Frage von AntoniaH1999, 116

Glaubt jeder, der an Gott glaubt, auch an die Schöpfermythen?

Wenn nicht, warum?  

Ich muss eine ArgumentatIon schreiben ob schöpfermythen heute noch eine Rolle spielen und brauche noch ein paar Argumente 

Antwort
von MarkusPK, 41

Das kann ich so nicht sagen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es einen Gott gibt. Was ich mir darunter vorstelle, weicht sicher an vielen Punkten von dem ab, was andere Gläubige meinen, wenn sie über Gott sprechen. Ich halte es in der heutigen Zeit deshalb für äußerst falsch und abseits jeder Religion, Vorschriften darüber zu machen, wie man sich Gott vorzustellen hat oder zu definieren, wer oder was Gott ist. Gott ist undefinierbar und unvorstellbar, also ist auch der Glaube an ihm davon abhängig, was jeder einzelne von uns definieren und sich vorstellen überhaupt KANN.

Aus diesem Grund hat auch niemand das Recht, einen Angehörigen einer anderen Religionsgemeinschaft oder sogar der eigenen als "Ungläubig" oder "Falschgläubig" zu bezeichnen. Man kann nämlich nicht an nichts glauben. Glauben heißt, überzeugt sein, und Überzeugungen jedweder Art sind Grundbestandteil jeder individuellen Identität. Aber glauben heißt nicht wissen: Was man glaubt, muss unüberprüfbar und unwiderlegbar bleiben.

Aus diesem Grund kann man zwar ganz sicher "Falsches" glauben (wenn man zum Beispiel heute noch die Meinung vertritt, dass es keine Evolution gäbe oder dass die Erde eine Scheibe ist - denn dass dem nicht so ist, WEISS man nunmal!), aber man kann nicht "falsch" glauben. Wenn dir jemand sagt, dass du kein wahrer Christ, kein wahrer Muslim oder kein wahrer Jude bist, weil du eben nicht alle Bestandteile dieser Religion strang befolgst und sie auch wagst zu hinterfragen, dann ist genau diese Person der falscheste unter seinen Glaubensgeschwistern. Religion bedeutet Gemeinschaft und darf niemals Ausgrenzung bedeuten - doch leider sind viele Gläubige zu dieser unweigerlichen Erkenntnis nicht bereit. Für sie ist es wichtiger, aufmerksam zu schauen, dass alle Regeln eingehalten zu werden - das ist auch durchaus praktisch, so kann man geschickt die eigenen Fehler verbergen und braucht nicht vor seiner eigenen Haustür zu kehren.

Man kann als Christ, als Jude, als Moslem oder als Angehöriger einer jeden Religion guten Gewissens bestimmte Inhalte aus der Bibel, der Tora, dem Koran oder egal welcher religiösen Schrift durchaus mit Skepsis behandeln, ohne seine religiöse Identität dabei aufzufgeben. Alle Dinge, die MENSCHEN einst in diesen Büchern niederschrieben, sind aus einem ganz bestimmten historischen Kontext heraus entstanden und dürfen deshalb auch nur aus diesem heraus verstanden verden. Als die Schöpfungsgeschichte geschrieben wurde, wussten die Menschen nichts vom Urknall. Auch von der Evolutionstheorie hatten sie noch nie etwas gehört. Die Schöpfungsmythen sind ein Erklärungsversuch für eine Sache, die damals unerklärbar war. Heute ist unser Wissensstand in vielen Bereichen deutlich höher als damals, und wir können sogar Dinge erklären, die sich unsere Vorfahren noch nicht einmal vorstellen konnten. Wie ein Regenbogen entsteht, wissen wir. Was die Ursache für Blitz und Donner sind, wissen wir. Warum Erdbeben und Vulkanausbrüche geschehen, wissen wir. Und wir wissen sogar, wie die Evolution sich vollzieht - auch wenn wir bislang nur vage Vermutungen haben, wann und wie genau sie begann.

Die Bibel hatte niemals den Anspruch an sich selbst, ein Naturkundebuch zu sein. Sie wollte niemals wissenschaftliche Erklärungen liefern. Was die Kreationisten nicht begreifen wollen: In der Bibel geht es um Ethik. Das ist die Frage: "Wie soll ich mich verhalten?", und zwar aus allen möglichen Betrachtungsweisen heraus. Darin geht es unter anderem um die Würdigung von Gottes Schöpfung (was modern gesprochen die Verantwortung für die Natur und unseren Planeten Erde bedeutet), das Einhalten gewisser Gesellschaftswerte und -Normen für ein friedvolles Miteinander, und auch das Verhalten, wenn einem Unrecht widerfährt. Andere Inhalte behandelt die Bibel nicht. Aber wer danach sucht, kann - und das ist sowohl ihre Stärke als auch ihre größte Schwäche - immer etwas finden, was seine Weltanschauung bestärkt. Leider auch, wenn sie im totalen Widerspruch zur eigentlichen Botschaft der Bibel stehen und man sie missbrauchen kann, um alle möglichen Gräueltaten den Anstrich von Legitimität und sogar Notwendigkeit zu verleiehen.

