Frage von Pia0999, 153

Glyphosat- Definition, Pro & Kontra?

Hey. Ich muss für Bio etwas über Glyphosat machen. Nur ich kenne mich damit nicht wirklich aus. Könnt ihr mir vielleicht eine kurze und verständliche Definition davon sagen? Und noch wichtiger: Welche vor und Nachteile hat glyphosat? Danke schonmal...

Expertenantwort
von Agronom, Community-Experte für Biologie, 122

Glyphosat ist ein herbizider Wirkstoff aus der Gruppe der Phosphorsäurederivate und wird als Totalherbizid verwendet, d.h. es wirkt nicht selektiv auf bestimmte Pflanzen wie z.B. nur auf Gräser, sondern auf alle Pflanzen. Es ist ein systemischer Wirkstoff, wird also innerhalb einer Pflanze Verteilt, aufgenommen werden kann es nur über Grüne Flächen, also hauptsächlich die Blätter. Deshalb kann es nicht präventiv eingesetzt werden, da Samen weitherin keimen können. Der Wirkmechanismus setzt in der pflanzlichen Biosynthese von aromatischen Aminosöuren an und hemmt dort ein Enzym (EPSPS), ohne die Aminosäuren sind die Pflanzen nicht lebensfähig. Bei den gentechnischen glyphosatresistenten Pflanzen wurde ein EPSPS-Gen aus Bakterien eingefügt, welches nicht durch Glyphosat gehemmt wird.

Vorteile: Es kann einfach angewendet werden und man muss nicht verschiedene Wirkstoffe mischen oder getrennt ausbringen um eine Fläche von Pflanzen zu befreien. Auch werden mehrere Arbeitsgänge eingespart, die bei einer mechanischen Bekämpfung nötig wären. Man kann also Arbeits- und Dieselkosten einsparen.

Die Alternativen herbiziden Wirkstoffe sind aus toxikologischer Sicht bedenklicher, wenn also eine Herbizidanwendung durchgeführt werden soll, so ist Glyphosat noch das "geringste Übel".

Wenn auf einem Acker die Pfalnzen sehr unterschiedliche abreifen, kann man es zur Sikkation anwenden um alle Pflanzen abzutöten und gemeinsam zu ernten (auch wenn diese Anwendung nicht zu empfehlen ist).

Besonderen Vorteil bringt es für Ackerbausysteme die auf geringe Bodenbearbeitung setzen, sog. Direktsaat. Das erfolgt z.B. auf Erosionsgefährdeten Böden, denn dadruch, dass Pflanzen auf der Fläche stehen bleiben wird ein großes Abtragen der Böden durch Wind und Wasser reduziert. Um dann aber für die nächste Kulturpflanze bessere bedingungen zu schaffen müssen alle anderen Pflanzen (Konkurrenten) entfernt werden, dafür eignet sich wieder Glyphosat.

Zuletzt kann man noch mit gentechnischen Veränderungen Pflanzen erzeugen, die glyphosatresistent sind und so auch Anwendungen durchführen, wenn die Kulturpflanze schon auf dem Feld steht, besonders für Konkurrenzschwache Pflanzen wie den Mais ein Vorteil.

Nachteile: Da kein weiterer Wirkstoff nötg ist, wird häufig auch kein anderer eingesetzt, so steigt aber die Wahrscheinlichkeit für Resistenzentwicklung der Pflanzen. Gleiches gilt für den übermäßigen Einsatz des Wirkstoffes, also in zu großen Mengen, das wird durch die glyphosatresistenten Kulturpflanzen begünstigt und erhöht dann wieder die Wahrscheinlichkeit zu Resistenzbildungen der Pflanzen, die man bekämpfen möchte.

Glyphosat hat für den Menschen eine potentielle kanzerogene Wirkung ab einer bestimmten Dosis, die aber unter normalen Umständen nicht erreicht wird, soweit der aktuelle Stand.

Toxische Wirkungen auf andere Lebewesen sind vorhanden, unter anderem gibt es Hinweise, dass Regenwürmer in ihrer Aktivität gestört werden, was wiederum negativ für die Bodenfruchtbarkeit ist.

Der Abbau im Boden ist von sehr vielen Faktoren abhängig, variiert daher sehr stark und kann bei unpassenden Bedingungen über ein Jahr dauern.

Kommentar von zetra ,

Ich habe mir die 32 Berichte der User in der heutigen Meldung der Tagesthemen durchgelesen. 31 Berichte wünschen sich das Glyphosat vom Markt verschwindet. Wie sieht der 1 aus, der da vorsichtig noch irgendwelche Untersuchungen abwarten will?

Die Politiker scheinen aufgescheucht zu sein, Wahlen stehen bald an, vielleicht hilft das ihre Entscheidungen richtig zu überdenken?  

