Gestern war in den Nachrichten zu hören, dass in unserem Land die Anzahl der Kinder, die an der Armutsgrenze bzw. in Armut leben müssen, immer mehr zunimmt und zwangsläufig die Bildungschancen ebenso abnehmen. Natürlich ist es eine Schande, dass es in unserer Wohlstandsgesellschaft noch so etwas gibt, allerdings möchte ich an dieser Stelle mal fragen, warum auch die Bildungschancen sinken. Habe das bisher nicht so gesehen. Wer die Fähigkeiten hat, kann doch Abi machen, studieren, BAFÖG bekommen usw. Liege ich mit meiner Einschätzung so falsch?

Kinder, deren Eltern weniger verdienen, müssen oft auch in sozialen Brennpunkten leben. da funktioniert die Förderung von Höher-Qualifikation durch die Gruppen-Zugehörigkeit nicht. Auch die Förderung durch die Familie fehlt (Vorbild-Funktion der Eltern, finanzielle Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung). Und ist erstmal der Anschluss verpasst, gibt es kaum noch Möglichkeiten, auf den "Qualifikations-Zug" aufzuspringen.
Erstens kostet das Studium Geld und zweitens,-so denke ich,- werden die Kinder in ärmeren Schichten oftmals nicht optimal gefördert..von daher haben sie einen schlechteren Start als besser betuchte- das ist erwiesen, daher wird darauf immer wieder von der Politik hingewiesen.

Ich denke schon, dass es einen Zusammenhang zwischen Bildung und Einkommen gibt. Das ergibt sich aber auch aus den Ansprüchen ,die seitens der Schule an die Kinder gestellt werden. Das beginnt mit Hausaufgaben, die ohne Internetzugang nicht möglich sind und hört bei freiwilligen Bildungsangeboten auf, die manchmal ganz schön ins Geld gehen.

