Frage von TH3L3G3ND4RY, 146

Grundgesetz über religion?

Ich hab da mal ne frage die sich mir nicht ganz klärt egal wo ich suche stoße ich immer auf sachen wie freie ausübung der religion aber nirgends find ich nun genaue informationen dazu ob z. B. Gewalt zwischen geschlechtern in einer religion nicht als verletzung der menschenwürde zählt.. Im internet gibts dazu in meinen augen noch keine wirklichen antworten sondern nur verschwommene artikel die aber die frage nicht wirklich beantworten sondern sich nur rausreden.. Hoffe ihr hab antworten für mich Danke schonmal :)

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von mmolthagen, 24

Hallo,

das Grundgesetz beinhaltet mit Artikel 4 ein Abwehrrecht gegen Beeinträchtigungen der freien (Nicht-) Ausübung der Religion durch den Staat.

Dieses Recht unterliegt immanenten Grenzen.

Die eine Grenze ist die Menschenwürde Dritter. Der Staat darf die freie Ausübung der Religion dann einschränken, wenn ansonsten ein Dritter in seiner Menschenwürde verletzt wird (wobei es kein Recht darauf gibt, von Religion unbehelligt zu sein).

Die andere Grenze ist das Rechts- und Gewaltmonopol des Staates. Staatliches Recht - sowohl seitens der Länder als auch des Bundes - hat grundsätzlich Vorrang vor allen anderen Rechtssystemen, auch vor denen, die religiös begründet sind.

Das staatliche Recht darf den Bürger aber nur so weit in seiner freien Religionsausübung einschränken, wie dies unbedingt nötig ist, um die verfassungsmäßige Ordnung aufrechtzuerhalten und die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu schützen.

Grüße

Michael

Kommentar von mmolthagen ,

Korrektur: Statt "Rechts- und Gewaltmonopol" wollte ich "Rechts- und Gewaltprimat" schreiben.

Deutschland ist kein laizistischer Staat, in dem Staat und Kirche absolut getrennt sind. Staatliches Recht und staatliche Gewalt haben jedoch Vorrang.

Hierin unterscheidet sich Deutschland etwa vom laizistischen Frankreich.

Antwort
von Jewi14, 84

Die freie Religionsausübung wirst du in Art.4 GG finden. Verbot durch Gewalt, auch in Namen der Religon wirst du natürlich nicht darin finden. Bestenfalls indirekt in Art. 2 GG "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit." Die Vorschriften für ein Verbot wirst du dann im StGB finden im Bereich Körperverletzung (ab den §§ 223 StGB).

Antwort
von realsausi2, 57

Es gilt immer, absolut und umfassend das verfasste Recht des Staates. Nun gibt es Staaten, die den wichtigen Schritt der Säkularisierung, also die Trennung von Staat und Kirche, noch nicht vollzogen haben. Solche Staaten haben kein zivlisiertes Rechtssystem wie das unsere.

Kein religiöses Dogma steht über den Gesetzen, die bei uns vom Parlament beschlossen wurden. Tatsächlich stehen viele religiöse Vorschriften hierzu im Gegensatz. Viele Dinge sind aber auch viel mehr kulturelle Tradition.

Universelle Menschenrechte gelten für jeden Menschen. Ungeachtet seines weltanschaulichen Bekenntnisses.

Religionsfreiheit kann nur ein Staat garantieren, der selbst frei von Religion ist.