Kommentar von Agronom ,

Sind sich diese User denn auch der Folgen bewusst und bereit die Kosten zu tragen? Führen sie die Entscheidung auch konsequent weiter und bemühen sich um den Importstopp von Produkten die unter Verwendung von glyphosatbasierten Mitteln produziert wurden?

"Man möchte es nicht" ist leicht dahergesagt, viele sagen auch, dass sie lieber Fleisch aus ökologischer Haltung oder nach vergleichbarem oder gar höherem Standard wollen, ein Großteil ist dann aber nicht bereit, die Kosten und Mühen auf sich zu nehmen die erforderlich sind.

Kommentar von zetra ,

Über Preise zu reden heißt ja auch über Qualität zu urteilen. Lachs bei Aldi, Monster-Lachs, usw.  Wenn ich so etwas lese bin ich gleich satt. Die Kirche muss im Dorf bleiben, allerdings geht kein Weg daran vorbei, wenn an der Gesundheit geschlammt wird. Guten Appetit.

Antwort
von voayager, 98

Es hat nur Nachteile, denn es steht im erheblichen Verdacht kanzerogen zu sein. Solche Round-ups sind darüberhinaus eh mit größter Vorsicht zu genießen, denn was geschwind einem recht hartnäckigen Unkraut den Garaus macht, das hat eine erhebliche Giftwirkung, die für uns Menschen nur unnötigerweise zu Gesundheitsschäden führt, oder aber führen kann. Diese Gefahr ist hochsignifikant. Auch nützliche tiere wie z.B. Bienen und Hummeln, die für die Bestäubung etlicher Pflanzen wichtig sind, erhalten so den Garaus.

Glyphosat nutzt also nur den Großbauern und jener Industrie, die es herstellen. Landwirte nutzen es, um so Arbeitskräfte einzusparen, erhöhen mithin die real existeirende Arbeitslosigkeit.

Ein Pro gibt es also nicht, da kann sich der Herr Lehrer oder die Frau Lehrerin noch so sehr auf denKopf stllen oder stur darauf beharren, es kommt kein Ja dabei raus.

Merke: im realen Leben, also jenes jenseits der Schule kennt nicht immer dieses ewige Pro und Kontra, da gibt es recht oft nur ein Pro oder nur ein Kontra. Das Leben ist eben nicht wie eineKaufmanswaage früherer Art, wo alles hübsch ausgewogen sein mußte, so dass die Waagschalen im Gleichgewicht waren.

Kommentar von Agronom ,

Schön wäre es, aber das reale Leben ist nicht so einfach gestrickt. Es gibt immer verschiedene Pro- und Kontraargumente, je nachdem aus welchem Blickwinkel man es betrachtet.

Eine einfache Frage nach Pro und Kontra ist nicht sinnvoll, das stimmt soweit, es müsste schon lauten "Nenne Pro und Kontra aus der Sicht von ... oder bezogen auf ..."

Kommentar von voayager ,

"aus der Sicht von", ok, das lasse ich mir gefallen, doch dazu reicht es bei dem hiesigen ASchulbetrieb ja meist nicht. Mal haben die Lehrersleut nicht dafür das entsprechende empirische Datenmaterial zur Hand, mal soll auch nicht so das Denken der Schüler entwickelt werden.

Es kommt m.E. noch hinzu, dass die Schüler garnicht so eindeutig sein sollen, denn dann könnten sie sich radikalisieren, unbequem für den hiesigen Herrschaftsapparat werden. Wer stets wie ein einstiger Kaufmann wiegt und wägt, der ist vorsichtig, zurückhaltend und eher mehr so was wie ein bloßwer stiller Beobachter, der quasi mit dem Opernglas das Leben bettrachtet, (=kontemplativ sein) nicht jedoch einschreitet, stattdessen die hochkant gehaltene Hand hin,- und herbewegt, dabei bedächtig den Kopf bei Bedarf auch noch wiegt. Vorexerziert wird das ja in all den Talkshows und sonstigen Entertainment-Sendungen, wo auch der bloße Zuschauer gefragt ist.

Antwort
von zetra, 78

Dieses Glyphosat wird von der Firma MONSANTO hergestellt. Diese Firma hat den schlechtesten Ruf , als Firma gesehen, auf der Welt.

Die Wirkungsweise ist  allgemein bekannt, Umweltschützer warnen ja vor das Abkommen TTIP, sollte dieser Abschluss tatsächlich stattfinden, dann gibt es mindestens für 7 Jahre kein zurück mehr.

Erstaunlich ist, Bayer will unbedingt diese Firma für z.Zt. 61 Milliarden € kaufen. Noch ziert sich MONSANTO, allerdings ist anzunehmen das dieser Deal zustande kommt. Das Image von Monsanto ist für Bayer kein Problem, sagen sie selber. Was will Bayer mit dieser Firma? 

Aufsteigen zur größten Firma in dieser Branche?

