Frage von Elias0077, 19

Glyphosat?

Hallo kann mir einer Mehr zum Thema Glyphosat sagen? Also warum das gerade so ein Großes Thema in den Medien ist und warum wollen sie das Glyphosat abschaffen ?

Antwort
von Agronom, 9

Glyphosat ist ein herbizider Wirkstoff, der für Totalherbizide eingesetzt wird, er wirkt also an einem für alle Pflanzen essentiellen Ort und kann damit jede Pfalnze abtöten.

Wie jedes Pflanzenschutzmittel und Herbizid hat es auch Nebenwirkungen, wobei man hier immer die Unterscheidung zwischen einem Wirkstoff für sich und seiner Formulierung im angewendeten Mittel vornehmen muss.

In einem fertigen Mittel sind neben dem Wirkstoff noch weitere Verbindungen enthalten, die z.B. das Ausbringen verbessern und die Aufnahme in die Pflanze ermöglichen.

Glyphosat ist Mengenmäßig das bedeutensde Herbizid der Welt und wird seit über 40 jahren angewendet. Einen großen Schub hat es durch die Entwicklung der gentechnisch veränderten resistenten Pflanzen erlangt.

Die Kontroverse ist nun, dass ein massiver Einsatz glyphosatbasierter Mittel weitläufige Folgen in allen möglichen Bereichen haben kann. Zusammen mit den resistenten Kulturpflanzen wird ein sehr einseitiges Anbausystem gefördert, das langfristig negative Effekte auf Böden und Biodiversität hat. In diesem Zusammenhang wird auch zu häufig und zu viel des Wirkstoffs ausgebracht und damit Resistenzen bzw. Toleranzen bei den zu bekämpfenden Pflanzen begünstigt.

Der größte Streitpunkt ist aber die Wirkung von Glyphosat bzw. glyphosatbasierten Mitteln auf Mensch, Tier und Umwelt. Hier gibt es viele Hinweise auf negative Wirkungen, so ist es wahrscheinlich krebserregend, stört vermutlich die Aktivität von Regenwürmern und anderen Bodenorganismen und hat möglicherweise Auswirkungen auf antibiotikaanfälligkeiten bei Bakterien.

Diese Ergebnisse sind aber selten gut abgesichert und können erstmal nur als Hinweise, aber nicht als Belege für Wirkungen herangezogen werden. Daher gibt es von wissenschaftlicher Seite keine eindeutige EInschätzung.

Auch werden von den Gegnern gern Studien zitiert, die kleinste Mengen z.B. in menschlichem Urin oder Muttermilch nachgewiesen haben wollen oder auch Nachweise des Wirkstoffes in verschiedenen Lebensmitteln werden angeführt. Das ist für den "Normalbürger" natürlich immer erstmal ein Schock, tatsächlich muss man aber betrachten, dass ein alleiniges Vorhandensein erstmal keine Wirkung haben muss und das die Mengen eine entscheidende Rolle spielen.

Zurzeit ist die Thematik top-aktuell, da die Zulassung des Wirkstoffes in der EU ausgelaufen ist und derzeit nur eine vorläufige kurze Verlängerung erhalten hat und nun die Frage ist, wie sich die EU-Kommission entscheiden wird. Bis Ende Juni ist noch Zeit, entweder wird die Zulassung provisorisch bis Ende des Jahres verlängert oder es wird auf die Forderungen des EU-Parlaments eingegangen und die Zulassung nur mit Einschränkungen für einige Jahre erteilt oder die Zulassung läuft aus. Eine neue Zulassung ohne Zustimmung des EU-Parlaments ist möglich, aber eher unwahrscheinlich.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten