Frage von chartslay, 42

Grundherren im Mittelalter - Welche Hilfsmittel hatten sie?

Wäre nett wenn mir das jemand schnell sagen könnte :)

Wäre euch extrem dankbar

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Pudelcolada, 20

Sie beriefen sich auf das Recht und die gottgewollte Ordnung, beides waren starke Argumente und hingen miteinander zusammen.

In der mittelalterlichen Weltsicht hatte alles und jeder seinen unverrückbaren Platz in der gottgewollten Ordnung, die zwar durchlässig war, aber nicht einfach so durchbrochen werden konnte. Ein Bauer hatte also nicht das Recht, sich gegen seine Lebensumstände aufzulehnen, denn er gehörte zum Stand der Bauernschaft. Ein Grundherr besaß das Land und war auf ihm der oberste Gerichtsherr, denn er gehörte zum Adelsstand. Zusammen mit dem dritten Stand, dem Mönchtum, steht das Grundgerüst der gottgewollten Ordnung, dem Ordo, fest.

Dazu kam das herrschaftliche Recht, das aus der Überlieferung begründet und nicht hinterfragt wurde. Der König verfügt über das gesamte Land seines Herrschaftsbereiches mit allem, was darauf lebt. Er gibt es treuhänderisch an seine Vasallen als Lehen weiter, die es in seinem Namen bewirtschaften. Daraus folgt, dass die Grundherren in des Königs Namen über die Bewohner, deren Vieh und auch die Bebauung verfügen und in des Königs Namen die Rechtsprechung ausüben.

Die Schnittstelle zwischen beiden Modellen ist die Vorstellung, dass der König sein Amt von Gottes Gnaden erhält, seine Herrschaft also durch Gott legitimiert ist und sich damit nahtlos in den Ordo einfügt.

Wer rebelliert, lehnt sich also nicht nur gegen eine Herrschaft auf, sondern gegen Gottes Willen selbst. Das hielt natürlich niemanden von einer Rebellion ab, wenn die Verhältnisse zu unerträglich wurden, doch setzte sich jeder Rebell allein mit seiner Verweigerung ins Unrecht, er musste nicht einmal gewalttätig werden.

Dem Grundherren dagegen stand das Gewaltmonopol zu, das er häufig genug auch brutal zur Anwendung brachte.

Kommentar von chartslay ,

Danke! :)
Weißt du vllt. auch wo die Grundherren gewohnt haben? :)

Kommentar von Pudelcolada ,

Das kommt sehr darauf an, wie groß sein Stammland war und wie hoch er in der Gunst seines Lehnsherrn stand.
An oberster Stelle stand z.B. in Frankreich der französische König.
Damit alle sahen, dass er der oberste Grundherr war, musste er in einem Schloss wohnen, in einem Palast, und der stand in Paris.

Sein Verwandter und ewiger Widersacher, der Herzog von Orléans, besaß natürlich auch einen Palast, fast genauso prächtig, aber eben nur fast. In Orléans. Weil aber Frankreich zentralistisch regiert wurde und der König Paris nur selten verließ, besaß der Herzog von Orléans auch einen Stadtpalast in Paris, denn wo der König war, wurde regiert.

Diese beiden standen an der Spitze einer Adelsgesellschaft, die nach unten hin wie eine Pyramide breiter und auch weniger wohlhabend wurde. Ganz unten in der Pyramide befanden sich Grundherren, die im Prinzip nur wie Großbauern lebten, sie besaßen gerade soviel Land mit Menschen darauf, dass sie einigermaßen auskamen und vor allem ihre Waffen, Rüstungen und Pferde instand halten konnten.

Denn die oberste Pflicht eines Grundherren bestand außer Steuerzahlungen an den König im Kriegsdienst, zumindest theoretisch. Gerade der französische König hatte große Mühe, seine Truppen zusammenzubekommen und im Laufe des Krieges dafür zu sorgen, dass sie nicht einfach wieder nach Hause ritten.

Zwischen dem König und diesen "bäuerlichen" Grundherren findest Du alle Abstufungen im Lebensstandard.

Dazu kommt aber, dass der König den Geburtsadeligen nur bedingt trauen konnte, deswegen vertraute er auch Nichtadeligen Land an und machte sie zu Grundherren, die dieses Recht im Gegensatz zu Adeligen aber nicht vererben konnten. Solche Leute, die natürlich extrem abhängig vom König und ihm meistens besonders treu ergeben waren, nannte man Ministerialien. In diesem Wort erkennst Du das heutige Wort Minister.
Auch unter den Ministerialien gab es schwer reiche, die in Palästen lebten, und weniger wohlhabende, die für den König zwei oder drei Dörfer verwalteten.
Anders als Adelige verfügten Ministerialien über kein Stammland der Familie, ist ja auch logisch. Mit ihrem Tod fiel ihr Lehen an die Krone zurück.

Kommentar von chartslay ,

Also lebten die Grundherren teils in Palästen aber auch in Dörfern wenn sie einen nicht so guten Kontakt zu einander hatten?

Kommentar von Pudelcolada ,

Nicht ganz. Wie erkläre ich es...?

Die Menschen damals sahen die Welt und ihr Leben in ihr ganz anders als wir heute.
In allem, was geschah, in welche Verhältnisse jemand hineingeboren wurde, die Jahreszeiten, sogar das Vögel fliegen, alles wurde mit einem göttlichen Plan, dem Gottes Willen begründet.

