Frage von SchizoSync, 82

Gute Beziehung zum Therapeuten?

Hey Leute,

Ich bin m, 21 Jahre und in Langzeitthreapie bei einem jungen, netten Verhaltentherapeuten. Ich kenne ihn schon seit einem 3/4 Jahr und hatte letzte Woche meine erste der 45 Stunden. Ich bin zuversichtlich, dass wir zusammen eine Menge erreichen können, aber da es meine erste Therapieerfahrung ist, wollte ich allgemeine Tipps haben, wie ich meine Wünsche am besten äußere.

Ich habe oft gelesen, dass der Thera sein bestes versucht, die Wünsche der Patienten zu erfüllen und eine herzerwärmende Vorstellung währe, von ihm umarmt zu werden, wenn ich wieder emotional aufgelöst bin. Außerdem wollte ich geduzt werden, aber er meinte, es sei unprofessionell und er würde lieber Patienten und keine Freunde therapieren wollen. Geduzt hatte er mich zum trösten trotzdem mal, aber ich merkte, dass er nur ungern inkonsequent ist. Vielleicht liegt es auch einfach an meinem unbefriedigten Bedürfnis nach Geborgenheit, dem Gefühl, an einem sicheren Ort zu sein unter der schützenden Obhut einer Person, die mich im Kern erfassen kann.

Wie kann ich mich meinen Wünschen anbahnen und wie ist eure Beziehung zu euren Theras? Wie viel ist normal und was ist heilsam und kann Kraft spenden? Ich vertraue meinem Thera und möchte gute Erfahrungen sammeln, um Dinge zu verarbeiten und wieder glücklich zu werden. Ich möchte den Stier bei den Hörnern packen und lernen, mir selbst wichtig zu sein.

Wurde mit übrigens mit schweren Depressionen und Sozialphobie diagnostiziert.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 32

Hallo SchizoSync,

ein guter, professioneller Therapeut wahrt stets den Mittelweg zwischen Distanz und Empathie, was man als Patient nicht mit Freundschaft verwechseln sollte.

Dein Bedürfnis ist verständlich, aber es wäre nicht nur unprofessionell, sonder auch therapeutisch ineffizient, wenn der Therapeut auf Deine 'Freundschaftsanbahnungen' eingehen würde. Ein guter Therapeut würde nämlich nie seine Freunde therapieren ;-)

Die Distanz vermittelt u. a. auch Autorität, die Empathie steht für Verständnis und Abholen des Patienten an seinem jeweiligen Standort. Dies sind zwei wesentliche Pfeiler einer Psychotherapie.

Während der Therapie ist die Praxis ein Ort der Geborgenheit, aber nur um zu lernen, 'draußen' im eigenen Leben zurechtzukommen. Der Therapeut ist eine Art Wegweiser, aber kein Wegbegleiter auf Dauer.

So wie sich Dein Therapeut verhält, habe ich den Eindruck, dass Du gut aufgehoben bist. Du kannst auch durchaus Deine Bedürfnisse äußern, aber Therapeuten sind keine 'gute Fee', die dazu da sind, ausschließlich die Bedürfnisse ihrer Patienten zu erfüllen. Therapeutisch kann es sogar gut sein, gerade dies nicht zu tun.

Ich hoffe, dass meine Erläuterungen hilfreich für Dich sind und wünsche Dir einen guten Therapieverlauf und -erfolgt.

Alles Gute

Antwort
von Dahika, 13

Es ist schön, dass du eine gute Beziehung zu deinem Therapeuten hast. Das ist schon mal 4/5 der Miete.

Es ist völlig normal, dass du dir mehr von deinem Therapeuten erwünschst, es ist auch normal, wenn du ihn liebst. Das passiert in nahezu jeder guten Therapie. "Übertragung" heißt das Fachwort dazu. Du musst dich dessen auch nicht schämen. Wünschen darfst du dir ALLES. Und Fühlen erst recht.

Allerdings, und das ist richtig, wird der Therapeut sich abgrenzen und dir die meisten dieser Wünsche auch nicht erfüllen. Er wird nicht dein Freund werden, er wird nicht mit dir privat essen gehen oder ins Kino. Er wird dich vermutlich nie auf den Schoß nehmen, und dich seltenst in den Arm nehmen.

Es ist nämlich seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass eure Beziehung eine therapeutische Beziehung bleibt und keine private wird. Es ist auch nicht Aufgabe eines Therapeuten, die Wünsche des Patienten zu erfüllen, sondern es ist die Aufgabe des Therapeuten gemeinsam mit dem Patienten herauszufinden, was die Wünsche bedeuten.


