Frage von Darque, 63

gUG oder gGmbH gründen Soziale Arbeit?

Und zwar suche ich engagierte Sozialarbeiter*innen, die sich vorstellen könnten eine gUG oder gGmbH zu gründen. Natürlich würde ich vorab gerne allerhand Rahmenbedingungen, Eintragungen usw. klären, um Gelder beantragen zu können. Wer hat Erfahrung gemacht mit gUG oder gGmbH Eintragungen? (Positiv und negativ) und könnte mir seine oder ihre Erfahrungen schildern...

Eine Idee von vielen war folgende: Um Gelder akquirieren zu können, die Studierende flexibler und zeitnäher bezüglich ihrem Studium Sozialer Arbeit unterstützen können. Für Menschen, die beispielsweise ein Stipendium nicht erhalten können, die sich Bücher nicht leisten können, andere finanzielle Probleme durch das Studium Sozialer Arbeit haben, die durch Bafögamt oder ähnliches nicht getragen werden. Natürlich stehe ich auch anderen Konzepten und Möglichkeiten sehr offen. Der Vorteil der gUG ist zunächst die niedrige Gründungssumme und das niemand mit seinem Privatvermögen haften muss (was ich auch nicht gut finde, dass jemand mit seinem Privatvermögen haften soll.)

Antwort
von Bobolina, 9

Ich glaube das Ding liegt irgendwo zwischen Stiftung mit eigenem Stipendium oder einer Bank.

Insgesamt ist mir die Idee nicht klar: vieles hab ich nicht verstanden, z.b. wer soll das Geld geben ? 

Prinzipiell scheint es mir wichtig zu sein dass Du einen Businessplan erstellst. Mögliche gute Lektüre findest Du unter diesem Stichwort. Ich habe mir Existenzgründung für Dummies geholt. Aus derselben Reihe gibt es auch was zum Thema Businessplan.

Austausch gibt es in der Szene der Existenzgründer. Google doch mal Social Enterpreneurship. Da gibt es richtige Messen. Da kannst du mit erfolgreichen Gründern reden.

Ebenfalls könnte das Institut für Pädagogikmanagement in Bad Dürrheim für dich interessant sein. Die haben seit Jahren so eine Stiftung. Das Modell ist für die Offroad Kids. Die fördern so Straßenkinder. Da geben die Leute gerne Geld.

Nach Studien zu (gescheiterten)Geschäftsideen zu fragen ist nicht zielführend. Schau mal im TV Höhle der Löwen. Du wirst Geldgebern ähnliche Fragen beantworten müssen, sonst klappt da nichts. Ich habe zb BWL als Master mit  Leuten aus der Wirtschaft studiert (bin Sozialpädagogin), um mich mit den Anforderungen vertraut zu machen, die die haben.

Also wie gesagt, Businessplan. Da klärt man auch wichtige Fragen und kann das Vorgehen für sich klären.

Antwort
von Joergi666, 40

Ich bin Leitungskraft im sozialen Sektor und sehe bei der geschilderten Idee keinen "Markt". Die Unternehmensgründung im sozialen Sektor ist generell nicht einfach, hängt aber vor allem auch von den regionalen Gegebenheiten ab. Die Unternehmensform ist ohnehin erstmal zweitrangig, für die Tätigkeitsfelder muss Bedarf bestehen und die öffentlichen Kostenträger müssen trotz knapper Kassen auch bereit sein Geld dafür auszugeben. Von daher ist es prinzipiell am besten Angebote im Bereich der gesetzlichen Pflichtaufgaben anzubieten. Aktuell besteht sicherlich der größte neue Markt im Bereich der Flüchtlingshilfe.

Kommentar von Darque ,

Ich hatte bewusst den Gedanken der Flüchtlingshilfe verworfen, da hier in der Gegend kaum Mittel mehr zur Verfügung gestellt werden und der "Markt" hier schon Angebote hat.

