das ist purer Überlebensinstinkt. Hunde lernen über Generalisierung, also über ständiges, kleinschrittiges Wiederholen. Je intensiver und kleinschrittiger Du mit ihm das Alleinsein trainierst, desto schneller wird er verstehen, dass es völlig ungefährlich für ihn ist, dass Du erst ganz kurz, dann etwas länger weg bist. Hunde haben eine Lernspanne von 3 Sekunden, in denen sie Handlung und Erfolg verknüpfen können. Die gilt es zunächst zu knacken. Wichtig ist, dass Du nicht auf Wimmern belohnst (= zurück kommst). Denn dann lernt der Hund, dass genau das belohnt wird.

Wenn Du Pech hast, wird es Monate dauern, bis der Hund auch nur eine
halbe Stunde alleine sein kann. Da wartet also extrem viel Arbeit auf
Dich.

Kommentar von Gigi1996 ,

Wenn ich Esse versuche ich ihn so wenig wie möglich zu beachten und schicke ihn weg und sage dass er Platz machen soll, das klappt auch meistens denn das betteln hat er quasi aufgehört und durch das Pinkeln ersetzt. Die arbeit mit dem alleine lassen nehme ich gerne in kauf denn er ist ein toller Junge die einzige schelchte erfahrung in seinem Leben hatte er durch Hungernot gehabt deswegen danke ich Ihnen mit der Erklärung der Lebensversicherung, auf den Gedanken bin ich noch nicht gekommem ich dachte immer es wär Protest. Er kennt es auch schon wenn ich mal aus seinem Blickfeld verschwinde das macht ihm nicht all zu viel aus. Manchmal schaffe ich es auch beide mit offener Tür im meinem Zimmer zu lassen während ich duschen gehe und wenn ich wieder komme liegen beide brav im Zimmer. Was ich an dem kleinen auch bewundernswert finde ist, dass ich ihn ohne Probleme an den Feldern frei laufen lassen kann. Dass ist immer total schön anzusehen. Vielen dank nochmal für die Hilfe. :D

Kommentar von Naninja ,

Vielleicht hat er in der Situation (Essen) etwas falsch verknüpft.

Ich würde ein Kommando "Decke" aufbauen. Also das bisherige Verhalten umlenken und eine positive Alternative bieten. Kennt er das Kommando?

Falls nicht: Leckerchen in den Korb/ auf die Decke werfen. Immer wieder wiederholen, bis der Hund selbst auf die Idee kommt, dass er Futter bekommt, wenn er auf die Decke geht. Hat er das verstanden, kleine zeitliche Abstände einbauen und das Bleiben belohnen. Dann das Verhalten (in den Korb gehen) mit dem Kommando (Decke) verbinden und auch das immer wieder wiederholen und längere Zeitabstände belohnen.

Sobald das Essen vorbereitet wird, würde ich den Hund dann auf seinen Platz schicken. Das nimmt ihm den Stress, selbst zu entscheiden und auf etwas zu warten und zeigt ihm eine erwünschte positive Variante, die ihm Ruhe gibt. Irgendwann wird sich dieses Verhalten ritualisieren und der Hund weiß: Mein Mensch isst und ich kann dösen, weil eh nichts Spannendes passiert. Genau das sollte das Ziel sein.

Wichtig ist, den Hund nicht nur wegzuschicken, sondern das Bleiben auf einem festen Platz zu belohnen. Wegschicken = negativ = Strafe, bleiben = positiv = Belohnung. Möglich wäre auch, ein zweites Ritual einzubauen (Wenn er auf der Decke liegt, gibt es einen Kauartikel). Natürlich nur, wenn das problemlos mit dem Zweithund funktioniert.

Kommentar von Gigi1996 ,

Ja das ist eine gute Idee der andere macht keinen Stress der ist die ruhe in Person :)

Antwort
von Goodnight, 29

Vom Tierschutz hast du bestimmt keinen reinrassigen Husky bekommen, schon gar nicht aus Bulgarien. Tiere kauft man, die adoptiert man nicht. Falsche emotionale Haltung gegenüber Tieren, sprich Vermenschlichung führt immer zu Problemen.

Natürlich pinkeln Hunde aus Angst, dass sie verlassen werden. Stelle dir vor, du bist auf ein Leben auf die Strasse geprägt und hast gelernt dich selber zu versorgen. Nun sperrt man dich ein und nimmt dir deine Selbstständigkeit. Woher soll der Hund wissen, dass du zuverlässig wieder kommst und ihn versorgst?

Strassenhunde sind nicht auf ein Leben in Wohnungen geprägt, also ist völlig egal wo man sich erleichtert oder wo man sein Revier markiert.

