Frage von RollerSchieber, 79

Glaubt ihr es existiert eine Art Karma tatsächlich?

Was haltet ihr von der Existenz dieses Karmas? Karma bedeutet in meinem Sinne: "Alles was du tust, ob gut oder böse, für alles bekommst du die Quittung".

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von eddiefox, 20

Hallo,

das Konzept des Karma hat eine positive Seite, die für mich heisst: tue besser etwas Gutes. Das ist für alle gut, auch für mich. 

Aber es könnte auch in die andere Richtung gedacht werden: dem Menschen X ist etwas Schlechtes oder Schlimmes geschehen. Also hat er früher mal was Schlechtes getan; es geschieht ihm nur recht. Er ist selbst Schuld. Das wäre victim blaming. Da kann ich nicht mitgehen.

Noch schlimmer fände ich, wenn Karma noch in Verbindung des Glaubens an die Wiedergeburt gesehen würde, denn dann könnte (würde?) man sagen, dass der Mensch, dem Unglück oder Schlimmes widerfahren ist, an seinem Unglück selbst Schuld ist, denn in einem früherem Leben hat er mal gesündigt.

Diese Haltung fände ich empathielos, verantwortungslos. Wieder victim blaming, nur auf einem noch höheren Niveau.

Damit könnten ganze Völkermorde "begründet" werden. (Die Mitglieder des Volkes X waren in früheren Leben böse gewesen, also trägt das Volk die Schuld seiner Extermination.)

Der Karma-Gedanke könnte in dieser Weise bis zum Schlimmsten instrumentalisiert werden. Die (naheliegende) Möglichkeit dieser Instrumentalisierung finde ich gefährlich.

In wieweit die Anhänger oder wie viele Anhänger des Karma eine Selbst-Schuld oder geschieht-dir-recht Haltung einnehmen, weiss ich nicht, ich habe sie jedenfalls bei Anhängern schon angetroffen.

Mir persönlich gefällt die Idee nicht, ich lehne sie ab.

Gruss

Kommentar von RevatiKKS ,

Wenn man Karma wirklich versteht, dann begeht man diesen Fehler "Bist ja selbst schuld" eher nicht. Denn die karmischen Verknüpfungen sind so weit verzweigt, dass man sie kaum durchschauen kann. So kann es durchaus möglich sein, dass mein Karma mit dem Karma der Person verbunden ist, die ich gerade leiden sehe. Dass ich Mitgefühle zu lernen habe und es meine Aufgabe wäre zu helfen. Und wenn ich nicht helfe, dann werde ich später einmal in einer ähnlichen Lage sein um genau diese Erfahrung zu machen - wie es ist, wenn mir nicht geholfen wird. 

Das schlechte Karma eines ganzen Volkes kann auch durch etwas anders als Krieg bereinigt werden. Ich denke da an Naturkatastrophen Epedemien u.ä. Es liegt immer an den Menschen selbst, wie sie handeln bzw. reagieren. Ursachen für Kriege sind in der regel eher handfeste finanzielle, wirtschaftliche Interessen. ich habe noch niemals gehört, dass ein Krieg oder ein Völkermord damit begründet wurde, dass es das Karma dieses Volkes sei.

Karma dient in erster Linie dazu, etwas zu lernen, nämlich "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu". Und leider lernen die meisten erst aus eigener Erfahrung. Da meisten Menschen nichts über Karma wissen, werden karmische Reaktionen dann als Strafe empfunden. Aber wie nachsitzen oder "Strafarbeiten in der Schule dient auch Karma in erster Linie dazu, uns eine Lehre zu erteilen, die wir andernfalls nicht akzeptieren würden.

Antwort
von Enzylexikon, 17

Ich bin Buddhist und habe mich letzte Woche schon einmal zu einer ähnlichen Frage geäußert, bei der es ebenfalls um Karma ging.

https://www.gutefrage.net/frage/glaubt-ihr-an-sowas-wie-karma?foundIn=list-answe...

Für mich bedeutet Karma, dass jede Handlung auch eine Folge hat. Diese kann sich dann womöglich auch auf mich auswirken, das ist nicht immer ganz klar.