Meine Idee hinter der Gründung war, dass vielfach ohne finanzielle Unterstützung das Studium nicht zu handeln ist. Der Wert an Studierenden, die unter der Armutsgrenze liegen, auch wenn es nur befristete Armut ist, ist ziemlich hoch, sodass vielfältige, individuelle Notsituationen entstehen, vom einen, der sich die Mahlzeit am Tag nicht leisten kann oder die Bücher, die es in keiner Bibliothek gibt, aber die er oder sie gerne lesen würde, bis hin zu Klagen, um Bafög erst erhalten zu dürfen oder der Fakt, wer nach vier Semestern nicht genug Credits zusammen hat, bekommt eben keine Förderung mehr oder kann ab einem bestimmten Alter auch keins mehr beantragen. Für all diese Fälle gibt es keinerlei Unterstützung, außer man kann schon mindestens ein Jahr vorher sagen, was passieren wird, um bei passenden Noten ein Stipendium beantragen zu können. Das ist aber auch nicht so ganz einfach, schon gar nicht, wenn man schon einige Semester studiert... Wie man sich an dieser Stelle dreht und wendet, es gibt keine Möglichkeit bei Notsituationen Förderung zu erhalten, das finde ich aber den falschen Weg, da jeder im Studium Sozialer Arbeit die Chance haben sollte, es auch abzuschließen. Immerhin steht die Profession Sozialer Arbeit ja für die Bekämpfung Sozialer Ungleichheit... Mein Fokus läge zunächst auf privaten Kostenträgern und Firmen, da sich öffentliche Kostenträger kaum noch an Ideen egal welcher Art hier in der Gegend beteiligen...eben aus dem Grund, dass "die öffentlichen Kassen leer sind".

Kommentar von Joergi666 ,

Wo ist denn da bitte das Geschäftsmodell? Private Kostenträger und Firmen wollen Kapitalertrag. Das geschilderte Problem gibt es natürlich, wobei es für solche Fälle aber auch Bildungskredite, Teilzeitstudium oder Studentenjobs gibt. Ich formuliere es jetzt mal klarer, deine Idee hat 0,0 Prozent Chance auf Umsetzung! 

Kommentar von Darque ,

Da die meisten geschilderten Dinge mit hohen Schulden (Bildungskredit, Bafög) verbunden sind und Studentenjobs nicht Ansatzweise Wohnraum und Lebensbedarf decken bei einem Voll- oder Teilzeitstudium. Bei der gGmbH steht nicht das Kapital, sondern die Gemeinnützigkeit im Vordergrund. Viele Studierende der Sozialen Arbeit (auch mit Kindern) sind dazu gezwungen über ihre eigenen Belastungsgrenzen zu arbeiten, um während dem Studium Geld zu verdienen, Lebensunterhalt zu decken, aber auch alleinstehende Mitte-20iger ohne Elternbackground oder finanzielle Unterstützung stehen vielfach vor Burnout durch übermäßiges Arbeiten neben dem Studium.

Anhand welcher Forschungsergebnisse zum Thema machen Sie denn ihre Aussage fest, dass die Idee keine Chance hat?

Ich studiere noch im Masterstudiengang Sozialer Arbeit und habe auch im Bachelorstudiengang viele Studierende kennengelernt, die sich nichts bis kaum etwas leisten konnten, keine Freizeit mehr hatten durch Jobs (einen oder mehrere) um überhaupt über die Runden zu kommen, Existenzängste hatten, da Mietzahlung auf der Kippe stand usw. weil eben die Eltern oder das Bafögamt nicht gezahlt haben, selbst unter bestimmten privaten Voraussetzungen kann ein Bildungskredit verwehrt bleiben. Und da es keine Einzelfälle sind, sich aber niemand darum schert. Sollte genau das in Form von Gemeinnützigkeit öffentlich gemacht werden.

Selbst Flüchtlingen kann aufgrund geringer finanzieller Lage (Ablehnung von Bafög oder sonstigen Hilfen) im Studium zum Abbruch zwingen. Was eigentlich nicht sein sollte!

Kommentar von Joergi666 ,

wie gesagt, das Problem bestreite ich ja nicht- insbesondere in meinem Masterstudiengang Sozialmanagement habe ich intensiv mit Unternehmensformen, Unternehmensgründungen und Kostenmanagement beschäftigt. Auch in meinem Job führe ich Kostenverhandlungen mit öffentlichen und zum Teil auch nicht öffentlichen Organisationen / Trägern durch. Die Sache hier ausführlich zu begründen würde den Rahmen sprengen-. die Idee hat aber wie gesagt keine Chance.