Vielleicht liegt es auch einfach an meinem unbefriedigten Bedürfnis nach
Geborgenheit, dem Gefühl, an einem sicheren Ort zu sein unter der
schützenden Obhut einer Person, die mich im Kern erfassen kann.

Richtig. Das hast du sehr gut erkannt. Darum nennt man die Liebe, die Sehnsüchte, die man auf den Therapeuten richtet, ja auch "Übertragung."

Es werden alte unerfüllte Bedürfnisse auf die aktuelle Therapiesitation und den Therapeten übertragen. Der Therapeut weiß, dass er sie nicht erfüllen kann und darf, sondern sie sind Arbeitsmaterial der Therapie. Nicht mehr aber auch nicht weniger.


Antwort
von Kitharea, 19

Es ist gut dass du dem Therapeuten vertraust - aber er wäre kein guter Therapeut wenn er sich auf Freundschaft einlassen würde. Dass du dich zu ihm hingezogen fühlst kommt oft vor bei solchen Dingen - ich glaube sogar mal einen Begriff dafür gelesen zu haben.
Er sollte dir helfen Beziehungen zu Anderen aufzubauen - wem auch immer - ihn ausgeschlossen. Ich finde es schon irgendwie - zu viel - dass er dich umarmt...

Kommentar von Dahika ,

Nein, es kommt auf den Kontext an. Umamen kann möglich sein, kann aber auch völlig daneben sein. Aber das zu erkennen, wann es angebracht ist und wann nicht, lernt ein Therapeut in seiner Ausbildung.

Kommentar von Kitharea ,

OK - wusst ich nicht - ich war der Meinung eben WEIL man persönlichen Kontakt verhindern soll - muss Abstand gewahrt werden körperlich. Aber gibt ja angeblich auch sowas wie ne Körpertherapie oder irre ich mich?
Angeblich kommt es halt oft vor dass Therapeuten sich mit Patienten einlassen - ich vermute das ist dann sowas wie der Supergau an schlechtem Therapeuten. Aber kein Schimmer - in meinem Fall lief das so wie ich das beurteilen kann immer gut und professionell ab.

Antwort
von Monella5715, 27

Wenn ich dich richtig verstehe suchst du nähe, freundschaften und geborgenheit. Gleichzeitig können dir menschen aber angst machen.
Wenn ich das richtig verstehe, glaube ich dass du dich bei deinem tera einfach wohl fühlst und du ihm vertraust (das ist dass was dir sonst fehlt). Das ist eine gute ausgangslage für eine erfolgreiche therapie.
Leider kann dir der tera das nicht geben. Wie hier schon gesagt wurde ist er ein professioneller tera und nicht dein freund.
Das ziel sollte sein, dass du dich bei einer person genau so fühlen kannst wie jetzt bei deinem tera (wohl, geborgen, vertrauen…)
Er hilft dir bestimmt deine ziele zu erreichen. Aber sei ihm nicht böse, dass er die professionelle grenze achtet.

Antwort
von HaGue60, 22

Dein Therapeut macht es richtig! Es geht nicht darum ihn zum Freund zu haben, sondern Du möchtest eine Leistung von ihm, wie Haareschneiden beim Frisör oder eine Diagnose beim Arzt.

Wenn der Therapeut Dein Freund wäre oder würde, könnte er (nach fachlichen Regeln) nicht mehr Dein Therapeut sein: es wäre immer unklar, ob er jetzt als Freund oder Therapeut angesprochen wird oder  antwortet.

Wenn Du Jura studierst, bist Du auch intelligent! Ich frage mich, wieso Du diese Frage hier stellst. Du weißt es doch bestimmt!?

Antwort
von Virginia47, 7

Das ist vollkommen normal, dass du ein herzliches Verhältnis zu deinem Therapeuten pflegen willst, wenn er gut ist.

Ich hatte auch so einen Psychologen, der voll auf mich einging. Das war endlich mal ein Mensch, der mir zuhörte und sich für meine Probleme interessierte. Und mit mir gemeinsam Lösungen suchte. zwangsläufig hatte ich mich in ihn verliebt. Ich glaube, er wusste es auch.

Aber durch seine Professionalität hielt er eine gewisse Distanz ein. Un dbrahcte mich somit auf den Boden der Tatsachen zurück. Die Behandlung litt nicht darunter.

Als die Behandlung abgeschlossen war, arbeitete ich als Bürohilfe für ih. Wir verbrachten auch Kaffeepausen miteinander. Und er sagte mir, dass er mich nun nicht mehr behandeln könne, da unsere Beziehung freundschaftlich wurde. Das schadet einer Behandlung.

Bleibe also auf professioneller Ebene. Und lass dir helfen.

Alles Gute

Virginia

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