Frage von Krangieblub, 87

Gründe fürs "Lateinscheitern"?

Ich gebe ab nächster Woche Nachhilfe in Latein und würde gerne wissen ,ob ihr allgemeine und häufige Gründe kennt ,warum der Großteil in Latein nicht so gut abschneidet ,da ich selbst nie Probleme damit hatte. Von Freunden kennen ich nur die Gründe, dass diese zu faul zum Lernen seien oder es einfach Grundsätzlich nicht verstehen.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Miraculix84, Community-Experte für Latein & Schule, 27

Von Freunden kennen ich nur die Gründe, dass diese zu faul zum Lernen

Das ist sicherlich immernoch ein zentraler Grund.

Der wird aber (meiner Meinung nach) durch unterschiedliche Faktoren noch verstärkt:

* Viele Schüler sind nicht mehr in der Lage sich dauerhaft zu konzentrieren, weil die "Ablenkungsangebote" (Handy, Internet, ...) zu groß sind. Dadurch fällt ihnen das Erlernen von Vokabeln und Grammatiktabellen umso schwerer.

* Durch den verstärkten Anteil an Nachmittagsunterricht sind viele Schüler, wenn sie nach Hause kommen, (verständlicher Weise) zu platt, um dann noch Vokabeln zu pauken. Daran, dass man Vokabeln zu Hause lernen muss, führt aber (m.M.) kein Weg vorbei. Die Schule bietet dafür keine geeignete Umgebung, weil man doch zu sehr durch andere Mitschüler abgelenkt ist und sich nirgends wirklich zurückziehen kann.

* Es fehlt an muttersprachlicher Kompetenz, weil anscheinend zu wenig "wertvolle" (= grammatikalisch korrekte) Kommunikation (zu Hause) stattfindet. Um einmal ein Beispiel zu bringen: Ich hatte neulich in der siebten Klasse (Die sind dann 13 Jahre!) das Thema Relativpronomen: "Die Handball-Nationalspieler, _______ Erfolge wir feiern,..."  Mann muss kein Latein können, um hier zu sehen, dass da "deren" in die Lücke eingesetzt werden muss. Aber ich wurde gefragt, ob da nicht auch "den" sagen können. Das würde doch auch passen. Auch den Kasus eines deutschen Satzgliedes durch Erfragen zu bestimmen, wird teiweise nicht beherrscht.

* In der Grundschule wird nicht mehr so viel vermittelt, wie früher. Ich habe in meiner Grundschulzeit in den 90er Jahren in der 2. oder 3. Klasse die Fälle gelernt. Die Schüler, die heute an das Gymnasium kommen, haben davon teilweise noch nie etwas gehört. Woran das liegt, weiß ich nicht.

* Viele Kinder sind überfordert. Bei uns in NiSa haben die Eltern nach der Grundschule die freie Wahl, auf welche Schulform sie ihr Kind schicken. In den Städten gehen teilweise über 70% auf ein Gymnasium oder eine Gesamtschule. Da ist es nicht verwunderlich, dass viele Kinder mit den Gymnasial-Anforderungen zu kämpfen haben, einfach weil sie auf einer Realschule besser aufgehoben wären. Das ist nicht gut für das Schulsystem, weil sie die guten Schüler "ausbremsen" und auch für die Schüler selbst ist es nicht gut, weil sie in nahezu keinem Fach als kompetent erleben und immer nur am unteren Notenrand um die Versetzung kämpfen. Und jedem, der einwendet, dass man dem durch Differenzierungsmaßnahmen und individuelle Förderung begegnen müsse, kann ich nur sagen, dass das Blödsinn ist, weil alle dieselbe Klassenarbeit zu denselben Bedingungen schreiben müssen. Da kann ich noch so viel fördern, ein überforderter Schüler wird überfordert bleiben.