An eine Art moralisches "Vergeltungsprinzip", bei dem gute Taten gewissermaßen belohnt und böse bestraft werden, glaube ich nicht.

Kommentar von Enzylexikon ,

Ich erzähle auf gutefrage immer gerne mal folgende erfundene Geschichte, um deutlich zu machen, wie es funktionieren könnte:

Der mir unbekannte Mann A rempelt mich aus Unachtsamkeit auf der Straße an. Ich werfe ihm daraufhin eine Beleidigung an den Kopf.

Diese Person ist vorher schon zu spät aufgestanden, ist jetzt furchtbar in Eile und bereits durch Hektik und Stress genervt.

Meine Beleidigung bringt bei ihm das Fass zum überlaufen.

In seiner Firma sagt er seinem despotischen Chef endlich mal rundheraus, was er von ihm hält - und bekommt eine fristlose Kündigug.

Der Mann geht in die nächste Kneipe und lässt sich volllaufen. Spät am Abend verlässt er das Lokal und fährt völlig betrunken los.

Dabei überfährt er eine junge Frau, die zu ihrer Nachtschicht wollte. Der Mann begeht aus Panik trotz Zeugen sogar Fahrerflucht.

Zuhause angekommen beichtet er seiner Frau den Rauswurf, die ihm daraufhin Vorwürfe macht und ihn ebenfalls beleidigt.

Er greift zu einem Küchenmesser und sticht zunächst seine Frau ab, bevor er sich mit seinem Jagdgewehr selbst erschießt.

Die Bilanz dieses Tages:

Drei Tote, traumatisierte Augenzeugen, Arbeit für die Polizei und trauernde Angehörige - eine tragische Geschichte.

Der eigentliche Auslöser war meine Beleidigung, als Reaktion auf seine unabsichtliche Rempelei auf der Straße.

Hätte er eine friedlichere Person angerempelt, wäre der Tag für ihn und seine Mitmenschen womöglich völlig anders verlaufen.

In diesem Fall hat meine scheinbar belanglose Beleidigung (Karma des Wortes) zu einer grausamen Handlung (Karma der Tat) geführt.

Weshalb war ich aber so gereizt, dass ich diesen armen, gehetzten Mann so unangemessen unflätig behandelt habe?

Gab es da womöglich auch den Einfluss des Karma, so dass man die Verantwortung für sein Handeln weiter abwälzen kann?

Nun, Karma mag wie ein Schwanz ohne Ende erscheinen, aber wir sind nie passive Opfer, sondern können jederzeit den Verlauf ändern.

Wenn wir achtsam genug sind, kann es uns sogar gelingen, ein Verhalten zu entwickeln, dass Leiden verringert.

Es ist jedenfalls aus buddhistischer Sicht nicht möglich, sich einfach darauf auszuruhen "Das ist halt mein unabwendbares Schicksal".

Denn wie gesagt, mag das Karma vergangener Handlungen zwar einen Einfluss auf uns haben - es ist aber nicht unabwendbar.

Antwort
von Schwoaze, 17

Ich hab keine Ahnung.

 Interessanterweise gibt es dieses Verständnis von der Abrechnung für seine Taten nach dem Tode bei vielen Kulturen auf der Welt. Ob da was dran ist oder nicht... die, die es wissen können es uns nicht mehr erzählen.

Antwort
von nowka20, 11

---das karmagesetz ist ein universelles gesetz, unter dem jedes wesen steht.
karma bedeutet, da jede tat, aber auch wirklich jede tat auswirkungen hat, die auf den verursacher zurückfallen und dort etwas bewirken.

---aus den folgen lernt dann der mensch, was er hätte besser machen sollen, damit dann die folgen nicht wieder so weh tun, wie das letzte mal.

---das gilt natürlich auch für taten an anderen menschen, die erst im nächsten leben gesühnt werden können, die in diesem leben die umstände nicht ausreichen.

