Frage von laynapor, 20

Gute Freundin verletzt sich selbst - wie kann ich sie unterstützen?

Hallo liebe Community! Eine gute Freundin hat mir vor einigen Tagen anvertraut, dass sie sich seit einiger Zeit ritzt. Heute musste sie ins Krankenhaus, weil sie zu tief geschnitten hat. Offiziell war es ausversehen, mir hat sie aber als einzige gesagt, dass es nicht wirklich ein Versehen war, es aber niemand wissen dürfe. Sie ist bereits in professioneller Behandlung und wartet momentan auf einen stationären Therapieplatz. Meine Frage ist, wie ich mit der Situation jetzt umgehen soll und wie ich sie irgendwie unterstützen kann. Ich habe selbst eine Vergangenheit mit Selbstverletzung (auch, wenn es nie so extrem war) und kann nachvollziehen, warum sie es tut, ich möchte ihr aber durch mein Verständnis auch nicht das Gefühl geben, es sei voll in Ordnung, damit weiterzumachen. Hat jemand Tipps oder selbst Erfahrung damit?

Antwort
von EinNarr, 20

Wichtig ist den Ist-Zustand erst einmal radikal zu akzeptieren. Es ist so und du kannst es auch nicht ändern, musst es aber auch nicht, denn die richtigen Schritte ist sie bereits gegangen und das ist sehr gut.

Was du machen kannst, ist ihr generell erst einmal in jeder Lage deine Hilfe anzubieten. Zum Beispiel über Gespräche. Du schreibst, dass du auch deine Erfahrungen damit gemacht hast und bist damit ein Ansprechpartner, der sie nicht verurteilen wird. Das ist auch der Kern - Neutralität. Weder das Verhalten bekräftigen noch Verurteilen. Beide Richtungen sind absolute Kontraproduktiv.

Das ist eine Gratwanderung aber durchaus möglich mit ein wenig Fingerspitzengefühl und deine eigenen Erfahrungen werden dir sicherlich helfen.

Ansonsten kannst du sie, sofern sie möchte, auch bei Wegen begleiten (zur Klinik) zum Beispiel oder sie dort eben auch besuchen wenn es soweit ist und das wichtigste: Auch ein Hauch von Normalität erhalten.

Ich liebe meine beste Freundin wohl auf ewig dafür, dass sie sich mir früher gegenüber normal verhalten hat. Sie wusste zwar was alles, was bei mir gerade drastisch daneben geht aber konnte das auch mal ausblenden und mit mir in Ruhe einen Filmabend machen und über Gott und die Welt quatschen. Das tut gut, besonders wenn das restliche Umfeld nur noch auf die psychischen Probleme versteift ist und einen behandelt, als wäre man aus hauchdünnem Glas.

Es ist aber immer etwas individuelles. Vertraue ein wenig auf deine Beobachtungen und Intuition. Wenn du merkst, dass sie jetzt jemanden braucht, dann sei da und wenn du weißt was sie gerad braucht, dann gebe es ihr. Es gibt keine allgemeingültige Anleitung dafür, nur ein paar Denkanstöße und der Rest ist auch für dich ein Lernprozess.

Kurzum - biete ihr eine Hilfe an für alle Fälle. Bleibe so neutral wie möglich um sie nicht zu bestärken aber auch nicht zu verurteilen und schlussendlich, sei achtsam und du wirst merken was jetzt das Richtige wäre. Ich finde es toll das du diese Stütze sein möchtest. Ein Hinweis aber zum Schluss: Achte auf dich selbst und übernehme dich nicht. Psychische Unterstützung leisten, kann an die Substanz gehen.

Ich wünsche euch alles Gute.

Liebe Grüße.

Kommentar von Cleolinchen ,

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen ;-) !

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