Zurück zur Schöpfungsgeschichte: Ich persönliche verstehe sie und vor allem die des Sündenfalls als eine metaphorische Aitiologie (Ursprungsgeschichte) über den Sinn und Zweck von Regeln und der wichtigsten Botschaft Gottes an uns: Ich liebe Euch, aber für euer Tun und Handeln seid ihr selbst verantwortlich. Und es ist eine Kritik am menschlichen Wesen: Auch wenn er selbst keine Sorgen und Nöte hat und im Paradies lebt, wo es ihm an nichts fehlt, kann man den Menschen verführen und seine Begierde nach Verbotenem wecken. So sind wir eben. So hat Gott uns geschaffen. Ooder etwas moderner gesagt: so wurden wir eben über Jahrmillionen durch die Evolution geformt und geschmiedet.

Antwort
von Andrastor, 59

Nicht zwingend. Es gibt Menschen die an verschiedene Götter glauben, aber nicht an deren Schöpfungsmythen und es gibt Menschen die sich ihre ganz eigenen verkorksten Götter und Schöpfunfsmythen zusammenspinnen.

Expertenantwort
von adabei, Community-Experte für Schule, 48

Nein, selbst in der Kirche interpretiert man die Schöpfungsgeschichte schon  als Mythos und sieht schon lange keinen Widerspruch zwischen "Schöpfungsmythos" und "Evolutionslehre" mehr.
Nur die Kreationisten (mehrheitlich in den USA zu finden) glauben wortwörtlich an die Erschaffung der Welt durch Gott in sieben Tagen vor etwas 3500 Jahren.
Leider breiten sich solche Irrmeinungen auch in Deutschland aus. Es gibt sogar Schulen und Biologielehrer, die einen solchen Unsinn verbreiten.

Kommentar von Giustolisi ,

Nein, selbst in der Kirche interpretiert man die Schöpfungsgeschichte schon  als MythosDadurch wird dann die ganze Kreuztodnummer zum Mythos, denn ohne Schöpfungsgeschichte gibt es keine Erbsünde, für die ein Messias hätte sterben können.

Antwort
von TUrabbIT, 64

Nicht zwingend bzw. in der Ausprägung variierend.

Nicht jeder glaubt daran und wenn sind die genauen Vorstellungen verschieden.

Antwort
von TimeJason, 55

Es gibt sogar zwei Schöpfungsmythen in der Genesis die Unterschiede aufweisen. Siehe

http://atheismus.ch/03_argumente/02_gegen/die_bibel/es_gibt_zwei_widerspr%C3%BCc...

Das heißt, selbst die Kirche ist sich nicht genau einig über die Schöpfungsmythen und kennt die Widersprüche. Daher glaube ich nicht wenige zweifeln an dieser Darstellung!!

Antwort
von Karl37, 16

Die Bibel muss man immer im Kontext zur der Zeit lesen. Aus diesem Grund redete gerade Jesu mit Gleichnissen.

Bei der Genese stellt sich das Problem, wie beschreibt man die Schöpfung einem Analphabeten, den der damalige Mensch in seiner übergroßen Mehrheit war? Natürlich in für den Menschen überschaubare Zeitabschnitte und das war der Tag. Nur ganz große Dummköpfe interpretieren daraus, dass der göttliche Tag der dem des Menschen entspricht.

Erstaunlich finde ich aber das zu Beginn ein "nichts" war und das steht ganz im Sinne moderner Astrophysik.

Kommentar von Giustolisi ,

Erstaunlich finde ich aber das zu Beginn ein "nichts" war und das steht ganz im Sinne moderner Astrophysik.



Wer behauptet denn, dass am Anfang nichts war? Richtig ist dass man einfach noch nicht weiß, was am Anfang war.

Antwort
von Halbkornbrot, 47

Nein das tut nicht jeder, die meisten Christen sehen die Schöpfungsmythen in der Bibel heute als Metaphern und nicht mehr als eine historisch korrekte Wiedergabe der Ereignisse.   

Kommentar von Giustolisi ,

Wenn der Schöpfungsmythos eine Metapher ist, sind Adam und Eva eine Metapher. Sind Adam und Eva eine Methapher, ist die Erbsünde eine Methapher. Ist die Erbsünde eine Metapher, war der Kreuztod sinnlos, oder ist auch nur eine Metapher. Wie man sieht, fällt das Kartenhaus zusammen, wenn man unten eine Karte weg zieht.
Die meisten Christen haben das aber eh nicht zu Ende gedacht.
Die Wenigsten haben überhaupt die Bibel gelesen. Für sie ist die Bibel wie eine Softwarelizenz oder eine AGB. Sie lesen nicht, sondern scrollen nur nach unten und klicken auf Akzeptieren.
Das ist als ob man seine Seele verkauft, aber den Vertrag nicht liest.

Antwort
von Aleqasina, 51

Es wäre sinnvoll, zu kären, was für dich bzw. im Sinne der Schulaufgabe "glauben" heißt.

