Frage von jt2006, 81

Große Geldscheine im Bus, Unterschied zwischen Bezahlen und Wechseln?

Unterschied zw. bezahlen und wechseln. Das leibliche Thema Annahme von großen Geldscheinen im Bus. In den Bestimmungen steht dann meistens: " Das Fahrpersonal ist nicht verpflichtet, Geldbeträge über 10€ zu wechseln." Wie sieht das nun Rechtlich aus? Wenn ich bezahle ist das doch nicht wechseln.

Antwort
von Rolf42, 81

Wenn du z.B. einen Fahrschein kaufst, der mindestens 20 Euro kostet, kannst du auch mit einem 20-Euro-Schein bezahlen. Kostet der Fahrschein dagegen nur 2,50 Euro, kann der Fahrer es ablehnen, den Schein zu wechseln, also Wechselgeld herauszugeben, und dir stattdessen eine Quittung über den Restbetrag geben.

Antwort
von bwhoch2, 77

Ich bin kein Jurist, aber ein Busfahrer hätte es schwer, auf seiner Tour ab und zu mal eine Bank anzusteuern, um viele Scheine wieder in Kleingeld umzuwechseln. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass er in eine Situation kommen kann, in der er nicht wechseln kann, also auf größere als auf 10 €-Scheine raus zu geben.

Es ist also Pflicht des Fahrgastes, das Geld für die Fahrkarte möglichst passend bereit zu halten. Kann der Fahrgast das nicht, darf er ggf. nicht mitfahren. Er müßte dann ggf. selbst erst zur Bank gehen oder ein Online-Ticket kaufen oder was auch immer. Fährt der Passagier trotzdem mit, fährt er schwarz und dann kann er seine großen Scheine gut los werden.

Kommentar von jt2006 ,

§ 305c BGB
Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht Vertragsbestandteil.
Es müßte also schon SEHR GROSS und unüberlesbar deutlich darauf hingewiesen werden, daß man Verträge nur unter der Bedingung einer passenden Bezahlung und/oder unter Verwendung von 10-Euro-Noten und Euro-Münzen abschließen möchte. 

Kommentar von bwhoch2 ,

Da sind wir wieder beim Thema Auslegung. Der Paragraph sagt im Satz 2 zwar, dass im Zweifel zu Gunsten des Kunden ausgelegt werden muss, aber so wie ich das sehe, wäre bei einem Gerichtsprozess die Sache ziemlich klar.

Der Richter würde Dir sagen, wenn im Bus ein solcher Aufkleber unübersehbar aushängt, reicht das aus und der gesunde Menschenverstand sagt einem doch auch, dass es für einen Busfahrer kaum möglich ist, allen Wechselwünschen der Fahrgäste immer nachzukommen. Der von Dir zitierte Paragraph würde mit dieser Argumentation wohl nicht zum Tragen kommen, zumal Dein Prozessgegner vermutlich ein öffentlicher Träger eines Nahverkehrssystems ist und nicht ein privater Busunternehmer.

Kommentar von jurafragen ,

§ 305c BGB ist hier nicht einschlägig, da die Beförderungsbedingungen durch Verordnung festgesetzt werden und keine AGB sind.

Kommentar von claushilbig ,

Die Begrenzung der Wechselgeldmenge ist aber m. E. keinesfalls "so ungewöhnlich ..., dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht" - insofern passt dieser Paragraph hier überhaupt nicht

Antwort
von Olad1949, 25

Was der Busfahrer machen kann, ist auf €10 Wechselgeld geben. Für den Rest bekommst du einen Bon, mit dem du dir den Rest des Geldes an einer der Geschäftsstellen abholen kannst. Es ist nunmal so, dass man das Fahrgeld möglichst passend dabei haben sollte, denn gerade zu Dienstbeginn hat der Fahrer nicht unbedingt das gesamte Wechselgeld in der Kasse.

Antwort
von nicinini, 62

Damit ist wohl auch bezahlen gemeint. andere Geschäfte lehnen z.b. auch 200euro scheine ab. Und busunternehmen halt alles über zehn euro. Aber versuchen kann man es trotzdem kommt ja immer darauf an wie viel Geld in seiner kasse ist

Kommentar von jt2006 ,

§ 305c BGB
Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht Vertragsbestandteil.
Es müßte also schon SEHR GROSS und unüberlesbar deutlich darauf hingewiesen werden, daß man Verträge nur unter der Bedingung einer passenden Bezahlung und/oder unter Verwendung von 10-Euro-Noten und Euro-Münzen abschließen möchte. 

Kommentar von jurafragen ,

Es müßte also schon SEHR GROSS und unüberlesbar deutlich darauf hingewiesen werden, daß man Verträge nur unter der Bedingung einer passenden Bezahlung und/oder unter Verwendung von 10-Euro-Noten und Euro-Münzen abschließen möchte.