Kommentar von Gigi1996 ,

Er ist ein reinrassiger Husky ich glaube meiner Erfahrung nach weiß ich ziemlich gut zwischen den Rassen und Mischungen zu unterscheiden. Ich hätte ja ein Bild beigefügt die Datei war aber zu Groß. Er wurde vom Züchter aus dem Wurf geschmissen, weil er der einzige kranke Welpe war. Der Züchter wollte nur Geld mit den Welpen machen und nicht etwas für sie ausgeben. Er war von anfang an sehr unter ernährt und abgemagert. Der Kleine kam dann in eine arme Familie in Bulgarien die sich selbst nicht richtig ernähren konnten. Sie haben bei Caritas ihr Essen geholt. Dort hat eine Arbeiterin den kleinen gesehen und ihn zum Arzt gebracht, darauf hin wollte der Besitzer ihn nicht wieder haben und er kam dann in den Tierschutz. Er war noch nie ein Straßenhund. Mein erster der Große war ein Straßenhund mehr als 2 Jahre, ist eine Mischung aus allem und auch ein Husky ist drinne. Er bleibt Problemlos alleine und war am Anfang auch nicht Stubenrein, nach 2 Wochen war er es. Für mich sind Hunde nicht nur Hunde sondern Familie und Vermenschlichen tue ich sie nicht, für mich bleiben es Hunde aber dennoch Kaufe ich keinen ich Adoptiere sie. Ich würde nicht zu schnell urteilen ohne die Vorgeschichte des Tieres zu wissen aber dennoch vielen Dank für die Hilfe und die Antwort. :)

Expertenantwort
von jww28, Community-Experte für Hund, 15

Hi, sollte er dazu noch sehr viel trinken, geht bitte mal zu einen Tierarzt, für den Fall das es doch was körperliches ist, beim Husky hat man zB häufiger mal zB Diabetes Insidipus, da wird der Wasserhaushalt mächtig gestört. 

Ansonsten kann ich aus eigenen Erfahrungen nur raten ihn nicht mehr alleine zu lassen, bis er richtig angekommen ist, er kennt ja nix und muss langsam wie ein Welpe an alles neu rangeführt werden, ohne Rudel im fremden Revier ist die Hölle für ein Rudeltier. Er wird sicherlich auch an der Sozialisierung viel nachholen müssen, in Bulgarien wird das kaum geschehen sein. Und es ist super wichtig den Hund nicht zu überfordern, der Tag sollte am Anfang immer gleich sein, die Runden ebenfalls und man sollte den Hund nicht mit Kommandos überfordern, da er schon genug neues aufnehmen muss. Am Anfang reicht es eigentlich ihn ankommen zu lassen, Kontakt und Vertrauen aufzubauen und die Stubenreinheit, dann kann man mal ein Schritt weiter gehen. Es kann eben sein das er dich "stalkt" weil er dir nicht traut, dann kontrolliert er dich weil er dir noch nicht vertraut. Das urinieren sollte es nicht krankheitsbedingt sein würde ich als Zeichen der Aufregung sehen, sei es nun weil er das Kommando nicht eindeutig versteht oder aus allgemeiner Unsicherheit. Würde also auch mal mit der Mitbewohnerin reden und mit ihr die Kommandos absprechen, es ist auch wichtig das sie sich nicht widersprechen, weil es sonst den Hund verwirrt. Habt da auf jeden Fall gut Arbeit vor euch, Sozialisieren, Vertrauenstraining (findet was wo der Hund mit euch kooperieren muss um zB an Leckerchen zu kommen und haltet euch selber an die Zeiten(Gassi, Füttern, feste Spielzeiten etc) und das Alleine bleiben üben ohne das Aufregung erzeugt wird, zeigt ihn mal das eine Tür auch auf und zu gehen kann ohne das was spektakuläres passiert. 

Kommentar von Gigi1996 ,

Oh ja :/ trinken tut er viel was mich auch schon ne Zeit wundert aber ich dachte eher nicht dass es evtl Körperlich sein könnte da der Verein mit solches nicht gesagt hatte außer die Lechmaniose und der Parvo dier er hatte und vollständig geheilt wurde. Komandos etc mache nur ich meine Mitbewohnerin sieht die hunde nur Abends wenn sie nachhause kommt un beschäftigt sich nicht wirklich mit den 2. Der kleine war vom ersten Tag an sehr aufgeschlossen und war eigentlich direkt da und sehr aufgeschlossen uns gegenüber. Keine Angst vor Autos, lauten geräuchen, anderen Hunden oder auch anderen Menschen. Er ist super freundlich. Und er lernt eigentlich sehr schnell. Ich muss nur die richtigen wege finden seine angewohnheiten zu knacken und abzugewöhnen. Ich weiß nicht ob er mich wirklich "stalkt" haha aber er giert sehr nach Essen wegen der Hungernot. Das Betteln hat er aufgehört dass hab ich geschafft. Aber bei meiner Familie gestern hat er alle angestarrt und ist dann in den Flur und hat gepinkelt obwohl ich sogar jede Stunde raus war. Er lag auch eben bei mir auf der couch auf dem Rücken gerollt und hat sich am Bauch kraulen lassen. Abends wenn ich im Bett liege kommt er auch noch mal ins Bett um gute Nacht zu sagen geht wieder runter und schläft seelenruhig. Danke schön für die Antwort ich versuche mich an einen strickten Plan von Gassi gehen, Füttern und Spielen zu halten. :)

Kommentar von jww28 ,

Würde echt mal genau beobachten wieviel er trinkt, hatte mal ein Pflegehund der war sonst echt normal, ausser das er ewig nur trinken wollte und in Folge dessen dann auch wesentlich häufiger und auch dringender muss. Leishmaniose ist übrigens nicht wirklich heilbar, da hat dich der Verein veräppelt, das sollte euer Tierarzt auf jeden Fall im Blick behalten. Das er das alles überlebt hat grenzt fast schon am Wunder passt gut auf ihn auf :) 

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