Kommentar von TH3L3G3ND4RY ,

Danke

Antwort
von Apfelwerfer, 52

Die freie Religionsausübung ist ein Grundrecht, das im Grundgesetz verankert ist. Aber auch andere Rechte sind im Grundgesetz festgeschrieben wie "die Würde des Menschen ist unantastbar". Die verschiedenen Rechte müssen im Zusammenhang gesehen werden und beeinflussen sich gegenseitig. Um ein Extrembeispiel anzuführen (es ist nur ein BEISPIEL!!!!!!!): Das Grundgesetz gibt einem Menschen das Recht, einen Tannenzapfen als seinen Gott zu verehren und anzubeten. Er kann einen religiösen Verein gründen und auch, wenn die Vorraussetzungen erfüllt sind, Körperschaft des öffentlichen Rechts mit seiner Tannenzapfen-Religion werden. Wenn ihm der Tannenzapfen-Gott aber vorschreibt, dass er einen Mord begehen muss oder jeden Tag seine Frau vermöbeln muss, dann schreitet das Gesetz dagegen ein. Das ist durch das Gesetz der freien Religionsausübung nicht mehr abgedeckt.

Kommentar von realsausi2 ,

einen Tannenzapfen als seinen Gott zu verehren und anzubeten.

Da es Tannenzapfen unzweifelhaft gibt, ist das doch viel weniger extrem als so ziemlich alle bekannten Religionen.

Wenn ihm der Tannenzapfen-Gott aber vorschreibt, dass er einen Mord begehen muss

So wie es Abraham widerfuhr...

Kommentar von TH3L3G3ND4RY ,

Geiles beispiel ^^

Danke für die antwort 

Antwort
von bartman76, 60

Die freie Ausübung der Religion wird begrenzt durch die weiteren Gesetze. Zum Beispiel gilt Gewalt in der Ehe zur Körperverletzung und ist damit verboten, selbst wenn es Bestandteil der Religion wäre.

Antwort
von Klaraaha, 46

Grundgesetz steht natürlich über der Religionsfreiheit. Ursprünglich wurden mal einzelne Sekten verfolgt und durch diesen Paragraph bekamen sie das Recht, sich auch Kirchen oder Gebetsräume anzuschaffen und wurden nicht mehr diskriminiert. Das heißt aber nicht, dass man Hände abhacken und steinigen darf, nur weil es die Religion so vorschreibt. Das hat mit Religionsfreiheit nichts zu tun und ist eine Straftat.

Antwort
von Jogi57L, 26

Jaaa.. es scheint widersprüchlich zu sein... wenn man einesteils "Religionsfreiheit" hat/haben sollte... und andererseits diese Religionsfreiheit wieder eingeschränkt wird, wenn andere GG-Rechte damit eingeschränkt würden....

So kann es z.B. sein, dass eine Religion vorehelichen GV verbietet, aber das GG es gestattet....

oder:

dass eine Religion eine Reihenfolge erstellt, wer über wem steht... aber das GG eine Gleichstellung verlangt....

oder:

eine Religion sagt: Frauen und Männer sind gleichgestellt, aber haben unterschiedliche Aufgaben... und das GG sieht es eben nicht so....

oder:

dass eine Religion die Menschen in "Kasten" unterteilt, aber das GG nicht....

oder:

dass laut Religion Kühe heilig sind, und dennoch im Staat geschlachtet werden....

Im Zweifelsfall gilt das GG, denn es ist von Menschen für Menschen gemacht... 

....und etwas Besseres gibt es nicht.. als dass freiheitlich/demokratische Menschen diese innere Freiheit per Gesetz allen in dem Land lebenden Menschen ermöglichen....

Kommentar von TH3L3G3ND4RY ,

Oh ha das ja mal ne konkrete antwort :O

Danke :)

Kommentar von Jogi57L ,

Danke, das ist eben meine Einstellung dazu :-))

Antwort
von Gronkor, 60

Bei Gewalt im Namen von Religion ist ja nicht die Religion das Problem und das Verbotene, sondern die Gewalt.

Und deshalb wird so etwas auch nach den Paragraphen geregelt, die sich mit Gewalttaten befassen - und wie Jewi14 schon sagte, stehen die im Strafgesetzbuch.

Kommentar von Nunuhueper ,

Die Religion gebiert Gewalt.

Kommentar von Gronkor ,

Ich glaube, die Entstehung von Gewalt ist komplizierter.

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