Frage von Ralf1682, 112

Großeltern von Bekanntem waren Nazis, wie sollte er sich verhalten?

Hallo, ich war gestern bei einem guten Bekannten und wir haben über Politik diskutiert und sind dann irgendwie auf das Thema Nazis gekommen. Er erzählte mir, dass er in der Hinsicht sehr ambivalent empfindet, da sein Großeltern Nazis waren (Großvater war bei der Waffen SS, Großmutter beim Bund Deutscher Mädchen). Er hat sie auch kennengelernt und sie als wahnsinnig nette Menschen erlebt. Er meinte er würde sich deshalb mit Aussagen wie "sche1ß Nazis" oder "Danke das ihr uns befreit habt" schwer tun. Weil man muss ja nicht von etwas befreit werden, das man selbst einführt, außer man ist völlig unmündig. Natürlich ist er kein Nazi und er lehnt das Regime auch ab und wünscht es sich sicher nicht zurück, meinte er, aber wenn er sich eine Doku über die Nazis anschaut, empfindet er aus dem Bauch heraus es so, dass das halt seine Leute sind, auch wenn er gleichzeitig die Ideologie ablehnt. Ich wusste irgendwie nicht, was ich ihm sagen soll und mich hat das länger beschäftigt, darum stelle ich die Frage hier einmal. Wie sollte er damit umgehen, oder was hätte ich ihm sagen sollen?

Antwort
von Manuel129, 47

naja im grunde genommen sind nazis ja nichts anderes als leute die sich für ihr land ins zeug legen , und das haben zweifelsohne viele gemacht im dritten reich. das mit dem fremdenhass, das genozid der juden, das hat nur ein paar wenige ausgemacht. Aber: Nationalsozialismus steht nicht in direkter Verbindung dazu!

nazis sind nicht zwangsläufig schlechte menschen, die meisten wussten nicht genau was eigentlich passiert ist, sie dachten sie täten das richtige.. Schuld haben definitiv nicht die einfachen Leute wie seine Großmutter. wäre sein Großvater in einem Vernichtungslager stationiert und hätte mit eigenen augen gesehen was da passiert ( das war nämlich so gut wie keinem bekannt ), dann ist das was anderes.

Antwort
von Katzenhai3, 38

Ich glaube ihm. Er sieht diese Menschen nur als ehemalige Kameraden. Das Kriegsgeschehen nimmt er sicher nicht war. Viele ehemaligen Soldaten sehen sich solche Dokus an, ohne je Nazis gewesen zu sein. 

Antwort
von herakles3000, 32

Er soll einfach normal mit ihnen umgehen den diese zeit war nicht normal und verweigern ging nicht da wurde man soagr Erschoßen .Schlimmer sind die die heute als junge Menschen so eine Einstellung haben.Es gab sogar Zeiten wo diese zeit nicht Unterichtet werden durfte.

Antwort
von Chaoist, 54

Seine Großeltern waren damals... Er ist heute.
Das muss er und auch andere im Kopf trennen. Mehr kann man da glaub ich auch nicht machen.

Gut ist, dass du dir die Frage Stellst und dich mit dem Thema beschäftigst. Viel zu oft wird viel zu pauschal ein Urteil gefällt, damit man sich selber nicht weiter damit befassen muss. So etwas belastet ja nur.

Irgendwann muss man dann aber auch mal einen Schlussstrich drunter ziehen. Sonst wird es wirklich nur noch belastend, und mit nem Übergroßen Rucksack kommt man schlecht über den Berg.

Kommentar von FrancValmy ,

Genau! Sollen die Toten endlich Ruhe geben und die Krüppel sich gefälligst in Rauch, pardon, in Luft auflösen!

Was ist das Warten in der Todeszelle gegen die Seelenpein des  Henkers?! Ein Fliegenschiß.

Darum bekommen Letztere eine Pension - während man über die Reha der ersteren 60 Jahre debattiert.

Vermutlich ist Dein Großvater auch in Auschwitz gestorben - als er vom Wachturm fiel.

@ Ralf:  Der Enkel kann seine Großeltern fragen

- wie sie heute über Anne Frank etc. denken

- wie er verhindern kann, dass aus gutem Nationalsozialismus / Kommunismus / Spiritismus
der böse Faschismus / Stalinismus / Zionismus wird.

Danach darf der Enkel erschrecken, wie tugendhaft und unspektakulär Menschenverachtung sein kann. Zum Beispiel halten die Erfahrungen der "Schutzhaft" Jehovas Jünger auch nicht davon ab, alle Unwissenden zwischen 0 und 99 Jahren mit Feuer und Schwert ausrotten zu lassen...

Antwort
von DrStrosmajer, 42

Du könntest ihm sagen, daß seine Großeltern vor 70 Jahren (solange ist der NS-Spuk schon vorbei) selbst junge Leute waren und demnach leichter zu beeinflussen als Erwachsene, mal ganz abgesehen davon, daß der NS-Staat seine Bürger und insbesondere die Jugend vollständig erfaßt hat. Die Mitgliedschaft im BDM war theoretisch freiwillig, praktisch nicht.

Die Waffen-SS wiederum galt als Elitetruppe und hatte während des Krieges, ein hohes Ansehen. Die Angehörigen der Waffen-SS waren gekleidet und ausgerüstet wie die Soldaten der Wehrmacht und taten militärischen Dienst. Sie waren nicht so gefürchtet wie die Totenkopf-SS in ihren martialischen schwarzen Uniformen.

Viele junge Männer empfanden es als eine Ehre, in die Waffen-SS aufgenommen zu werden.

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