Glaubt ihr das der Buddhismus auch in Westeuropa anklang findet?

... komplette Frage anzeigen

9 Antworten

Ich selbst bin Buddhist und werde versuchen, dir diese Frage zu beantworten.

Einerseits bin ich der Ansicht, dass der Buddhismus über Aspekte verfügt, die ihn für moderne, westliche Menschen attraktiv machen.

Andererseits wird er aber auch missverstanden, so dass es falsche Vorstellungen gibt, was den Buddhismus eigentlich ausmacht.

Positive Aspekte

Dadurch, dass es im Buddhismus keinen Gott, keinen Propheten, keine göttlichen Gebote und keine Sünde gibt, ist das subjektive Freiheitsgefühl größer.

Dem Buddhismus zufolge ist der Mensch selbst für seine Befreiung verantwortlich, damit fühlt man sich weniger als Sklave einer höheren Instanz.

Der Buddhismus lehrt, dass innere wie äußere Ausgeglichenheit von Bedeutung sind - in unserer hektischen Zeit eine angenehme Aussicht.

Negative Aspekte

Missverständnisse: Wiedergeburt ist keine Seelenwanderung und Karma ist kein Vergeltungsprinzip. Beides wird häufig missverstanden.

Die zentrale Lehre, dass Leben immer mit Leiden verbunden ist, vermittelt kein Wohlbefinden - auch wenn es den Weg hinaus geben soll.

Da es dort keinen Gott gibt, existiert auch keine tröstende Instanz und keine Vergebung. Man ist immer für sein Handeln voll verantwortlich.

Missverständnisse und Leistungsdenken führen zur Vorstellung, in der Meditation ginge es darum, den Menschen "besser" zu machen

Ergebnis

Im Idealfall ist ein Buddhist ein Mensch, der sich selbst erforscht, seine Fehler erkennt, weniger egoistisch ist und die Verantwortung für sein Leben übernimmt.

Im "Worst Case" flüchtet sich der Mensch in Exotik, hofft auf gutes Karma und bessere Wiedergeburt und betreibt keine Religion sondern "Asia-Wellness".

Schlussfolgerung

Richtig verstanden stellt der Buddhismus genau so Ansprüche an den Menschen, wie andere Religionen auch und ist nicht gänzlich beliebig. Er ist keine Wohlfühl-Religion für Gestresste.

Einige Konzepte, wie die Lehre, es gäbe kein festes "Ich", kein ewiges Selbst und letztlich sei die Realität eine Projektion unseres Geistes sind schwer fassbar und für Ich-zentrierte Menschen nicht leicht verständlich.

Wer wirklich "Buddhist" werden will, der sich einer bestimmten Tradition zurechnet, muss sich mit vielen verschiedenen Lehren befassen- wer diesen Aufwand scheut, bleibt in Oberflächlichkeiten stecken.

Antwort

Ja, der Buddhismus findet auch im Westen Anklang, wird jedoch häufig nicht umfassend genug verstanden und es bleibt daher oft beim Eindruck einer exotischen Lehre.

Dabei kann er dem modernen Menschen  durchaus eine  Perspektive bieten - wie andere Religionen auch. Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Bei einigen schon... aber die ziehen dann oft nach Asien....

Religionen entstehen im Umfeld ihrer "Anhänger" und sind oft auf deren Lebensumstände angepasst. Werden sie an anderen Orten ausgeübt, gibt es meist Probleme, auch  manchmal mit der "ortsüblichen Religion" oder der Nachbarschaft.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

der Buddhismus ist seit dem 19.Jahrhundert in Deutschland heimisch: zuerst durch die Pali-Übersetzer Neumann, Grimm, Oldenberg und Dahlke, die unter Intellektuellen (zb Nietzsche, Wagner, Hesse, Mann) grossen Anklang fanden, und die auch Laienorgs initiierten (Seidenstücker, Grimm)

Umgekehrt halfen deutsche Buddhisten wie Nyantiloka, den Altbuddhismus auf Sri Lanka wiederzubeleben und die Schriften des Tipitaka (Dreikorb - Palikanon) zu retten, die später von der Pali Text Society in England komplett neu herausgegeben und gedruckt wurden.

Stand 2016 REMID e.V. geschätzt ca 0,6 Mio Buddhisten in Deutschland.

Die Deutsche Buddhisten Union DBU hat 27 Mitgliedsorgs bzw Mitgliedsgruppen der verschiedensten Traditionen: von Theravada, und tibetischen Orden bis Zen und Nichiren-Orgs. Die wohl stärkste Laien-Einzelorganisation ist Soka Gakkai, die sich besonders durch gesellschaftliche Aktivitäten hervortut.

etwas veraltete Wiki:

https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus\_in\_Deutschland

und für Europa:

https://de.wikipedia.org/wiki/Buddhismus\_in\_Europa


Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nein, da die meisten in Europa christlich sind und die Eltern ihren Kindern meistens auch in das Christentum führen oder zwingen. Außerdem müssten noch viele Glaubenshäuser gebaut werden.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Blueman66
02.06.2016, 12:56

Aber natürlich gibt es auch in Europa einige

3

Nein, denn der "Gott dieser Welt" (2.Kor.4,4) hat "seine Kirche" (Offb.12,9), die er in Europa wirken lässt (Offb.17,4-5).

Doch nicht mehr lange (Offb.17,15-18; 20,2).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Findet er ja schon zum Glück :) Begründung ist, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die für sich selbst frei sein wollen oder das Gefühl davon leben möchten, ein Individuum zu sein und nicht nur ein Rädchen im System

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Nicht unbedingt in der breiten Masse,a ber er hat doch seine Anhänger!

Kenne über meinen Verwandten, Buddhist, etliche weitere aus diversen Nationalitäten.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Deine Frage, liebe khancha, springt m.E. entschieden zu kurz:

Da DU schon eine Begründung verlangst, meine ich, auch eine von Dir verlangen zu dürfen:

WARUM stellst Du eine offensichtliche Frage? - Es ist doch klar, dass der B. in W.E. Anklang findet - ich bin bspw. Buddhist, Enzylexikon ist es... es gibt eine "buddhistische Union Deutschland" usw. usw.

Damit ist die Antwort JA doch schon von vorneherein klar!

Oder meintest Du etwas anderes mit Deiner Frage? - Etwa das, was Dir Enzylexikon schon beantwortet hat...?

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?