Aber trotzdem dir viel Erfolg bei deinem Bemühen! Vielleicht kannst du ja individuelle Probleme erkennen und beseitigen. Ich stelle fest, dass die meisten Übersetzungsfehler nicht passiert wären, wenn die Schüler die Vokabeln vernünftig beherrscht hätten. Vielleicht wäre das ein guter Ansatzpunkt für deine Arbeit. :)

LG
MCX

Antwort
von girliipower, 33

Ich gebe selbst Nachhilfe,meine Schülerin hat das Problem,dass sie die Fälle nicht versteht bzw. unterscheiden kann. Auch fällt ihr dadurch das übersetzten sehr schwer,sie kennt dann zwar die Vokabeln,aber anstatt,dass wenn sie mal wirklich nicht weiter weiß,sie einen logisch mit dem Zusammenhang des zuvor Übersetzten Satz bildet,kommt bei ihr ein zusammengewürfeltes Gebilde raus,das man beim besten Willen nicht als grammatikalisch korrekt in die deutsche Sprache übersetzt sehen kann.Aber ich hoffe ihr durch intensives üben diese Schwierigkeiten zu nehmen:) Wünsche dir ebenfalls viel Glück :)

Antwort
von Hamburger02, 13

Bei den meisten dürfte es in der Tat die Unlust sein, soviel auswendig lernen zu müssen..Vokabeln, Fälle etc. pp.

Entgegen vielfacher Behauptungen hat Latein nämlich überhaupt nichts mit Logik zu tun sondern ausschließlich mit auswendig lernen.

Antwort
von Chaoist, 40

Also für mich gibt es "zu faul" nicht, und wenn du Nachhilfe geben willst, dann solltest du dir auch diesen Grundsatz zu eigen machen.
Zu faul bedeutet doch nur, dass der Antrieb fehlt. Warum sollte sich irgendjemand für Latein interessieren?

Wenn jemand in der Medizin arbeiten möchte, gibt es sehr wohl einen Grund dafür. Historiker, Anwälte und andere Berufe benutzen es auch, aber nicht jeder will einen dieser Berufe ergreifen. Warum sollten sich diese also für Latein interessieren?

Das ist das aller wichtigste! Sobald du das Interesse daran geweckt hast, wird freiwillig Latein gelernt. Die Schwierigkeit dabei ist, heraus zu finden was die einzelne Person interessiert und wie ihr das Fach dabei helfen kann.

Ein anderer Grund ist, dass wir im deutschen mit den lateinischen Fällen einfach nichts anfangen können. Viele sind sich nicht einmal im Klaren darüber was ein Fall ist. Die Herkunftssprache hat niemand in der Schule gelernt. Auch hier fehlt es oft von vorne herein am Beweggrund. Warum soll jemand etwas lernen was er schon kann. Menschen die Deutsch nie leiden konnten, sind die schwierigsten Fälle in Latein.

Expertenantwort
von Volens, Community-Experte für Latein & Schule, 20

Eine ganze Zeit lang daddelt man sich mit den wirklich einfachen ersten Sätzen der Lehrbücher so durch, und dann:

http://dieter-online.de.tl/Wie-wird-man-schlecht-in-Latein-f-.htm

Das ist einfach meine Erfahrung.

Antwort
von konstanze85, 29

Keine Ahnung, ich persönlich hatte immer Schwierigkeiten mit toten Sprachen. Am zusätzlichen Kasus lag es jedenfalls nicht.

Antwort
von timisimi20000, 43

Das nicht-verstehen war bei mir der Grund für die Latein 5.

Antwort
von BiggerMama, 29

keine Relevanz sehen für das normale Leben.

Warum sollte man Latein können, wenn man nie in Latein angeredet wird?

Kommentar von Krangieblub ,

Also wäre allein das schon ein Grund nicht zu lernen und so zu wissen, dass man sein Zeugnissdurchschnitt runterziehen könnte?

Kommentar von BiggerMama ,

Na so einfach ist es nicht. Manche Menschen können sich halt schlecht motivieren. Die Androhung schlechter Noten hilft da wenig.

Kommentar von Krangieblub ,

Achso ,danke :)

Antwort
von elenano, 23

Faulheit und mangelnde Motivation, da man das Gelernte meist sowieso nicht mehr braucht.

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