Antwort
von SibTiger, 25

Nein, man muss nicht unbedingt an den Schöpfungsmythos glauben, wenn man an Gott glaubt.

Im Deismus beispielsweise geht man eher davon aus, dass Gott ursprünglich hinter der Entstehung von Zeit und Raum steht, und sich dann aber nicht (oder fast nicht) mehr in das weitere Geschehen im Universum einmischt. Selbst mit der Entstehung der Erde oder des Lebens auf der Erde hätte Gott dann wenig zu tun. 

Man muss als naturwissenschaftlich denkender Mensch schon einen ziemlichen Spagat machen, um den Glauben an Gott ins 21. Jahrhundert zu übertragen, aber Sport ist ja gesund, auch wenn die Übungen schwierig sind ;-)

Antwort
von Raubkatze45, 38

Grundsätzlich wissen Christen, dass die Bibel kein naturwissenschaftliches Buch ist, sondern ein Glaubensbuch. Als solches will es vermitteln, dass Gott die sichtbare und die unsichtbare Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat. Die Genesis berichtet davon in "Mythen", d.h. einer bilderreichen Sprache nach damaliger Vorstellungswelt. Dabei stehen die Schöpfungstage für eine lange Zeit der Entwicklung.

Gott ist nicht an Zeiten gebunden, er ist immer ganz Gegenwart und die Entwicklung der Welt, des Kosmos, der Menschen in Milliarden von Jahren ist für Ihn nur ein Augenblick.

Wer an Gott glaubt, sieht ihn auch als Schöpfer allen Seins, aber die Art und Weise, wie und in welchem Zeitraum Gott seine Werke gestaltet und vollendet, ist dabei ohne Belang.

Kommentar von earnest ,

Der letzte Absatz stimmt so nicht.

Ich kenne Christen, die gleichzeitig die Evolution für eine Tatsache halten. 

Und bitte komm jetzt nicht und sage: "Das sind dann aber keine Christen!"

Antwort
von LuckSub, 66

Nein, bestes Beispiel hierfür ist eine Person aus meinem Umfeld, die an Gott glaubt, aber gleichzeitig an die Evolution des Menschen.^^

Kommentar von adabei ,

Das ist der Normalfall.

Kommentar von LuckSub ,

Sag das mal den meisten Moslems. xD

Kommentar von earnest ,

"Fundis" und "Normalfall" ist ja auch ein Widerspruch in sich selbst.

Antwort
von Panazee, 33

Nicht zwingend. Es kommt darauf an an welche Art von Gott man glaubt. Im Christentum oder dem Islam ist die Erschaffung des Universums durch Gott untrennbar mit dem Glauben an diesen Gott verbunden.

Es gibt aber viele andere Arten des Glaubens. Pantheisten müssen nicht zwingend daran glauben, dass Gott alles geschaffen hat. Die glauben halt, dass Gott in allem ist.

Gott ist halt ein etwas vager Begriff.

Antwort
von Giustolisi, 23

In Bezug auf die christliche Religion kann ich da weiterhelfen.

Viele Leute meinen Christen zu sein, glauben aber nicht an die Schöpfungsgeschichte. Diese Leute haben das aber nicht zu Ende gedacht.

Wer die Schöpfungsgeschichte ablehnt, lehnt damit auch die Existenz von Adam und Eva ab.

Ohne Adam und Eva gibt es keine Erbsünde, denn laut der Bibel hat Gott die beiden rein gelegt, um den Tod in die Welt zu bringen.

Ohne Erbsünde hätte es nie eine Vergebung der Erbsünde gegeben, der Kreuztod wäre unnötig gewesen und das Kartenhaus fällt zusammen. Man muss also schon den ganzen Blödsinn glauben, oder man kann es auch bleiben lassen.

Der Schöpfungsmythos ist also notwendig, um viele der Glaubensinhalte aufrecht erhalten zu können.

die meisten Christen sind aber Rosinenpicker und suchen sich die netten Glaubensinhalte aus und ignorieren den Rest, ob das nun Sinn ergibt oder nicht. Wie die das im Kopf zusammen bringen, kann ich aber nicht beantworten.

Antwort
von earnest, 24

Nein, Schöpfungsmythen sind nur noch bei Kreationisten und Fundamentalisten im Schwange.

Und dann gibt es natürlich noch Indifferente, die sagen: "Man kann ja nie wissen ..."

Gruß, earnest


Antwort
von AnnaMariaW, 44

nicht viele.

Ich zb nicht

aber andere schon es ist jedem so überlassen wie er es glaubt und an wen warum es so unterschiedliche gibt.

Antwort
von fricktorel, 21

Sagen wir mal so: Ich "glaube" Gott und weiß, dass er (durch Seinen Sohn - Kol.1,15-16) alles erschaffen hat, so wie es geschrieben steht (1.Mose 1,3-2,2; Joh.17,17).

Kommentar von earnest ,

Du weißt das nicht, du glaubst das nur.

Kommentar von Giustolisi ,

Wieder ein Gläubiger, der Wissen mit Glauben verwechselt. Das kommt in letzter Zeit oft vor.

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