Nein, denn § 7 (1) der Verordnung über die Allgemeinen Beförderungsbedingungen für den Straßenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen lautet:

Das Fahrgeld soll abgezählt bereitgehalten werden. Das Fahrpersonal ist nicht verpflichtet, Geldbeträge über 5 Euro zu wechseln und Eincentstücke im Betrag von mehr als 10 Cent sowie erheblich beschädigte Geldscheine und Münzen anzunehmen.

Und das sind keine AGB sondern es handelt sich um ein Gesetz im materiellen Sinne.

Kommentar von jt2006 ,

Danke für die Antwort. Die eigentliche Frage ist aber Unterschied zwischen "Bezahlen und Wechseln."

Kommentar von jurafragen ,

Da ein Linienbus keine Wechselstube ist, dürfte die Regelung von § 7 (1) der Verordnung eindeutig genug sein.

Kommentar von jt2006 ,

Die eigentliche Frage ist aber damit immer noch nicht geklärt. Was der Unterschied zwischen Bezahlen und Wechseln ist - Bus/Bahn ect. hin oder her. 

Kommentar von jurafragen ,

Weil niemand in einen Bus einsteigt, nur um beim Fahrer Geld zu wechseln, sondern es hier nur um Wechselgeld aus einer Überzahlung gehen kann, ist die Frage hinreichend geklärt.

Kommentar von claushilbig ,

"Wechseln" ist die Herausgabe von Wechselgeld - und das wird auch beim Bezahlen gemacht. Es gibt also in diesem Sinne keinen Unterschied zwischen Bezahlen und Wechseln.

Oder anders gesagt: Wenn Du kein passendes Kleingeld hast, musst Du erst mal beim Busfahrer wechseln, und dann anschließend passend bezahlen - der Einfachheit halber macht man das aber üblicherweise in einem Abwasch.

Kommentar von jt2006 ,

Danke für die Antwort. Das ist wenigstens die erste Antwort die meine Frage beantwortet.

Antwort
von abibremer, 54

Busfahrten kommen üblicherweise nur selten "überraschend" auf einen zu, weshalb es ja wohl locker möglich ist, sich vorher etwas Kleingeld zu besorgen- es ist übrigens KEIN "leiBliches, sondern ein leiDliches thema: verursacht Leid bei Fahrern und Kunden.

Antwort
von Girschdien, 73

Wenn Du kein Wechselgeld haben möchtest, kannst Du auch mit 500€-Scheinen zahlen. (Oh hoppla, das Geld, das man beim Bezahlen zurück bekommt, heißt Wechselgeld - siehst Du da irgendeinen Zusammenhang?)

Expertenantwort
von jurafragen, Community-Experte für Recht, 54

Wenn ich bezahle ist das doch nicht wechseln

Wenn Du passend bezahlst, dann nicht.

Kommentar von jt2006 ,

Das heißt also ich bezahle und wechsle in einem? Nur dann ist die Höhe des Wechsel ja nicht mehr der 50€ Schein sondern nur noch der Rest.

Kommentar von bwhoch2 ,

Da liegst Du wohl richtig. Zahlst Du mit einem 20 €-Schein eine Fahrkarte, die 7,50 € kostet, braucht der Busfahrer den Schein nicht anzunehmen. Kostet die Fahrkarte aber z. B. 11 €, wäre er bei Verweigerung wohl im Unrecht. Aber das ihm in der Hektik klarzumachen...

Kommentar von jt2006 ,

Ich glaube irgendwo steht "...im Verhältnis zur Ware/Dienstleistung." 

Oder man muß es groß schreiben so das es jeder auch lesen kann und nicht im Klein gedruckten.

§ 305c BGB
Bestimmungen in Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die nach den Umständen, insbesondere nach dem äußeren Erscheinungsbild des Vertrags, so ungewöhnlich sind, dass der Vertragspartner des Verwenders mit ihnen nicht zu rechnen braucht, werden nicht Vertragsbestandteil.
Es müßte also schon SEHR GROSS und unüberlesbar deutlich darauf hingewiesen werden, daß man Verträge nur unter der Bedingung einer passenden Bezahlung und/oder unter Verwendung von 5-Euro-Noten und Euro-Münzen abschließen möchte. 

Kommentar von jurafragen ,

Ich glaube, irgendwo steht "...im Verhältnis zur Ware/Dienstleistung" Oder man muß es groß schreiben so das es jeder auch lesen kann und nicht im Klein gedruckten.

Nein, denn § 7 (1) der Verordnung über die Allgemeinen Beförderungsbedingungen für den Straßenbahn- und Obusverkehr sowie den Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen lautet:

„Das Fahrgeld soll abgezählt bereitgehalten werden. Das Fahrpersonal ist nicht verpflichtet, Geldbeträge über 5 Euro zu wechseln und Eincentstücke im Betrag von mehr als 10 Cent sowie erheblich beschädigte Geldscheine und Münzen anzunehmen.“

Und das sind keine AGB sondern es handelt sich um ein Gesetz im materiellen Sinne. § 305c BGB ist hier nicht einschlägig.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community