Kommentar von Darque ,

Meine Frage ist aber an Sie immernoch: Anhand welcher Studien machen Sie denn genau fest, dass die Idee keine Chance hat? Gibt es ihrerseits dazu wissenschaftliche Belege, dass dieses Vorhaben keine Chance haben wird. Ich habe mich damit in den letzten Wochen und Monaten ausführlich auseinandergesetzt und keine Studie gefunden, die besagt, dass das Vorhaben in diesem Umfang keine Chance haben wird. Natürlich ist eine Existenzgründung immer mit einem Risiko verbunden, aber ich möchte der Ausgrenzung durch fehlende Finanzielle Mittel im Studium entgegenwirken, da es hier seitens der Sozialen Arbeit noch keine Lösungsmöglichkeiten aber einen dringenden Bedarf gibt.

Kommentar von Joergi666 ,

die Belge finden sich in jedem Buch über Grundlagen der Ökonomie, es geht auch wie gesagt bei meiner Antwort nicht um Unternehmensformen oder um Risiko, es geht schlichtweg darum, dass für ein solches Vorhaben kein Geld zur Verfügung gestellt wird. Warum sollen Privatleute oder Firmen Geld dafür zur Verfügung stellen? Warum auch noch explizit nur für angehende Sozialarbeiter? Hier greifen schlichtweg einfachste Ökonomiegrundlagen- Investoren wollen Ertrag- wo ist der Ertrag bei dieser Sache für die Investoren? Und wenn kein Geschäftsmodell besteht könnte man ja noch grundsätzlich über eine Spendenfinanzierung nachdenken- potentielle Spender werden aber andere Prioritäten setzen als angehende Sozialarbeiter zu unterstützen. Der "Spendenmarkt" ist hart umkämpft und wir reden hier ja nicht von kleinen Geldsummen. Nur weil du einen (durchaus bestehenden) Bedarf entdeckt hast bedeutet das noch lange nicht, dass man diesen Bedarf mit einer solchen Maßnahme decken kann. Ich könnte dir wahrscheinlich spontan hundert solcher Problemstellungen aus dem sozialen Bereich nennen- die aber alle letztendlich nur von staatlicher Seite vollumfänglich gelöst werden können. Und die von mir genannten Dinge stellen sehr wohl eine Alternative für die Finanzierung dar- ich selber und auch viele meiner Freunde haben es geschafft ihr Studium ohne familiäre und staatliche Unterstützung zu finanzieren- von daher ist es sehr wohl möglich.

Kommentar von Darque ,

Es gibt genug Beispiele wo es den Staat einen Scheißdreck interessiert, ob Menschen am nicht mehr tragbaren Existenzminimum studieren müssen. Das der Staat dieses Problem nicht sehen will, ist ja nichts neues und das es genug finanzielle Möglichkeiten gibt, stimmt so einfach nicht. Man kann eben nicht jedes Bundesland oder jede Stadt über einen Kamm scheren, außerdem gibt es genug Gründe, warum der Staat sich rauswindet Menschen zu unterstützen und der letzte Weg nur noch die Jahre andauernde Klage ist, die einen aber auch keinen Schritt weiterbringt in dem Moment. Was ich hier besonders verachte ist die fehlende Hilfsbereitschaft und das in diesem Land jeder sich selbst der nächste ist, wenn man nicht gerade verwandt oder befreundet ist. Das macht mich sauer!!! Menschen sind nämlich keine Ware, keine Ertragsgrundlage, aber das interessiert den rein ökönomisch ausgerichteten Staat einen Scheißdreck. Sozialstaat? Da kann ich nur drüber lachen.

Antwort
von Helmuthk, 45

Du solltest Dir einmal die §§ 51 ff der Abgabenordnung durchlesen.

Dort findest Du auch die Definition des Begriffes "gemeinnützig". Dafr steht nämlich der erste Buchstabe bei der gGmbH.

Kommentar von Darque ,

Sind schon einige Punkte im Vorfeld geklärt, die trotzdem auf die Gründung der gGmbH und gUG zutreffen würden. Danke trotzdem.

Kommentar von Helmuthk ,

Und noch etwas:Die Entscheidung über die Gemeinnützigkeit trifft das zuständige Finanzamt nach den Formulierungen im Gesellschaftsvertrag.

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