Frage von quinny15, 133

Greys Anatomy oder In aller Freundschaft- was ist realistischer?

Hi ich liebe so Arztserien zum Beispiel In aller Freundschaft oder die amerikanische Serie Greys Anatomy. Bei Greys Anatomy ist während den OPs ALLES voller Blut und jeden Tag bzw. jede Folge stirbt mindestens 1 Mensch oder mehr!! Bei in aller Freundschaft ist das komplett anders. Da stirbt voll selten jemand und die OPs sehen auch nicht ganz so krass aus. Was ist also realitätsnäher?(ka ob es dieses Wort gibt) Sterben echt auf einer Station ständig so viele Menschen? Und spritzt einem bei OPs echt das Blut ins Gesicht und das Gewand ist komplett voll? Würde mich mal interessieren;)

Antwort
von garfield262, 86

Moin,

beide Serien sind im nahezu gleichen Umfang unrealistisch. Grey's Anatomy bspw. überdramatisiert bestimmte Aspekte des Arztberufs bzw. des Klinikalltags, andere Aspekte werden komplett ausgeblendet; und das aus gutem Grund. Kein (fachfremder) Zuschauer möchte sehen, wie ein Unfallchirurg 12 Stunden in der Nacht in der Notaufnahme rumgeistert, alle halbe Stunde einen Patienten reinholt, eine Rö-Aufnahme anordnet und begutachtet, dem Patienten erklärt, dass nichts ist, einen Eilfall ausstellt, ihm 4 PCM Comp. in die Hand drückt und ihm dann nen "guten Tag und guten Weg" wünscht. Genauso langweilig wäre es, in einer Episode 20 Betrunkene, die abgesehen vom Blutalkohol absolut nüscht haben, im Zimmer ausschlafen zu lassen, diese verwüsten im besten Fall noch das U-Zimmer, pinkeln in die Ecke und hauen dann ab. Selbst eine fachlich korrekte Schwerstverletzenversorgung in Schockraum und OP wäre für den 08/15-Zuschauer uninteressant, da sie den meisten Kram nicht verstehen würden. Auch andere Aspekte wie die normale Stationsarbeit wird ausgeblendet, Arztbriefe werden nicht geschrieben und so weiter. Obwohl der Konkurrenzkampf in der Chirurgie z.T. tatsächlich recht hoch und auch belastend ist wird sich dennoch nicht um Fälle gekloppt, da wäre der Oberarzt/Klinikdirektor ganz schnell dabei und würde ne ziemliche Ansage machen.

Zum Thema OP: Dass eine OP absolut notfallmäßig durchgeführt wird, ist eher selten. Manche Geschichten wie ein Polytrauma, innere Blutungen etc. erfordern zwar ein rasches Eingreifen, jedoch ist dies nicht das Alltagsgeschäft. Ein normaler Tag kann so aussehen: Um 7.30 trudeln langsam alle, die um 8 die erste OP haben ein, trinken nen Kaffee und erzählen sich was vom Wochenende. Die Anästhesisten und Anästhesiepflegekräfte gehen langsam in Richtung Patient, checken die Vollständigkeit der Unterlagen, stellen noch ein paar gezielte Fragen und nach ein paar weiteren Maßnahmen, die ich jetzt nicht alle aufzähle, wird eingeleitet. Der Anästhesist fehlt z.B. bei Grey's Anatomy nahezu gänzlich, obwohl er eine fundamental wichtige Rolle spielt; wenn tatsächlich im Extremfall z.B. ein Kreislaufstillstand eintritt, dann legen nicht die Chirurgen los, sondern der Anästhesist hat das Sagen. Man muss sich nur mal dessen Aufgabe vor Augen führen: Er hält den Patienten soweit stabil und ermöglicht eine Prozedur, die ohne sein Zutun (und natürlich auch das der AN-Pflege) aller Wahrscheinlichkeit nach tödlich enden würde.

Die meisten Eingriffe, besonders an Extremitäten, werden i.d.R. in Blutleere durchgeführt; eine Art Blutdruckmanschette, verhindert durch hohen Druck die Durchblutung des peripheren Gewebes und das OP-Gebiet ist dadurch nahezu trocken.

Grey's Anatomy & Co. sind, wie alle möglichen Actionfilme auch zur Unterhaltung gedacht und müssen dementsprechend auch aufgebaut sein. Dadurch verschwindet der Realitätsbezug nahezu vollständig.

Empfehlen kann ich Scrubs. Vom Klinikalltag, den Maßnahmen etc. her ist diese Serie natürlich absoluter Humbug, allerdings spiegelt sie z.T. die ambivalente Moral einiger Mitarbeiter, die Komplexität bspw. von Interessenkonflikten und so weiter derart gut wieder, dass sie von dem Aspekt her in meinen Augen durchaus realistisch erscheint; ich selbst habe mich in mancher Situation wiedergefunden.

Konnte ich dir soweit helfen? Hast du noch Fragen?

Lieben Gruß ;)

Kommentar von quinny15 ,

bist du zufällig arzt oder so?:)

Kommentar von garfield262 ,

Man könnte sagen, auf direktem Weg dorthin... ;) Allerdings habe ich sowohl durch erforderliche Praktika und durch meine vorige Berufstätigkeit als Rettungsassistent schon einen sehr tiefen Einblick in den Klinikalltag und das Drumherum erhalten ;)

Antwort
von Mell1990, 87

Nein es stirbt nicht jeden Tag einer, es spritzt auch kein Blut. In aller Freundschaft ist realistischer. Wobei es in der Notaufnahme schon auch stressig werden kann.

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