Durch das ganze Mittelalter zieht sich der Glaube der Menschen wie ein roter Faden, dass alles und jeder dem allmächtigen Gott anbefohlen seien und der Untergang der Welt mit dem jüngsten Gericht kurz bevor stünden.

Und Gottes Stellvertreter war der Papst, er setzte sämtliche kirchlichen Amtsträger zumindest indirekt ein.
Der weltliche Herrscher war z.B. in Frankreich der König, auch er berief sich auf Gott, dem er sein Amt zu verdanken habe.
Genauso taten es die verschiedenen deutschen Könige und auch ihr Kaiser, der König von Spanien, der von England usw...

Jetzt war es aber für einen Alleinherrscher wie den König von Frankreich nicht ganz einfach, ein so großes Land alleine zu regieren und vor allem zu verwalten.
Außerdem war er als Hochadeliger nicht allein, darum habe ich den Herzog von Orléans ins Spiel gebracht, und dem ging es genauso wie dem König.
und es gab noch einige Hochadelige mehr, die alle ihr eigenes Stammland als Familienbesitz bewirtschaften mussten, um die Steuern an den König zu zahlen, und auch, um den eigenen Lebensstandard zu finanzieren.

Auf ihren Ländereien, und ein Herzog konnte schon mal Ländereien so groß wie ein Bundesland besitzen, lebten weitere Adelige, und auch sie besaßen Stammland. Dieses Land aber wurde als ihr Besitz vom jeweils höheren Adeligen immer wieder bestätigt.

Ein ausgedachtes Beispiel:
Der König von Hochbergland stirbt, sein Sohn tritt die Nachfolge an.
Jetzt kommen der Herzog von Blaubergen und der Markgraf von Niederhügeln an den Hof, um dem neuen König den Treueeid zu schwören und sich ihre Ländereien als Besitz bestätigen zu lassen, denn Blaubergen und Niederhügeln gehören beide zum Königreich Hochbergland.
Denn obwohl die Familien der beiden immer schon diese Ländereien besaßen und Grundherren im jeweiligen Gebiet sind, ist der letztgültige Grundherr der König.

Nachdem das erledigt ist, reiten beide wieder nach Hause.
Dort erscheinen dann die Vasallen dieser beiden, denen die jeweilige Grundherrschaft ebenso bestätigt wird wie vorher dem Herzog und seinem Kollegen, dem Markgraf.

Einer von diesen Vasallen ist der Graf von Waldhügel, ein anderer der Graf von Flachfurt. Beide haben ihren Besitz im Gebiet des Herzogs von Blaubergen, beide sind als Grafen gleichrangig.
Aber während Flachfurt einen aufstrebenden Marktplatz beherbergt und mächtig viele Steuern abwirft, ist Waldhügel ein ärmliches Gebiet voller Unterholz.
Der Graf von Flachfurt plant ein prächtiges Stadthaus, der von Waldhügel musste neulich seine Rüstung versetzen, um Saatgut zu kaufen, weil die letzte Ernte schlecht war.

Doch obwohl beide Grafen sind, von Adel und Respektspersonen, sind sie vom Auftreten her nichts gegen den Ritter von Grünfeld.

Ritter von Grünfeld ist ebenfalls ein Grundherr, aber er ist nicht adelig.
Doch er hat dem Herzog von Blaubergen im heiligen Land das Leben gerettet, und er kann außerdem rechnen, lesen und schreiben.
Also hat ihn der Herzog zu seinem Kanzler (obersten Buchhalter) gemacht, und damit der Ritter standesgemäß leben kann, hat der Herzog ihm ein eigenes Lehen verliehen, eine Flussmündung mit Kleinstadt und Handelshafen.
Dieses Lehen macht den Ritter zu einem nicht-adeligen Grundherren, und Grundherr muss er sein, um sein Amt ordentlich zu repräsentieren.
Ritter von Grünfeld ist ein Ministeriale, in dem Fall der Finanz- und Wirtschaftsminister des Herzogs.

Der Ritter von Grünfeld ist also ein gemachter Mann, aber nur solange, wie er dem Herzog die Treue hält.
Denn anders als die beiden Grafen kann seine Familie nicht vom Herzog einfordern, das Lehen an der Flussmündung weiterhin als Grundherrschaft zu besitzen.
Die beiden Grafen dagegen dürfen das, denn sie berufen sich auf das Gewohnheitsrecht: Ihre Familien sind schon immer adelig und leben auch schon immer auf dem angestammten Land.
Nur wenn die beiden Grafen sich als Verräter gegenüber dem Herzog erweisen, kann der ihnen gefahrlos die Ländereien wegnehmen.
Oder aber wenn sie den König als obersten Grundherren verraten.

Und jetzt stell Dir vor, König und Herzog führen Krieg gegeneinander.
Da müssen die beiden Grafen sehr genau abwägen, für wen sie Partei ergreifen, denn ihr Land gehört rechtlich dem Herzog, und dessen Land gehört rechtlich dem König.

Kommentar von Pudelcolada ,

Danke für den Stern!

Antwort
von Fontanefan, 3

kurz gesagt:

Hilfsmittel: Waffen, Tradition; Verfügungsgewalt über das Land, das der von ihnen Abhängige bearbeitete

Wohnort: Herrensitz: Burg, Schloss, Herrenhaus

mehr unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Grundherrschaft

Antwort
von Nadelwald75, 26

Peitsche, Schwert, Dolch, Muskeln, Knechte, Geld, ....

Antwort
von ArminSchmitz, 21

Peitsche, Reitgerte und Ochsenziemer.

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