Die Patente von MONSANTO übernehmen, Glyphosato umbenennen und somit die bekannten Abfolgen auf den Äckern weiter praktizieren?

Es könnte sein, das diese Mittel auch nicht mehr zugelassen werden, aber was macht dann Bayer?

Vieles liegt im Dunkeln, allein schon das FÜR und WIDER von Instituten über gesundheitliche Risiken. Vorwürfe von Bestechungen der Wissenschaftler usw.

Langfristig wird dieses Mittel mehr schaden als helfen, das Argument: 7 Milliarden Menschen müssen ernährt werden sticht solange nicht, solange 20-30 % unserer Lebensmittel auf der Deponie landen.

Meine Meinung ist NEIN. 

Kommentar von Agronom ,

Hey, da muss ich aber nochmal einschreiten, du scheinst heir wieder ein paar Sachen durcheinander gebracht zu haben.

TTIP und eine Verlängerung der Zulassung auf 7 Jahre hängen so nicht zusammen.

Zu der Bayer-Monsanto-Übernahme hatte ich doch eigentlich in einer deiner Fragen etwas erklärt. Bayer will sich ganz klar stärker in der (biotechnologischen) Pflanzenzüchtung positionieren, dafür kaufen sie schon seit Jahren entsprechende Firmen auf, dazu würden sie mit Monsanto einen guten Stand in den amerikanischen Märkten erhalten, denn dort ist Monsanto Marktführer, Bayer ist dafür stärker in der restlichen Welt vertreten.

Glyphosat ist nur der Name des Wirkstoffes und wird sich nicht ändern. Auch ist Bayer für die Produktion glyphosatbasierter Mittel nicht auf Monsanto angewiesen, das Patent ist schon lange ausgelaufen. Ein Verbot würde Bayer ohne die Übernahme von Monsanto nicht so sehr betreffen, sie produzieren da überwiegend für den Haus- und Gartenbedarf soweit ich weiß, der Fokus liegt aber eher auf dem Fungizidmarkt.

Das Hauptaugenmerk für den Zusammenschluss wir der Saatgutmarkt sein, denn der Pflanzenschutzmarkt wird absehbar weniger gewinnbringend werden, das wissen die Unternehmen. Eine weitere Hürde, die man nicht vergessen darf, werden dabei auch kartellrechtliche Fragen sein.

Kommentar von zetra ,

Agronom, ich hatte ja die Meinung eines Users wiedergegeben, der die Ansicht vertrat, dass nach der zugestimmten Verlängerung von Roundup, sowie der Abschluss von TTIP, es kein zurück mehr gibt. Die Schiedsgerichte sind ja dann scheinbar das Problem?

Wenn Bayer diese Firma nicht braucht, dann würde kein Angebot von 62 Milliarden € im Raum stehen.

Du schreibst ja selber, es ist alles eine Frage des Standpunktes.

Kommentar von Agronom ,

Ein Zurück gibt es auch dann, je nachdem wie die Regulungen abschließend sind, können da die Schiedsgerichte problematisch sein und es wird eine Frage der Kosten für ein Verbot, wieder vorausgesetzt, es bleibt in den USA weiterhin zugelassen, was sicher fraglich ist, wenn man eindeutige wissenschaftliche Belege erbringen kann.

Ich schrieb keineswegs, dass Bayer Monsanto nicht gebrauchen könne, das gilt nur für Produkte mit Glyphosat, die kann herstellen wer will. Für Roundup sieht das wieder anders aus, das ist das Mittel aus dem Hause Monsanto mit einer speziellen Formulierung. Wie gesagt wird der Wesentliche Aspekt der pflanzenbiotechnologische Sektor sein, denn dort ist Monsanto weltweiter Marktführer und Bayer befindet sich (noch) nicht auf dem "Treppchen".

Kommentar von zetra ,

Gerade eben habe ich in den Tagesthemen gelesen: Die EU erwägt eine vorüber gehende Zulassung von Glyphosat für 1,5 Jahre.

Sie will sich Zeit nehmen, noch einmal den Vorwurf der Krebsgefahr, zu überprüfen.

Also nichts mit durchwinken, allerdings sind das alles nur Scheingefechte, sicherlich wird es wie bisher weitergehen.

Ich glaube nicht , dass wir hier viel bewirken können, die Menge an User, die unsere Kommentare lesen, halten sich in Grenzen.

Kommentar von zetra ,

Ich finde es gut, wenn man dich aus der Reserve lockt, somit kommt man an Informationen, die du sonst mit deinem buchhalterischen Stil nicht von dir gibst. Danke.

Antwort
von frankfurt19, 102

Glyphosat ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonate. Es ist eine biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wird seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre weltweit zur Unkrautbekämpfung in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Glyphosat wirkt unselektiv gegen Pflanzen; Nutzpflanzen können mittels Gentechnik eine Resistenz gegen Glyphosat erhalten. Glyphosat ist weltweit seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden.

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