---das karmagesetz vergißt nie. es hat den sinn, den durch eine böse tat heruntergesunkenen wert des menschen durch eine gegentat wieder auf das alte niveau zu bringen, damit der mensch weiter an seiner vollkommenheit arbeiten kann.

Antwort
von RevatiKKS, 6

Ja, genau so funktioniert Karma. 

Und wenn es kein Karma gäbe, wenn wir also nicht gezwungen wären, aus den Resultaten unserer Handlungen zu lernen, dann sähe es in unserer Welt noch viel schlimmer aus. 

Denn es gäbe keine Menschen, die aufgrund meist unbewusster Erinnerungen an frühere Reaktionen auf eigene Handlungen ihre eigenen egoistischen Interessen zurückstellen und auch das Wohl anderer im Auge habe.

Das Wissen über Karma sollte uns nicht zu der Einstellung verleiten: "Lass ihn doch leiden das ist halt sein Karma". Denn wenn wir dies tun, dann beweisen wir damit nur, dass wir Karma nicht wirklich verstanden haben.  Denn erstens könnte es unser Karma sein, dass wir dieser Person helfen sollten. Und zweitens hätten wir nach dem Karmagesetz einen persönlichen Vorteile davon, wenn wir helfen würden.

In der Bhagavad-gita wie sie ist, Kapitel 6, Vers 40 heißt es dazu:

Der höchste Herr sagte: O Sohn Prthas, ein Transzendentalist, der 
glückverheißenden Aktivitäten nachgeht, wird weder in der materiellen noch in der spirituellen Welt vergehen; wer Gutes tut, Mein Freund, wird niemals vom Bösen besiegt.

Aber es gibt auch einen Vorgang (Bhakti-Yoga), durch den man von allen karmischen Reaktionen frei werden kann. Und das ist unser eigentliches Ziel. Denn sowohl positives als auch negatives Karma binden uns an den Kreislauf von Geburt und Tod, da wir in jedem Fall die Ergebnisse unserer Handlungen zu "genießen" haben.

Hier kannst du mehr darüber nachlesen:  http://www.prabhupada.de/bg/Prabhupada%20-%20Bhagavad-gita%20Wie%20Sie%20Ist.pdf

Antwort
von sgn18blk, 14

Angenommen man übersetzt Karma so.. "Jeder bekommt am Ende das was Er verdient" dann würde ich diese Art "Karma" auch unterstützen.

Wenn man schlechte Taten begeht und dafür nur schlechtes zurückbekommt oder auch umgekehrt (gute Taten, man bekommt gutes zurück), dem kann ich irgendwie nicht zustimmen. Es gibt mit Sicherheit Menschen, die viel gutes taten aber dafür etwas schlechtes zurück bekommen haben.

Ich hoffe Du verstehst mich.

Trotzdem kann dieser Satz nicht jedem Menschen gelten. Viele Menschen bekommen "in so einer Welt" nicht mal die Chance wirklich zu leben.

Antwort
von DerBuddha, 12

nein ist quark, denn sonst müsste ja irgendjemand existieren, der für alles zuständig wäre..............ausserdem bedeutet es auch, dass niemand einen freien wille hätte, der ja in den religionen eine große rolle spielen soll.................

UND gut/böse ist immer nur RELATIV, also überhaupt nicht wirklich katalogisierbar.......... was du für böse hälst, ist für andere gut........... wir finden menschen z.b. schlimm und böse, wenn sie hunde essen, in asien ist das völlig normal............schweine sind für muslime verboten, kühe erlaubt, im hinduismus genau umgedreht.......also WIE willst du dann gut/böse katalogisieren und somit für ALLE verbindlich machen?..geht gar nicht..............

religionen und sämtliche religiösen glaubenstheorien sind nur vom menschen selbst erfunden worden und real nicht wirklich existent......:)

Kommentar von RollerSchieber ,

Ich meine nicht religiöse Gesetze sondern Menschliche. Wenn du einem anderen etwas böses tust, ihn beklaust zb

Kommentar von DerBuddha ,

selbst "böse" dinge wären RELATIV...........