In Deutschland ist es optimal mit den gleichen Bildungschancen, das gibt es fast nirgends auf der Welt. Die Politik kann aber nicht leisten, was die Eltern tun können: schwachen Kindern bei den Hausaufgaben helfen, Nachhilfe... Das ist aber nicht unbedingt gleichbedeutend mit Armut, auch ärmere engagierte Eltern fördern ihre Kinder wo sie können. Sicher kann man sich dann eine teure Privatschule nicht leisten. Aber in Deutschland hat man als Schüler wohl alle Chancen wenn man motiviert und engagiert ist.
Danke für Deine schnelle Antwort. Genau so habe ich es bisher auch gesehen! Frage mich allerdings, warum manche Politiker dann immer wieder die ungleichen Bildungschancen betonen.
wj2000 am 27. August 2007 22:29 hängt nicht vom Schüler ab, sondern leider vom Geldbeutel.
Luise am 28. August 2007 00:18 Das meiste hängt vom Schüler ab, er muss lernen und Hausaufgaben machen, kein anderer kann das. Aber was richtig ist: Eltern mit mehr Geld können die Kinder mehr fördern lassen, das hilft aber nur über evtl. kurze Phasen hinweg, Leben muss das Kind später auch selber.
Luise am 28. August 2007 00:20 Und oft haben Kinder, die sich was selber erarbeiten und erkämpfen müssen dann auch mehr Ehrgeiz im späteren Leben und bringen es dann oft zu mehr. Kenne da selber etliche Beispiele.
Wieselchen1 am 28. August 2007 08:07 Die Problematik sehe ich ich weniger im Geldbeutel sondern mehr in sozialen Gefüge. Habe mit meinem ersten Sohn lange Zeit in sozialen Brennpunkten leben müssen, weil andere Wohngegenden einfach zu teuer für uns waren. Ich stellte fest, dass er sich anfing zu schämen, dass er aufs Gymnasium ging, nicht nur wegen seiner Kumpels aus der Straße, die größtenteils auf der Hauptschule vor sich hin gammelten, sondern auch in Hinsicht auf seine Klassenkameraden, die alle samt und sonders aus gut situierten Familien stammten und mehr Geld für Kleidung, Kino, Hobbys zur Verfügung hatten.
Es war keine leichte Zeit für uns alle. Es wurde erst besser, als er nach der 10. Klasse vom Gymnasium abging und aufs Berufskolleg wechselte. Hier sind Kinder, die aus der gleichen finanziellen und sozialen Schicht wie er stammen, sprich kein Geld, aber ambitioniert. Hier baut er gerade sein Fachabi im medizinischen Bereich, und das gar nicht mal schlecht....
Luise am 28. August 2007 18:36 Er macht seinen Weg, kannst stolz auf ihn sein. Und wenn er studieren will, dann macht er das auch bestimmt.
Leider haben Sozialschwache oft auch ein Bildungsdefizit, das bereits in der frühkindlichen Entwicklung (Sprache usw.) fast zwangsläufig auf ihre Kinder übergeht.
Zunächst kostet dann der Kindergarten, als 1. Grundlage, teilweise so viel, dass diese Bevölkerungsgruppe ihn nicht immer bezahlen kann; es entfällt somit die nicht unwesentliche vorschulische Förderung.
Die Grundschule liegt i.a. nahe dem Wohngebiet (teiweise Brennpunkt!) und bietet somit ein entsprechend unterdurchschnittliches soziales Umfeld mit entsprechend niedrigem Niveau; bei Schulproblemen fehlt es häufig an dringend benötigte Hilfe seiten des Elternhauses.
Der Start in der weiterführenden Schule ist somit in der Tat erschwert u. endet leicht unter Hauptschulniveau.
Während gut situierte Elternhäuser die Freizeit eher mit löblichem Beispiel vorangehend gestalten können, entfallen allein schon mangels pekunärer Möglichkeiten viele sinngebende Beschäftigung in einfachen Familien.
Finanziell Bessergestellte fördern mittels außerschulischem Material (Bücher etc.) u. Aktivitäten (Schüleraustausch od.ä.), eigenem geistigem Potential (dank guter (Aus-)Bildung) od. Nachhilfe (falls Zeit od. Wissen mangeln).
Hartz4 mit rechnerisch nur gut 1€ pro Kind u. Monat für Schulbedarf lässt keine großen Sprünge zu (Ranzen u.v.a. Verbrauchsmaterialen etc. etc.); zudem wurde die Lernmittelfreiheit aufgeweicht, die Kosten dagegen sind stark, nicht zuletzt dank MWSt-Erhöhung, in die Höhe getrieben worden; armes Deutschland, wo sind nur Deine Prioritäten!?!
Schüler-Bafög gibt es erst zur Oberstufe, die aber folgerichtig kaum einer dieser Betroffenen überhaupt erreicht; womit sich das Studenten-Bafög für diese Gruppe erst recht erübrigt.
Zudem verschuldet man sich mit Bafög noch vor Beginn seiner Berufstätigkeit, wobei diese Gruppe es kaum schaffen dürfte, etwas zurückzulegen, um gleich zum Ende der Ausbildung das Darlehen gewinnbringend zurückzubezahlen!
Es sind wohl ganz besonders Begabte, die es unter diesen Bedingungen dennoch schaffen! Ihnen gehört meine ganze Hochachtung.

Das Studium kostet heute schon so viel Geld, dass sich viele es sich nicht mehr leisten können, obwohl es Bafög gibt.
Danke! Ist sicherlich vollkommen richtig, aber mit 100 Euro mehr im Monat ist dieses Problem doch wohl nicht gelöst!
Mit 100 Euro mehr im Monat kann man sich aber evtl. eine Wohnung in einer besseren Wohngegend leisten, in der dann u.U. auch die Schulen ein besseres Bildungsniveau haben, die Freunde einen kleinen Tick ehrgeiziger und evtl. auch mehr Initative in der Jugendarbeit ergriffen wird.
Oder man kann mit 100 Euro monatlich Förderangebote in Anspruch annehmen - oder aber sein Kind in Sportvereinen, Jugendvereinigungen, Umweltschutzvereinen o.Ä., je nach Neigung und Fähigkeiten anmelden.
Das macht schon Etliches aus.
Ja, 100,-- € können manchmal schon Welten bewegen - wenn sie dann für die Kinder angelegt werden...