in den alten natur-kulturen war diebstahl eine prüfung für heranwachsende, die dann in den kreis der krieger aufgenommen wurden...............oder viele haben sich ihre frauen aus anderen sippen geraubt............

und diebstahl ist in vielen ländern überlebensnotwendig, denn sonst würden ganze familien verhungern, wie wird dass dann gewertet, wenn es karma geben soll.............wird man dann bestraft, weil man was gestohlen hat, nur damit die kinder dann nicht hungern müssen oder wird man dann bestraft, weil man seine kinder verhungern lässt, nur weil man nicht stehlen will?.............

das leben selbst widerlegt jeden tag sämtliche schönen glaubensmärchen............:)

Antwort
von Dhalwim, 2

Hallo RollerSchieber,

Nein, Ich glaube nicht daran, es gibt vielleicht die "Reziprozität", sprich die "Wechselseitigkeit", oder "Gegenseitigkeit", aber das war's auch schon.

Und zu 100% gerecht ist wenn schon denn schon nur der tod (wobei's den so gesehen ja auch nicht wirklich gibt).

LG Dhalwim

Antwort
von AaronMose3, 5

Karma beschreibt das universelle Prinzip von Ursache und Wirkung.

Was passiert wenn du auf eine heiße Hertplatte fasst ? 

Genau. Du verbrennst dich. 

Damit ist die Frage beantwortet.

Antwort
von derMannohnePlan, 2

Ich finde hier ist es ganz gut erklärt:

Antwort
von JanfoxDE, 9

Das Grundprinzip von Karma ist ja eher, das wenn du z.B. einen ein den Bein stellst, das dir irgendwann genau das selbe (oder schlimmeres) passiert. 

Was aber mit der LOGIK nicht vereinbar ist, wie soll den der "andere", der dir dann den Bein stellen würde, wissen, das du diese Tat je gemacht hast?

Wenn es ein Beinsteller geben würde (und oft relativ spät), der dann an Person 1 (Beinsteller 1) das Bein stellt, dann wäre das ,,Zufall", gesteuert vom freiem Wille des Menschen.

 

Antwort
von Mira1204, 22

Ich glaube tatsächlich daran, dass es Karma gibt. Sieht man an meinem Ex :) Daher versuche ich so ehrlich und hilfsbereit durchs Leben zu gehen wies nur geht.

Antwort
von josef050153, 2

Neulich habe ich einen Nagel in die Wand geschlagen und mir auf den Daumen gehauen. Es hat sofort weh getan. Das muss ja wohl Karma sein!

Antwort
von Fantho, 16

Kurz erklärt:

Das Karmagesetz ist das Gesetz von Ursache und Wirkung und wirkt in allen Bereichen des Lebens hinein. Jede Tat (wie auch jede Nichttat), jedes Wort, jeder Gedanke erzeugt eine Wirkung.

Diese Wirkung tritt zumeist nicht sofort ein, sondern kann wesentlich später erfolgen, sodass man sehr oft keinen Rückschluss auf die Ursache mehr anstellen kann. Darin liegt der Schwierigkeitsgrad: In der Erkenntnis von Ursache und Wirkung, in der Erkenntnis vom Gesetz des Karma.

Und:

Auch in der Physik ist dieses Gesetz von Ursache und Wirkung bekannt - unter dem Begriff Kausalität

Gruß Fantho

Antwort
von Nube4618, 12

Ich glaube, es glaubt halt jeder was er will, und zu wissen was Hinz und Kunz glaubt hilft ja nicht wirklich, oder. 

Dennoch: Wiedergeburt und Karma erscheint mir irgendwie schon plausibel zu sein, wäre sicher kein Fehler der Natur, würde sie es so handhaben. 

Antwort
von grubenhirn, 18

Mit meinem Weltbild ist die Idee des Karma nicht vereinbar.

Denn es impliziert, dass man einen freien Willen habe. Die Annahme eines freien Willen führt aber - meiner Erkenntnis nach - nur zu Widersprüchen.

https://www.gutefrage.net/frage/ist-meine-religion-der-pascalismus-in-sich-wider...

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